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Wirtschaft und Arbeit aus sozialer Verantwortung

Langgöns | Horst Nachtigall, Spitzenkandidat der SPD für die Kreistagswahl, war in die Burgschenke in Niederkleen gekommen, um aus seiner Erfahrung als Rechtsanwalt im Arbeitsrecht, der sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer vertritt und als Politiker über das Thema Arbeit zu sprechen. In den letzten 20 Jahren habe sich ein völlig anderes Bild der Arbeit ergeben. Jeder Arbeitnehmer müsse sich auf diverse Berufs- und Arbeitsplatzwechsel einstellen. Während früher zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gegenseitiger Respekt bestanden habe, sei das heute anders. Zwischen Wirtschaft und Arbeit gebe es ein Austauschverhältnis, der Arbeiter gibt seine Arbeitskraft und erhält dafür eine Vergütung. In dieses Austauschverhältnis passten jedoch Zocker, Wetter und Spieler nicht mehr. Man müsse leider konstatieren, dass die Wirtschaft der Arbeit heute vielfach weder mit Respekt noch mit Fairness begegne. Für den Arbeitnehmer bedeute dies, dass ein Arbeitsplatzwechsel fast immer mit Nachteilen einhergehe. Und der Staat tue nichts dagegen. Als Beispiel führte Nachtigall die Veränderungen in der Leiharbeit an. Vor 20 Jahren noch
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habe es viele Restriktionen gegeben, die den Umfang der Leiharbeit eingeschränkt hätten. Heute gäbe es die kaum noch, und so habe sich Leiharbeit von der Abdeckung von Spitzen zu einem ganz normalen Instrument der Personalplanung und Instrument der Lohnsenkung entwickeln können. Nachtigall zeigte sich erfreut, dass endlich das Bundesarbeitsgericht rechtskräftig dem sog. Christlichen Gewerkschaftsbund AUF DEM Gebiet der Leiharbeit die Gewerkschaftseigenschaft abgesprochen habe. Dieser habe nämlich Tarifverträge mit Niedrigstlöhnen abgeschlossen. Es gebe auch gegenüber früher kaum noch Kontrollen, sodass sich die Missstände immer weiter ausbreiten könnten. Ja, Horst Nachtigall ging sogar soweit, der Politik vorzuwerfen, dass sie sich immer mehr in Abhängigkeiten begeben habe. Das habe leider unter Kanzler Schröder angefangen und dann immer weiter um sich gegriffen. Damit meint er die Tatsache, dass Gesetze nicht mehr in der Verwaltung gemacht werden, sondern von Anwaltskanzleien, die nun mal nicht unabhängig seien. Die Objektivität der Gesetzgebung sei nicht mehr geben. Schwierig sei eine gerechte Lohnfindung. Woran sollten sich Mindestlöhne orientieren? Das Bundesverfassungsgericht hat als Maßstab die Würde des Menschen angegeben, was natürlich nicht gerade ein präziser Begriff ist. In der Diskussion ging es dann um den Wandel in der Arbeitswelt. Der Fortschritt der Technik hat den Wegfall von Arbeitsplätzen gebracht und Nachtigall zeigte sich überzeugt, dass eine Maschinensteuer gut gewesen wäre. Er sieht keinen Mangel an Arbeit, nur gibt es viele Bereiche, in denen niemand attraktive Löhne zahlen will. Auf den Erfolg der Kurzarbeit in der Finanz- und Wirtschaftskrise angesprochen, betonte er, dass dies ein wichtiges Instrument gewesen sei, zudem habe ein Umdenken in der Wirtschaft in Bezug auf Fachkräfte eingesetzt, was ebenfalls geholfen habe.

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.158
Stefan Walther aus Linden schrieb am 27.03.2011 um 17:36 Uhr
Na ja, sind ja ganz nette Erkenntnisse zum Genosse der Bosse und den Auswirkungen der Leiharbeit usw. Aber so als Gesamteinschätzung? Typisch SPD würde ich sagen, das fängt (bei mir) schon damit an, dass es sich nicht vereinbaren lässt Beschäftigte UND Unternehmer rechtlich zu vertreten.

Der Arbeiter gibt (besser verkauft) seine Arbeitskraft und erhält dafür eine Vergütung, erstmal richtig. Nur, auch ohne "Zocker, Wetter und Spieler" erhielt der Arbeiter noch nie den Gegenwert als Lohn für seine geleistete Arbeit! Was ist mit dem Mehrwert, mit dem Profit, den sich jeder(!) Unternehmer aneignet?
Ein "gerechter" Lohn? Was soll das sein? Ich antworte mal mit Marx: "Solange der Lohnarbeiter Lohnarbeiter ist, so lange ist er nicht frei!"
Mehr Lohn (einen "gerechten" gibt es im Kapitalismus nicht) wird immer nur erkämpft werden können, das zeigen auch die aktuellen Streiks.
Der Fortschritt der Technik ist verantwortlich für den Wegfall von Arbeitsplätzen? Nein, das Privateigentum an den Produktionsmitteln ist dafür verantwortlich. Die entwickelte Technik, die ständige Erhöhung der Produktivität pro Arbeitskraft setzt die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit (bei vollem Lohnausgleich!) auf die Tagesordnung, und auch dies wird nur mittels (gewerkschaftlichen) Kämpfen erreicht werden können.
Man könnte noch auf weitere Punkte hier zum durch und durch reformistischen Beitrag eingehen z.B. "kurzarbeit" (wer profitiert, wer bezahlt),... es ist wie immer, die SPD "Der Arzt am Krankenbett des Kapitalismus"
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