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Zum 100. Geburtstag von Max Frisch- Stadttheater zeigt Lieblingswerk des Autors

Entwurf des Bühnenbildes
Entwurf des Bühnenbildes
Langgöns | Das neue Jahr beginnt im Stadttheater Gießen mit einem ganz besonderen Stück. Zum 100. Geburtstag des Schweizer Dramatikers Max Frisch präsentiert man dem Gießener Publikum das wenig bekannte Lieblingswerk des Autors: „Graf Öderland“. Frisch beklagte das Stück als seinen einzigen kommerziellen Misserfolg. Wie auch bei seinen bekannten, oft aufgeführten Werken „Biedermann und die Brandstifter“ und „Andorra“ beschäftigt sich Frisch auch beii "Graf Öderland" mit der menschlichen Natur und deren moralischen Abgründen.

Während einer Einführungssoiree gaben Schauspieldirektor Matthias Schubert, Regisseur Dirk Schulz, Bühnen- und Kostümbildner Bernhard Niechotz und Klanggestalter Fabian Kühlein sowie Mitglieder des Schauspielensembles einen ersten Einblick, was das Premierenpublikum am Samstag dem 08. Januar erwartet.

Die Handlung von „Graf Öderland“ ist sehr komplex und lässt sich schwer in wenigen Sätzen zusammenfassen. Frischs "freundlicher Feind" Friedrich Dürrenmatt meinte, das Stück wolle zu viel auf einmal. Allein 25 verschiedene Rollen gibt es, weshalb die Mitglieder des Schauspielensembles gleich in mehreren zu sehen sind. Dabei dominieren zwei Hauptfiguren und zwei Handlungsstränge, die immer mehr miteinander verwoben werden. Auf der einen Seite steht ein Staatsanwalt (Christian Fries), auf der anderen ein Mörder (Rainer Hustedt).

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Ein Mord ohne Motiv - Gewalt aus dem Nichts - bringt die ach so geordnete Welt des Anwalts ins Wanken. Was trieb einen braven Bankangestellten dazu, offenbar grundlos und ohne Vorankündigung den Hauswart mit einer Axt zu erschlagen? Während einer schaflosen Nacht merkt der Staatsanwalt, dass er immer mehr Verständnis für die unverständliche Tat aufbringt: Mietskasernen, Arbeit am laufenden Band, Uniformen: „Es gibt Augenblicke, da wundert man sich, dass nicht alle die Axt ergreifen.“ Er verlässt sein verödetes Leben und seine Wohnung, zieht los als Legendengestalt „Graf Öderland“ und ermordet mit schwingender Axt jeden, der seinen Weg kreuzt. Doch taugt die Amoralität des Mordens als Mittel zur Befreiung?

Regisseur Dirk Schulz zeigte sich erfreut auf die Anfrage, das ungewöhnliche Stück in Gießen zu inszenieren. Von Frisch ursprünglich als „eine Moritat in 12 Bildern“ konzipiert, hat man sich für eine, ebenfalls von Frisch vorgeschlagene, Fassung in 10 Bildern entschieden. Bei der akkustischen Untermalung habe man sich, so Fabian Kühnlein, größtenteils an die Regieanweisungen Frischs gehalten. Auch das Bühnenbild verspricht interessant zu werden. An den Wänden finden sich überdimensionale Negativ-Portrait-Kollagen, auf denen sich die Besucher der „Langen Theaternacht“, die bei der „Passbilderstellung“ ihr Einverständnis dazu gaben, wieder finden können.

Da die Inszenierung keine langwierigen Bühnenwechsel duldet, hat man sich für einen 25 Meter langen mit weißem Teppich ausgelegten Steg in der Bühnenmitte entschieden. Wie in einem Studiotheater können Wände nach hinten hin geschlossen und geöffnet werden. Bei der Kostümgestaltung sei man realistisch geblieben. Nicht zuletzt boten Christian Fries als Staatsanwalt und Kyra Lippler als seine Ehefrau mit dem Eröffnungsdialog, sowie Rainer Hustedt mit seinem Mördermonolog interessante „Appetithappen“, die Lust auf mehr machten und gespannt auf einen interessanten Theaterabend hoffen lassen.

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von:  Christiane Kowollik

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Christiane Kowollik
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