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Foto- amerikanischer Flieger- im Gemeindearchiv Langgöns

Langgöns | Über Zuwachs der lokalhistorischen Sammlungsbestände aus der jüngeren Geschichte konnte sich jetzt das Gemeindearchiv Langgöns freuen. Der Rabenauer Heimatforscher Horst Jeckel übergab an Diplom-Archivarin Marei Söhngen-Haffer das Foto des Amerikaners John H. Garlent.

Garlent war einer jener Flieger die am 9. September 1944 zahlreiche Züge im gesamten Kreisgebiet angegriffen und beschossen hatten (Wir berichteten ausführlich am 5. August 2006). Dabei kamen alleine bei Odenhausen/Lumda 16 Menschen ums Leben. Drei der amerikanischen Piloten in ihren P 47 Thunderbolt Flugzeugen wurden dabei abgeschossen und fanden ebenfalls den Tod. Garlent bei Langgöns.

Horst Jeckel fand hierzu vor einiger Zeit im Langgönser Archiv ein Dokument des damaligen Bürgermeisters Albert Weil vom 18. September 1944:

An die Fliegerhorstkommandantur Giessen

Feindflieger John H. Garlent, Erkennungsmarke O 680019 T 42 S 43

Der Obengenannte Feindflieger stürzte am Samstag, den 9.9.44 gegen 17.45 Uhr in der Gemarkung Langgöns, 800 Meter südlich Langgöns an der Reichsstraße Nr. 3 ab. Die Leiche des fast vollständig verbrannten
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Feindfliegers wurde am Montag, den 11.09.1944 auf dem Friedhof in Langgöns bestattet. Eine Erkennungsmarke wurde an der Leiche belassen, die zweite Erkennungsmarke in Verwahrung genommen. Wertgegenstände wurden nicht vorgefunden. Todeszeugnis von Dr. med. Schäfer und Rechnungen über die entstandenen Auslagen sind beigefügt.

Weil
Bürgermeister

2ndLt John H. Garlent gehörte der 356th Fighter Group, 360th Fighter Squadron an und wurde am 9. November 1916 in Michigan geboren. Er absolvierte die Hochschule und war dann u. a. Labortechnischer Angestellter. Er trat am 7. April 1942 in Pittsburgh/Pennsylvania ins Army Air Corps ein und ließ sich zum Piloten ausbilden. Am 9. September 1944 starb er bei Langgöns.
In weiteren erhalten gebliebenen Dokumenten vom Fliegerhorst Gießen ist u. a. vermerkt, dass von der Thunderbolt Maschine mit der Nummer 42-22469 ein Film der Bordkamera unter den Trümmern gefunden wurde. Mit Datum vom 12.09.1944 wird der Absturz als solcher bestätigt. Das Flugzeug war durch den Aufprall und das anschließende Feuer vollständig zerstört. Trümmerstücke fanden sich im Umkreis von 50 - 100 Metern direkt neben der Strasse.
Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden Garlents sterbliche Überreste zuerst nach Belgien (Margraten) und dann zurück in die USA gebracht. Heute findet man sein Grab auf dem Evergreen Cemetery in Lansing, Michigan nicht weit von seinen Eltern John E. und Eva Garlent (*1885 + 1959, *1884 + 1961).

Seit über zehn Jahren werden die historischen Dokumente zur Geschichte der Großgemeinde Langgöns mit ihren Ortsteilen zentral im Gemeindearchiv Langgöns im Dachgeschoss des Bauhofes verwahrt. Die Leitung des Gemeindearchivs obliegt der Historikerin und Diplom-Archivarin Marei Söhngen-Haffer. Dieser übergab Jeckel nun im Beisein von Bürgermeister Horst Röhrig das Foto aus dem Jahre 1944. Horst Jeckel: „Ich habe im Laufe der vergangenen Jahre in vielen Archiven eine so tolle Unterstützung bei meinem Recherchen erfahren, dass es längst an der Zeit war mal etwas zurück zu geben. Es hat einige Jahre gedauert das Foto in den USA zu finden. Die Recherchen zu dem Absturz waren mit der Veröffentlichung der Geschichte im August 2006 nicht abgeschlossen. Als ich nun doch noch ein Foto des Fliegers erhielt, war sofort klar dass es nach Langgöns gehört.“ Marei Söhngen-Haffer, die den Aufbau einer Fotosammlung zu den Langgönser Ortsteilen anstrebt, ergänzt: “Eine zentrale Aufgabe des Gemeindearchivs Langgöns besteht darin, das historische Erbe der Gemeinde mit ihren sechs Ortsteilen zu bewahren, in der Gegenwart zu vermitteln und in die Zukunft weiterzugeben“. „Das Foto dokumentiert ein wichtiges Stück der jüngeren Langgönser Geschichte und wird unser Archiv bereichern", bedankte sich auch Bürgermeister Horst Röhrig zusammen mit Marei Söhngen-Haffer bei Horst Jeckel für das Foto und dessen akribische Recherchen zu dem Flugzeugabsturz der sonst wohl der Vergessenheit anheim gefallen wäre. Nach so langer Zeit eine diffizile Aufgabe, schließlich sind 65 Jahre nach Kriegsende bereits viele Erinnerungen verblasst.
Das Gemeindearchiv ist in der Regel montags und dienstags von 8.30 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr nach Voranmeldung per Telefon oder E-Mail geöffnet.

Kontakt: Gemeindearchiv Langgöns, Diplom-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., St.-Ulrich-Ring 13, 35428 Langgöns; E-Mail: m.soehngen@langgoens.de; Telefon 06403/ 928108 oder 9020-0.

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von:  Isabel Haub

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