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Von Politikern und Völkern

von Fokko Bucysam 09.05.2010802 mal gelesen1 Kommentar
Wenn man panische Angst vor einem Flächenbrand hat, sollte man aufpassen, dass man mit Wasser und nicht mit Öl löscht.
Wenn man panische Angst vor einem Flächenbrand hat, sollte man aufpassen, dass man mit Wasser und nicht mit Öl löscht.
Langgöns | Griechenland, das ist das bestimmende Thema in den Medien. Doch ist es nur Griechenland oder die ganze Euro-Zone?

Die führenden Köpfe der Euro-Staaten nickten gestern einen Plan ab, der den Euro stabilisieren und retten soll. Dabei stoßen sie aber, wie es für die Kompetenz der europäischen Politiker allgemein üblich ist, den Spekulanten Tür und Tor auf um den Euro abzuschlachten.

Drei Punkte soll der Plan grob umfassen. Soweit die Gerüchte bis Sonntagmorgen. Schauen wir uns diese Punkte doch einmal an.

1. Die EZB kauft auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen von EU-Staaten, die sich an den Märkten nicht mehr refinanzieren können (z.B. Griechenland, Portugal, Spanien,...).

Das ist die beste Idee seit langer Zeit. Das FED in den USA macht dies schon lange Zeit vor. Die größten Anteile der platzierten Anleihe-Emissionen (T-Bonds) kaufte in der jüngsten Vergangenheit das FED. Manche nennen das Geld drucken und in gewissermaßen ist dies nichts anderes, aber es ist ein Signal und es hat eine Wirkung um die Staaten unkompliziert zu retten.

Die Fragen die sich dabei allerdings stellt ist ganz klar,
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wie wirkt dies auf den Euro. Die bisherige Stabilitätspolitik der EZB war wunderbar und hat in den letzten zehn Jahren dazu geführt, dass der Euro an Vertrauen gewonnen hat. Nach all der Zeit flammt aber das Misstrauen wieder auf. Eine Kehrtwende in dieser Phase könnte das Vertrauen endgültig zerstören.

2. Eine von der EU-Kommission begebene Euro-Anleihe für "notleidende" Staaten mit Garantie der Euro-Länder.

Hier ist dann doch zumindest die Tür aufgestoßen! Eine eigene Euro-Anleihe ist doch für Spekulanten optimal um die ganze Euro-Zone auf einen Schlag zu attackieren. Die Gründe für hohe Zinsen sind offensichtlich.

In der Euro-Zone herrscht eine Unsicherheit. Die starken Staaten können nicht alle Lasten gleichzeitig tragen. Schlussendlich haften die "Rettungsstaaten" für diese Anleihe zu 100%.

Welche Katastrophe es wäre, wenn sich die EU-Kommission nicht so leicht Geld an den Märkten beschaffen kann, muss wohl nicht ausgeführt werden. Es reicht schon, wenn die Unsicherheit durch diese Anleihegarantie auf die einzelnen Staaten durch schlägt.

Deutschland hat ein historisch niedrigen Zinssatz für seine Anleihen. Die Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen. Doch hier könnte die Wende schneller kommen als gedacht. Haftet die Bundesrepublik für die EU-Anleihe, dann müsste sich Deutschland das Geld zur Rückzahlung an den Kapitalmärkten beschaffen. Dieses Geld was dann über die EU-Anleihe zu den Investoren zurück fließt würde Deutschland nicht wieder sehen. Das Loch muss dann über Steuergelder gestopft werden. Und die EU-Anleihe ist gegebenenfalls teuer.

Eine Konsequenz wäre nicht nur langfristig eine noch steiler steigende Verschuldungskurve Deutschlands, sondern auch ein möglicher Risikoaufschlag auf Bundesanleihen. Man muss teure Kredite abzahlen und wird auch die Refinanzierung nur durch neue Schulden schaffen. Das hört sich markttechnisch nach einer Abwärtsspirale an, die je nach Entwicklung der Staatsfinanzen in der Euro-Zone ziemlich schnell zum Strudel werden kann.

Dazu passt übrigens

3. Die Euro-Zone müsste einen Teil von dem durchmachen, was Griechenland jetzt durchmacht.

Es muss für die Griechen wie ein schlechter Scherz klingen, dass ihnen fast der Hals zugeschnürt wird und Portugal sich bequem über eine mögliche EU-Anleihe refinanziert. Sparprogramm? Nein, dafür wird wohl bis Montagmorgen keine Zeit sein, obwohl brauchen wir nicht alle ein bisschen Griechenland?

Frau Merkel dürfte sich ärgern, dass dies gerade am Wahlkampfwochenende Thema ist. Doch sie sagte, dass es um die Stabilität des Euros gehe. Und die Haushaltskonsolidierung der Euro-Staaten soll nun doch schneller gehen. Rosskur aller Griechenland, zumindest in der Light-Version. Alles für den Euro!!

Das dürfte die Masse aller Deutschen egal sein. Griechenland nervte sie schon, wenn jetzt noch alles umgeschmissen würde für den (sowieso nicht beliebten) Euro, dann dürfte sich auch hierzulande der Widerstand á la Griechenland regen.

Wirtschaftsexperten sind sich auch im Großen und Ganzen einig, das Sparprogramm kann Griechenland nicht durchhalten. Es würde das Land von der Rezession in die Depression stürzen. Dann dürften Light-Maßnahmen in der Euro-Zone das zarte Pflänzchen des Aufschwungs wohl endgültig zertreten.

Schon jetzt fehlen der Regierung fast 40 Milliarden als 40.000.000.000€ an Steuergeldern bis 2013. Das ist das dreifache der Einnahmen aus der Tabaksteuer. Die Konsequenz ist also, dass wir entweder das Rauchen ab einem Alter von drei Jahren verpflichtend einführen oder eben auf Steuererleichterungen verzichten und in Zukunft sogar mit deftigen Steuererhöhungen rechnen müssen.

Und warum das alles?

10 Jahre konnte man darüber hinweg täuschen, dass eine Währungsunion ohne politische Union nicht funktioniert. Doch noch immer ist man der Meinung das Unvermeidliche vermeiden zu wollen. Damit folgt grundsätzlich, dass es nur ein schlimmeres Ende nimmt.

Die Situation ist schlimmer als man sich es vorstellen kann. Boulevard-Zeitungen zeigen, dass selbst sie nicht verstehen worum es geht. Sie schreiben von einer "Währungskrise" und die Politiker behandeln diese Krise auch als solche. "Es geht um den Euro!", sagen sie. Wie kleine Kinder klammern sie sich an ihr Spielzeug.

Es ist aber eine "Systemkrise"! Ein System, welches sich selbst auffrisst. Der Fehler, der zu alledem führte, wird hier wieder eingebaut.

Schulden durch neue Schulden refinanzieren. Sparen da, wo nicht gespart werden kann. Sparen durch neue Schulden finanzieren.

Wir befinden uns unweigerlich am Ende der Lebenszeit dieses kranken Systems. Das zeigen hauptsächlich die immer schneller entstehenden Krisen (2000 dotcom-Blase, 2007 subprime-Blase, 2009 Finanzkrise, 2010 Schuldenkrise). Wir speisen dieses System aber weiterhin mit immer mehr Krankheitserregern, statt laut "Stop!" zu rufen und uns auf die Vernunft zu besinnen.

Die Politiker müssen hier, jetzt und heute, endlich begreifen, dass es nicht um den Euro geht, sondern um die Völker Europas!

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 09.05.2010 um 22:28 Uhr
Danke für den wirklich guten Beitrag! Sie haben völlig recht!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Fokko Bucys

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