Bürgerreporter berichten aus: Langgöns | Überall | Ort wählen...

Griechenland und die zwei Gesichter des Mephisto

von Fokko Bucysam 30.04.2010742 mal gelesen1 Kommentar
Die dunklen Wolken könnten nach ganz Europa ziehen!
Die dunklen Wolken könnten nach ganz Europa ziehen!
Langgöns | Die Griechenland-Krise hat Europa voll im Griff. Viele Bürger Deutschlands haben dies womöglich noch gar nicht richtig bemerkt, aber Griechenland ist eine Weggabelung, die sowohl in die eine Richtung, wie auch in die andere Richtung in den Abgrund führt.

Was ist wirklich passiert?

Griechenland soll von den bösen Spekulanten an den Rande des Ruins getrieben worden sein. Das macht einem die Politik rund um Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß. Aber dies ist als Ausrede zu verstehen. Fakt ist, dass keine Spekulant dieser Welt es schaffen kann ein grundsolides Land ins Wanken zu bringen.

Die Politik weiß ganz genau, wenn sie dem Volk sagt, dass es mit seinen Steuergeldern für über die Verhältnisse lebende Griechen zahlen muss, dann wäre schwer was los.

Die Griechen sind zwar nicht ganz unschuldig an der momentanen Situation, aber entgegen einschlägiger Boulevard-Zeitungen in Deutschland sollte man die Situation realistisch und nicht hetzerisch sehen. So sollte man in diesem thematischen Zusammenhang "die Griechen" als die Menschen Griechenlands verstehen, die ihr Volk mit Ouzo, Party und Musik an den Abgrund geführt haben.

Mehr über...
Es ist das Verschulden der Politiker, es versäumt zu haben, das Land im Schutze des Euros nicht auf sich verändernde Marktbedingungen einzustellen. Die Folge ist eine Menge Aufholbedarf, insbesondere bei den Staatsfinanzen und der Wettbewerbsfähigkeit, aus einem Rückstand von über 10 Jahren welcher möglichst in weniger als 10 Monaten aufgeholt werden muss.

Ein 13. und 14. Monatsgehalt und 13. und 14. Monatsbezüge bei Rentnern sind eben nicht zeitgemäß. Steuerhinterziehung und Korruption können einen Staat und eine Volkswirtschaft zerstören. Diese Missstände kann man noch ewig weiterführen, aber diese drei Beispiele machen deutlich wie nachlässig doch die Regierung, die vom Volk gewählten Vertreter, für ihr Volk gesorgt haben.

Die Spekulanten können für diese grundlegenden Dinge nicht zur Verantwortung gezogen werden. Der Brand ist schon viel früher gelegt worden, er wurde missachtet und ist zum Großbrand avanciert und das Löschen wird nur etwas behindert durch Spekulanten, die Marshmallows über dem Feuer rösten.

Im Grunde kann man festhalten, Spekulanten sind da wo es Missstände gibt, weil mit Missständen kann man eine ganze Menge Reibach machen. Aber die hohen Renditen, die Griechenland nicht mehr bedienen kann sind allein die Schuld der Politik, wer den Hellenen Geld leihen will bei dieser Ausgangssituation, der möchte eben eine hohe Verzinsung, wegen dem Risiko eben.

Die Frage die einen unweigerlich berührt ist aber weniger was passiert ist, sondern wie es weiter geht.

Weg 1 - Die bilateralen Hilfen

Dieser Weg ist steinig. Dieser Weg ist der schwerste von allen Wegen. Die Bundesregierung hält ihn für den einzig möglichen, aber verschweigt die möglichen Konsequenzen. Auch verpassen es die Volksvertreten ihrem Volk die Alternativen genügend darzulegen.

Ganz am Anfang sei mal erwähnt, dass eine Gewährung von bilateralen Krediten in der EU mit dem Mastrichter Vertrag verboten ist!

Allein aus der Tatsache heraus resultieren schon jetzt Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Eine unbeschreibliche Situation würde entstehen, wenn Gelder gezahlt würden, die nicht einfach wieder abgezogen werden können und das Verfassungsgericht entscheidet, die Gelder waren illegal.

Wir reden über bis zu 20 Mrd. Euro Hilfe an Griechenland, allein nur durch Deutschland. 135 Mrd. soll die gesamte Summe der gewährten Kredite sein. Um die Summe des deutschen Anteils in einen Zusammenhang zu bringen, sei gesagt, dass Abwrackprämie einen Umfang von 5 Mrd. Euro hatte, die Teilverstaatlichung der Commerzbank hat 18,2 Mrd. Euro gekostet, die Tabaksteuer bringt jährlich ca. 14 Mrd. Euro Steuereinnahmen.

Nebenbei muss klar gemacht werden, dass es sich nicht um Garantien handelt. Sondern echtes Geld das fließt. Wenn dieses Geld nun illegal ist, dann dürfte auf den deutschen Staat ein echtes Problem zukommen. Darüber hinaus ist für viele die EU schon heute zerstört, da sie sich über die eigenen Regeln hinwegsetzt. Anarchie, so könnte die Staatsform der EU sein. Regeln sind eben da um gebrochen zu werden.

Doch lassen wir diese Bedenken beiseite, so eins doch auch ganz klar. Das Geld sehen wir wohl nie wieder!

Die Schuldenlast der Griechen wird nun nicht getilgt. Sie wird durch bilaterale Schulden umgeschuldet. Die Investoren sind dieselben, nur dass nun noch ein oder mehrere Zwischenhändler eingeschaltet sind, die das Risiko für die Investoren abfedern. Ein Risikoübertrag wie schon bei den Banken. Da viele deutsche Banken auch in Staatsanleihen der Hellenen investiert sind wird gemunkelt, dass dies nur ein neuer "Bail-Out" der Banken sei.

In all dem Theater darf das deutsche Volk aber nicht vergessen, dass auch die Schulden der Bundesrepublik nicht weniger werden. Wer nicht früh genug loslassen kann, der wird als Konsequenz mitunter in den Strudel gerissen.

Weg 2 - Raus mit den Griechen

Die Stimmen werden immer lauter die fordern Griechenland fallen zu lassen und ihnen den Euro wegzunehmen um dann sich selbst auf die Beine zu stellen.

Das ist eine gute Variante, die zumindest weniger steinig als Weg 1 ist, dennoch stürzt diese Variante die Märkte viel schneller ins Chaos. Die EU würde daran über kurz oder lang zerbrechen. Doch das ist unvermeidlich und steht auch bei Weg 1 bevor!!

In Weg 1 wird die Konsequenz sein, dass irgendwann Deutschland und Frankreich keine Hilfen mehr leisten können. Es Geschrei wird es geben, wenn ein Land in der EU nun doch keine bilateralen Kredite mehr bekommt. Es würde zu einem Gefühl der Benachteiligung kommen. Die EU würde dran zerbrechen, vielleicht sogar im Streit, vielleicht sogar im Krieg.

Weg 2 würde einen schrittweisen Zerfall bedeuten. Jedes Land hätte genug Zeit sich zu ordnen. Wettbewerbsfähig zu werden. Das ist optimal in einer solchen Situation, weil es die EU ins Chaos stürzt, dieses Chaos aber auf Etappen kommt und man Herr über die Situation werden kann. Es wird dennoch hart - auch für das deutsche Volk - aber diese Konsequenz ist, anders als die Politiker und Volkswissenschaftler glauben, nicht mehr abwendbar.

Was bringt und also die Zukunft?

Die Zukunft könnte als Figur des Teufels gemalt werden. Mephisto mit zwei Gesichtern, doch hinter jedem Gesicht steckt der Teufel.

Mit dem Zinseszins-System haben wir volkswirtschaftlich unsere Seelen verkauft und können jetzt wählen zwischen Hölle und nochmal Hölle. Durch diese müssen wir gehen.

Erstrebenswert würde es aber sein, wenn man vielleicht den einfachen Weg durch die Hölle nimmt, um die Chance zu haben irgendwann raus zu kommen und nicht im Fegefeuer zu verbrennen. Daher ist es unverständlich und bar jeder Logik das Unvermeidliche durch das Vernichten von Volksgeldern, also Steuergeldern, hinauszuzögern. Je mehr Schulden der Staat für seine Bevölkerung macht, desto schwieriger wird jedes Krisenmanagement in der Zukunft sein, desto eher wird man in den Strudel gerissen.

Man muss auch loslassen können!

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Deutschland: Einig in Recht und Freiheit?
Deutschland, einig in Recht und Freiheit - nach nur 26 Jahren erleben...

Kommentare zum Beitrag

Norbert Fust
2.914
Norbert Fust aus Gießen schrieb am 07.05.2010 um 23:22 Uhr
Ein höchst lesenswerter Beitrag !
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Fokko Bucys

von:  Fokko Bucys

offline
Interessensgebiet: Langgöns
Fokko Bucys
58
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Neben den Dollars ist auch noch genug Platz für 500 Milliarden Euro
Ergänzung zu meinem Artikel "Von Politikern und Völkern"
Es ist Montagmorgen 3Uhr, die EU-Politiker kamen rechtzeitig vor der...
Wenn man panische Angst vor einem Flächenbrand hat, sollte man aufpassen, dass man mit Wasser und nicht mit Öl löscht.
Von Politikern und Völkern
Griechenland, das ist das bestimmende Thema in den Medien. Doch ist...

Weitere Beiträge aus der Region

Ersttagsbrief vom 14.Juni 1968  Dr. Karl Landsteiner – seit 2004 „Weltblutspendetag“
Lich, 40 Jahre Ausstellungen für das Rote Kreuz
40 Jahre Ausstellungen für das Rote Kreuz Am 26. Oktober 1976...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.