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Da sind sie wieder - Zum Thema Bildungsgerechtigkeit in Hessen

Langgöns | Alle paar Monate wiederholen sich in den hessischen Medien die Aufschreie der Jungen Union und der Schülerunion bzgl. der von der Mehrheit der Landtages und der Mehrheit der Bevölkerung getragenen Ziele für ein längeres gemeinsames Lernen an hessischen Schulen. Und jetzt, wo die Landtagsfraktionen von SPD und Grüne in ihren Koalitionsverhandlungen immer weiter voranschreiten, sind sie wieder da und es werden sogar die alten Erklärungen wieder aus dem Archiv geholt und mit kleinen Änderungen noch einmal veröffentlicht.
Dem Reflex, moderne Schulpolitik mit dem Begriff Einheitsschule oder sogar Zwangseinheitsschule zu veröffentlichen, ist der Nachwuchs der CDU dabei immer erlegen.
Es ist ein Amüsemont besonderer Art, wenn die jungen Damen und Herren dabei immer wieder kategorisch ignorieren, dass nach Ansicht vieler führender Bildungsexperten in Deutschland und weltweit stärkere wie auch schwächere Schüler deutlich von dem Schulsystem profitieren.
Nach Ansicht aller Ernst zu nehmenden Bildungsforscher ist eine Aufteilung der Schulformen nach dem vierten Grundschuljahr Unsinn und verbaut langsameren Lernern und Spätentwicklern bereits im Alter von zehn Jahren Zukunftschancen.
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Das Schulsystem einer demokratischen und an einem humanistischen Menschenbild orientierten Gesellschaft hat die Aufgabe alle Kinder und Jugendlichen entsprechend ihren Möglichkeiten optimal zu fördern und die gesellschaftlichen Anforderungen und Regeln eines demokratischen Gemeinwesens den Heranwachsenden nahe zu bringen. Hierzu gehört nicht nur eine solide fachlich-kognitive Ausbildung sondern auch das Erlernen demokratischer und sozialer Verhaltensweisen.
Schule hat allen Kindern und Jugendlichen, also einschließlich derer mit besonderen Fähigkeiten und derer mit Beeinträchtigungen, gegenüber die Aufgabe, diese zu einem toleranten Zusammenleben mit anderen Menschen zu befähigen. Das gegliederte deutsche Schulwesen kann dieser Aufgabe nicht gerecht werden und daher ist eine gemeinsame Schule für alle für die Dauer der Pflichtschulzeit erforderlich.
Eine gemeinsame Schule muss die Verschiedenheit respektieren und darf nicht von allen das Gleiche verlangen, sondern jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Jugendlichen in seiner Gesamtentwicklung unterstützen und dafür sorgen, dass beim miteinander und voneinander Lernen individuelle Fähigkeiten und soziale Kompetenzen optimal entwickelt werden können.
Unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten, unterschiedliche Herkunft, unterschiedliches Wissen und Können sind Charakteristika einer jeden Gesellschaft und dürfen deshalb nicht einfach aus der Schule herausorganisiert werden, weil sie als den Unterricht erschwerende Faktoren verstanden werden.
In nahezu allen europäischen Ländern lernen heute alle Kinder sechs oder mehr Jahre gemeinsam und die Hälfte der europäischen Länder hat inzwischen eine für alle gemeinsame Schule für die gesamte Dauer der Schulpflicht. Die Beschränkung des gemeinsamen Lernens auf eine nur vierjährige gemeinsame Schule muss endlich überwunden, frühes Trennen und Ausgrenzen verhindert werden.
Die Union und ihre Jugendorganisationen ordnen ihrem langfristigen Ziel, gesellschaftliche und ökonomische Machtstrukturen zu manifestieren alles unter. Sie streben weiterhin die Ausrichtung eines Schulsystems an, wo möglichst frühzeitig Selektion betrieben wird. Hier sollen die Kinder und Jugendlichen der so genannten „kleinen Leute“ von der bestmöglichen Bildung und dem damit zusammenhängenden beruflichen Chancen ferngehalten und damit der soziale Aufstieg von Menschen verhindert werden, die nicht zur eigenen Klientel gehören. Konkurrenz für den eigenen Nachwuchs soll hier bewusst frühzeitig ausgeschaltet werden. Dieser Nachwuchs selber, diese jungen Menschen, die es gewöhnt sind, mehrfach im Jahr in Urlaub zu fahren, Markenklamotten zu tragen und mit 18 einen Neuwagen vor die Tür gestellt zu bekommen, wollen sich abschotten von denen, die nicht so sind wie sie, von den Kindern und Jugendlichen von Arbeiterfamilien, von Armen, Migranten und Behinderten, von Andersgläubigen und Andersdenkenden. Und sie haben Angst, die besten Startplätze im Rennen um die reichhaltigen Füttertröge dieser Gesellschaft zu verlieren, weil auf einmal Leistung zählen soll, und nicht mehr nur die Herkunft.

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Kommentare zum Beitrag

742
D. Theiß aus Lich schrieb am 24.10.2008 um 01:35 Uhr
Herr Dörr ich muss ihnen da hundertprozentig zustimmen aber das Problem liegt nicht bei den jungen Menschen, die Eltern dieser jungen Leute sind meistens Charakterlich viel schlechter als wie der Personenkreis, auf den sie meinen, hochmütig runterschauen zu müssen. Es ist alles reine Erziehung und die fängt, ich muß es so sagen, leider in einem verkorksten Elternhaus wo nur das Geld und das vermeintliche Ansehen nach Außen hin zählt, statt.
Gerald R. Dörr
1.006
Gerald R. Dörr aus Langgöns schrieb am 24.10.2008 um 06:28 Uhr
Hallo Herr Theiß,
da haben Sie völlig recht. Aber was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Vielleicht setzt bei manchen Jüngeren ja ein Denkprozess sein. Auch dafür gibt es gute Beispiele.
Mit freundlichen Grüßen.
742
D. Theiß aus Lich schrieb am 24.10.2008 um 16:49 Uhr
Herr Dörr,

wie heisst es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt, also hoffen wir weiter.

Gruß Detlef Theiß
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von:  Gerald R. Dörr

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Gerald R. Dörr
1.006
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