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Rasha freut sich ihres Lebens. Die Hündin beweist, dass auch ein Hund im Rollstuhl noch viel Spaß haben kann.

Rasha in ihrem Hunderollstuhl
Rasha in ihrem Hunderollstuhl
Langgöns | Rasha ist eine Mischlingshündin aus Rumänien. Dort verbrachte sie über sechs Jahre auf der Straße, bevor sie auf eine ehemalige Fuchsfarm kam, in der über 3000 Hunde eingepfercht waren. Von dort holten Mitarbeiter des Gießener Tierheims sie und noch sechs weitere Hunde nach Deutschland. Seit fünf Jahren lebt Rasha nun im Hause von Beate und Gerald Dörr in Langgöns-Oberkleen.
Hier fühlt sie sich pudelwohl in der Gesellschaft von fünf Katzen und dem Rottweiler-Duo Aenna und Aldo. Die beiden Rottis stammen aus Frankreich und sind vor knapp drei Jahren über den Verein „Hilfe für verwaiste Hunde“ zu Dörrs gelangt. Auch den beiden hatte das Schicksal schon übel mitgespielt, bevor sie nach Deutschland kamen.
Rasha jedoch ist eine ganz besonders bemerkenswerte Hündin, denn sie besitzt etwas, dass es in unserer Region bisher nur sehr selten gibt. Weil Rasha schon seit ihrer Zeit in Rumänien eine Wirbelsäulenverletzung hat, welche die Funktion der Hinterbeine immer wieder stark beeinträchtigt, nutzt sie seit über 2 Jahren einen Hunderollwagens zur Fortbewegung. „Als Rasha zu uns kam, baute sie durch das viele Gassi gehen ihre Muskeln zunächst ganz gut auf, so dass sie wieder laufen lernte“, erinnert sich Beate Dörr.
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Damals lebte noch die Rottweilerhündin Donna in der Familie. Als Donna an Krebs starb, trauerte Rasha so sehr, dass sie sich weniger bewegte und auch wieder Muskeln abbaute. „Sie hatte keine rechte Lust mehr am Leben, das war ihr deutlich anzumerken. Dann hörten wir auf einmal von diesen Hunderollwagen aus den Niederlanden, die übers Internet vertrieben werden und dachten uns, wir probieren das einfach mal aus!“, berichtet Gerald Dörr.
Rasha musste vor der Bestellung vermessen werden, damit der Rollwagen genau angepasst werden konnte. Jeder Hunderollwagen ist eine Maßanfertigung. Der Hunderollstuhl ist aus Leichtmaterialien wie Aluminium und Plastik gemacht, wodurch die Konstruktion genügend stabil ist, aber die Ziehlast nicht zu schwer. Er ist mit Luftreifen ausgestattet, damit er ebenso gut auf festem Weg läuft, wie auf Sand-, Gras-, Kies- und Waldboden. Ein unverhofftes Loch im Reifen kann ganz einfach mit Flickzeug für Fahrradreifen geflickt werden. Das Vorder- und Hintergeschirr, das mit verstellbaren Bändern und Druckknöpfen einfach anzulegen und abzunehmen ist, garantiert eine optimale Passform. Es ist aus Nylon hergestellt für bestmögliche Stärke und aus hochwertigem Taucheranzugstoff für Flexibilität und Komfort.“
Rasha mit Herrchen und Freundin Aenna (links)
Rasha mit Herrchen und Freundin Aenna (links)
Die Reaktion von Rasha auf ihre neue Laufhilfe war sensationell: „Sie blühte förmlich auf, ihre Lebensfreude kehrte zurück“, erinnern sich Dörrs. Rasha gewöhnte sich im Handumdrehen an ihren eigenen „Rollstuhl“ und lief fortan sogar öfters den beiden neuen Rottweilern beim Spaziergang davon. Auf der ansprechend und informativ gestalteten Internetseite von www.hunderollwagen.de wird diese Erfahrung bestätigt: „Erfahrungsgemäß gab es bis heute noch keinen Hund, der den Rollstuhl nicht akzeptiert hat. Die meisten Hunde, die zum ersten Mal in einem Rollstuhl sitzen, verstehen innerhalb von einer Viertelstunde wie sie damit zurechtkommen. Nur das Nehmen von scharfen Kurven bei Renngeschwindigkeit und das Einschätzen von der eigenen Breite einschließlich des Rollstuhles dauern etwas länger.
Wenn der Hund etwa einen Monat mit dem Rollstuhl umgeht, werden Sie sehen, dass das Tier das Hilfsmittel gebraucht wie ein Verlängerungsstück von seinem eigenen Körper und dass er sogar selbständig rückwärts läuft um eine Kurve breiter nehmen zu können, wenn die Reifen hinter irgendetwas stecken geblieben sind.
Wenn die Hinterpfoten Ihres Hundes noch einigermaßen funktionieren, ist es zu empfehlen, den Hund im Rollstuhl mitlaufen zu lassen. Erst wenn Ihr Hund die Pfoten schleifen lässt, sollten Sie die auf der Rückseite befestigten Aufhängezügel benutzen.
Beim Gassigang mit Herrchen und Aenna.
Beim Gassigang mit Herrchen und Aenna.
Ihr Hund braucht während des Spazierganges für die Notdurft nicht aus dem Rollstuhl gehoben zu werden. Sogar männliche Hunde werden sofort verstehen, wie sie auch ohne erhobene Hinterpfote das kleine Geschäft machen können. Für das große Geschäft kommt Ihr Hund ganz gut zu Recht mit einer streckenden Bewegung.“
Beate und Gerald Dörr betonen: „Uns ist es wichtig, öffentlich zu machen, dass es solche Hunderollwagen gibt. Viele Leute wissen das gar nicht, dabei könnten ihre Tiere länger leben!“ Dörrs wurden jedoch auch schon mit Kritiken nach dem Motto „falsch verstandene Tierliebe“ konfrontiert. Beate Dörr, die von einer Mühle mit Landwirtschaft stammt, seit ihrer Kindheit Tiere besitzt, jahrelang ehrenamtlich im Butzbacher Tierheim engagiert war, sagt dazu: „Das Tier sollte entscheiden, ob es damit leben will oder nicht. Wenn man eine enge Beziehung zu Tieren hat, sieht man es ihnen an. Rasha würde ohne den Rollstuhl mit Sicherheit schon nicht mehr leben.“
Die Frage, für welchen Hund ein Rollwagen geeignet ist, wird
Gemeinsamer Gassigang mit Schwägerin und Schwager und mit Elvis.
Gemeinsamer Gassigang mit Schwägerin und Schwager und mit Elvis.
auf der Internetseite des Anbieters ausführlich beantwortet: „Ein Hund braucht täglich Bewegung um gesund zu bleiben. Wenn er diese Bewegung nicht genügend bekommt (zum Beispiel durch Lähmung, Arthrose oder andere Beschwerden an Rücken, Hüfte oder Hinterpfoten) werden die Muskeln des Hundes erschlaffen und die körperliche Gesundheit des Hundes lässt nach. Außerdem hat die Behinderung des Hundes auch Folgen für seine geistige Verfassung. Wenn ein Hund nicht mehr nach den schönen Sachen im Hundeleben (wie Wald- und Strandspaziergänge, herumtollen mit anderen Hunden und einem weggeworfenen Ball hinterherlaufen) schauen kann, wird er auch tatsächlich anfangen, sich behindert zu fühlen. Die Folge ist, dass sogar ein junger Hund sich benehmen wird wie ein hochbejahrter Vierfüßer. Mit dem Hunderollstuhl kann der mehr oder weniger behinderte Hund so gut wie alles machen was ein nicht behinderter Hund auch machen kann mit Ausnahme von Springen. Ihr Hund bleibt also vollauf in Bewegung und bleibt auf diese Weise sowohl körperlich als auch geistig gesund. Durch das Laufen mit dem Hunderollstuhl wird der Vorderleib des Hundes sich stärker als zuvor entwickeln. Dadurch wird das ungenügende Funktionieren des Hinterleibes größtenteils ausgeglichen.“
Rasha ist immer neugierig und interessiert.
Rasha ist immer neugierig und interessiert.
Dörrs stehen uneingeschränkt hinter der Anschaffung des Rollwagens für Rasha. Mittlerweile sind sie als Team sogar schon so gut eingespielt, dass Beate Dörr genau weiß, wann es Zeit fürs Pipimachen ist, dann hilft sie der Hündin, indem sie das Tier förmlich „abhält“. „Zuhause klappt das sogar mit einem Töpfchen“, lacht sie und Ehemann Gerald ergänzt ganz pflichtbewusst: „Beim Gassigehen mit den drei Hunden haben wir innerorts auch immer Beutel zum Aufsammeln der Hinterlassenschaften dabei und nutzen sie auch!“ Er musste sich, als er seine Frau kennen lernte, als starker Allergiker erst an die vielen Katzen in ihrem Haushalt gewöhnen: „Da musste ich durch“, sagt er lachend, „aber ich habe mich gut daran gewöhnt!“ Heute möchten die Dörrs – die erwachsene Tochter Ramona macht die Urlaubsvertretung bei den Tieren und steht voll hinter dem Engagement ihrer Familie - die Tiere auf keinen Fall missen, „es macht zwar viel Arbeit, aber sie geben uns so viel, der Gedanke, dass sie irgendwo misshandelt würden ist uns unerträglich!“
Ein ganz besonderes Ereignis war für Rasha ein Besuch im Heinz-Ulm-Haus, dem Altenheim der AWO in Lang-Göns: „Das war für sie ein Feiertag, hier und da fiel ein Krümelchen zu Boden, dort wurde sie bewundert
Hunde- oder besser Katzen-Mama Rasha
Hunde- oder besser Katzen-Mama Rasha
und gestreichelt!“, weiß Beate Dörr zu berichten. Gerade wegen ihres „Rollstuhls“ war sie der erklärte Liebling vieler Senioren, denn von denen sitzen ja auch etliche in solch einem Gefährt. Mit ihrer freundlichen Art, ohne Vorbehalte gerade auch auf Fremde zuzugehen, gewann Rasha schnell alle Herzen.
Zu Hause ist Rasha die Chefin unter den Vierbeinern, „dafür haben wir gesorgt und das funktioniert auch“, erzählen ihre Besitzer. Sie hat den beiden ängstlichen Rottweilern beigebracht, vor Menschen keine Angst zu haben. Gerade Hündin Aenna hängt sehr an Rasha und zwängt sich manchmal zu ihr ins Körbchen, obwohl sie ein eigenes hat.
Etwas Besonderes war auch die Beziehung zwischen Rasha und dem Kätzchen Finchen. „Die waren wie Mutter und Tochter“ wissen Dörrs zu berichten. Aber wie im richtigen Leben hat sich die „Tochter“ dann irgendwann abgenabelt und sich verliebt, aber nicht etwa in einen Kater: Nein, das kleine Finchen und der Rottweilerrüde Aldo sind ein „Liebespaar“. Wer die beiden sich gegenseitig schmusen und waschen sieht, für den erhält der Spruch: „Wie Hund und Katz’“ eine völlig neue Bedeutung. Die frühere „Mama“ Rasha sieht es gelassen. Eifersucht kennt sie nicht und das Wichtigste sind sowieso die Gassigänge im Hunderollwagen.

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Rasha und ihr Finchen
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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 01.06.2009 um 16:10 Uhr
Eine Geschichte, die zu Herzen geht und allen Menschen Mut machen soll, ihrem gelähmten Hund diese Chance zu geben.
Ein Dankeschön für ihren ausführlichen Bericht.
Der Gesichtsausdruck von Rasha zeigt Zufriedenheit und Lebensfreude.
Eine liebe Bekannte von mir hat eine keine Hündin aus Spanien, die nach einem Unfall querschnittgelähmt ist. Auch sie hat ein Rollwägelchen und saust damit fröhlich durch die Gegend. Wird sie mit zu den Pferden genommen, jagt sie diese , die sich mittlerweile an dem Spielchen beteiligen.
Noch viel Freude mit Ihrer kleinen Hündin.
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Herzlichst, Ihr(e) Gerald R. Dörr

von:  Gerald R. Dörr

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Interessensgebiet: Langgöns
Gerald R. Dörr
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