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Unbekanntes Bild von Hisgen in Lich entdeckt

Landschaftsidylle
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Langgöns | Der Butzbacher Geschichtsverein lud am 3. Dezember im Bürgerhaus Butzbach zu einem Vortrag über das Leben und Werk des spätbarocken Kirchenmalers Daniel Hisgen (1733-1812) ein (Ankündigung). Der Theologe Dr. Walter Hilbrands aus Langgöns stellte den in Vergessenheit geratenen und erst seit 2011 allmählich wiederentdeckten Maler erstmals in seinem Gesamtwerk einer breiten Öffentlichkeit vor. Hisgens über 300 erhaltene Ölbilder sind über 13 oberhessische Kirchen verstreut und zeigen 66 biblische Geschichten, aber auch Apostel. Über 40 interessierte Zuhörer, teils aus Orten mit Hisgens Bildern angereist, lauschten dem reich bebilderten Vortrag. Ein Höhepunkt des Abends war die Vorstellung eines in Privatbesitz befindlichen Landschaftsporträts Hisgens. In dem Idyll an einem Waldsee sieht man zwei Paare, eins tanzend, eins den See betrachtend. Hisgen hat also nicht nur für Kirchen gemalt.

Der Stammbaum der Familie Hisgen (=„Häuschen“) lässt sich bis ins 16. Jahrhundert nach Montabaur im Westerwald zurückverfolgen.
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Hisgens Vater war 37 Jahre lang Pfarrer in Nieder-Weisel, wo er auch mit seiner Frau in der Kirchengruft beigesetzt ist. Nieder-Weiseler Bürger gingen in einem Streit um Bauarbeiten mit ihrem Pfarrer sogar bis nach Wetzlar vors Reichskammergericht. Daniel Hisgen hatte sich in Lich niedergelassen und wurde Vater von fünf Kindern. Viele seiner Nachkommen wurden auch Maler, einige wanderten nach Amerika aus. Sein berühmtester Nachfahre ist Thomas Louis Hisgen (1858-1925), ein amerikanischer Fabrikant und Präsidentschaftskandidat. Ein anderer Nachkomme gründete das Kino Traumstern in Lich.

Es ist bisher nicht bekannt wo und bei wem Daniel Hisgen in die Lehre ging und sein Handwerk erlernte, womöglich war er ein Autodidakt. Der Licher Hisgen wird erstmals 1754 in einer Abrechnung als Maler bezeichnet. Seine Bilder mit biblischen Begebenheiten zeigen über den Zeitraum seines Schaffens oft dieselben detailgleichen Darstellungen, weshalb man davon ausgehen kann, dass er eine Loseblattsammlung mit Entwürfen nutzte. Hilbrands hält die Erklärung im Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, wonach Hisgen berühmte Vorlagen nutzte, für falsch, und zeigte dies an verschiedenen Beispielen. Die Verkündigungsszene (Der Engel bringt Maria die frohe Botschaft der Schwangerschaft) und die Geburt Christi sind Hisgens häufigste Motive und finden sich in fast allem Zyklen. 28 Motive hat Hisgen nur ein einziges Mal gemalt. Hisgens letztes Werk ist das Deckengemälde in der Kirche Odenhausen/Lahn. In der Signatur des Bildes nennt er stolz sein hohes Alter: „Lich / Daniel Hisgen / im 76 Jahr alters / Pinxit [hat gemalt] 1809“.

Hermann Hinkel, ein emeritierter Professor für Bildende Kunst, bezeichnet Hisgens Bilder als volkstümliche Malerei auf recht hohem Niveau. Warum geriet das Werk Hisgens aber nun über zwei Jahrhunderte weitgehend in Vergessenheit? Eine Erklärung dürfte wahrscheinlich eine Begebenheit aus Ettingshausen liefern. Bei der Kirchenrenovierung 1958/59 landeten zwölf seiner Brüstungsbilder auf dem Bauschutt. In den Augen des damaligen Pfarrers handelte es sich um „barocken Kitsch“. Sieben der Bilder konnten gerettet und restauriert werden. In der Kirche in Leihgestern im Jahr 2008 entdeckte Gemälde warten noch auf ihre Restaurierung. Nach einer angeregten Fragerunde waren sich Referent wie Publikum einig: Heute können die Kirchengemeinden stolz auf die schönen Bilder sein, die die biblischen Texte anschaulich machen. Hisgen ist es wert, dem Vergessen entrissen zu werden.

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