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Trauma und Traumatherapie nach EMDR®

Lahnau | Wie wird ein Trauma definiert?
Trauma heißt Verletzung.
Die Verletzung kann körperlicher oder seelischer Natur sein: Eine Person war selbst Opfer oder Zeuge eines Ereignisses, bei der das eigene Leben oder das Leben Anderer bedroht war oder eine ernste Verletzung zur Folge hatte.
Die Reaktionen des Betroffenen beinhalten Gefühle von intensiver Angst, Hilflosigkeit oder auch Entsetzen.






Welche Ereignisse können zu einem Trauma führen?
• Vernachlässigungen in der Kindheit (körperlich, psychisch, emotional)
• kranke, psychisch kranke oder süchtige Eltern in der Kindheit
• schwere Erkrankungen in der Kindheit
• Gewalt und sexualisierte Gewalt
• das Miterleben von Gewalt als Zeuge
• körperliche Verletzungen durch Unfälle oder Stürze
• Naturkatastrophen
• Krieg, Vertreibung, Folter
• plötzliche Verluste von geliebten Menschen oder Tieren
• das beinah Ertrinken
• der Angriff eines Tieres … u.ä.

Wie entsteht ein Trauma?
Beim Abspeichern von Erlebnissen sind normalerweise das sogenannte „emotionale Gehirn“ und das „kognitive Gehirn“ durch zahlreiche Nervenverbindungen miteinander vernetzt.
Mehr über...
Trauma (3)Therapie (25)Stress (22)psychotherapie (5)EMDR (1)Angst (16)
Bei einem Schockerlebnis wird diese Vernetzung unterbrochen und es gibt dann nur noch drei lebensrettende Funktionen: Kampf, Flucht oder Erstarrung.
Bei „kleineren“ Traumata greifen nach einiger Zeit die Selbstheilungskräfte des Körpers und die Erinnerungsfragmente vernetzen sich zu einer fast ganzheitlichen Erinnerung.
Beim „großen“ Trauma bleibt die Erinnerung an die traumatische Situation bruchstückhaft. Die Folge ist die posttraumatische Belastungsstörung.

Welche Symptome hat ein Trauma?
Die Symptomatik ist sehr vielgestaltig und entsteht durch weiterwirkende Reste von Kampf, Flucht und Erstarrung. Die Symptome treten oft erst eine Weile nach dem auslösenden Ereignis schleichend auf und werden dann meist gar nicht als Traumafolge erkannt. Manchmal kommen die Symptome erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später wieder zutage.
Oft werden die Symptome auch ausgelöst durch eine unbewusste Reaktivierung des Traumas, wenn z.B. eine dem Trauma ähnliche Situation auftaucht, sei es im eigenen Leben oder in der Verwandtschaft oder Nachbarschaft. Diese sogenannten "Trigger" können im Äußeren liegen, wie bspw. ein bestimmter Geruch, Anblick oder Geräusch, sie können aber auch im Körper selbst liegen, bspw. Atemnot, ein bestimmter Grad innerer Erregung oder ein bestimmter emotionaler Zustand.

Symptome, die mit Traumatisierungen in Zusammenhang stehen können:
• häufiges Gefühl der Überforderung, Konzentrationsschwierigkeiten
• Anfälligkeit für Unfälle oder Missgeschicke
• Gefühl der Lähmung, Erstarrung, Angstzustände, Panikattacken
• Unverbundenheit mit sich und der Umwelt
• immer wiederkehrende Fantasien oder Erinnerungen an belastende Ereignisse
• chronische Erschöpfung, Schlafstörungen, "Ausgebranntsein"
• Schmerzzustände ohne medizinischen Befund
• Übererregbarkeit oder Apathie, Wutausbrüche, Übervorsichtigkeit
• Gefühle der Ohnmacht, körperliche Ohnmachtsanfälle
• Arbeitswut oder Rückzugstendenz
• häufige geistige Abwesenheit, "Tagträumen", Gedächtnislücken
• Suchtverhalten auf allen Ebenen
• chronische Beziehungsprobleme


Traumatherapie mit der EMDR®-Technik
EMDR steht für = Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Übersetzt heißt das:
Desensibilisierung und Neu-Verarbeitung durch Augenbewegungen.

EMDR® ist ein von Dr. Francine Shapiro im Jahr 1989 entwickeltes und wissenschaftlich anerkanntes Verfahren, das ursprünglich ausschließlich zur Trauma-Behandlung eingesetzt wurde.
Die Stimulation einer Rechts-Links-Bewegung der Augen (=bilaterale Stimulation) führt zu einer Verknüpfung der zuvor isoliert abgespeicherten Teile der Erinnerung, so wie sie bei Traumata vorkommen.

Durch die Veränderung der Hirnströme werden Verarbeitungsprozesse im Gehirn angeregt, wodurch belastende Emotionen verarbeitet werden und sich körperliche Überreaktionen beruhigen.
EMDR® erleichtert dem Patienten, Gefühle und Bilder, die mit dem Trauma zusammenhängen, zum Positiven zu ändern. Blockaden im Gehirn lösen sich auf und ein Heilungsprozess wird eingeleitet.
Die Erinnerung an das traumatische Erlebnis wird schließlich als neutral empfunden.

Bei welchen Problemen kann mit EMDR® gearbeitet werden?
• Akute und posttraumatische Belastungsreaktionen
• Aufarbeitung des traumatischen Erlebnisses
• Reaktionen und Spätfolgen auf Traumata aus der Kindheit
• Phobien, Angst-und Panikstörungen
• psychische und körperliche Stabilisierung nach längeren Stressphasen und Burn-out.

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Kommentare zum Beitrag

Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 25.01.2013 um 09:39 Uhr
Danke füe Ihren Beitrag, ich habe noch ein paar Fragen die im Beitrag fehlen.
Wer bietet das in Gießen an? Übernehmen die Kassen die Kosten? Kann diese Methode auch bei Typ II Trauma (Komplextrauma) angewendet werden? Wie hoch sind die Heilungschancen?
Jutta Achenbach
109
Jutta Achenbach aus Lahnau schrieb am 25.01.2013 um 10:00 Uhr
Lediglich für Menschen mit einem Monotrauma und einer nicht komplexen postraumatischen Belastungsstörung ist die Konfrontation mit dem traumatischen Ereignis die sinnvollste Behandlung.

Meines Wissens übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, wenn die Therapie von einem psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt wird und vom Arzt verordnet wurde.
Wird die Behandlung bspw. von einer Heilpraktikerin für Psychotherapie durchgeführt, kann diese nach der GebüH für Heilpraktiker Rechnungen ausstellen, die von privaten Krankenkassen oder KK-Zusatzversicherungen teilweise übernommen werden.
Peter Herold
24.457
Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.01.2013 um 12:23 Uhr
Gut dass hier ausdrücklich die Behandlung von nur einem Trauma genannt wird. Im Wissen um diese Porblematik wurde bei meiner Frau bei Vorliegen mehrerer Traumata eine Sitzung durchgeführt.
Es war bei einem stationären Aufenthalt uud da übernahm die BEK die Kosten, wie auch bei anderen Dingen, die ambulant nie erstattet werden.
Hallo Lieber Leser
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