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Prof. Dr. Klöckner begeistert mit lebendigem Vortrag

Die Mitwirkenden des Vortrages mit Frau Prof. Dr. Klöckner (3.v.r.)
Die Mitwirkenden des Vortrages mit Frau Prof. Dr. Klöckner (3.v.r.)
Lahnau | Eine Reise in die Antike durften rund 130 Besucher im mehr als vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus Waldgirmes erleben. Der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes hatte zu dem Vortrag „Waldgirmes und das römische Alltagsleben“ eingeladen. Die Referentin, Frau Prof. Dr. Anja Klöckner des Instituts für Altertumswissenschaften der Universität Gießen, legte zu Beginn besonderen Wert auf die Tatsache, dass wir antike Gedankenmuster nie erfassen können. „Wer Archäologie unter diesem Aspekt betreibt, wird enttäuscht“, so Klöckner. Denn die Lebensbedingungen und die sozialen Verhältnisse können wir heute nicht mehr nachvollziehen, geschweige denn, uns in sie hinein fühlen. Daher wird Archäologie immer nur ein Kennenlernen der kulturellen Besonderheiten bleiben.
Klöckner verstand es hervorragend, die Zuhörer zu fesseln. Mit der Bedeutung der zivilen Stadtgründung um Christi Geburt, der besonderen Lage der Stadt und der Weiternutzung als „Recycling-Zentrum“ nach 9 bzw. 16 n.Chr. erklärte Sie typisch römische Bauweisen, die sich auch in Waldgirmes fanden. „Römische Architektur war immer sehr regelhaft“, erklärte Klöckner. Es seit demnach möglich, die Außenfassade eines Hauses nachzuempfinden, jedoch nicht die Lage und Größe der Fenster zu bestimmen. Neben der Bedeutung des Forumsgebäudes und der Reiterstatue thematisierte Klöckner den Kaiserkult. Sie ist sicher, dass in Waldgirmes eine Kaiserstatue gestanden haben muss, denn Waldgirmes wurde neu gegründet. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass lediglich verdiente Bürger abgebildet waren, wie es in anderen Städten auch üblich war.
Vom Forum ging die Reise weiter durch die Stadt. Handel, Handwerk und „Tabernae“ (Schankstuben) waren in sogenannten Portikus-Bauten untergebracht, die in Waldgirmes ebenfalls existierten, wie die Grabungsleiter Dr. Becker und Dr. Rasbach anhand Erdverfärbungen nachweisen konnten. Auch Brunnenfunde sind stets besonders interessant für die Archäologen. Denn Lebensmittelreste der Römer bleiben in Spuren erhalten. „Daher wissen wir“, so Klöckner, „dass heutige einheimische Früchte, wie Pflaumen oder Kirschen von den Römern eingeführt wurden.“
Während des Ausflugs in den römischen Alltag fand die römische Kleidung ebenfalls ihren Platz im Vortrag. Zunächst theoretisch erklärt zeigten zwei Frauen des Fördervereins römische Kleidungsstücke. So wurde eine römische Ehefrau mit einer Tunika, einer Stola und einer Palla ausgestattet. Erst ordentlich gekleidet durfte sie das Haus verlassen. Neben der zivilen Kleidung war das römische Militär ein fester Bestandteil einer Siedlung wie Waldgirmes. Mit den beiden Studenten Leon Schmieder und Pascal Schubert, beide erfahren auf dem Gebiet der experimentellen Archäologie, erklärte sie im lockeren und kurzweiligen Dialog die Besonderheiten des Lebens der römischen Soldaten. Sie zeigten einen Segmentpanzer und ein unfertiges Schild, beides haben sie selbst hergestellt. Doch der Höhepunkt war der Aufmarsch der Legio I GERMANICA. Fünf Legionäre betraten in kompletter Ausrüstung den Vortragsraum – sicher eine eindrucksvolle Überraschung für die Besucher. Nach einigen Fotos mussten diese Rede und Antwort stehen. Hier wurde deutlich, dass die Legionäre sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen und über hohes Fachwissen verfügen. So ging der Vortrag in eine durchaus gewollte Diskussion über.
Der erste Vorsitzende Wilfried Paeschke äußerte sich nach ca. 2 Stunden begeistert über den guten Besuch der Veranstaltung und dankte Frau Prof. Dr. Klöckner für den sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag. Der Förderverein sei froh über den Ablauf dieser Veranstaltung und geht auch weiterhin positiv in die Zukunft mit interessanten Projekten und Vorhaben. Weitere Informationen unter: www.roemisches-forum-waldgirmes.de

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