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PRO BAHN Mittelhessen: Geplante Bahnhofssanierungen in Hessen sind nur halbherzig

Soll auch saniert werden, der Bahnhof Dutenhofen.
Soll auch saniert werden, der Bahnhof Dutenhofen.
Lahnau | Das groß angekündigte Maßnahmenpaket zur Sanierung von Hessens Bahnhöfen sieht der Fahrgastverband PRO BAHN nur als halbherzig an. Das was der Hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) am Dienstag in Limburg als Sensation verkündet habe, sei im Grunde nicht mehr als die eigentlich zu leistende Pflichtaufgabe, so Thomas Kraft von PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen. In die Infrastruktur von Bahnhöfen sei gerade in Mittelhessen seit der Bahnprivatisierung bis vor kurzem so gut wie nichts investiert worden. Dieser Investitionsstau wirke sich nachteilig für die aktuell nutzbare Bahninfrastruktur aus. Wären kontinuierlich Bahnsteige und benachbarte Anlagen intakt gehalten, saniert und zeitgemäß angepasst worden, müsse man nun nicht ein Maßnahmenpaket in der Größenordnung ankündigen. In Hessen und hier insbesondere in Mittelhessen gebe es gegenüber anderen Bundesländern zudem noch erheblichen Nachholbedarf.

Dass nun in einem langen Zeitraum von 8 Jahren 93 der 426 Bahnhöfe Umbauten erfahren, davon nur 21 in Mittelhessen, bedeute aber auch, dass in 333 weitere Haltestellen nicht investiert werde. Es sei offensichtlich, dass bei diesen Bahnhöfen und Bahnhaltestellen nur die wenigsten in einem akzeptablen Zustand sind.

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Entlang der Main-Weser-Bahn gebe es mit Bahnhaltepunkten wie Kirch-Göns, Friedelhausen, Niederweimar und Anzelfahr noch Bahnsteige mit wassergebundenen, mit Gras durchwachsenen Flächen. Des Weiteren seien die Bahnsteige auch dort viel zu niedrig, um einen akzeptablen Einstieg zu ermöglichen. Dann müssten, wie z.B. im Fall Niederweimar, große Wege in Kauf genommen werden, um auf die andere Seite zu kommen.

Auch die Haltepunkte der Lahntalbahn, so Kraft weiter, bei der nur Albshausen und Stockhausen in der Maßnahmenliste enthalten sind, weisen bis heute eher einen nostalgischen als einen zeitgemäßen verkehrsgerechten Standard auf. Dabei gehe es nicht nur um Bahnsteige, sondern auch um die technischen Einrichtungen, die entlang der Lahn nur einen Tourismus- und Museumsbetrieb zulassen anstatt z.B. Pendler zum Umstieg vom Auto auf die Bahn zu bewegen.

Dass all diese Haltepunkte in Mittelhessen noch nicht mal bis 2019 in einem Umbauprogramm enthalten seien, lasse den Eindruck zu, dass in nächster Zeit schon damit zu rechnen sei, dass diese Haltepunkte ganz aufgegeben werden. Die Haltestellen Wallenrod und Renzendorf an der Vogelsbergbahn, welche zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2011 aufgegeben werden, seien beispielgebend dafür, welches Schicksal andere mittelhessische Stationen in den nächsten Jahren ereilen könne.

Wenn man genauer in die Akten des Maßnahmenpakets für die Bahnhöfe in Hessen schaue, dann seien darin deutlich auch Rückbauten gegenüber der alten Infrastruktur enthalten, wie die Kürzung und der Rückbau von Bahnsteigen. Einrichtungen abseits der Bahnsteige seien demnach Sache der Kommunen. Wichtige Bedürfnisse wie Toilettenanlagen, angemessene Wetterschutzeinrichtungen und Servicebereiche seien bereits zurück genommen. Historische Bahnhofsgebäude, die zum Teil seit längerem verfallen, seien in dem Konzept fast nicht enthalten, um darin wieder zeitgemäße Einrichtungen unterzubringen. Dann könne nur gesagt werden „Bahnsteig hui, dahinter pfui.

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert ein Maßnahmenprogramm, in dem letztlich alle in Betrieb befindlichen 426 Bahnstationen in Hessen enthalten sind. Der Fahrgastverband erwartet von den beteiligten Ebenen der Öffentlichen Hand und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, dass für die Bahnhöfe in Mittelhessen deutlich verbesserte Standards als bislang angedacht, in die Modernisierung einbezogen werden. Außerdem wird ein Bestandsschutz aller bestehenden Bahnstationen in Mittelhessen gefordert. Die Eisenbahn sei auch in Mittelhessen ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge, so Thomas Kraft von PRO BAHN.

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