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„Trier hat viel, aber wir schauen manchmal neidisch nach Waldgirmes“

Prof. Schäfer (links), der erste Vorsitzende Paeschke (Mitte), und die drei Autoren Rasbach, Becker und Ruffing
Prof. Schäfer (links), der erste Vorsitzende Paeschke (Mitte), und die drei Autoren Rasbach, Becker und Ruffing
Lahnau | Am 14. Dezember 2010 hatte der Förderverein zu der Buchpräsentation „Kontaktzone Lahn“ mit den Herausgebern Dr. Armin Becker, Dr. Gabriele Rasbach und Prof. Dr. Kai Ruffing in die Geschäftsstelle eingeladen. Für die Moderation konnte Prof. Dr. Christoph Schäfer der Universität Trier gewonnen werden.

Der erste Vorsitzende des Fördervereins Wilfried Paeschke begrüßte die Besucher der Veranstaltung. So waren Dr. Vera Rupp vom Landesamt für Denkmalpflege, Hermann Spory vom Magistrat Wetzlar, Vertreter von befreundeten Vereinen und einige Lahnauer Bürger der Einladung zu der Veranstaltung gefolgt.
Nach einer kurzen Vorstellung des Moderators durch den Grabungsleiter Dr. Armin Becker referierte Prof. Schäfer zunächst über die „Germanen“ als Konstrukt Caesars. Denn im heimischen Raum waren viele „germanische“ Stämme angesiedelt, welche er als kulturell hochinteressantes Gemisch mit autonomen und flexiblen Entscheidungen bezeichnete.
Die Strategie der Römer war nicht die der Eroberung (Romanisierung), sondern eher eine römische Durchdringung der Gegend und Anpassung an örtliche Gegebenheiten (Romanisation), so der
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Präsident der Varusgesellschaft. Er bezeichnet Waldgirmes neben Kalkriese als wichtigsten Fundplatz für seine These. Der Aufbau einer zivilen Siedlung bedeutete schon damals einen hohen Verwaltungsaufwand, daher sei der Fund der Siedlung in Waldgirmes schon etwas Besonderes.
Nach Prof. Schäfer spricht mittlerweile einiges dafür, dass die Aufgabe der Siedlung nicht im Kontext mit der Varusschlacht zu sehen ist – dieses sei eher ein Geschehen mit regionalen Auswirkungen – sondern von einer Meuterei der hier ansässigen Legionen herrührt. Dies belegen gefundene Bronzefragmente der Reiterstatue unterhalb einer Straße römischen Ursprungs innerhalb der Siedlung in Waldgirmes.

Prof. Schäfer, welcher seit 2008 Alte Geschichte in Trier lehrt, rekonstruierte bereits drei Flusskriegsschiffe, unter anderem die „Victoria“. Er betonte die hohe Relevanz der Fluss-Transportwege. Jedes schiffbare Wasser wurde genutzt, seine Forschungen ergaben, dass die Schiffbarkeit bei voller Beladung schon ab etwa 45 cm Tiefgang gewährleistet sei. Daher ist die Lahn als Transportweg als ebenso bedeutsam wie die Lippe (Haltern) zu bewerten.
Mit dieser Einschätzung leitete Prof. Schäfer die Vorstellung des Buches „Kontaktzone Lahn“ ein. Das Buch beinhaltet eine Sammlung von Referaten zur Untersuchung von Kulturkontakten von Kelten, Römer und germanischen Stämmen. Das Buch enthält Studien zum Kulturkontakt zwischen Römern und germanischen Stämmen und ist eine Sammlung der wichtigsten Beiträge der Marburger Tagung „Kontaktzone Lahn – Begegnung dreier antiker Kulturen Römer – Germanen – Kelten“ aus dem Jahr 2006. Bis zur Bucherscheinung wurden von den jeweiligen Autoren die Beiträge aktualisiert. Thematisiert wurden u.a. der Austausch mit den Einheimischen, die Auseinandersetzung damit, ob die Römer Feinde oder Partner waren, regionale Differenzierungen im kulturellen Austausch, die Rolle der Religion, die logistischen Voraussetzungen in Waldgirmes, die Ernährung der Germanen und nicht zuletzt die Diskussion um den historischen und dem modernen Germanen-Begriff.
Prof. Schäfer betonte noch einmal die große Bedeutung der Funde in Waldgirmes und sieht große Chancen in der weiteren Erforschung nach dem 2.000 jährigen Ereignis der Varusschlacht. Mit seinen Worten „Trier hat viel, aber wir schauen manchmal neidisch nach Waldgirmes“ beendete er die Präsentation.
Das Buch „Kontaktzone Lahn“ aus dem Harrassowitz Verlag Wiesbaden ist in der Geschäftsstelle des Fördervereins in Waldgirmes und im Buchhandel erhältlich.

Auf unserer Internetseite erfahren Sie alles über die Funde in Waldgirmes: www.roemisches-forum-waldgirmes.de

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