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Römischer Abend: 20 Jahre Engagement für römische Geschichte

Die Legionäre der Legio Prima Germanica Augusta
Die Legionäre der Legio Prima Germanica Augusta
Lahnau | Im September 2015 jährt sich das Bestehen des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes e. V. zum 20. Mal. Die ehrenamtlichen Aktiven des Vereins mit knapp 200 Mitgliedern würdigen dies am 11. September ab 18 Uhr in der Lahnauhalle Waldgirmes mit einer interessanten Veranstaltung für die ganze Familie in der Lahnauhalle.


Die ehrenamtlich Aktiven präsentieren sich

Die Legionäre der Legio I GERMANICA AUGUSTA gewähren an diesem Abend Einblicke in ihre Arbeit. Die Besucher erfahren von den Legionären einiges über das Leben eines römischen Soldaten. Ebenso zeigen die Aktiven des Fördervereins, wie das zivile Leben zu römischen Zeiten gewesen sein könnte. Um 19 Uhr führen die Kinder der „RöMinis“ unter Leitung von Hildegard Wille das römische Theaterstück "Die goldene Spange" auf. Der erste Vorsitzende Wilfried Paeschke richtet seine Begrüßungsworte anschließend an die Besucher, danach erfahren die Gäste um 20 Uhr von Dr. Gabriele Rasbach alles über die neuesten Ergebnisse der Grabungen in Waldgirmes, die sich durch die bisher durchgeführten wissenschaftlichen Auswertungen bestätigt haben. Inhalt ihres Vortrages ist u. a. der Beweis, dass mindestens zwei Bronzestatuen ihren Platz im Römischen Forum hatten. Welche weiteren Beweise sechs Jahre nach Ausgrabungsende vorliegen, darüber referiert Dr. Rasbach an diesem Abend.


Alles begann mit Scherben

Dass Scherben nach der Bewirtschaftung der Äcker durch die Landwirte zutage treten, ist an sich keine Besonderheit. Doch die Hobbyarchäologin Gerda Weller schaute Ende der 80er Jahre genauer hin und identifizierte bei einem ihrer Suchgänge Scherben römischer sowie germanischer Herkunft. Das war Grund genug für die Römische Germanische Kommission, in Waldgirmes Probegrabungen durchzuführen. Und die Sensation war bald entdeckt, handelte es sich doch nach ersten Ausgrabungen und der Auswertung der Funde in Waldgirmes um eine Siedlung ziviler Ausprägung - und das im damaligen feindlichen Germanien - lange Zeit vor dem Bau des Limes. So begannen die Archäologen dank des Schwerpunktprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit den Ausgrabungen im Jahre 1996.


Der Förderverein begleitet die Ausgrabungen

Nachdem die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Lahnau e. V. (HAGL) sich zu-nächst mit den Interessen der Ausgrabungen befasste, entschied sich der Vorstand für die Gründung eines
Die Römer auf dem Hessentag
Die Römer auf dem Hessentag
Fördervereins, der sich speziell den Ausgrabungen widmen sollte. Dieser entstand im Jahr 1995 und kümmerte sich in den ersten 14 Jahren seines Bestehens um die meist organisatorischen Aufgaben rund um die Ausgrabungen und um die Wissenschaftler mit ihren Helferteams. Einmal jährlich, am Tag des offenen Denkmals, öffnete der Verein seine Türen für die interessierte Öffentlichkeit und informierte in Führungen und Kurzvorträgen über den Stand der Grabungen.


Spektakuläre Funde machen Waldgirmes einzigartig

In jedem Jahr erfuhren die Besucher beim Tag des offenen Denkmals interessante Neuigkeiten rund um das Römische Forum. Die Verfärbungen im abgetragenen Boden sowie gut erhaltene Holzfunde lieferten Beweise für eine zivile Siedlung, die bereits 3-4 v. Chr. entstand. Zahlreiche Schmuckstücke, Münzen und Alltagsgegen-stände brachten die Archäologen und ihre zahlreichen Helfer an die Oberfläche. Darunter fanden sich immer wieder kleinere Stücke und Fragmente einer bronzenen Reiterstatue. Bereits 1997 entdeckten die Archäologen ein großes Stück Brustgeschirr des Pferdes einer Reiterstatue. Doch das war erst der Anfang.


Der Pferdekopf geht medial um die Welt

Im August 2009, dem letzten Jahr der finanzierten Grabungen,
Ziviles Volk
Ziviles Volk
fanden die Archäolo-gen während einer Brunnengrabung zunächst den Fuß des Reiters der Statue. Doch wenige Tage später belohnte ein Anblick die Beteiligten, von denen viele Archäologen in ihrer beruflichen Tätigkeit nur träumen können: In 11 Meter Tiefe, in der Brunnenstube - in einem alten Weinfass von über zwei Metern Höhe - fanden die Archäologen zwischen Mühlsteinen und Holzresten im Grundwasser einen sehr gut erhaltenen Pferdekopf. Nach dem sicheren Transport in das wissenschaftliche Labor nach Wiesbaden und der ersten Säuberung präsentierte das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kultur vor internationalen Pressevertretern diesen historischen Fund. Waldgirmes war an diesem Abend Thema in den deutschen Fernsehnachrichten, aber auch international in Hongkong, Russland und den USA. Hier verglich man den bedeutsamen Fund mit dem der Himmelsscheibe von Nebra und dem Keltenfürst vom Glauberg. Mit Spannung sehen alle Interessierten der bevorstehenden Präsentation des zwischenzeitlich restaurierten Pferdekopfes durch das Land Hessen entgegen.


Von den Ausgrabungen zu den Vereinsaktivitäten

Die Finanzierung der Ausgrabungen durch die DFG endete im Jahr 2010. Noch bevor die sichtbaren Bodengrabungen verschlossen waren, musste sich der Förderverein überlegen, wie es nun weitergeht. Denn mit Wegfall der Ausgrabungen würde auch das bisherige Engagement des Fördervereins entfallen. So entschied man sich in gemeinsamen Überlegungen, die Vereinsaktivitäten zu forcieren, um die spektakuläre römische Geschichte von Waldgirmes durch alle Altersgruppen hindurch erlebbar zu machen. Im Mai 2009 fand daher der erste Römertag in Waldgirmes in gemeinsamer Organisation mit der HAGL statt.


Der Römertag lockte Zehntausende Besucher

Zehntausend Besucher strömten an zwei Tagen im Mai auf das Ausgrabungsgelän-de und entdeckten die römische Geschichte hautnah dank der vielen Teilnehmer und den zahlreichen Vorführungen und Ausstellungen. Das war der Auftakt für das aktive Vereinsleben des Fördervereins. Doch obwohl der Römertag bei den Besuchern bis heute in guter Erinnerung ist und stetig nachgefragt wird, war er doch eine Riesen-Anstrengung für die „Ehrenamtler“ und die vielen Freiwilligen. Daher sollten kleinere Aktivitäten das Vereinsleben neu beleben.


Römisch kochen, Legionäre und die RöMinis

Mit einer kleinen Arbeitsgruppe, dem Vorstand und einer fachlichen Marketingbegleitung, planten die Verantwortlichen das Vereinsleben neu. Denn mit Wegfall der Grabungen war die Gefahr groß, dass das Römische Forum in Waldgirmes schnell in Vergessenheit geraten könne. Also konzipierten die Zuständigen neue Angebote für die interessierte Öffentlichkeit. In Kochkursen wird seitdem die römische Küche lebendig, und Schmuck- und Schminkkurse lassen die Damen in das Leben der Römerinnen eintauchen. Die Gruppe der Legionäre gründete sich und wird aktuell zu Veranstaltungen in ganz Deutschland eingeladen. Mit dem Angebot der RöMinis erleben 8-12 jährige Kinder bis heute die römische Geschichte, Projekttage in verschiedenen Schulen sowie Ferienspielaktionen zu verschiedenen Themen begeistern Kinder und Jugendliche. Daneben finden zahlreiche öffentliche und angemeldete Führungen statt, Vorträge begeistern die Besucher und Tagesexkursionen die Teilnehmer. Das Wichtigste bei allen Aktivitäten ist und bleibt die Authentizität und der Wille, die römische Geschichte von Waldgirmes für alle Altersgruppen erlebbar zu machen.


Der Förderverein blickt in die Zukunft

Alle Aktivitäten betreut ein kleines Team rund um den Geschäftsführer. Dieser koor-diniert alle Aktionen und berichtet dem Vorstand. Ohne das hohe ehrenamtliche Engagement wäre dieses aktive Vereinsleben unmöglich. Dass die Vereinsarbeit erfolgreich ist, beweisen die hohen Besucher- und Teilnehmerzahlen. Doch diese können auf Dauer nicht gehalten werden, da sich Teilnehmer bei den Führungen oft über das karge Gelände enttäuscht zeigen. Daher liegen derzeit alle Anstrengungen des Vorstandes auf den Bau eines Besucherzentrums direkt auf dem Ausgrabungsgelände. So könnte der Förderverein sich professionell präsentieren, höhere Besucherzahlen abwickeln und somit Waldgirmes und die Region zu einem attraktiven touristischen und historischen Ziel ausbauen.


Der Förderverein lädt alle Interessierten ein

Doch zunächst feiert der Förderverein sein 20-jähriges Jubliäum und freut sich auf alle interessierten Besucher und Gäste. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Weitere Informationen zu den Ausgrabungen, den Vereinsaktivitäten und dem kleinen Programm anlässlich des Jubiläums finden Sie auf der Homepage des Vereins: www.roemisches-forum-waldgirmes.de

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von:  Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V.

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