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Abenteuer IronMan Südafrika

Morgens um 5:15Uhr
Morgens um 5:15Uhr
Lahnau | Vor fast einem Jahr ist Marie Herrmanns mit ihrem Mann nach Südafrika ausgewandert. Neben dem Aufbau eines Gästehauses war von Anfang auch die Teilnahme am IronMan Südafrika in Port Elizabeth geplant. Ende März war es dann soweit und LahnLaenderin Marie gibt einen kurzweiligen Einblick zum ihrem erfolgreichen Ironman South Africa. Hier ihr Bericht:

Als für Werner und mich klar war, dass wir eine Weile in Südafrika leben würden, habe ich mich gleich für den Ironman angemeldet und Werner hat für uns umgehend eine Unterkunft in Fußentfernung zum Start gebucht.
Eine Woche vorher: Die Wettervorhersage für Sonntag stimmt mich froh. Mittags 24 °C und sonnig. Kein Sturm.

29. März 4 Uhr 30: Es gibt einen Kaffee zum Wachwerden und ein kurzes Frühstück.

5 Uhr 15: Aufbruch zum Schwimmstart.
Es ist noch dunkel und die Sonnenbrille dient nicht einem coolen Aussehen, sondern dem scharfen Sehen und diese muss nach dem früh-morgendlichen Rad Check noch in den Wechsel- beutel. Es darf nichts am Rad abgelegt werden. Die (Tritt-)Steine vor unserer Zimmertür waren dem starken Regen am Donnerstag und Freitag geschuldet, der den Hof überflutet hatte. Wie gut, dass das Rennen nicht zwei Tage früher stattgefunden hat.

Mehr über...
6 Uhr 30: Die Profi-Männer rennen ins Wasser just als die Sonne am Horizont und die Delfingruppe an der Schwimmstrecke erschien. 3 Minuten später die Profi-Frauen. 15 Minuten später die Altersklassen -männer bis 44 und dann um 7 Uhr alle Frauen und die Männer ab 45.
Gleich ist es soweit!

7 Uhr: Zum ersten Mal schwimme ich im Meer.
Meine Furcht vor größeren Haien, die hier durchaus heimisch sind, vergeht beim Anblick der Hubschrauber, Boote und sonstigem „Aufmarsch“. Außerdem fühlt man/fisch sich im Schwarm sicherer…
Angriffe auf Schwimmbrille und Körperteile kommen dennoch vor. Ich muss anhalten, Wasser aus der Brille schütteln und alles zurechtrücken. Das Meer ist welliger als gewöhnlich, aber mir wird nicht schlecht. Das Salzwasser beißt beim Verschlucken im Rachen und an der Zungenspitze. Die Salzsticks in den Getränke-flaschen hätte ich mir wahrscheinlich sparen können. Aber ansonsten schwimmt es sich gut im Meer. Ich schaue zur Orientierung oft hoch, denn meist habe ich gerade eine Welle vor Augen und sehe nichts. Der Neo reibt mir entsprechend den Hals auf und arbeitet das Salz gleichmäßig ein. Ich komme wie sonst auch (1:21 ± 1 Minute) aus dem Wasser, angele in der Wechselzone nach meinem Radbeutel.

Kurz vor dem Schwimmstart
Kurz vor dem Schwimmstart
Was machen kleine Menschen an dieser Stelle?
In der Wechselzone „trödele“ ich dann fast 9 Minuten herum. Da habe ich noch Potential…
In der ersten Radrunde überhole ich unglaublich viele Teilnehmer. Ich nehme das Windschattenverbot noch sehr ernst und versuche die Lücken zwischen den dichten Pulks zu finden. Außer mir haben das aber nicht alle so eng gesehen, genauso wenig wie Rechtsfahrgebot im Inneren Ring und Linksfahrgebot im äußeren Ring des Rennkurses. Es wird munter links, rechts und in der Mitte gefahren, zusammen, nebeneinander, hintereinander. Das Feld besteht ja zu diesem Zeitpunkt aus Damen und den Herren ab 45 und vermutlich einem höheren Anteil weniger trainierter Athleten als in „Übersee“. Also nix wie vorbei, bevor man sich in der Lücke zurückfallen lassen muss, um den Abstand wieder herzustellen. Wie gesagt, es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht und hier noch mit afrikanischem Gleichmut gewürzt. Ich hab dann irgendwann auch geschaut wo ich bleibe.

Ich fliege die Hügel hoch, sehe Nr. 2038 - die spätere Zweite der AK. Wir fahren den Rest der Runde ähnlich schnell, mal die eine vor , mal die andere, mein Rad läuft
Schwimmstart zum Im South Africa
Schwimmstart zum Im South Africa
schneller geradeaus und bergab, am Berg hat sie mich dann wieder. Ich will sie nicht ausreißen lassen (habe mich selbstverständlich vorher über die Konkurrenz informiert) und strenge mich einen Tick mehr an als geplant. Nach der ersten Runde muss ich anhalten, um meinen Spezial Needs Beutel mit zwei Flaschen „Zaubertrank“ zu holen, man findet meinen Beutel nicht, ich muss eine gefühlte Ewigkeit warten…2038 ist weg. Dafür muss ich an Verpflegungsstationen nicht langsam fahren und klebrige Gels auspacken. Ob das die verlorenen 2-3 Minuten wett macht? Vielleicht ganz gut so, dass sie weg ist, ich muss mein Tempo fahren und nicht ihres, ich will ja noch einen Marathon laufen. Trotzdem schnell weiter, nach weiteren 30 km leichte Krampfansätze in der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Das kann ja noch heiter werden. Ich habe überzockt, es „verkackt“, wie blöd von mir. Macht es Sinn überhaupt noch zu Laufen oder höre ich lieber nach dem Rad auf? Ganz ungewohnte Gedanken. Jetzt mal ein wenig `rausnehmen, der Wind nimmt zu, ich werde langsamer - andere auch. Sie wird verdient gewinnen. Einfach stärker auf dem Rad und beim Laufen sowieso, weiß ich doch, aber „witness the impossible* – *anything is possible“, das Motto des Ironman South Africa
Was machen hier wirklich kleine Triathleten/innen?
Was machen hier wirklich kleine Triathleten/innen?
steht an jeder Ecke auf Riesenplakaten geschrieben. Jeder tut was er kann. Nr. 2030, die Favoritin aus Belgien, habe ich noch gar nicht gesehen, aber sie wird erst recht schon weit weg sein. Zum Glück ist 2034 aus GB gar nicht angetreten. Das Rad stand am Morgen nicht am Platz.
Nach 6:44 Stunden komme ich in die Wechselzone. Weiter geht´s. Mal sehen, ob die Krämpfe, wie in Roth, erst bei km 26 anfangen oder schon viel früher. Vielleicht hilft die tägliche Magnesiumzufuhr der letzten zwei-drei Wochen doch etwas. Salzsticks hatte ich in den Radflaschen und zusätzliche Sticks nun in der Hosentasche.

Ein junger Südafrikaner (AK 30-34) spricht mich beim Loslaufen an. Er hatte sich meinen Namen (auf dem Startnummernschild) gemerkt. Er war beeindruckt, wie schnell ich die Berge hochgefahren bin und meinte, ich hätte bestimmt ein tolles Rad. Vieles kam mir in den Sinn. „Am Rad lag es bestimmt nicht, das ist eher für ebene Strecken gut“. „Wäre ich lieber mal nicht hochgeheizt“. „Oh, ein tolles Kompliment“. Wir plaudern miteinander bei 5:55 min/km. Er fand die Geschwindigkeit gut (er hatte keine Sportuhr an) und traute mir wahrscheinlich mehr zu. Für mich zu schnell, ich versuche mich zu bremsen und 495 läuft trotzdem weiter neben mir.

Der Marathon läuft super!
Der Marathon läuft super!
Nach drei Kilometern finde ich dann mein langsameres Tempo und an der Verpflegungsstation zieht der junge Mann endlich weiter. „Der kann doch viel schneller als ich“. Ich muss mein eigenes Tempo laufen, auch wenn es kurzweiliger wäre. Dieses Tempo laufe ich gleichmäßig weiter, länger als gedacht. Drei Runden liegen vor mir mit einer kleinen Steigung. In Runde Zwei kommt nach der Steigung ein Ansatz von Krampf, zehn Schritte gehen und es ist wieder gut, Spezial Needs Back bei km 22 holen. Es wird langsam Dunkel. Eine halbe Flasche „Zaubertrank“ trinken. Die Krämpfe bleiben aus. Kommen einfach nicht. Das Tempo ist auch noch gut. Ich muss nicht an jeder Verpflegungsstation gehen oder stehen bleiben, höchstens um die Cola in der letzten Runde nicht zu verschütten. Ich lasse auch einige Stationen aus, aber nehme mir vor in der dritten Runde an der Steigung zu gehen. Aber warum? Es läuft doch. Werner ruft mir zu: „Zieh das durch, das wird dein schnellster Marathon“. Ich ziehe das durch, laufe und laufe und denke an Forest Gump, der einfach nicht aufhören konnte zu Laufen. Es sind doch nur noch 9 km. Ab km 38 laufe ich den Stationen winkend und mich bedankend vorbei, den roten Leuchtstab der letzten Runde wie einen Staffelstab haltend. Beflügelt von einer für mich tollen Zeit fliege ich über den roten Teppich, über bunte Lichtbalken, über die Ziellinie. 13:07.

Zieleinlauf nach 13 Stunden
Zieleinlauf nach 13 Stunden
Das war mal ein richtiger Marathon, ohne Gehpausen, in 4:47. Plötzlich 20 Minuten schneller als in Frankfurt und Roth. Wie geht das denn? „Anything is possible“!
Ich werde Dritte mit einer guten halben Stunde Rückstand auf Martine Aerts (2030) und Pat Thompson (2038), die nur 18 Sekunden auseinanderliegen. Da wird sich Pat ganz schön geärgert haben, diesmal nicht nach Hawaii zu dürfen. Ich freue mich über den dritten Platz in der AK55-59, aber mehr noch über die unerwartete Steigerung beim Laufen. Wer weiß, was noch alles geht?

Bei der Siegerehrung am Montagabend gratuliert mir Thomas Dieckhoff (CEO IRONMAN Europe, Middle East and Africa) und fragt mich, woher aus Deutschland ich denn käme. Ich antwortete: „Aus Hessen und mein Verein sind die LahnLaender“.

Er antwortet: „Ah, die LahnLaender! Ja, die kenne ich, ein toller Verein - klein, aber fein“ ;-)

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