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Ehrenamtliche Kultur- und Naturführer bilden sich in Theorie und Praxis weiter

20 ehrenamtliche Natur- und Kulturführer waren der Einladung des Life-Projektes "Wetterauer Hutungen" zu einer Fortbildung zur Organisastion und interessanten Gestaltung von Exkursionen auf die traditionellen Weideflächen gefolgt.
20 ehrenamtliche Natur- und Kulturführer waren der Einladung des Life-Projektes "Wetterauer Hutungen" zu einer Fortbildung zur Organisastion und interessanten Gestaltung von Exkursionen auf die traditionellen Weideflächen gefolgt.
Hungen | Knabenkraut, Knöllchensteinbrech, Uhu und Schlingnatter – diese und noch viel mehr selten gewordene Pflanzen und Tiere kann man auf den Wetterauer Hutungen finden. Man muss sie nur auch erkennen und sehen. Am besten geht man deswegen mit einem der Natur- und Kulturführer auf diese Flächen. Zu einem Fortbildungsseminar für diese Kenner der Heimat aus der Wetterau, dem südlichen Landkreis Gießen und dem Vogelsberg hatte das Life-Projekt „Wetterauer Hutungen“ am vergangenen Samstag ins Vereinshaus des VNULL Langd eingeladen. Das Thema war „Gestalten von Exkursionen zu den „Wetterauer Hutungen“. 2o Teilnehmer waren gekommen und hatten ihre Hausaufgaben, nämlich Konzepte für spannende, unterhaltsame Führungen zu erarbeiten gut erledigt.

Egal, ob wie von Dr. Angela Metzner vorgeschlagen, Flora und Fauna im Kontext ihres kulturgeschichtlichen Hintergrundes oder ihre Symbolik in Märchen und Sagen vorzustellen oder den Ansatz zu nutzen, die Wildkräuter mit ihren domestizierten Verwandten im Hausgarten zu erklären, so wie es die Diplom-Biologin Kerstin Bär vorschlug oder den symbiotischen Beziehungen von Pflanzen- und Tiergemeinschaften wie des Großen Wiesenknopfes und dem Ameisenbläuling, einer heimischen Schmetterlingsart nachzuspüren, es gab viele interessante Ansätze im Plenum.

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Wetterauer Hutungen (11)VNULL (2)Natur- und Kulturführer (1)Langd (19)Köppel (1)Fortbildung (42)Bodo Fritz (1)
Ein Vortrag von Gudrun Beekmann-Matar, der Bildungsbeauftragten des Projektes „Wetterauer Hutungen“, gab Anregungen für die didaktische Planung und Gestaltung von naturkundlichen Exkursionen. Sie stellte heraus, das neben fachlicher Kompetenz das Einbringen der eigenen Persönlichkeit des Natur- und Kulturführers das „dickste Pfund“ sei, um die Menschen für die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt auf den traditionellen Weideflächen zu begeistern. Kerstin Bär hob noch einmal explizit hervor, wie wichtig das Ehrenamt für das Life-Projekt ist, denn ohne das Engagement von ehrenamtlichen Helfern bei der Pflege der Hutungen, die bei Projektstart in 2010 zum größten Teil bereits mit Büschen und Gehölz zugewachsen waren und der ehrenamtlichen Tätigkeit der Kultur- und Naturführer wäre das Projekt nicht so erfolgreich, wie es nach nun zweieinhalb Jahren ist.

Dieser Erfolg zeigt sich vor allem im Kleinen, das belegte Bodo Fritz, Vorsitzender des VNULL Langd, in seinem sehr interessanten Vortrag. Alte Postkarten belegen beispielsweise, dass der „Köppel“ einst eine freie
Nach der Theorie, die Praxis auf einer der 65 Wetterauer Hutunge, auf dem Köppel bei Hungen-Langd.
Nach der Theorie, die Praxis auf einer der 65 Wetterauer Hutunge, auf dem Köppel bei Hungen-Langd.
Weidefläche war und ab den 1970er, nach Aufgabe der Beweidung, verbuschte. 1998 konnten die 5 Hektar auf dem Köpfel plus der benachbarte Steinbruch für den Naturschutz gesichert und mit viele Schweiß und Arbeit der Vereinsmitglieder gesäubert werden. „Und schlagartige kamen Pflanzen wie das Knabenkraut, die Heidenelke oder der Doldenmilchstern zurück in ihr angestammtes Habitat. Ebenso die Tiere. Weinbergschnecke, Feldgrille und das Reptil des Jahres 2013, die Schlingnatter, sind auf der Hutung wieder zu Hause“, belegte Bodo Fritz, auch engagierter Naturfotograf, mit eindrucksvollen Bilder. Und nachts ruft der Uhu, der auf dem Köpfel ebenso ein optimales Revier gefunden hat. Nach der Theorie folgte die Praxis. Die 20-köpfige Gruppe wanderte auf den Köpfel, zahlreiche zuvor beschriebene Pflanzen, aber auch eine Schlingnatter wurde entdeckt. Als drittes Modul der Fortbildung für Kultur- und Naturführer folgt im August eine Exkursion den multimedialen Erlebnisraum „Schaf und Natur – unterwegs in den Wetterauer Hutungen“, der in der Hungener Käsescheune entsteht.

Die EU hat ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem u. a. Naturschutz-Projekte finanziert werden können. Der Name des Projektes "LIFE" steht dabei für "L' Instrument Financier pour l'Environnement", umschreibt also Maßnahmen im Umweltbereich. Voraussetzung ist, dass die Flächen in einem von der EU geschütztem Gebiet liegen. Dazu gehören neben den EU-Vogelschutzgebieten auch FFH-Gebiete, wobei die Abkürzung "Flora, Fauna, Habitat", also "Tiere, Pflanzen und Lebensräume" bedeutet. Das LIFE-Projekt "Wetterauer Hutungen" ist das erste LIFE-Projekt in Hessen und läuft von 2010 bis 2014. Es hat das Ziel, die traditionell schafbeweideten Hutungen im Wetteraukreis und dem südlichen Landkreis Gießen mit ihrer typischen Artenvielfalt zu erhalten und zu entwickeln.

Alle Fotos in diesem Beitrag wurden von der Naturfotografin Christina Marx zur Verfügung gestellt.

20 ehrenamtliche Natur- und Kulturführer waren der Einladung des Life-Projektes "Wetterauer Hutungen" zu einer Fortbildung zur Organisastion und interessanten Gestaltung von Exkursionen auf die traditionellen Weideflächen gefolgt.
20 ehrenamtliche Natur-... 
Nach der Theorie, die Praxis auf einer der 65 Wetterauer Hutunge, auf dem Köppel bei Hungen-Langd.
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