Bürgerreporter berichten aus: Hungen | Überall | Ort wählen...

Die Schäfer- und Magerrasenroute ist eröffnet

Kerstin Bär, Jutta Katz und Bürgermeister Hans Peter Seum bei der Eröffnung der Schäfer- und Magerraenroute in Nidda-Eichelsdorf
Kerstin Bär, Jutta Katz und Bürgermeister Hans Peter Seum bei der Eröffnung der Schäfer- und Magerraenroute in Nidda-Eichelsdorf
Hungen | Tolle Ausblicke zum hohen Vogelsberg und den Taunus, interessante Informationen zu den Wetterauer Hutungen, den traditionellen Weideflächen am Fuße des Vulkans, tiefe Einblicke in die Erdgeschichte im einmaligen Industrie-Denkmale Steinbruch Michelnau und als möglicher gastronomischer Schlussakkord der Einkehrschwung im Gasthausbräu "Zur Traube" in Nidda - die neue Schäfer- und Magerrasenroute bietet Genüsse für alle Sinne. Sie führt über 12 Kilometer von Eichelsdorf nach Nidda und kann mit der vorhandenen Busverbindung zu einer Rundtour verbunden werden. Alle drei Hutungen, die mit der neuen Schäfer- und Magerrasenroute verbunden werden, sind als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000.

Bei der Eröffnung am vergangenen Freitag verwies Diplom-Biologin Kerstin Bär vom Life-Projekt „Wetterauer Hutungen“ explizit auf die wichtige Funktion der Schäferei beim Erhalt dieser traditionellen Weideflächen. „Wer Produkte vom Schaf bei Wetterauer Schäfern kauft, trägt damit zum Natur- und Artenschutz bei.“ Bürgermeister Hans Peter Seum hob die Bedeutung des neuen Wanderweges für die touristische Erschließung der Region hervor. Insgesamt hatten sich 15 Wanderer bei der offiziellen Eröffnung der Schäfer- und Magerrasenroute zusammengefunden.

Mehr über...
Wandern (255)Schäfer- und Magerrasenroute (1)Nidda-Eichelsdorf (1)Life-Projekt Wetterauer Hutungen (7)
Vom Wanderportal in Eichelsdorf führt der Weg zunächst durch den Ortskern des typischen, denkmalgeschützten Vogelsbergdorfes und entlang des Eichelbaches. Und schon bald erreicht man die sanften Hänge, grüne Wiesen und Kuppen am Hundsrück. Von hier hat man die erste grandiose Aussicht ins Niddatal. Entlang der Höhe geht es über Hutungsflächen bis zum Schmitter Blick. Große Wacholderbüsche, duftender Thymian und selten gewordene Pflanzen wie Kleiner Wiesenknopf gedeihen hier. Sogar der seltene Enzian wurde einmal gesichtet. Schlingnatter und Roter Milan finden hier wieder ihren Lebensraum und einen reich gedeckten Tisch.

Entlang des Weges erläutern 22 Infotafeln u. a. die Entstehung der umgebenden Landschaft, die Rolle der Schäferei in der Landschaftsentwicklung und die Artenvielfalt der Magerrasenflächen ebenso wie die Geschichte und Bedeutung der Wetterauer Hutungen, die große Artenvielfalt von Flora und Fauna auf den Magerrasenflächen oder den Weg des Schäfers mit seiner Herde. Für Kinder gibt ein schlaues Schaf auf den Info-Tafeln interessante Tipps oder stellt Verständnisfragen.
Das Wegzeichen Wetterauer Hutungen führt über 12 Kilometer von eichelsdorf nach Nidda.
Das Wegzeichen Wetterauer Hutungen führt über 12 Kilometer von eichelsdorf nach Nidda.
Die gut platzierte Beschilderung orientiert sich an den hohen Anforderungen, die zertifizierte Wege erfüllen müssen. Daher ist die Streckenführung gut nachvollziehbar und der Weg kann auch ohne ortskundige Begleitung gut erwandert werden.

An markanten Punkten wie am Rechelshäuser Berg gibt eine Tafel einen Überblick über die den Wanderern zu Füßen liegenden Landschaft und die Höhen am Horizont. Von hier kann man die Tour auch nach knapp 7 Kilometern abkürzen. In gerader Linie führt ein zunächst ein Gras-, dann ein asphaltierter Weg hinunter nach Unter-Schmitten und zur Bushaltestelle (Schottener Straße). Kürzt man die Strecke ab, verpasst man allerdings zwei weitere Highlights: den Steinbruch Michelnau und die malerische Schlucht, die ein Bach am Wegesrand hinter Michelnau in den Basaltfelsen geschnitten hat.

Steht man am Aussichtspunkt oberhalb des Steinbruchs (ausgeschildert!) fallen die roten Wände bis zu 40 Meter steil in die Tiefe. Beeindruckend! Das Gestein ist Basaltlavatuff, einzigartig in Europa und so nur noch auf den Osterinseln zu finden. Wegen seines hohen Eisengehaltes oxidiert das Gestein und färbt sich rot. Der erst kürzlich restaurierte Kran, ein verbeulter LKW aus den 1950er Jahren, Reste von Feldbahn-Gleisen, Windenhaus und Sägehalle zeugen von der industriellen Vergangenheit des Ortes. Die Natur hat sich die ehemaligen Industrieflächen teilweise zurück erobert, verschiedene Biotope haben sich entwickelt.

Tiefe Einblicke in 15 Mio. Jahre Erdgeschichte gewährt der Steinbruch Michelnau.
Tiefe Einblicke in 15 Mio. Jahre Erdgeschichte gewährt der Steinbruch Michelnau.
Vom Steinbruch führt die Schäfer- und Magerrasenroute zu einer kleinen Schlucht, eine der seltenen natürlicherweise waldfreien Flächen. Es ist das vierte Natura-2000-Gebiet an der Strecke. Von hier führt der Weg in die sehenswerte Altstadt von Nidda mit der ältesten Saalkirche Oberhessens, einem Board-Walk entlang der Nidda, dem Johanniterturm und dem malerischen Marktplatz, wo es auch einige Einkehrmöglichkeiten gibt.

Die Schäfer- und Magerrasenroute ist ein Life-Projekt aus einem EU-Förderprogramm, mit dem u. a. Naturschutz-Projekte finanziert werden können. Der Name des Projektes "LIFE" steht dabei für "L' Instrument Financier pour l'Environnement", umschreibt also Maßnahmen im Umweltbereich. Voraussetzung ist, dass die Flächen in einem von der EU geschütztem Gebiet liegen. Dazu gehören neben den EU-Vogelschutzgebieten auch FFH-Gebiete, wobei die Abkürzung "Flora, Fauna, Habitat", also "Tiere, Pflanzen und Lebensräume" bedeutet. Das LIFE-Projekt "Wetterauer Hutungen" ist das erste LIFE Projekt in Hessen und läuft von 2010 bis 2014. Es hat das Ziel, die traditionell schafbeweideten Hutungen im Wetteraukreis und dem südlichen Landkreis Gießen mit deren typischen Artenvielfalt zu erhalten und zu entwickeln.

Kerstin Bär, Jutta Katz und Bürgermeister Hans Peter Seum bei der Eröffnung der Schäfer- und Magerraenroute in Nidda-Eichelsdorf
Kerstin Bär, Jutta Katz... 
Das Wegzeichen Wetterauer Hutungen führt über 12 Kilometer von eichelsdorf nach Nidda.
Das Wegzeichen... 
Tiefe Einblicke in 15 Mio. Jahre Erdgeschichte gewährt der Steinbruch Michelnau.
Tiefe Einblicke in 15... 
Ein gern gesehener Gast auf den Wetterauer Hutungen.
Ein gern gesehener Gast... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Wandern ist Volkssport
Auf zu den 42. Europäischen Volkswandertagen
Zum wiederholten Male veranstalten die Volkssportfreunde Gießen mit...
v. l. Frank Westbrock, Kerstin Westbrock, Jürgen Schäfer, Horst Raßmann (Wonderfuhl-Outfit-2015) und Katja Herbert haben mit ihrem GV-Eintracht angerichtet und ihre Vorbereitungen laufen parallel zum Wiesenfest auf Hochtouren.
21. Weißbierfest auf dem Obersteinberg
Am Himmelfahrtstag lädt wieder das liebevolle Familienfest auf die...
Wenn Bürger mitdenken, kann Großes gelingen!
Wenn Bürger nicht nur fordern, sondern die Augen offenhalten, Lücken...
Wandern - Radfahren - Nordic-Walking 2016
Wandern, Radfahren und Nordic-Walking der TSG Leihgestern 6....
Nightwalk und Nightfever…eine Nachtwanderung zum Abend des Lichtes...findet regen Zuspruch
Die Idee zur Veranstaltung kam Michael Mohr, ehrenamtlicher...
Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller und Landrätin Anita Schneider, umringt von den am Projekt Beteiligten, bei der Übergabe des Förderbescheids.
Peter-Kurzeck-App - eine moderne Form um kommunale Geschichte kennen zu lernen
Fünf Stunden mündliche Erzählung und mehrere tausend Seiten Literatur...
Wandern und Yoga: Am Pfingstsamstag geht's weiter
Wandern und Yoga - diese Kombination bietet der TV07...

Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
9.298
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 21.05.2013 um 14:04 Uhr
Sehr guter, ausführlicher Beitrag und ein guter Ausflugstipp.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ingrid Schick

von:  Ingrid Schick

offline
Interessensgebiet: Lich
Ingrid Schick
407
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
99 x Gießen und das Gießener Land - Orte.Menschen.Bilder.Geschichten.
Gießen und das Gießener Land aus neuen Perspektiven entdecken!...
Märchenhafter Abend mit Michaele Scherenberg
Märchen und Essen passen gut zusammen. Denn in vielen Märchen spielen...

Weitere Beiträge aus der Region

An der Elvis-Stelle in Bad Nauheim
"Muss i denn, muss i denn..."
Unter dem Titel "Wooden Heart" wurde das deutsche Volkslied, gesungen...
Klaus-Dieter Willers, Eric Richter-Bellof
Grill-Event in der Frohsinn-Hütte bei Buseck
Mit dem Chef-Griller Eric Richter-Bellof trafen sich 20 Personen in...
Die Nidda darf sich wieder schlängeln
Herbsttagung der HGON
25.09.2016 (hw) // Der Einladung des HGON Landesverbandes zur...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.