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Bäderlandschaft Landkreis Gießen

Hungen | Ein Hallenbad Grünberg ist nun endgültig vom Tisch. Man jammert ums Geld und hatte doch vorher alle Möglichkeiten. Hätte man doch einmal miteinander, anstelle übereinander gesprochen. Vorher waren es 130.000 Euro Zuschuss im Jahr für ein Hallenbad. So manche Kommune, hätte dies ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Jetzt stehen gleich beide frühere Partner ohne ein schmuckes Aushängeschild da.

Und überall sonst, die gleiche Leier – in den 70 Jahren hat man sich als Gemeinde über einen Hallenbadstandort gefreut. Heute möchte man diese gerne wieder loswerden. Jahrelang ausgesessen, steht heute ein Investitionsstau an und die Kassen sind noch leerer.
Für die politisch Verantwortlichen heißt das, um nicht das Gesicht zu verlieren, freiwillige Leistungen in Frage zu stellen. Büchereien, Schwimmbäder, Bürgerhäuser meistbietend verschachern oder schließen. Hier und da noch ein wenig an der Steuerschraube drehen oder Pferdesteuer einführen und schon sieht die Welt schon ein wenig besser aus.
Läuft es besonderst übel, flüchtet man sich unter den Rettungsschirm und kann den „schwarzen Peter“ der nächst höheren Instanz zuschieben.

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schwimmen (216)
Dem Bürger scheint dies nicht zu stören. Im Gegenteil: Da beschwert man sich diese Woche in der Presse über eine Jahreskarte für ein Hallenbad. 100 Euro für Sport und Spaß, Gesundheit, einen netten Plausch und sauber ist man hinterher auch noch. Fürs warme Duschen Zuhause, hätte er dafür im Jahr mehr zu bezahlen. Ein anderer Badegast der sich an der Hallenbadkasse über 3,60 Euro Eintritt ohne Zeitbegrenzung und all inclusiv beklagt, treffe ich einige Zeit später in der Eisdiele wo er seinen Milchkaffee für 3,60 Euro trinkt. Nach fünf Minuten ist die Tasse leer und der Italiener wurde nicht angemeckert. Wo ist da die Gerechtigkeit?

Für die Gesundheit, Bewegungsarmut und deren Folgen müssen wir alle aufkommen. Ein Viertel, etwa 23,3 Prozent, der Deutschen Bevölkerung kann nach eigenen Angaben kaum schwimmen. Bei diesen Menschen ist das Risiko zu ertrinken besonderst hoch. 87,3 Prozent halten zudem kommunale Schwimmbäder für sehr wichtig.
Während 76,7 Prozent der Befragten ab 14 Jahren angaben, schwimmen zu können, sinkt der Ausbildungsgrad der jüngeren Kinder nach Angaben der Eltern auf 66,1 Prozent.
„Das sind erste sichtbare Folgen der Bäderschließung und der Probleme des Sportunterrichtes in den Schulen.“
Die Zahl der Schwimmer nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab. 92,2 Prozent der 14- bis 19-Jährigen geben an, Schwimmer zu sein. Bei den 40- bi 49-Jährigen beginnt der Bruch, nur noch 69,8 Prozent dieser Altersklasse können schwimmen und bei den über 60-Jährigen sind es nur noch 44 Prozent.
Diese Entwicklung zeigt deutlich die Wirkungen des „goldenen Plans“. In den 60er und 70er Jahren wurden viele Schwimmbäder gebaut. Davon haben die jungen Menschen unter 40 Jahren profitiert.

Wo ist heute die Verantwortung der Politiker für das Wohl ihrer Bürger. Prachtvolle Bäderlandschaften kann sich keine Familie leisten und schwimmen hat darin auch noch kein Kind richtig gelernt. Schul- oder Vereinsschwimmen findet dort auch nicht statt.
Bleibt noch das Tafelsilber vielleicht an Vereine zu übertragen. Noch ist hier nichts Schlimmes passiert. Klar ist das solche Maßnahmen meist auf Kosten von Sicherheit, Sauberkeit und Einschränkung der Nutzergruppen geht.

Bei all diesen Überlegungen mache ich mir Sorgen um unsere Kinder. Rechtlich hat inzwischen jedes Kind ein Anrecht auf eine Erziehungseinrichtung, nur wo lernen diese Kinder irgendwann einmal schwimmen.

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
26.770
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.12.2012 um 19:26 Uhr
Unter dem Schirm zur Rettung der Kommune werden noch mehr Bäder trocken fallen ;-(( Von anderen Sparmaßnahmen ganz zu schweigen und dazu Anhebung diverser Gebühren bei gleichzeitiger Streichung von Kultur, Bildung und anderem ;-(((
Nicole Freeman
8.978
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 07.12.2012 um 08:28 Uhr
heuchelheim hat auch kein schwimmbad mehr. da ist jetzt ein fittness studio. ich habe im gruenberger schwimmbad das schwimmen,, gelernt,, naja ich kann mich ueber wasser halten. Ich werde nie vergessen das wir den rudi voeller ins schwimmbad bekommen haben weil wir an der scheibe zum sporthotel klebten. ein sehr netter mensch! schade um das bad.
Peter Herold
26.770
Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.12.2012 um 09:34 Uhr
Im Heuchelheimer Schwimmbad waren wir früher immer wenn wir auf Besuch hier waren.
Michael Schad
362
Michael Schad aus Hungen schrieb am 07.12.2012 um 14:03 Uhr
Ich lade Euch gerne ein, das wirklich schöne Familienbad Biebertal zu besuchen.
Peter Herold
26.770
Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.12.2012 um 15:01 Uhr
Ich bin nicht so die Wasserratte. War schon länger nicht mehr. Einige Male mit Tochter und/oder Frau in der Therme in Aßlar
Christian Momberger
11.028
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 08.12.2012 um 17:00 Uhr
Ein sehr guter, absolut lesenswerter und leider völlig zutreffender Artikel Herr Schad, den sich alle Politiker mal genau anschauen sollten! Aber dies wird wohl nicht passieren.

Zu dem Thema der "angespannten Kommunalfinanzen" sagte der damalige Präsident des DLRG-Landesverbandes Hessen Harald Blum auf der DLRG-Bezirkstagung 2011 in Kinzenbach völlig zu recht: "Schuld [hierfür, CM] sei die bereits seit Jahrzehnten von Bund und Land zu verantwortende und politisch gewollte chronische Unterfinanzierung der Kommunen, welche die finanziellen Handlungsspielräume der Städte und Gemeinden immer weiter einenge. Als ehemaliger Stadtverordneter in Südhessen könne er aus eigener Erfahrung berichten, dass die Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunalparlamente immer geringer würden. Teilweise bestehe nicht mal mehr die Möglichkeit zu entscheiden, ob nun zwei oder drei Bücher für die Stadtbücherei angeschafft werden. Dieser Zustand dürfe nicht länger hingenommen werden und stelle eine große Gefährdung für die Demokratie dar. Daher fordere er, Bürgermeister, Kommunalpolitiker und die DLRG sollten sich gemeinsam dagegen wehren und mit Nachdruck fordern, dass den Kommunen endlich die nötigen Finanzmittel zur Finanzierung der ihnen übertragenen Aufgaben und zum Erhalt der kommunalen Infrastruktur an die Hand gegeben würden." (Quelle: http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/49068/dlrg-bezirksvorstand-einstimmig-wiedergewaehlt/)

Und genau hier liegt das Problem: Statt dass sich die Kommunen in Deutschland gemeinsam gegen die Politik des Bundes und der Länder zu Wehr setzen und dafür Kämpfen, dass statt Milliarden für die Banken es endlich eine ordentlich kommunale Finanzausstattung gibt, verhandeln sie lieber jeder für sich mit der höheren Ebene und wälzen die Lasten Finanzkrise und der fehlenden Einnahmen auf die kleinen Leute und die sozial Schwächsten der Gesellschaft ab. Wenn das Land Hessen z.B. als ersten Schritt eine Vermögenssteuer einführen würde, dann hätte genügend Geld, den Kommunen deutlich mehr Finanzmittel an die Hand zu geben und nicht einen löchrigen Knirps anzubieten bei gleichzeitiger Wegnahme von Geldern an anderer Stelle. Wir brauchen keine Schuldenbremse, diese in der Verfassung zu Verankern war und ist ein großer Fehler, sondern endlich eine Änderung der Prioritäten und des Systems! Der Mensch und seine Bedürfnisse wie Gesundheit, Kultur, Bildung und Sport müssen wieder im Mittelpunkt stehen und nicht länger der Profit der Konzerne und Finanzmärkte.
Christian Momberger
11.028
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 08.12.2012 um 18:44 Uhr
Peter Herold
26.770
Peter Herold aus Gießen schrieb am 08.12.2012 um 21:29 Uhr
Wie wahr Herr Momberger, aber leider ghet die Politik immer den Weg des geringsten Widerstands ;-((
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Michael Schad

von:  Michael Schad

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