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Keine Gewerbegebiete für Logistiker in Hungen

Rund 70 Teilnehmende beim Bürgerdialog der Grünen im Gewerbegebiet Hungen-Süd
Rund 70 Teilnehmende beim Bürgerdialog der Grünen im Gewerbegebiet Hungen-Süd
Hungen | Bürgerdialog mit den Grünen über das Gewerbegebiet Hungen-Süd

Rund 70 Teilnehmende konnte der Vorsitzende der Hungener Grünen, Alexander Kargoscha, zur Diskussion über das Gewerbegebiet Hungen-Süd vor Ort begrüßen.

Derzeit sind drei Unternehmen aus Hungen bekannt, die zusammen etwa einen Hektar von den auszuweisenden 22 Hektar benötigen. Allerdings interessiert sich dem Vernehmen nach bereits ein weiteres Unternehmen für die Fläche und will davon gleich ganze 14 Hektar in Anspruch nehmen. „Es ist unschwer zu erraten, wofür derart große Flächen gebraucht werden“, meinte Frank Bernshausen, Stadtverordneter der Grünen. „Dazu reicht ein Blick nach Lich mit seinem blauen Möbellager, oder in die Pläne von Amazon für Grund-Schwalheim und schließlich auf die Rewe-Pläne in Berstadt.“ Logistikzentren bringen nach Einschätzungen der Grünen im Verhältnis zum Flächenverbrauch aber nur wenige Arbeitsplätze, wenig Gewerbesteuer, dafür aber viel Verkehr mit Lärm und Feinstaub und letztlich eine zerstörte Landschaft.

Es muss endlich grundsätzlich die Frage diskutiert werden, wie und wohin sich Hungen entwickeln will,
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meinte Bernshausen. „Wollen wir noch wachsen - und damit weiter Flächen zur Lebensmittelerzeugung zerstören? Und wenn, wie viel wollen wir wachsen und mit welchem Ziel?“ Wenn schon bester landwirtschaftlicher Boden zerstört werden soll, dann muss darauf ein nachhaltiger Wert für die Stadt entstehen. Das heute übliche Stückwerk an Flächenfraß ohne Gesamtperspektive muss ein Ende haben. Darüber hinaus kam bei diesem Treffen vor Ort die Frage auf, ob Hungen ein Gewerbegebiet in dieser Größe überhaupt braucht. Sollte sich die Stadt nicht viel eher mit dem Siedlungsdruck aus dem Rhein-Main-Gebiet beschäftigen, der mit der direkten Verbindung über die Horlofftalbahn in Kürze auch Hungen erreichen wird.

Am Beispiel des Konzepts für ein Gewerbegebiet auf der Harb erläuterte Wolfgang Macht, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Hungener Stadtparlament, für welche Vorgaben sich eine Stadt unter anderen entscheiden könnte: Flächenschonende Bebauung, Beitrag zur CO2-Reduktion der Großgemeinde, ökologisch nachhaltige Bebauung und großer Grünflächenanteil. Schließlich zählt sich Hungen auch zu den Klimakommunen in Hessen.

In der Nähe von Universitäten und Technischen Hochschulen sollte ein Gewerbegebiet eher einen Campus-Charakter bekommen, zur Ansiedlung von Startups und Unternehmen in zukunftsfähigen Technologiebereichen. Flächen für Logistiker und Hochregallager sind schon in der Planung auszuschließen. Strategisch, so Macht, gehöre zu einem Gewerbegebiet dieser Größe nicht nur die Vernetzung mit der Metropolregion Rhein-Main sondern auch die klare Festlegung von Nachhaltigkeitszielen. Grundsätzlich müsse sich dafür die Stadt das Vorkaufsrecht für die Flächen sichern, damit die Entwicklung langfristig in den eigenen Händen bleibt.

In der Diskussion mit den Teilnehmenden wies Dr. Christiane Schmahl, Mitglied im Kreisvorstand der Grünen und Erste Kreisbeigeordnete, auf die konkurrierenden Interessen beim Flächenverbrauch hin. Flächen lassen sich nicht vermehren. Sie werden aber gebraucht für Siedlungsflächen, Gewerbeflächen, Verkehr, Landwirtschaft oder Naturschutz. Natürlich müsse es möglich sein, dass Betriebe aus dem Ortskern an den Rand umziehen um sich zu vergrößern, aber auf beste landwirtschaftliche Böden gehören keine Logistikzentren. Diese Böden brauchen wir für unsere Ernährung.

Viele Diskussionsbeiträge der Teilnehmenden bezogen sich auf Fragen zum Stand der Planung für das Gewerbegebiet Hungen-Süd und Möglichkeiten der Einflussnahme. Nach Einschätzung von Macht kommt das Thema erst nach den Kommunalwahlen im März 2021 wieder auf die Tagesordnung - und dann spielen die Mehrheitsverhältnisse eben doch eine Rolle. Parteiübergreifend sollten die Hungener Bürger von der Stadt mittelfristig ein Konzept verlangen, wie die Zukunft der Siedlungsentwicklung und des Flächenverbrauchs in der Stadt aussehen soll. Denn während zwischen Trais-Horloff und Inheiden über 22 Hektar gesprochen wird, entstanden in der Verwaltung schon neue Pläne für ein Gewerbegebiet mit 7 Hektar am Ende der Königsberger Straße. So bleibt am Ende die Frage der Bürger: „Wo soll es hingehen mit dem Flächenverbrauch.“

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