Bürgerreporter berichten aus: Hungen | Überall | Ort wählen...

Schachlandesliga: Piratenschiff SSG Hungen/Lich versenkt Galeere Idstein 5,5:2,5

Hungen | Ein weiteres mal sorgt die zusammengewürfelte Mannschaft unter Kapitän Klaus Jakob für eine Überraschung. Hinter dem vermeintlich sicherem Aufsteiger der Oberligareserve Wiesbadens ist eigentlich alles Abstiegskampf in der Landesliga West Hessens. Ein Auswärtsspiel bei Verbandsligaabsteiger Idstein war nicht gerade der Garant dafür, daß nach zuletzt rumpeligen Vorstellungen die finalen Punkte geholt werden.

Erst einmal spielte der Verein Samstags die hessische Blitzmannschaftsmeisterschaft in Gernsheim mit in der Besetzung Euler, Orwatsch, Soppa, Ranft, Manuel Hölß, Silas Hölß. Als Trainingsturnier gedacht wurde systematisch durchgewechselt, und letztlich stand auch genau der statistisch erwartbare 19. Platz von 22 Teilnehmern zu Buche, wobei jeder der Hungener Teilnehmer mindestens einen Sieg im Haifischbecken verbuchte.

Durch die Rotation kam Christoph Soppa in den Genuß am ersten Brett gegen den Ex-Hungener IM Jacek Dubiel vom Sieger Oberursel und GM Gennadi Ginsburg vom Zweitbundesligisten Hofheim zu spielen und zeigte in beiden Matches einen verbissenen Kampf mit Chancen. Die zähe positionelle Grundlage Soppas kam hier noch nicht zum Zuge...

Mehr über...
Der Wettkampf in Idstein begann denkbar schlecht mit der Niederlage von Michael Ranft mit Weiß an Brett 7 gegen Andreas Rump. Im Blackmar-Diemer-Gambit hatte der vom Vortag unausgeschlafene Computerschachspezialist nach wenigen Zügen eine eigentlich vielversprechende Stellung gegen den passiv agierenden Gegner erreicht, aber beachtete keine Gegendrohungen im Bereich des eigenen Aufbaus. Dg3 erlaubte die Fesselung der Dame mit Lh4.

René Gabel mit Weiß an Brett 4 erreichte ebenso schnell eine gute Stellung gegen Gero Marten, im van Geet System brachte er dem Gegner schnell einen Doppelbauern auf f6 bei und hatte offensichtlich zeitweise deutliche Vorteile, die sich nach ungenauen Zügen verflüchtigten. Der Gegner hatte wenig Lust die legendäre Zähigkeit Gabels mit Gewinnversuchen zu testen und ging dankbar auf das Remisangebot ein.

Joachim Lehwalder an Brett 2 gegen Dimitri Goloborodko spielte wieder die schwarze Mamba mit b6 und e6 und testete die Verteidigungsfähigkeit des Weißen aus. Der russigstämmige Weiße konnte mit dem Manöver Le2-f3 den Killerläufer auf b7 ausschalten, jedoch nicht mehr. Angst, daß Lehwalder mehr macht, wenn man auf Gewinn spielt ist völlig gerechtfertigt, deswegen wurde Lehwalders Remisangebot dankbar angenommen.

Altmeister Gerhard Orwatsch war mit Weiß im aktuell wieder modernen Lf4-System wie ein Fisch im Wasser an Brett 3 gegen Eugen Seifert. Da Orwatsch das System seit gefühlten 100 Jahren spielt war der Lackmustest Seifert mit Db6xb2 den Gambitbauern zu nehmen ein Selbstmordkommando. Nach Damentausch ein Turm auf der siebten Reihe nagelte Orwatsch den Gegner nach allen Regeln der Kunst fest und feierte einen überzeugenden Sieg.

Mit klarem Autrag seitens Vereinspräsidenten und Mannschaftsführer Klaus Jakob gegen den durchaus respektablen Dirk Bender, der an diesem Tag auch noch seinen Geburtstag feierte, versehen bekam Gerd Euler mit Weiß an Brett 1 die Variante präsentiert, die er zuletzt am meisten hasst, den extrem beschleunigten Drachen. Euler entschied sich diesmal zum Übergang zum Caro-Kann mit dem Doppelbauern d4 und d5 und Verzicht aufs Läuferpaar. Die zwei Springer wirbelten alles durch und vorm 30.Zug war Schluß.

Eine konzentrierte Verteidigungsleistung von Dauerbrenner Marco Hofmann an Brett 8 sorgte für den Punch. Hofmann verzichtete auf das übliche e5 gegen e4 und spielte die Maroczy-Badewanne und das sehr sauber gegen Werner Löffler. Die Gegenchancen eingeläutet mit f5 kam Hofmann nie in Verlustgefahr und die geniale Aktivierung der Dame mit De7-e5 ließ zwar die Aktivierung des Springers nach d5 ins Niemandsland zu, aber kostete erstmal einen Bauern, wonach Hofmanns Gegner vollends desorientiert erstmal eine Figur und anschließend einen Turm einstellte.

Gestählt vom Blitz gegen IM Jacek Dubiel und GM Gennadi Ginsburg brauchte Christoph Soppa mit seiner soliden Doom-Metal-Spielweise mit Schwarz an Brett 4 keine Angst vor Eduard Schwarz zu haben. Mit Doppelfianchetto in einer Damengambitstellung war die erste richtige Entscheidung mit bxc5 einen Isolani zu behalten um Einfluß aufs Zentrum zu behalten. Anschließen besetzte Soppa die schwarzen Felder und spätestens nach g4 des Weißen marschierten die Figuren alle auf den schwarzen Feldern ein. Eine extrem starke Leistung.

Manuel Hölß blieb der Abschluß beschieden. Ein bissi Pech, daß für die Eröfnungsvorbereitung wenig Zeit blieb folgte er der Empfehlung Eulers es mit der Nakamura-Variante im Leningrader zu versuchen und hatte es nach zu frühzeitigem e5 mit einem Minusbauern zu tun. Gegen Eugenia Korentsvit an Brett 6 gelang es ihm aber aus totaler Verluststellung die Gegnerin übers Ohr zu hauen und eine komplizierte Gewinnstellung mit Dame und Läufer gegen zwei Türme herzustellen. Es gab einen klaren Gewinnweg, aber nachdem Manuel Hölß den unwichtigsten Bauern herausnahm konnte Korentsvit die Türme auf der siebten Reihe verdoppeln und mindestens Remis halten. Letztlich einigte man sich auf Remis.

Abstieg verhindert, Aufstiegschancen laut Liga-Orakel 0,3%

Das Match gegen Wiesbaden II ist auf 17.05 verlegt. Hungen/Lich ist Tabellenzweiter, braucht außer einem Kantersieg gegen Wiesbaden II und Sieg gegen Wieseck auch noch Schützenhilfe vom FC Wiesbaden-Bierstadt in der letzten Runde.

Wie jedes Jahr, die Sache ist noch nicht gegessen. Die Chancen sind schlecht, aber was theoretisch geht, geht auch praktisch.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

SC Heuchelheim im Halbfinale der Deutschen Schach-Onlineliga
Derzeit ist die Deutsche Schach-Onlineliga, die im Rahmen der...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Gerd Euler

von:  Gerd Euler

offline
Interessensgebiet: Hungen
133
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Das bisher letzte große Turnier der SSG: die Hessische Blitzmannschaftsmeisterschaft in Gernsheim
Schach in Zeiten der Pandemie - Internetsportart Nr.1
Natürlich ist Schach kein Sport im Sinne von Fußball, Ihre tägliche...
SSG Hungen/Lich nach harten 4,5:3,5 Heimsieg gegen SK Marburg III Tabellenzweiter in der Landesliga hinter Wiesbaden II
Die Tabellenführung an den Topfavoriten Wiesbaden II verloren, aber...

Weitere Beiträge aus der Region

Tote Nonne in Südfrankreich
"Nonne bei St. Tropez vom Felsen gestoßen"
So hätte der Titel des Provence-Krimis von Pierre Martin (Pseudonym)...
Was macht uns resilient?
In einem Gespräch von Alf Haubitz mit Svenja Flaßpöhler auf Hr2...
Blockheizkraftwerk in der Hungener Albert-Schweitzer-Straße
Einladung: Bürgerdialog zur Energiewende
Die Hungener Grünen laden zu einer Online-Diskussion über...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.