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SSG Hungen/Lich startet mit 5:3 Heimsieg gegen SJ Herborn in der Schach-Landesliga

SSG Hungen/Lich I von links Joachim Lehwalder, Marco Hofmann, Gerhard Orwatsch, Rene Gabel, Gerd Euler, Manuel Hölß, Christoph Soppa, Michael Ranft
SSG Hungen/Lich I von links Joachim Lehwalder, Marco Hofmann, Gerhard Orwatsch, Rene Gabel, Gerd Euler, Manuel Hölß, Christoph Soppa, Michael Ranft
Hungen | Abstiegskampf oder Aufstiegskampf? Mit Rückkehrer und Altmeister Gerhard Orwatsch vom SK Gießen verstärkt (hier landete Vereinsmanager Klaus Jakob wieder einen Coup), Teamtrainer Björn Stiller rückte erst einmal in die zweite Mannschaft, die in der Bezirksklasse nach 0:2 Rückstand noch 4:2 gegen Wetzlar II gewann, Björn Stiller, Ralf Seibert, Claas Spahnke und Sascha Nitz gewannen ihre Partien, während Edelreservisten Michael Brockmann (leider wohl klar) und Silas Hölß (verzockte sich durch Bauerngewinn am falschen Flügel anstatt den Angriff fortzusetzen) verloren, bestätigte die SSG den Schlußrundensieg gegen den ehemaligen "Erzfeind" aus der letzten Saison.
Die Animositäten sind Geschichte, Rivalität immer vorhanden.
Leider konnte der Spitzenspieler der Schachjugend Herborn, Florian Hahn (2045) nicht antreten, so daß Gerd Euler am ersten Brett kampflos den Punkt einsammeln mußte. Der Mannschaftsführer der Schachjugend Herborn, Simon Martin Claus, vor Jahren rotes Tuch, erklärte höflich frühzeitig, daß Florian Hahn nicht kommen könnte. Eine schachliche Rechtfertigung erhielt der kampflose Punkt beim Schnellschachturnier in Bad Vilbel, als Euler gegen Hahn gewann und Florian Hahn erklärte, daß es von seiner Seite schon früh festgestanden hatte, daß er den Termin nicht wahrnehmen konnte. So gesehen, ok, der Punkt ist durch Schachspielen gerechtfertigt worden. Und Mannschaftstaktik ist legitim.

Es wurde ein zäher und knapper Kampf, aber schnell wurde klar, daß die ersatzgeschwächten Herborner an den vorderen Brettern auf verlorenem Posten standen. Der Sieg wurde dann an den hinteren Brettern eingetütet.

An Brett 2 konnte Joachim Lehwalder (1972) erneut seine brilliante Technik mit Weiß gegen Timm Huber (1932) vorführen. Aus 1.f4 (natürlich) wurde eine Wiener Partie, in der Lehwalder den Druck aus der f-Linie in einer Springergewinn gegen drei am hinteren Rand verbleibenden Bauern am Damenflügel ausbauen konnte. Im folgenden Endspiel Dame und Springer gegen Dame und drei Damenflügelbauern mit beiderseits weiteren Bauern am Königsflügel erwies sich der flinke Springer als so überlegen, daß Lehwalder keine Probleme hatte in ein glatt gewonnenes Endspiel abzuwickeln.

An Brett drei hatte Rückkehrer Gerhard Orwatsch (1967) mit Schwarz keine Probleme den ehrgeizigsten, aber auch ältesten Jugendlichen der Schachjugend Herborn, Gerd-Erich
SSG Hungen/Lich II Von Links Silas Hölß, Claas Spahnke, Sascha Nitz, Ralf Seibert, Michael Brockmann, Björn Stiller
SSG Hungen/Lich II Von Links Silas Hölß, Claas Spahnke, Sascha Nitz, Ralf Seibert, Michael Brockmann, Björn Stiller
Keuth (1876) in den Sumpf seiner "modern defence" mit 1...g6 zu ziehen. Mit erheblicher Turnierhärte ausgestattet entsorgte Orwatsch in jederzeit entspannter Stellung den Läufer auf d6 indem er den deckenden Springer auf c4 mit b5 anrempelte. Für Keuth das Horrorszenario, daß zum dritten mal hintereinander eine Figur gegen die SSG Hungen/Lich flöten ging diesmal aber gerechtfertigterweise aus einer schlechteren Stellung.

An Brett 4 diesmal wieder eine starke Leistung von Christoph Soppa (1819) mit Weiß gegen Fabian Bietz (1874). Als passionierter 1.d4-Spieler konnte Soppa diesmal im Nimzowitsch-Inder die volle Zentrumskontrolle ausspielen und die drei am Damenflügel herumwuselnden Leichtfiguren und die am Königsflügel auftauchende Dame ausbremsen. Einmal mit c4 den verirrten Läufer auf d3 ausgesperrt war die Stellung sofort tot für den Gegner.

An Brett 5 war "Enfant terrible" René Gabel (1808) mit Schwarz gegen Marcel Meyer (1716) in einem Caro-Kann unterwegs, in dem er in einem Turmendspiel mit schlechterer! Bauernstellung landete. Anstatt das Remisangebot des sichtlich entnervten Gegners anzunehmen, keine Angst, wie bei Rottweilern gilt das auch bei René, "der will nur spielen". Rustikal überzeugte sich Gabel, daß Gewinnversuche in einem schlechteren Turmendspiel in einer Verluststellung mit 2 Minusbauern landen. Der Wettkampf war später schon längst mit dem Stand von 4,5:2,5 vorbeigerauscht, aber man kommt erstens nicht extra aus Wiesbaden rüber um schnell remis zu machen, und zum anderen ist an den einzigen Zweitbundesligaeinsatz zu erinnern, in dem Gabel nach heroischen Widerstand nach über 100 Zügen verloren hatte...nach Berichten von Mannschaftskollegen waren es gefühlt 200. Nachdem die vorherige Partieführung keine Begeisterung hervorrief, der Zauber unter doppelten Bauernopfer und zähester Verteidigung plus ein bißchen Glück noch den halben Punkt hervorzukämpfen, der hoffentlich der Entscheidende ist, der immer zum Aufstieg gefehlt hat, ist neben der kämpferischen Leistung deutlich hervorzuheben. Nicht schön, aber beeindruckend und wahrscheinlich auch ein Problem für Gegner falls es gegen den Abstieg oder um den Aufstieg geht.

Deutlich mehr Pech hatte Dr.Manuel Hölß (1730) an Brett 6 mit Weiß gegen einen Caro-Kann von Oliver Mülders (1779). Mülders spielte in der "Karpow-Variante" mit Sd7 einigermaßen komisch Sdf6 und Hölß rochierte kurz, Mülders lang und auf ging's mit gezückten Messern aufeinander. Der Bauernsturm am Damenflügel war das genau richtige Mittel um sich richtig gegenseitig einen einzuschenken. Der Fehler war nach cxd4 des Schwarzen, den Bauern nicht als Plombe zu begreifen, sondern darauf zu pochen, daß Weiß die Zentrumskontrolle hat. Einfach den Bauernsturm weiterführen und es hätte ein gegenseitiges Massaker gegeben. So endete es in einer Katastrophe durch die Mitte, weil Schwarz dafür einfach besser gerüstet war. An taktischem Durchsetzungsvermögen in der Champions League fehlt es nicht, diesmal eine einzige Fehleinschätzung, die alles zunichte machte.

An 7 hatte es Computerschachfreak Michael Ranft (1726) mit dem Brocken Kenan Sancar (2051) zu tun. Wohl seinerzeit einer der talentiertesten Jugendlichen und nicht ohne Grund mit einer Zahl über 2000 ausgestattet hatte Sancar keine Chance auf Sieg. Im Caro-Kann packte Ranft in der Hauptvariante mit Lf5 das völlig suspekte h5!!?? anstatt h6 aus. Offensichtlich geht das auch...anscheinend...Sancar hatte keinerlei Möglichkeit Vorteil zu erreichen und willigte in einem Endspiel mit ungleichen Läufern ins Remis ein.

Äußerst schade, daß an 8 Old-School-Hero Marco Hofmann (1594) mit Weiß gegen Karl Hans Ragnar Ermert die Revanche verlor. Im Tarrasch-Franzosen ging es natürlich auch mit dem stumpfen Breitschwert nach vorne, aber im Gegensatz zum Marshall-Gambit im Vorjahr konnte sich Ragnar (1690) hinter dem französischem Schild verstecken, nachdem der Bauer d4 geopfert wurde. Das nächste mal kommen natürlich wieder neue Strategien zum Zug.

SSG Hungen/Lich I - SJ Herborn 5:3

Euler, Gerd - Hahn, Florian +:-
Lehwalder, Joachim - Huber, Timm 1:0
Orwatsch, Gerhard - Keuth, Gerd Erich 1:0
Soppa, Christoph - Bietz, Fabian 1:0
Gabel, René - Meyer, Marcel ½:½
Hölß, Manuel - Mülders, Oliver 0:1
Ranft, Michael - Sancar, Kenan ½:½
Hofmann, Marco - Ermert, Karl Hans Ragnar 0:1

SF Wetzlar II -SSG Hungen/Lich II

Amer Dayl, Hadeer - Brockmann, Michael 1:0
Baitinger, Viktor - Stiller, Björn 0:1
Ciliox, Michael - Seibert, Ralf 0:1
Deutsch, Rainer - Spanke, Claas 0:1
Neef, Gerd - Nitz, Sascha 0:1
Schwierkott, Udo - Hölß, Silas 1:0

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von:  Gerd Euler

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