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Meinradspiel - 19.07.2019 um 18 Uhr im Schloss Hungen

Hungen | Freundeskreis Schloss Hungen e.V. – Schloss – 35410 Hungen

Das Meinradspiel
präsentiert von der Theatergruppe des Instituts für Gemanistik der JLU Gießen

am 19. Juli, 18 Uhr – Eintritt frei

Zwischen Teufeln und Mördern

Zum 500. Jubiläum der Reformation in der Schweiz führt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig Universität am 24. Juni und 6. Juli eines der frühesten gegenreformatorischen Stücke der Schweiz auf: Felix Büchsers Spiel vom Hl. Meinrad, ursprünglich für eine Aufführung in Kloster Einsiedeln 1576 verfasst.

All die asketische Frömmelei sei doch nur „Beschiss und Betrug“, um Wallfahrer anzulocken und ihnen das mühsam ersparte Geld aus der Tasche zu locken, meinen die Räuber Richard und Peter, als sie den Hl. Meinrad in seiner Klause im Finsteren Wald am Einsiedler See überfallen und, nachdem er ihnen nicht sagen kann, wo er seine angeblichen Schätze versteckt hat, erschlagen. Das Unverständnis für eine andere, religiös begründete Lebensweise dient als Motor für eine letztlich aus Besitzgier motivierte Gewalttat. Damit beschreibt Felix Büchser im Jahr 1576 ein überzeitliches Phänomen, als er, eigentlich Altarmaler, im Auftrag des Klosters Einsiedeln ein Theaterstück über den Patron des Klosters verfasste, wohl unterstützt durch den Abt des Klosters.

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Das Einsiedler Meinradspiel stellt als eines der frühesten gegenreformatorischen Stücke der Schweiz ein theaterhistorisches Kuriosum dar: Es ist wie eines der großen spätmittelalterlichen geistlichen Spiele als zweitägiges Spiel entworfen, ohne jede Rücksicht auf die ‚klassischen‘Einheiten von Ort, Zeit und Handlung, und bedient sich wie diese einer riesigen Simultanbühne, die eigens für das Stück im Klostergarten errichtet wurde. Zugleich aber setzt es auf einen effektiven Zug des zu seiner Zeit modernen Barockdramas und spiegelt die Haupthandlung um den hochadeligen heiligen Helden in einem zweiten Handlungsstrang um einen Antihelden am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie: um den Dieb, Mörder und Betrüger Uli Bösbub. Damit deklariert das Spiel die Geldgier, die zum Tod des Heiligen führte, zu einem allgemeinen, anzuprangernden gesellschaftlichen Phänomen. Uli schreckt noch weniger als Richard und Peter vor keinem Verbrechen zurück, um an Geld zu kommen.

Nicht umsonst räumt das Spiel unter der Gruppe der sehr aktiven Geister der Hölle gerade Mammon eine bedeutende Rolle ein. Damit rückt die Kapitalismuskritik noch stärker ins Zentrum als die Kritik an den Tadlern des alten Glaubens. Und genau das macht das Stück auch heute noch aufführbar – auch wenn eine zweitägige Aufführung mit riesigen Darstellerzahlen, allerlei Tieren auf der Bühne, allerlei Trickkunst und aufwändigen Bühnenbauten so leicht nicht mehr umsetzbar ist, zumindest nicht für eine studentische Schauspielgruppe.

Insgesamt 12 Studierende der Justus-Liebig-Universität unter Anleitung der Germanistikprofessorin Cora Dietl präsentieren die Kernszenen des Einsiedler Meinradspiels und experimentieren damit, wie die Aussage des Spiels auch mit bescheidenen Mitteln und auf einfacher Bühne eindrücklich umgesetzt werden kann.

Text: Dr. Christoph Schanze

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
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Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.07.2019 um 09:18 Uhr
Diese Gruppe hat seit 2 oder 3 Jahren in Giessen immer wieder in alter Sprache vorgetragene Stücke dargebracht. Da es dieser Gruppe um das 15.- 17. Jahrhundert geht, sind da wohl nur kirchliche Sachen überliefert.

Trotzdem ich bin gerne hin gegangen. Es ist einmal etwas Anderes und außerdem lernt mann / frau dabei immer etwas dazu.

Besonders gut finde ich, dass die Gruppe versucht das ohne Eintritt durch zu ziehen. (Ich bin ein Fan von Kultur die keinen Eintritt kostet!)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Rudolf Welter

von:  Rudolf Welter

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Interessensgebiet: Hungen
Rudolf Welter
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