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Landesliga-Vizemeister SSG Hungen/Lich kommt fast zum Stichkampf um den Aufstieg, 6:2 gegen SJ Herborn

Schachspieler halt! Nach der Partie mit dem Handy die Partie analysieren.
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Hungen | In der Schach-Landesliga war die Ausgangslage für den auf Platz 2 stehenden wertungszahlenschlechtesten Club der Liga im Heimspiel gegen die Schachjugend Herborn klar, nachdem zuletzt Wiesbaden II ausgeschaltet wurde, konnte der Aufstieg nur klappen, wenn der mögliche Absteiger Niederbrechen II gegen Spitzenreiter Erbach (in der ersten Runde 4:4 gegen Hungen/Lich) gewinnt und gleichzeitig die SSG 6:2 gewinnt. Dementsprechend setzten die Spieler ein Kasten Licher Bier als "Kopfgeld" für einen Niederbrechener Sieg aus. Und es wurde tatsächlich noch mal knapp. Niederbrechen kämpfte. Hauptsache war der mögliche eigene 6:2 Sieg, tatsächlich schätzten die Hungener die Chancen realistisch als etwas unrealistisch ein, aber es ging natürlich flott und aggressiv los, die scharfen Varianten kamen aufs Brett und irgendwie zwischen Kreis- und Weltklasse wurde fleißig rumgeholzt.
Schiedsrichter war Mirko Humme von den Königsjägern Hungen.

Recht zügig metzelte Marco Hofmann an 7 Karl Hans Ragnar Ermert mit Schwarz im Marshall-Angriff nieder. In seiner absoluten Leib-und Magenvariante flogen sämtliche Figuren Richtung Königsflügel und diesmal wieder Anand-Style erledigte Hofmann präzise den Gegner auf der h-Linie. Keine Spur von Unsicherheit beim Dauerbrenner, der zum Saisonabschluß noch mal eine Glanzpartie heraushaute. 1:0

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Gestählt von einem 18-Turnierpartien-in-Folge-Stahlbad aus den Turnieren in Karlsruhe und Hofheim (auch Euler spielte beide Turniere, Sohn Silas stieß in Hofheim hinzu), packte Dr. Manuel Hölß mit Weiß an 6 den Maroczy mit Sc2 (das Schachbuch ging zwar in Karlsruhe verloren...) gegen Jason Grunebach aus, um auch gleich Hungentypisch mit h4 die Fackel rauszuholen. Als Grunewald sofort taktisch die Mitte sprengte, konterte Hölß mit schwarzfeldrigem Läufer und den Schwerfiguren auf der h-Linie. Bis e6 konnte sich der schwarze König noch retten, aber das Trommelfeuer der Schwerfiguren überlebte der König nicht. Äußerst brutal! 2:0

F4 im ersten natürlich bei Joachim Lehwalder, dem mittlerweile wohl schachlich besserem der beiden Spitzenbretter der Hungener. An 2 mit Weiß gegen Timm Huber entstand eine Stellung, die auch einer Wiener Partie hätte entstehen können, und mit der üblichen Technik, die immer mehr Richtung Carlsen geht, strebte Lehwalder an in einem Doppelturmendspiel mit Springer gegen Läufer die Doppelbauern auf c6
Bernhard Krull rechts ist Old School Hungener. Das sind die Vereinsgründer.
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und c7 zu entfernen. Leider verpasste Lehwalder zuerst den h-Bauern aus der Reichweite des Läufers zu bringen, was einen Turm band und stellte anschließend entsetzt fest, daß der König zwar c6 und c7 abräumen könnte, aber anschließend von den Türmen erlegt werden würde. So blieb nur das remis. 2,5:1,5

Mit dem Rücken zur Wand wieder einmal Gerd Euler mit Schwarz an 1 gegen Tobias Blaschke. Nachdem er in der Drachenvariante gegen das dubiose h4 in der g4-Variante mit Le6, Sxe6, fxe6 das typische d5! verpasst hatte, packte er das dubiose Bauernopfer b5?! aus, wonach der auf d4 auftauchende Springer sämtliche taktischen Witze ausschaltete und der weiße Angriff ungehindert vormarschierte und Eulers Königsflügel in Schutt und Asche legte. Einzig der letzte Trick mit Turmopfer auf c2 sicherte haarscharf das Remis durch Dauerschach. 3:1

Gnadenlos allerdings diesmal René Gabel mit Weiß an 4 gegen Oliver Mülders...die typische van-Geet-Eröffnung führte zu einem Caro-Kann mit exf6, aber mit schneller kurzer Rochade und schneller Figurenentwicklung überspielte Gabel den Gegner völlig und drang mit Te7 und De6 auf f7 ein. Mit der Rückkehr zu pragmatischen Vorgehensweisen anstatt Schach neu erfinden zu wollen setzte sich die überlegenere Spielstärke einfach durch. 4:1

Comeback von Björn Stiller! Daß er nichts verlernt hat und weiterhin an eröffnungstheoretischer und positioneller Stärke gewinnt zeigte der Spielertrainer mit Schwarz an 5 gegen Fabian Bietz. Aus einer Stellung, die wie ein Panow mit c5 aussah, turnte Stiller zuerst mit der Dame auf a4 herum um weiteren Bauernvormarsch zu verhindern und setzte exzellent den Vorstoß e5 durch, wonach eher schwarzer Vorteil drohte. Das angeratene grundlegende Prinzip, wenn man durch ne Durststrecke gegangen ist, immer mal was Zählbares mitzunehmen verhinderte bedingungsloses Spiel auf Sieg und war mannschaftstaktisch genau richtig. 4,5:1,5

Weiterhin spannend wurde es mit Christoph Soppa mit Schwarz an 3 gegen Gerd Erich Keuth. Aus dem Leningrader gut herausgekommen klappte es nicht ganz den mit g5 und h6 abgesperrten Sh3 als Schwäche nachzuweisen und die vorteilhafte Partie kippte das erste mal, Keuth konnte einen Bauern gewinnen und die Damen tauschen. Soppas zäher Widerstand mit dem aktivem König, Turm und Läufer gegen Turm und Springer zeigte aber Früchte! Bei drohendem Gegenspiel gegen den König durch den Turm auf der zweiten Reihe verschätze sich Keuth völlig und ließ sich den Turm deckenden Springer durch Turmopfer wegnehmen und wurde technisch sauber ausgekontert. 5,5:1,5

Letzlich rettete das taktische Dauerfeuer von Michael Ranft an 8 mit Weiß gegen Volkmar John den angestrebten 6:2-Sieg. In der Jobaava-Variante mit d4, Sc3, Lg5 und f3 war alles angerichtet für den bedingungslosen Angriffsspieler, als Euler mit Blick auf das völlig unpassende g3 sofort weitere graue Haare wuchsen, und tatsächlich versteckte sich der weiße König in einer völlig perspektivlosen Stellung hinter den vorgerrückten Bauern am Damenflügel, während das Zaubern am Königsflügel äußerst zäh vonstatten ging. Wenigstens hatten sich unter Qualitätsopfer alle Angriffsfiguren am Königsflügel festgesetzt. John verpasste es mit allen Schwerfiguren dem weißen König hinter dem völlig aufgelösten Schutzschild den Totschlag zu versetzen und Ranft zauberte auf wundersame Weise noch das Remis heraus. Das hat was von Tal. 6:2

Beim anschließendem Jahresabschluß der kämpferischen Truppe im Deutschen Haus in Hungen beim XL-Schnitzel sickerte dann das Ergebnis durch, Niederbrechen II verliert 4,5:3,5 gegen Erbach. Hungen ist Vizemeister. Den Kasten Bier hat Niederbrechen trotzdem verdient.

Vereinspräsident Klaus Jakob hielt eine kleine Rede und betonte seinen Stolz auf die Leistung der Mannschaft in der Landesliga, und daß ihm die ganze Geschichte sehr viel Spaß gemacht hat. Nicht zu vergessen die zweite Mannschaft, die den Klassenerhalt geschafft hat.

Das brennende Piratenschiff wird auch nächstes Jahr wieder gegen den Abstieg kämpfen, oder Aufstieg, je nachdem. Hungen ist schachlich Hartplatz. Schach ist Fußball.

Die Endtabelle:
1 Sfr. Erbach 1 (15/43.0)
2 SSG Hungen-Lich 1 (13 /42.0)
3 Wiesbadener SV 1885 2 (12 /42.5)
4 Sfr. Wieseck 1 (10/ 37.0)
5 SJ Herborn 1998 1 (9/37.0)
6 SAbt TuS Dotzheim 2 (9/35.0)
7 SK Marburg 1931/72 3 (9/34.5)
8 SK Niederbrechen 1948 2 (5 /32.0)
9 SF Braunfels 1 (5/30.0)
10 SC Königsflügel Lindenholzhausen 1979 1 (3/27.0)

Die Mannschaft:
1 Euler, Gerd 7/9
2 Lehwalder, Joachim 6,5/9
3 Soppa, Christoph 3,5/9
4 Gabel, René 4,5/9
5 Stiller, Björn 1/8
6 Hölß, Manuel 7,5/9
7 Hofmann, Marco 4/9
8 Ranft, Michael 7,5/9
E Brockmann, Michael
E Seibert, Ralf 0,5/1
E Nitz, Sascha
E Hölß, Silas
E Spanke, Claas

Lokal medial nicht so richtig wahrgenommen spielt die Eingeborenentruppe drei Ligen über dem Lokalkonkurrenten Königsjäger Schach, einheimische Derbys der zweiten Mannschaft der SSG Hungen/Lich in der Bezirksklasse gegen die Königsjäger entfallen, da diese es bevorzugen anstatt im heimischen Unterverband im Frankfurter Unterverband zu spielen und die zweite Mannschaft der SSG eine Liga über den Königsjägern spielt. Natürlich besteht eine Rivalität genauso wie Gedanken an eine Fusion. Die SSG hat schachliche Qualität, die Königsjäger die Jugendarbeit.

Die SSG Hungen/Lich hat ihren wöchentlichen Spielabend immer Donnerstags ab 20:00 Uhr im Kulturzentrum "alte Grundschule" 1.Stock am Zwenger 8 in Hungen. Monatsblitz ist am 1.Donnerstag des Monats. Spieler jedes Alters und jeder Spielstärke sind herzlich willkommen den Spielabend zu besuchen, das Monatsblitz mitzuspielen oder einfach eine Partie zu spielen, zu analysieren, zu quatschen und ein Bier zu trinken, die Mannschaftskämpfe zu besuchen, auf dem brennenden Piratenschiff anzuheuern...die SSG Hungen/Lich ist der Verein mit sportlichem Ehrgeiz in Hungen, größtenteils Arbeitnehmer, Unternehmer, Studenten und Selbstständige, die 9 mal im Jahr in den schachlichen Kampf ziehen und 2 mal im Jahr feiern, Königsjäger als abgespaltete Jugendabteilung (die Story ist zu lang um sie kurz zu erzählen) und eigenständiger Verein macht ihre Sache mit ihrer Philosophie gut und ist freitags ab 17.30 Uhr im Kulturzentrum Hungen (Dachgeschoss) aktiv. Schach spielen beide Vereine. Wer sich vorstellen kann Sonntags mal loszuziehen und eine Partie Schach in einer Mannschaft zu spielen und in der hessischen Umgebung herumzukommen mit ein paar Leuten ist sicherlich bei beiden Vereinen gut aufgehoben. Let's play.

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von:  Gerd Euler

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