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Schach-Landesliga: Abstiegskandidat Nr.1 SSG Hungen/Lich jetzt auf 1

Lehwalder hat f6 unter Kontrolle, das Ende naht. Blick von aussen durchs Fenster
Lehwalder hat f6 unter Kontrolle, das Ende naht. Blick von aussen durchs Fenster
Hungen | Das ist natürlich die schönere Tabelle zum Einrahmen - nach einem hart erkämpften 4,5:3,5 Sieg in Lindenholzhausen bei Limburg ist die wertungsschwächste Mannschaft durch die gleichzeitige 3,5:4,5 Niederlage von Topfavorit Wiebaden II in Erbach plötzlich auf Platz 1. Laut des berüchtigtem "Ligaorakels" besteht nur noch eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 14,5%, und sogar eine Aufstiegswahrscheinlichkeit von 0,4%. Die Wettquote bei einschlägigen Anbietern wäre vielleicht lustig anzusehen.

Ein Blick in den Kühlschrank des im Dorfgemeinschaftshaus integrierten Spiellokals mit eigenem Vereinswappen über der Tür! der bisher den Hungenern unbekannten Lindenholzhausener reichte um festzustellen, daß die Mannschaft von Spitzenspieler Wolfgang Weisser offensichtlich Brüder im Herzen sind. Und offensichtlich ebenso kampfstark. Dementsprechend entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe.

Der Trick Lindenholzhausens Spitzenspieler Wolfgang Weisser (2018) auf 2 zu setzen, immerhin hatte dieser FM Gerd Euler vor einem Jahr beim Limburger Schnellschachopen (Werkstadt-Schachopen) besiegt, ging allerdings nicht auf.

Gerd Euler (2236) hatte an 1 mit Weiß gegen Christoph Diefenbach (1874) in der für Weisser vorbereiteten Fantasy-Variante des Caro-Kann wenig Mühe mit dem Springer auf f7 einzudringen und die Qualität zu gewinnen und einigermaßen sauber den Vorteil zu realisieren. Wahrscheinlich kam die Variante einfach zu überraschend, so daß der schon sicherlich vorbereitete und solide Spieler Christoph Diefenbach völlig falsch reagierte. (1:0)

Leider setzte sich die Ergebniskrise von Mannschaftsführer und Spielertrainer Björn Stiller (1631) an 5 gegen Rudolf Schäferbarthold (1889) fort. Als Weißer mit seiner Leib-und Magenvariante Aljechin konfrontiert erreichte er zuerst eine ansprechende Stellung, die auch aus der Caro-Kann-Abtauschvariante hätte enstehen können, danach fehlten die richtigen Ideen, der Druck auf b7 konnte nicht erhöht werden,die Turmverdopplung auf der halboffenen E-Linie war wirkungslos, und als die Dame ins Gedränge kam flog aufgrund der Fesslung in der C-Linie ersatzlos der Bauer d4 weg. Schäferbarthold ließ technisch leider nichts mehr anbrennen. (1:1)

Anschließend ließ der mit einmaliger, aber stundenlanger Zweitligaerfahrung versehene René Gabel (1798) an Brett 4 mit Schwarz im g3-Königsinder die Chance verstreichen den
Das ist das Ende, der Bauer läuft durch. Blick von aussen, durchs Fenster.
Das ist das Ende, der Bauer läuft durch. Blick von aussen, durchs Fenster.
Bauern e4 von Gerd Fischer (1820) in einer taktisch verwickelten Stellung zu entsorgen. Nach Tausch auf d4 mit anschließendem c5 strahlte der Lb7 zusammen mit Te8 und Sf6 glücklich auf e4, nach Fischers Sd5!? ging Lxd5 und Weiß kann nicht mit dem bedrohten E-Bauern nehmen, weil cxd5 notwendig ist um durch die Fesselung Tc1 vs. Dc7 zu verhindern, daß der bedrohte Sd4 fällt. Ein glatter Bauerngewinn wäre die Folge gewesen. Danach einigten sich die Kontrahenten schnell auf Remis. (1,5:1,5)

Bitter danach der taktische Reinfall von Positionspielkönig Christoph Soppa (1834) an 3 mit Weiß im Damengambit mit Tausch der Damen und Zentrumsbauern c und d gegen Florian Stuhlmann (1758).
Soppa hatte durch Tausch auf c6 eine schwarze Bauernschwäche auf diesemPunkt installiert, an die es duch die eigene Bauernschwäche auf b4 in einem Doppelturm plus Springer und Läufer allerdings nicht so einfach ranging. Zeitweise erinnerten die Manöver an den aktuellen Weltmeisterschaftskampf zwischen Carlsen und Caruana. Soppas Figuren waren aktiv, Stuhlmanns in Lauerstellung auf den letzten drei Reihen. Die Katastrophe passierte dann, als nach dem eigentlich richtigem Plan f3, e4 und Aktivierung des Königs mit weiterem Pressing Stuhlmann einen einzigen
Screenshot des offiziellen Verkündungsorgans...so wird's sicherlich nicht bleiben
Screenshot des offiziellen Verkündungsorgans...so wird's sicherlich nicht bleiben
Turm zu Störmanövern in Soppas Stellung zog und unverhofft Glück hatte, daß beim Versuch des Turmtauschs Soppas König gerade falsch stand und seinem Turm die Deckung durch Zwischenschach entzogen wurde. Eine bittere Niederlage in einer stark geführten Partie. (1,5:2,5)

Es sah schwierig aus, Old-School-Metaller (kill `em all) Marco Hofmann (1560) an 7 hatte mit Weiß in der Alapin-Variante des Sizilianers lange eine ausgeglichene Stellung gegen Aloys Müller (1680), geriet dann aber in Bedrängnis, als Müllers Läufer den Bauern g3 in der Königsstellung abholen konnte, allerdings konnte dafür Hofmann geschickt auf d3 einen Bauern zurückholen. Müller setzte in der wahrscheinlich immer noch etwas vorteilhaften Stellung nicht allzu geschickt fort, so daß Hofmann noch zusätzlich den Bauern b5 abholen konnte. Hofmann bot remis an, Müller tauschte die Dame, was völliger Unfug war, weil danach Weiß mit 2 Freibauern am Damenflügel mit Turm und Springer gegen Turm und Läufer wahrscheinlich völlig auf Gewinn steht. Immer noch unter dem Eindruck der bisher ungünstig verlaufenen Partie wiederholte Hofmann das Remisangebot. Verständlich, aber schlecht gelaufen. Sowas verwertet his Majesty normalerweise zum Gewinn. (2:3)

Es sah nicht allzu gut aus, der Englisch/Leningrader von Dr.Manuel Hölß (1621) an 6 mit Schwarz gegen Bernhard Scherber (1760) war am Punkt eines irren taktischem Schlagabtauschs angelangt, in dem der Allroundphysiker nochmal die Fackel mit einem Figurenopfer in die Königsstellung des Weißen hereingesteckt hatte. Mit eröffnungstheoretischer Beschlagenheit steuerte Hölß genau ein solches schachliches Massaker an. In wohl noch ausgeglichener Stellung (Wer kann das in diesem Moment sagen) war ein Remisangebot im Raum, aber durch den Spielstand ging das nicht. Hölß traf daraufhin sinnvollerweise eigene Entscheidungen. Nur mit Dame und Turm gegen Dame Läufer und Turm zauberte Hölß, sicherlich nicht 100% korrekt schlußendlich unter Damenopfer ein völlig gewonnenes Turmendspiel heraus. (3:3)

Nicht schöner war in Gewinnhinsicht die Partie von Computerschachkenntnisweltmeister Michael Ranft (1662) an 8 mit Schwarz in einer Mischung aus Stonewall und Leningrader gegen Udo Breuer (1619). Auf dem schlechten Läufer sitzengeblieben, alle Schwerfiguren an Bord, sah es nicht gut für den schwarzen Damenflügel aus. Am Königsflügel ging es nicht mehr vorwärts. Unter Bauernopfer aktivierte Ranft alle Schwerfiguren und unter Tausch aller Figuren rettete er sich in ein Damenendspiel mit Minusbauer, alle Versuche Breuers, den freien a-Bauer zu aktivieren scheiterten an den Dauerschachdrohungen und auch der Einmarsch des weißen Königs mißlang. Saubere Verteidigung, remis. (3,5:3,5)

Letztlich sorgte "Killing Machine" Joachim Lehwalder (1929) für den Sieg. Am Vorabend noch das Dartturnier mit Preisgeld um 3 Uhr nachts, seine eigentliche und lukrativere Spielerprofession oder Obsession, gewonnen, setzte er den auf 2 gewechselten Spitzenspieler Wolfgang Weisser (2018) mit der Owen-Verteidigung (e6 und b6) unter Druck. Im Unterschied zu einer Partie Polugajewski-Kortschnoi stellte Weisser die Dame nach e2 nicht nach c2, ließ aber völlig orientierungslos den Einschlag auf g2 mit Figurengewinn Lehwalders, aber mit hochkomplizierter Stellung zu, und erlangte immerhin das Endspiel mit Turm und Läufer und drei Mehrbauern gegen Turm und 2 Springer, mit zusätzlichen Bauern. Für Lehwalder ein Riesenspaß, für die Hungener kaum glaublich, daß sich ein Gewinn erzielen lässt, metzelte Lehwalder mit Tigran Petrosianesker Technik den Gegner dahin bis in einem Turmendspiel der letzte verbliebene A-Bauer durchlief. Böse. (4,5:3,5)

Schlechteste Mannschaft, Feuer auf dem Piratenschiff, trotzdem Tabellenführung. Elder Statesman Klaus Jakob war zufrieden. Der Abstiegskampf ist angenommen worden.
Die punktemäßig erfolgloseren Spieler werden mit Wut und Vorbereitung zurückkommen. Die Chaostruppe braucht noch ein paar Punkte gegen den Abstieg. Andererseits, punkten die Spieler, die gerade echt angepisst sind zusätzlich ist der Himmel die Grenze. Aber kann auch in die andere Richtung gehen. SSG Hungen/Lich ist unberechenbar, aber immer Hartplatz. Die Momentaufnahme der Tabelle:

1 SSG Hungen-Lich 1 ( 5 /14.5)
2 Wiesbadener SV 1885 2 ( 4 /13.0)
3 Sfr. Erbach 1 ( 4 /12.5)
3 SK Niederbrechen 1948 2 (4 /12.5)
5 SJ Herborn 1998 1 (3 /12.5)
6 SAbt TuS Dotzheim 2 (3 /12.0)
6 Sfr. Wieseck 1 ( 3 /12.0)
8 SC Königsflügel Lindenholzhausen 1979 (2 /12.0)
9 SF Braunfels 1 ( 1 /10.0)
10 SK Marburg 1931/72 3 (1 /9.0)

Lokal medial nicht so richtig wahrgenommen spielt die Eingeborenentruppe drei Ligen über dem Lokalkonkurrenten Königsjäger Schach, einheimische Derbys der zweiten Mannschaft der SSG Hungen/Lich in der Bezirksklasse gegen die Königsjäger entfallen, da diese es bevorzugen anstatt im heimischen Unterverband im Frankfurter Unterverband zu spielen und die zweite Mannschaft der SSG eine Liga über den Königsjägern spielt. Natürlich besteht eine Rivalität genauso wie Gedanken an eine Fusion. Die SSG hat schachliche Qualität, die Königsjäger die Jugendarbeit.

Die SSG Hungen/Lich hat ihren wöchentlichen Spielabend immer Donnerstags ab 20:00 Uhr im Kulturzentrum "alte Grundschule" 1.Stock am Zwenger 8 in Hungen. Monatsblitz ist am 1.Donnerstag des Monats. Spieler jedes Alters und jeder Spielstärke sind herzlich willkommen den Spielabend zu besuchen, das Monatsblitz mitzuspielen oder einfach eine Partie zu spielen, zu analysieren, zu quatschen und ein Bier zu trinken, die Mannschaftskämpfe zu besuchen, auf dem brennenden Piratenschiff anzuheuern...die SSG Hungen/Lich ist der Verein mit sportlichem Ehrgeiz in Hungen, größtenteils Arbeitnehmer, Unternehmer, Studenten und Selbstständige, die 9 mal im Jahr in den schachlichen Kampf ziehen und 2 mal im Jahr feiern, Königsjäger als abgespaltete Jugendabteilung (die Story ist zu lang um sie kurz zu erzählen) und eigenständiger Verein macht ihre Sache mit ihrer Philosophie gut und ist freitags ab 17.30 Uhr im Kulturzentrum Hungen (Dachgeschoss) aktiv. Schach spielen beide Vereine. Wer sich vorstellen kann Sonntags mal loszuziehen und eine Partie Schach in einer Mannschaft zu spielen und in der hessischen Umgebung herumzukommen mit ein paar Leuten ist sicherlich bei beiden Vereinen gut aufgehoben. Let's play.

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von:  Gerd Euler

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