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Schach-Landesliga: SSG Hungen/Lich - SK Marburg III 6:2 - rustikaler Sieg!

Hungen | Als Momentaufnahme sollte sich die SSG die Landesligatabelle nach dem 2. Spieltag letzten Sonntag einrahmen, der 2.Platz hinter SV Wiesbadens Zweiter steht zu Buche, viel höher wird Abstiegskandidat Nr.1 wohl nicht mehr steigen...oder doch?
Nach Oben und Unten ist bekanntermassen alles möglich beim brennenden Piratenschiff.

Im ausgemachten Abstiegsduell gegen die ein wenig wertungsbesseren Marburger ging es nach vorherigen Whatsapp-Witzeleien (8:0 lol) gleich zur Sache, und es zeigte sich sofort, daß Spieler mit Erfahrung aus höheren Klassen direkt durchschlugen.
3:0 führte die SSG durch Siege von Euler, Lehwalder und Gabel nach etwa drei Stunden.

Galionsfigurenmaskottchen am Piratenschiff Gerd Euler (2236) spielte mit Schwarz an 1 alles Andere als eine Glanzpartie gegen Shadi Alkayas (1831) in der Drachenvariante, der allerdings wohl ohne Theoriekenntnisse und zu passiv vorging. Nachdem 2 Bauern Alkayas vom Brett gingen reichten Euler seine mittelmäßigen Technikfähigkeiten auch mit einer Serie zweitbester Züge locker zum Sieg. (1:0) Allerdings zeigt Stockfish an, daß an einer einzigen Stelle durchaus für Euler ein Bauer hätte von Bord gehen können.

An Brett 2 verwandelte Dampfwalze Joachim Lehwalder (1929) seinen Bird mit Weiß gegen Gunnar Hanig (1799) in wundersamer Weise in eine ziemlich günstige Stellung aus dem Nimzoinder, in der Weiß den Zentrumsdurchmarsch der Mittelbauern bereits durchgeführt hat, auf B- und F-Linie Druck mit den Türmen hat und Schwarz schwache Bauern auf b7, d5 und f7 hat. Folgerichtig fiel b7 fast kampflos und einem Endspiel beiderseits 2 Türme plus Springer auch f7, ein Spiel auf ein Tor. (2:0)

Nicht viel mehr Chancen hatte Bonvivant René Gabels (1798) Gegner Bernhard Roling (1807) am vierten Brett. Gabels Van-Geet 1.Sc3 führte diesmal zu einer mehr als angenehmen Stellung, der auf a2 versteckte Läufer ohne Gegenpart in Verbindung mit offener F-Linie bei geschlossenem Zentrum ließ bereits Vertriplung der Schwerfiguren auf der F-Linie erahnen, Gabel kürzte die Sache dadurch ab, daß er den gefesselten Springer auf d7 simpel mit Dg4/Td5 abholte. (3:0)

Leider verpasste Theoriehai Björn Stiller (1631) an 5 gegen Jeremy Lenjalley (1692) nach mehr als überraschender Eröffnungsbehandlung (gegen 1.f4 Sh6!?-eine Empfehlung GM Hushenbeths laut Stiller) erst den richtigen Gegenschlag zu 2.e4 - 2...d5! und ließ später den aus schrottiger Stellung möglichen überraschenden Figurengewinn aus. Danach war die Stellung einfach zu schlecht mit dem abseits stehenden Springer a6. (3:1)

Souverän spielten die karpoveske Positionszähigkeit in Person Christoph Soppa (1834) an 3 gegen Bernhard Roling (1807) und Universalgenie Dr.Manuel Hölß (1621) an 6 gegen Volker Hahn (1699).

Soppa packte mit Schwarz erneut den Leningrader Holländer aus, verfeinerte die Sache allerdings dadurch, daß er die durch GM Hikaru Nakamura neuentdeckte alte Variante mit c6 und Dc7 wählte. Dadurch kam er problemlos zu zu einem Königsinder, in dem Schwarz bei Tausch der d-Bauern bereits f5 durchgesetzt hat. Roling tat als Weißer aufgrund solcher Eröffnungsfeinheiten schlauerweise den Teufel irgendwelche Gewinnversuche zu unternehmen und nach Abtausch aller Schwerfiguren über die D-Linie war das Remis unterschriftsreif.

Hölß hatte mit Weiß in einer Art Steinitz-Variante im Spanier den Springer nach f5 gezogen und landete nach den typischen Abtausch Lxf5, exf5 in einer Stellung, in der der schwarze Bauer nach e3 gelangte. Kann der abholt werden oder ist der der schwarze Sieggarant? Nach einigen Abtauschaktionen konnte der Bauer in einem Turmendspiel abgeholt werden, allerdings ohne Mehrbauern. Das leicht bessere Turmendspiel war leider nicht zu gewinnen. (4:2) Mit dem grundsolidem Spiel der SSG-Akteure war dann aber Schluß. Das gewohnte Chaos regierte wieder!

Für die gewohnte Action bei der SSG sorgten dann "Navigator" Marco Hofmann (1560) an 7 gegen Thomas Wimmer (1758) und Bulletblitzer und Computerschachfreak Michael Ranft (1662) an 8 gegen Hannes Hellweger (1760).

Marco Hofmann landete mit Schwarz gegen den 200 Punkte stärkeren Wimmer ruckzuck mit dem Grünfeldinder in einer katastrophalen Stellung, und spätestens nach der Springergabel auf c7 mit Turmgewinn auf a8 war die Stellung aufgabereif. Daß Kampfmaschine Hofmann solche Stellungen allerdings auch einfach mal als Anfangsstellung mit Schwarz begreift war Wimmer zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt. Ein fataler Irrtum, Hofmann räumte den Springer ab, und gestaltete mit Läuferpaar den Kampf mit Minusqualität dermassen erfolgreich, daß ein Freibauer durchlief. (5:2)

Nicht minder unterhaltsam war die Partie von Michael Ranft, gegen den Franzosen mit dxe4 positionierte Ranft mit computergenauer Technik alle Figuren zum Angriff gegen den schwarzen Königsflügel, schwarze Trümpfe waren einzig der Lb7 auf der langen Diagonale und daß sicher mittelfristig weißer Damenflügel und Zentrum wegbrechen werden. Ranft legte dann gleich mit der zweiten Methodik (Bullet=1Minutenblitzschach online) nach und ballerte auf h7 den Läufer rein, ohne daß es nach Sg5+ Kg8 matt wird, weil einfach Sf6 geht. Egal, Lf4 und Le5 droht den Verteidiger zu entsorgen und nachdem auch noch der Restposten an Material Ta1 (der Matchwinner natürlich) nach g3 kam war die Remiskombination drin. Die selbstverständlich verweigert wurde um mit dubiosen Angriffsversuchen bei zusammenfallender Stellung weiter Druck auszuüben. Der Gegner hatte trotz ständiger Gewinnstellung schon lange den Überblick verloren und so standen sich natürlich völlig folgerichtig die letzten Figuren Ranfts Df6 und Tg7 dem unglücklichem Kh8 gegenüber, mit undeckbaren Matt. Schöner Vortrag, der den Begriff "Hartplatz" deutlich definiert. Edelreservist Zockerkönig Michael Brockmann steht mit ähnlichen Fähigkeiten als Bedrohung normaler Landesligaspieler ebenfalls bereit, falls erforderlich(6:2)
Schach ist Fußball. Die Tabelle:


1 Wiesbadener SV 1885 2 ( Punkte 4 /9.5 Tore)
2 SSG Hungen-Lich 1 ( 3/10)
3 SK Niederbrechen 1948 2 (3/8.5)
4 SC Königsflügel Lindenholzhausen 1979 1 (2/8,5)
5 Sfr. Erbach 1 (2/8)
5 SAbt TuS Dotzheim 2 (2/8)
5 Sfr. Wieseck 1 (2/8)
8 SJ Herborn 1998 1 (1/7,5)
9 SK Marburg 1931/72 3 (1/6)
10 SF Braunfels 1 (0/6)

Die SSG Hungen/Lich hat ihren wöchentlichen Spielabend immer Donnerstags ab 20:00 Uhr im Kulturzentrum "alte Grundschule" 1.Stock am Zwenger 8 in Hungen. Monatsblitz ist am 1.Donnerstag des Monats.

Vereinspräsident Klaus Jakob feierte am nachfolgenden Montag seinen 69.Geburtstag. Noch einmal Oberliga im Leben spielen wäre natürlich eine völlig abwegige Idee...oder?

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von:  Gerd Euler

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