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Bio Schweine und Rinder aus Hungen

Diese Herde von Angus-Rindern bei Hof Grass lebt in der Nähe von Hungen naturnah in Schutzgebieten mit hohen Auflagen. (Foto: Grüne/Gerhard Weissler)
Diese Herde von Angus-Rindern bei Hof Grass lebt in der Nähe von Hungen naturnah in Schutzgebieten mit hohen Auflagen. (Foto: Grüne/Gerhard Weissler)
Hungen | Hungener Grüne sind überzeugt: Landwirtschaft geht auch naturverträglich und umweltfreundlich.

Die Diskussion über Billigfleisch von Tieren, die würdelos unter industriellen Produktionsbedingungen so lange am Leben gehalten werden, bis sie endlich sterben dürfen, zieht sich seit Jahren durch die Bevölkerung und durch die Politik. „Solange Fleisch so billig ist, dass es Leute nach zwei Bissen einfach wegwerfen, ist es zu billig“, meint dazu Frank Bernshausen, Grüner Stadtverordneter in Hungen und selbst Miteigentümer einer Herde von Bio-Rindern.

Bernshausen hat im Jahr 2011 zusammen mit drei weiteren Mitstreitern damit begonnen, Flächen im Umkreis von Hof Grass im Auftrag der OVAG als Eigentümerin naturnah zu bewirtschaften. Diese Flächen sind von besonderer Sensibilität, da sie Teil eines europäischen Schutzgebietes mit dem Status „Natura 2000“ sind und zudem in der Grundwasserschutzzone II der Trinkwasserbrunnen des Wasserwerks Inheiden liegen. Von dort aus wird Wasser bis nach Frankfurt geliefert, so dass auf Dauer nur eine extensive Form der Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe der Brunnen die hervorragende Qualität des Inheidener Trinkwassers gewährleistet.

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Derzeit bewirtschaftet die Gruppe um Frank Bernshausen als BGSW Grass neben den Flächen um das ehemalige Hofgut weiteres Grünland vorwiegend in den Schutzgebieten in der mittleren Horloffaue. Auflagen zur Nutzung reichen durch die Nähe zum Limes stellenweise bis hin zum Denkmalschutz. „Man kann das alles als Einschränkung sehen, oder als Chance“, sagt Bernshausen. „Es geht darum, das für eine Region und das eigene Land passende nachhaltige Betriebskonzept zu finden.“ So fiel die Entscheidung auf eine extensive Mutterkuhhaltung. Rinder der Rasse Deutsche Angus sind für die Beweidung von den häufig feuchten Flächen deutlich geeigneter als zum Beispiel Schafe. Von April bis November leben die Rinder in zwei Gruppen in einer natürlichen Herdenstruktur aus Kühen mit ihren Kälbern sowie jeweils einem Stier auf großen Weiden, die den Tieren viel Bewegungsfreiheit erlauben. Sie zählen mittlerweile neben dem Limes-Informationszentrum, Restaurant und Spielplatz durchaus zu den Attraktionen in Hof Grass. Auf die Frage, inwieweit die Dürre des Sommers 2018 zu Futterengpässen während der Beweidungszeit führte, erwiderte Bernshausen, dass die angrenzende beweidete Sumpflandschaft des
Auf dem Bio-Bauernhof von Andreas Kopf leben Schweine eher wie in einem Freigehege im Zoo. (Foto: Grüne/Gerhard Weissler)
Auf dem Bio-Bauernhof von Andreas Kopf leben Schweine eher wie in einem Freigehege im Zoo. (Foto: Grüne/Gerhard Weissler)
Mairieds und weitere Nassflächen in der Horloffaue sich in diesem trockenen Sommer als großer Vorteil für diese angepasste, naturnahe Bewirtschaftung entpuppten. Anbetracht der zunehmenden Witterungsextreme wirken die auch im Bereich der Horloffaue immer wieder gestellten Forderungen nach Entwässerung solcher Flächen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion daher umso kurzsichtiger.

Wenige Kilometer entfernt, an der Landstraße zwischen Bellersheim und Bettenhausen, liegt der Hof von Andreas Kopf, der einzige Hof in ganz Deutschland, auf dem Ferkel nach Bio-Standards gezüchtet werden. Die Konzepte folgen den Vorgaben der großen Verbände Bioland und Naturland. Entsprechend wird das Futter für rund 300 Zuchtsauen und ihre Ferkel komplett auf eigenen Flächen und ebenfalls nach Bio-Standards erzeugt. Tatsächlich erinnert sein Hof eher an Freigehege im Zoo. Die Tiere können sich in ihren Bereichen frei bewegen, rein in den Stall, raus ins Freie – wie sie möchten. Etwa 40 Tage belieben die Ferkel bei der Mutter, bevor sie in eigenen Gruppen zusammenkommen und schließlich an Bio-Mastbetriebe verkauft werden.

„Schweinemast muss nicht zu überhöhten Nitratwerten im Grundwasser führen oder zum Gülleexport in den Osten“, sagt Kopf. „Das sind alles Folgen falsch gesetzter Anreize, die auf eine natürliche Kreislauf-Landwirtschaft verzichten. Stattdessen geht es in der konventionellen Mast um billigste Produktionsmethoden, vorbei an den Bedürfnissen von Tieren und Menschen.“

So steht am Ende der Informationsbesuche die Frage im Raum, was denn daran so unzumutbar ist, wenn das Kilo Schweinefleisch 2 Euro mehr kostete? Wer braucht eigentlich diese Massenproduktion und wer verdient daran? Und wieso fordern wir beim Dieselskandal Bestrafung nach dem Verursacherprinzip nicht aber bei Mastbetrieben, die durch ihre Produktionsweise das Grundwasser verseuchen?

Nach diesen Besuchen bei den Bio-Bauern in ihrer Großgemeinde war bei den Hungener Grünen eine gewisse Erleichterung zu verspüren. „Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass die naturverträgliche Produktion nach Bio-Vorgaben auch in der Heimat auf dem Vormarsch ist“, meint Christian Zuckermann, der als Direktkandidat der Grünen für den Ostkreis antritt (Wahlkreis 19) und zufällig in einem Hungener Ortsteil wohnt. „Im ländlichen Raum gibt es noch einen großen Vorrat an Entwicklungsmöglichkeiten, auch wenn es mal nicht um Maschinenbau oder Digitalisierung geht.“

Diese Herde von Angus-Rindern bei Hof Grass lebt in der Nähe von Hungen naturnah in Schutzgebieten mit hohen Auflagen. (Foto: Grüne/Gerhard Weissler)
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von:  Gerhard Weissler

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Gerhard Weissler
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