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SSG Hungen/Lich startet mit 4:4 in Erbach in der Schach-Landesliga

Von links nach rechts, vorne: Christoph Soppa, Marco Hofmann, hinten: Gerd Euler, Joachim Lehwalder, Michael Ranft, Björn Stiller, Manuel Hölß, René Gabel
Von links nach rechts, vorne: Christoph Soppa, Marco Hofmann, hinten: Gerd Euler, Joachim Lehwalder, Michael Ranft, Björn Stiller, Manuel Hölß, René Gabel
Hungen | Die Mannschaft von Vereinspräsident Klaus Jakob, vor Spielbeginn bei den Schachfreunden Erbach Abstiegskandidat Nr.1 laut des berüchtigtem "Ligaorakels" des SK Bad Homburg, war keineswegs gewillt gegen den Vizemeister des Vorjahres nur zum Einspielen an den Rhein zu kommen.
Nach kurzer Stippvisite am Fluß dauerte es keine halbe Stunde bis die ersten beiden Leichtfiguren von René Gabel und Marco Hofmann auf f7 in der gegnerischen Stellung einschlugen.

René Gabel (1798) im Van-Geet-Angriff gewann an Brett 3 gegen Andreas Kuhn (1892) durch sein Läuferopfer im 5.!! Zug mit einer Springergabel den Turm a8, derweil schlug die schwarze Dame auf g2 ein, was nur eine Rettung des Turms h1 durch Damentausch mit Df3 zuließ. In völlig unübersichtlicher Stellung, der Sa8 lässt sich wohl nicht einmauern, aber Kuhn konnte die Qualität mit b6/Lb7 zurückgewinnen, einigten sich Beide auf Remis. Allerdings hätte Gabel wohl einen gesunden Mehrbauern erhalten, so daß das Remis eher glücklich für Erbach war. (0,5:0,5)

Gerd Euler ( 2236) hatte es am ersten Brett mit seinem alten Vereinskollegen von vor über zwanzig Jahren beim
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SK Gießen, Frank Schmidt (1957) zu tun. Gegen dessen Skandinavisch mit Dd6 entkorkte er das uralte, lahme Le3, was Schmidt ungenau beantwortete und nach dem Springervorstoß nach e5 verlor Schmidt die Orientierung. Nach 11 Zügen waren sämtliche weißen Figuren entwickelt und Schmidt schlug dann folgerichtig den Bauern g2 um sich die Sache zeigen zu lassen. Nach Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers waren aber viel zu viele Felderschwächen um den schwarzen König, so daß Euler trotz bester schwarzer Verteidigung problemlos zum taktischen Schlag und Sieg kam (1,5:0,5)

Derweil hatte an Brett 6 Dr.Manuel Hölß (1598) mit Schwarz gegen das Sokolski-System von Ersatzspieler Guntram Althoff (1878) völlig richtig mit Tausch der Bauern e5 und b4 reagiert und schickte sich an die weißen Felderschwächen zu massieren, da Althoff auf das übliche d4 verzichtete und mit f4?! vorging. Nach einigen Abtäuschen verrechnete sich Althoff und verlor durch eine Doppeldrohung die Qualität, ließ sich noch den Springer fesseln und gab vor dessen Verlust auf. Eine starke technische Leistung von Dr.Hölß gegen den 300 Elo-Punkte stärkeren Gegner. (2,5:0,5)

Leider brannte dann die Fackel Marco Hofmann (1560) an Brett 7 gegen Ersatzmann Martin Launert (1759)
Gruppenbild mit Dame
Gruppenbild mit Dame
nach verheißungsvollem Beginn letzlich aus. In der Wiener Partie bratzelte Hofmann auf f7 den Springer rein, legte nach und erhielt 3 Bauern bei anhaltender Initiative für den Springer. Anstatt wahrscheinlich Dauerschach zu erzielen verkalkulierte sich Hofmann mit dem Damentausch, wonach der Läufer und die Türme des Gegners eindrangen. Nichtsdestotrotz ein couragierter Auftritt. (2,5:1,5)

Trotzdem waren nun Siegträume für die SSG angesagt, die Stellungen von Björn Stiller und Christop Soppa waren eher leicht vorteilhaft, Joachim Lehwalder stand dagegen unter Druck. Aber die Partie von Michael Ranft (1662) an 8 gegen den einzig schwächeren Ersatzmann Ralph Barnewitz (1286) war eine schachlich klare Angelegenheit. Mit Schwarz in einem Philidor/Pirc-Hybrid hätte Ranft schon frühzeitig einen Läufer abholen können, fraß dem Gegner stattdessen nach und nach 4 Bauern ab und schickte sich in völlig gewonnener Stellung an mit Türmen und Springer gegen Türme und Läufer dem König den Garaus zu machen. Aber es geht nichts ohne Drama bei der SSG - der aufgeschriebene Zug Se5 trat nicht ein, stattdessen verrutschte der Springer nach f5 laut Ranft (unmöglicher Zug), laut Gegner Barnewitz jedoch nach f4, wo er mit dem Bauern e3 hätte geschlagen
Lehwalders Schlußpunkt- 1...Kxe3 2.a5 Kf2! 3.a6 Se2 4.a7 Sg3 5.a8D Sf1+ Dauerschach und Remis
Lehwalders Schlußpunkt- 1...Kxe3 2.a5 Kf2! 3.a6 Se2 4.a7 Sg3 5.a8D Sf1+ Dauerschach und Remis
werden können. Die Stellung wäre wahrscheinlich trotzdem gewonnen gewesen. Ein wenig Tumult, es war unklar, wer Wettkampfleiter ist, aber dankenswerterweise leitete der Erbacher Dr.Eric Simon beide Spieler aus dem Saal und nach ein wenig Bestandsaufnahme, keine Zeugen vorhanden, völlig klare Gewinnstellung, unwahrscheinlich, daß gerade Sf4 gespielt wurde, wurde keine Evidenz festgestellt, es ging weiter und Barnewitz ließ die Zeit ablaufen. (3,5:1,5)

Eine kalte Dusche war allerdings dann, daß aus den ordentlich bis guten Stellungen von Mannschaftsführer Björn Stiller und Christoph Soppa null Punkte herauskamen.
Theoriehai und Spielertrainer Björn Stiller (1652) hatte an Brett 5 gegen den Pirc von eben Dr. Eric Simon (1907) eine wohl zu ruhige Variante mit dem klassischem Aufbau gewählt. Keine Probleme, bis zum 20.Zug gab es nur die offene D-Linie auf der Stiller mit zwei Schwerfiguren stand, zusätzlich stand der schwarze Turm auf a6 im Abseits und auch die Schwächung b6 hatte Stiller schon herausgekitzelt. Tatsächlich war die Stellung ganz leicht vorteilhaft, aber es fand sich kein Plan und so erwies sich der Abtausch sämtlicher Leichtfiguren außer jeweils eines Springer als fatal, plötzlich beherrschte Schwarz die D-Linie und nach Abtausch auf d4 fiel der Bauer e4 und die Stellung fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Stiller hätte wohl eher ein volles Brett behalten sollen und einen Grabenkampf führen müssen, die Aktivität, die zu Abtausch führte, war wohl verfehlt.(3,5:2,5)

Noch gravierender und drastischer endete das Problem einen entscheidenden Plan zu finden für Christoph Soppa (1834). Nachdem er mit Französisch an Brett 4 seinen Gegner Hendrik Aßmann (1857) zur suspekten Variante mit 2.f4 verleitet hatte spielte sich die Stellung lange Zeit von selbst. Aber es fand sich einfach nichts Entscheidendes, und als mit dem Bauernblock d4/e5 gegen e6/d5 mit offener F-und C-Linie bei Dame,Turm und schwarzfeldrigen Läufern Soppa auf dem Damenflügel eindringen wollte war der Schwenk aller weißer Figuren auf den Königsflügel zu schnell, undeckbar matt. (3,5:3,5)

Letztlich blieb Kampfmaschine Joachim Lehwalder (1929) am zweiten Brett mit Schwarz auf seiner verkorksten Stellung aus der Owen-Eröffnung gegen Heiko Marzahn ( 1948) sitzen. Nicht optimal aus der Eröffnung gekommen, die Idee a5 war anscheinend nicht so gut, schien seine Stellung lange Zeit doch stabil genug um furchtlos zu verteidigen. Aber ein Schnitzer ermöglichte es Marzahn in eine wahrscheinlich gewonnene Stellung mit jeweils drei Schwerfiguren und Springer, aber mit Mehrbauern zu kommen. Ab diesem Zeitpunkt dominierte aber die Landesligatauglichkeit und Turnierhärte Lehwalders. Im Stile eines Tigran Petrosian entfernte er die Angriffsdrohungen durch Schwerfigurentausch, richtete Bauernschwächen für den Gegner am Königsflügel ein in einem Turm und Springer Endspiel und versuchte nach Übergang ins Springerendspiel mit dem aktiven König gar Gewinnversuche hart an der Grenze, bevor er es in ein Dauerschach mit Springer! und Bauern gegen Dame und Bauern austrudeln ließ.
Klar der Punktsieger des Tages, nach verkorkstem Start. (4:4)
Nichtsdestotrotz waren alle Piraten des sinkenden Piratenschiffs in der Nähe von Punktgewinnen. Hungen/Lich ist Hartplatz. Die Erbacher Gastgeber waren supernette Leute, die nach den Partien gemeinsam mit den Hungener Gästen die Partien analysierten.

Vereinspräsident Klaus Jakob, wie immer dabei, organisatorisch und federführend neben Mannschaftsführer Björn Stiller, zeigte sich hocherfreut über den Punktgewinn, zumal die zweite Mannschaft mit 4:2 in Braunfels gewann. Dabei gelang Edelreservist Michael Brockmann ein Sieg mit Damenopfer. Die Reserve scheint auch ordentlich in Form.

Sfr. Erbach 1 - SSG Hungen-Lich 1 4:4

Schmidt, Frank - Euler, Gerd 0:1
Marzahn, Heiko - Lehwalder, Joachim ½:½
Kuhn, Andreas - Gabel, René ½:½
Aßmann, Hendrik - Soppa, Christoph 1:0
Simon, Eric - Stiller, Björn 1:0
Althoff, Guntram - Hölß, Manuel 0:1
Launert, Martin - Hofmann, Marco 1:0
Barnewitz, Ralph - Ranft, Michael 0:1


SF Braunfels 3 - SSG Hungen-Lich 2 2:4

Stripling, Valentin - Brockmann, Michael 0:1
Pfeiffer, Florian - Nitz, Sascha 1:0
Schneider, Christian - Seibert, Ralf ½:½
Stelter, Matthias - Spanke, Claas 0:1
Janas, Rudolf - Jack, Michael ½:½
Krombach, Julius - Hölß, Silas 0:1

Die SSG Hungen/Lich hat ihren wöchentlichen Spielabend immer Donnerstags ab 20:00 Uhr im Kulturzentrum "alte Grundschule" 1.Stock am Zwenger 8 in Hungen. Monatsblitz ist am 1.Donnerstag des Monats.

Von links nach rechts, vorne: Christoph Soppa, Marco Hofmann, hinten: Gerd Euler, Joachim Lehwalder, Michael Ranft, Björn Stiller, Manuel Hölß, René Gabel
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Gruppenbild mit Dame
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von:  Gerd Euler

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