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Sommerzeit ist Schmetterlingszeit

von Heinz Weissam 27.07.2018241 mal gelesen1 Kommentar
Dipl. Biologe Ernst Brockmann
Dipl. Biologe Ernst Brockmann
Hungen | Sommerzeit ist Schmetterlingszeit

Zu einer Schmetterlingsexkursion unter Leitung von Dipl. Biologe Ernst Brockmann hatte die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Gießen, gemeinsam mit den korporativen Partnern aus Langsdorf, Dorf-Güll, Holzheim, Grüningen, Birklar und Nonnenroth, eingeladen. In der Welt von Kaisermantel und Schwalbenschwanz konnten die 35 hoch interessierten Teilnehmer über 20 Schmetterlingsarten beobachten.
Die nördlich von Langsdorf liegenden Streuobstwiesen und der reich gegliederte Waldrand beherbergen eine große Artenvielfalt. Mit seinen Ausführungen zog der Biologe die Zuhörerschaft gleich in seinen Bann. Schmetterlinge gehören nach seiner Meinung zu den wichtigsten Sympathieträgern der Insekten, da sie weder stechen, noch beißen und durch ihre Schönheit betören. Sie spielen in der Ökologie eine wichtige Rolle, z.B. als Bestäuber. Für bestimmte Blumen kommen nur sie in Frage, da ihr Rüssel entsprechend „angepasst“ ist. Sie sind auch ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette als Futter für Vögel, vor allem die Raupen. Weiter sind sie wichtige
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Bioindikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Weltweit gibt es mehrere Millionen Arten Insekten, davon 160‘000 Arten Schmetterlinge. Dazu gehören nebst den Tagfaltern auch Nachtfalter, z.B. Schwärmer und Kleinschmetterlinge, wie Motten, Zünsler und Wickler. In Deutschland verzeichnen wir rund 3600 Arten, im Kreis Gießen kommen ca. 70 Tagfalter vor. Der gaukelnde Flug von Tagfaltern ist ein gezieltes Verhalten, um Vögeln wenig Angriffsfläche zu bieten. Die Schönheit der Geschlechter ist unterschiedlich. In vielen Fällen sind die Männchen „schöner“, auffälliger, doch oftmals auch die Weibchen, wie das Große Ochsenauge. Ernst Brockmann macht aber auch auf die Problematik des Artenrückgangs und des Klimawandels aufmerksam, auch auf die Erhaltung strukturreiche Waldränder und breiter Waldwegränder, die für eine Vielzahl von Arten ein wichtiger Lebensraum sein können. Deshalb konnten auch hier die typischen Waldschmetterlinge wie der Kaisermantel, das Waldbrettspiel und der Kleine Eisvogel, beobachtet werden. Unübersehbar war für alle die Artenarmmut auf den landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Während auf einem schmalen Streifen Streuobst zahlreiche Arten an dem dort vorhandenen Blütenangebot zu sehen waren, gab es auf den grünen
Landkärtchen (Sommerform)
Landkärtchen (Sommerform)
Wiesen fast nichts zu sehen. Die Goldene Acht, vor Jahrzehnten noch eine der häufigsten Schmetterlingsarten und auf jeder Wiese zu finden, wurde in nur einem Exemplar gesehen. Schachbrettfalter, Schornsteinfeger, Kleines Wiesenvögelchen und Bläulinge machten sich ebenfalls rar. Einer der malerischsten Edelfalter, das Tagpfauenauge, zog wieder einmal die Aufmerksamkeit der Naturfreunde auf sich. Mit seinen wunderschönen Augenzeichnungen auf Vorder- und Hinterflügeln wehrt er sich gegen Feinde, ein Millionen Jahre alter Abschreckungstrick. Auf einer gemähten Wiese entdeckte die Gruppe einen Schwalbenschwanz, der auf der Suche nach einer geeigneten Jungpflanze für die Eiablage war. Auch der Distelfalter, ein wunderschöner Edelfalter, wurde oft beim Saugen an Distelblüten beobachtet. Er ist ein starker Wanderfalter wie der Admiral. Sie gelangen aus dem Mittelmeerraum und aus Afrika über die Alpen bis nach Nordeuropa. Die letzten Folgegenerationen versuchen dann, in wärmere Gebiete zurückzufliegen, schaffen den Weg über die Alpen aber oft nicht rechtzeitig. An Gletschern findet man manchmal eine größere Anzahl toter Distelfalter.
Zum Schluss appellierte Herr Brockmann an alle, zum Erhalt dieser wunderbaren Insektenwelt beizutragen, indem wir im eigenen Garten oder auf dem Balkon einheimischen Blumen und Pflanzen den Vorzug geben und uns für den Schutz ihres Lebensraumes einsetzen. Ein ganz herzliches Dankeschön ging an Ernst Brockmann für die sehr lehrreiche und spannende Exkursion.

Dipl. Biologe Ernst Brockmann
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Landkärtchen (Sommerform) 1
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