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Schach: SSG Hungen/Lich scheitert hauchdünn, Wetzlar steigt in die Landesliga auf

von Gerd Euleram 08.05.20172090 mal gelesenkein Kommentar
Mannschaftsführer Björn Stiller (links) mit starken Schach
Mannschaftsführer Björn Stiller (links) mit starken Schach
Hungen | In der Schachbezirksoberliga hat die SSG Hungen/Lich den Aufstieg durch ein 5:3 bei Gladenbach bei einem gleichzeitigen 5,5:2,5 des Topfavoriten Wetzlar bei Marburg IV hauchdünn verpasst. Gerade ein Tor, sorry Brettpunkt lag Wetzlar am Schluß vor dem brennenden Piratenschiff.

Vor den parallel stattfindenden Mannschaftskämpfen war die Ausgangslage klar, Wetzlar führte mit dem Minimalvorsprung eines halben! Brettpunktes, jeweils ein möglichst hoher Sieg war für beide Teams erforderlich, bei gleichzeitiger Hoffnung eines Ausrutschers des Gegners.

Der erste Punkt von Gerd Euler an 2 gegen Wolfram Hertel im Leningrader kam schnell und erwartet. Zu passiv und mit Zeitverlusten hatte Hertel agiert, so daß die Königsstellung schnell gestürmt werden konnte. 1:0

Dagegen kam Dauerbrenner Marco Hofmann an 8 gegen Hans-Joachim Herrmann katastrophal aus seinem Wolgagambit heraus, nach 10 Zügen war Hofmann durch das unbekannte f3 völlig desorientiert nebem dem Gambitbauern auch noch die Figur weggeflogen. Das war aber noch nicht das Ende... Kampfmaschine Hofmann spielte erstmal völlig unbeeindruckt weiter.

Derweil
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hatten auch Christoph Soppa und Manuel Hölß im Holländer als auch Joachim Lehwalder im Bird ihre f-Bauern in Stellung gebracht, während Björn Stiller das Morra-Gambit anbrachte und Michael Ranft das gegnerische Pirc frühzeitig mit h4 attackierte. René Gabels Gegner an 1, Olaf Schmidt hatte in der Caro-Kann-Hauptvariante bereits frühzeitig mit 3...e6?! beide Fäuste zur Doppeldeckung erhoben.

Unter den Augen von BWE-Chef Ralf Seibert, der möglicherweise je nach Zeit und Lust vielleicht gelegentlich nebem dem Golfschläger auch mal die Klötzchen für den Kultklub schwingen wird, gelang es Dr. Manuel Hölß an 6 gegen Gartenbaumeister (Spitzenbrett Euler hatte jahrelang in dessen Betrieb Löcher gegraben, Rasen gemäht und Hecken geschnitten), Ex-Atzbacher und Ex-Gießener Werner Simon in einer extrem verwickelten Stellung taktisch die Oberhand zu behalten. Dr.Manuel Hölß landet damit auf Platz 6 der Topscorerliste der Bezirksoberliga, und es ist zu erwarten daß sein Sohn Silas, der diese Saison auch schon den ersten Einsatz hatte in naher Zukunft auch da landet. Der hochgradig intelligente Physiker, der zum Spaß sein Geld mit Informatik verdient, hat sich auch beim hochkomplizierten Leningrader langsam zum Experten entwickelt, wie man die Stellung behandelt. 2:0

René Gabel (rechts) kämpft hart an 1
René Gabel (rechts) kämpft hart an 1
Derweil geschah etwa zeitgleich völlig überrraschendes bei Joachim Lehwalder und Marco Hofmann.
Joachim Lehwalder an 3 gegen Mark Saßmannshausen hatte unter Figurenopfer direkt aus der Eröffnung den schwarzen König bis nach f5 getrieben und hatte unter zwei gleichwertigen Optionen die dritte gewählt, kurze Rochade mit Schach und Totschlag wurde durch das noch bittere Sf3 Gegenschach gekontert. danach war nichts mehr zu retten. Trotz des für ihn vielleicht enttäuschendem Punkteresultats hat Joachim Lehwalder nach Neueinstieg nichts von seiner Klasse und Spielstärke verloren, im Gegenteil, Joachim Lehwalder spielt verdammt hartes Schach. Da ist noch viel zu erwarten nächste Saison. 2:1

Dagegen hatte Marco Hofmann mit seiner überraschend auftauchenden Bauernmasse die Figur zurückerobert und stand "nur noch" auf Verlust mit Turm, Springer und Bauern gegen Turm, Läufer und anrennende a- und b-Bauern. Kleiner Springertanz, zack, war der a-Bauer weg, Hofmann bremste noch den b-Bauern ab, und nur weil die Stellung noch immer besser für den Gegner war, bremste die Mannschaft Hofmann mit Sicherung des Remis aus. Es ist unklar was Hofmann noch mit dem Springer angestellt hätte. Möglicherweise noch theoretisch unmögliche 1,5 Punkte aus der Partie herausgeholt. 2,5:1,5

Hunger aufs Schnitzel und nächste Saison: Dr.Manuel Hölß, René Gabel, Christoph Soppa, Gerd Euler, Marco Hofmann
Hunger aufs Schnitzel und nächste Saison: Dr.Manuel Hölß, René Gabel, Christoph Soppa, Gerd Euler, Marco Hofmann
Björn Stiller an 5 gegen Jens Koch hatte den Gegner ständig im Griff mit ungleichfarbigen Läufern, Schwerfiguren gegen eine Bauernstellung mit Felderschwächen. Die ständigen Drohungen zeigten Wirkung, Stiller brach vernichtend in die gegnerische Stellung ein. Eröffnungstheoretisch hervorragend vorbereitet und hochkonzentriert die ganze Saison über landet Björn Stiller auf Platz 5 der Topscorerliste der Liga mit einer DWZ-Zahl von 1481! 3,5:1,5

Bitter dagegen die Partie von Christoph Soppa gegen Frank Bauch an 4, als bisheriger Mittopscorer und qualitativ schachlich extrem hochwertig anzusiedeln, genauso wie der an diesem Tag glücklose Joachim Lehwalder, passierte ihm das Unglück anstatt des gewohnten Stonewall mit zähem Spiel diesmal den ambitionierteren Leningrader zu spielen und da genau den einen Zug zu machen, den man in diesem Moment nicht machen darf. Ein völlig unerfreuliches Endspiel mit Minusbauern zog sich mit unerfreulichem Ende dahin, nur wegen eines einzigem unbedachten Zuges. Trotzdem eine hervorragende Saison von Christoph Soppa, der mit 5,5 aus 8 auf Platz 12 der Topscorerliste landete. Der Mann ist verdammt stark geworden. 3,5:2,5

Ein hoher Sieg der Kategorie 5,5:2,5 war nicht mehr zu erwarten, René Gabel und Michael Ranft hatten zwar losgelegt wie die Feuerwehr, aber bei Beiden war der Angriff ins Stocken geraten, und gerade bei René Gabel an 1 gegen Olaf Schmidt war es nach einer Stellung, die aussah als hätte Kasparow seine Figuren in Angriffsposition gebracht zu einer Stellung gekommen, die aussah, als hätte Karpow den Angriff abgewehrt und ist dabei seinen positionellen Vorteil zu verwerten. Olaf Schmidt hatte keine große Lust, die legendäre Zähigkeit René Gabels zu testen und einigte sich auf Remis. 4:3

Schlußendlich blieb die Partie Michael Ranft gegen Daniel Schwichtenberg an 7 übrig. Rechnerisch war klar, verliert Michael Ranft, reicht Wetzlar ein 4:4, spielt Michael Ranft remis, reicht Wetzlar ein knapper 4,5 Sieg über Marburg, gewinnt Michael Ranft kommt es bei einem 4,5 Sieg Wetzlars über Marburg zu einem Stichkampf.

Die beiden 0pponenten hatten sich schon ab Zug 1 beharkt und zwischenzeitlich sah es in der Eröffnungsphase so aus, als ob Michael Ranft seinen Gegner austaktieren könnte. Dann lief es in einen gegenseitigen Schlagabtausch, Zeitnotphase, ein potentieller Totschlag des Gegners, er übersieht, beide in Zeitnot, unmöglicher Zug des Gegners, Dauerschach?, Remisangebot von Michael Ranft , Gegner lehnt ab, verliert Mehrbauern, taktischer Trick, Mehrbauer, Sieg. Schachboxen ist wohl so erfunden worden. Nichtsdestotrotz, KO-Sieger Michael Ranft. 5:3

Bis zum allerletztem Moment zeigt die Online-Tabelle alle Ergebnisse außer das Wetzlarer an, während Hungen das Abendessen in Gladenbach beim Gastgeber genießt. Dann die Meldung, kurz nach 8, Wetzlar hat 5,5:2,5 gewonnen. Wetzlar steigt auf. Glückwunsch an Wetzlar, danke an Marburg und Gladenbach für fairen und harten Kampf, und das brennende Piratenschiff wird wieder beides versuchen, nicht abzusteigen, und aufzusteigen. Beeindruckend sowohl die Fighterqualitäten und die Fähigkeit zu lernen. Das ist durchaus eine Truppe mit Turnierhärte geworden.

Wird wieder Spaß machen zu kämpfen mit unserem Präsidenten Klaus Jakob!

Und einen Gruß an Wolfgang Rufft, meinen alten Freund, es gelingt wenigen Menschen zu sterben und trotzdem aufzusteigen ;-)
Gaudeamus igitur iuvenes dum sumus

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