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SSG Hungen/Lich nach Sieg gegen Stadtallendorf auf Platz 2

Der Stadtallendorfer Roman Qayumi mit Blindenschachbrett
Der Stadtallendorfer Roman Qayumi mit Blindenschachbrett
Hungen | Schachbezirksoberligist SSG Hungen/Lich hat mit einem hart erkämpften 5:3 im Heimspiel gegen die äußerst routinierte Mannschaft Stadtallendorf den zweiten Tabellenplatz der Bezirksoberliga erreicht. Langsam nähern sich größenwahnsinnige Blütenträume eines Aufstiegs in die Landesliga, die schnell zerstört werden könnten, mit dem Abstieg hat die Hungener Mannschaft allerdings nichts mehr zu tun. Nichtsdestotrotz, was theoretisch geht, geht auch praktisch. In jüngerer Vergangenheit gestaltete die SSG einen Abstiegskampf bereits so erfolgreich, daß ein knappes 4,5:3,5 der Braunfelser Kollegen gegen Marburg IV , die sauber gegen jede Wettbewerbsverzerrung kämpften, den Landesligaaufstieg verhinderten. Die letzten drei Spiele hatte Hungen gegen Stadtallendorf jeweils knapp 3,5:4,5 verloren. Nach dem überrraschenden Sieg gegen Tabellenführer Wetzlar und dem überzeugendem im Derby gegen Butzbach hatte Hungen Blut geleckt. Recht schnell stand es 1:0 nachdem Gerd Euler (2216) am ersten Brett gegen Carsten Halfter( 1983) nach ausgeglicher Stellung im Jänischgambit die Möglichkeit geboten wurde mit drei Schwerfiguren den König zu überfallen. Das 2:0 besorgte der wiedererstarkte Computerschachfreak Michael Ranft (1606) an Brett 8 gegen Eduard Berger(1546) mit einer überzeugenden Leistung im Damengambit/Nimzowitschindisch-Hybrid. Mit f3 und e4 ließ Ranft die Zentrumsbauern laufen, der schwarzfeldrige Läufer setzte sich auf e5 fest, ein schönes Manöver mit dem König transportierte noch den Turm auf die h-Linie, alles viel zu viel, die Dame noch über die Diagonale b1-h7. Gebremst wurde der Siegeslauf durch die Niederlage von Michael Brockmann (1475 ) an Brett7 gegen Megaroutinier Erich Böhme (1666 ), 228 DWZ-Auswertungen! in der Englischen Partie, der Drachenaufbau war völlig ok und Böhmes Springermanöver sorgten auch nicht für besondere Aufregung, als Michael Brockmann impulsiv das völlig antipositionelle e5 auspackte. Manchmal gibt's so Tage.(2:1) Leider nur Remis sprang dann bei Christoph Soppa (1815 ) am vierten Brett gegen Arnold Freiberger (1735) heraus, nachdem er den Grünfeldinder Freibergers positionell schon völlig zerlegt hatte mit einer Bauernkette b4-c5-d6. Da kein zündender Gedanke kam die Festung zu sprengen begnügte sich Christoph Soppa mit einem Remis durch Zugwiederholung. (2,5:1,5) Dadurch wurde es in der Partie an Brett 3 des oberligaerfahrenen
Partieformular Christoph Soppa
Partieformular Christoph Soppa
Joachim Lehwalder (1994 ) gegen Michael Schönfelder (1865) knapp, Joachim Lehwalder hatte mit der Owen-Verteidigung (b6) bereits den weißen Bauern e4 einkassiert, verpasste den positionsgemäßen Abtausch des Läufers b4 gegen den Springer, hatte dann eine superscharfe Stellung vor der Nase in das Damenopfer auf f3 für viel Spaß, jede Menge Abzüge und eine Stellung, an der Computer ihre Freude hätten, gesorgt hätte. Mannschaftsdienlich ließ joachim Lehwalder dies, nur um wenige Züge später ernüchtert festzustellen eine klare Qualität weniger zu haben. Da an beiden Seiten Freibauern liefen im Endspiel Turm und Springer gegen zwei Türme entwickelte sich ein spannendes Wettrennen, das Joachim Lehwalder durch den Springer entschied, der f- und h-Bauer aufhalten konnte, während der d-Bauer mit Unterstützung des Königs frohgemut durchlief. (3,5:1,5) Den Knockout besorgte Mannschaftsführer und Theoriehai Björn Stiller (1482) an Brett 5 gegen den blinden! Spieler Roman Qayumi (1532 ). Im Wolgagambit befand sich Björn Stiller bis zum 15.Zug in seiner Vorbereitung, Qayumi versuchte einen ungerechtfertigten Befreiungsversuch, der zu einem schwarzen Freibauern auf b2 führte. Schwierigkeiten entstanden nur noch durch die Komplikationen, die das korrekte Spiel gemäß der Schachregeln mit blinden Spielern erfordern, einer Reklamation dreimaliger Stellungswiederholung, kleinerer technischen Schwierigkeiten, dann war der Sieg perfekt. Da störte es auch nicht, daß "Anand" Marco Hofmann (1557) an Brett 6 seine hochüberlegene Angriffsstellung gegen den zweiten Megaroutinier der Stadtallendorfer, Mirko Panic(1617 ) nach und nach aus der Hand gab um anschließend einen Läufer einzustellen. Es wurde anhand der geringen Bauernanzahl knapp, aber Panic setzte sich letzlich durch. (4,5:2,5) Die längste Partie spielte wieder einmal an Brett 2 Rene Gabel (1933), der auch Jahre zuvor in der zweiten Bundesliga einmal ein Turmendspiel über 100 Züge für die SSG spielte, diesmal war er nach einem langem taktischem Schlagabtausch im schottischen Vierspringerspiel erst in die bessere, dann in eine ausgeglichene Stellung geraten, dann sogar in ein Damenendspiel mit einem Minusbauern, das er souverän remis hielt gegen Christian Fleischhauer (1816 ) (5:3).

SSG Hungen-Lich 1 - SK Stadtallendorf 1 5:3

Euler, Gerd - Halfter, Carsten 1:0
Gabel, René - Fleischhauer, Christian ½:½
Lehwalder, Joachim - Schönfelder, Michael 1:0
Soppa, Christoph - Freiberger, Arnold ½:½
Stiller, Björn - Qayumi, Roman 1:0
Hofmann, Marco - Panic, Mirko 0:1
Brockmann, Michael - Böhme, Erich 0:1
Ranft, Michael - Berger, Eduard 1:0

Tabelle:
1. SF Braunfels 2 (8/21,5)
2. SSG Hungen-Lich 1 (7/24)
3. SF Anderssen Wetzlar 1 (7/23)
4. SC Königsspr. Gladenbach 1 (6/23,5)
5. Biebertaler Schachfreunde 2 (5/19,5)
6. SC Butzbach 2000 1 (4/18)
7. SK Herborn 1946 1 (4/17,5)
8. SK Marburg 1931/72 4 (4/17,5)
9. Schachfreunde Battenberg 1 (3/18,5)
10. SK Stadtallendorf 1 (2/17)

Eigentlich ist es ja unanständig eigene Partien zu posten, aber die ist kurz, und ich hab die besseren von Michael Ranft und Björn Stiller nicht zur Verfügung.

Carsten Halfter - Gerd Euler
1.e4 e5
2.Sf3 Sc6
3.Lb5 f5
4.d3 fxe4
5.dxe4 Sf6
6.0-0 Lc5
7.Sc3 d6
8.h3 0-0
9.Lg5 De8
10.Lc4+ Le6
11.Dd3 Lxc4
12. Dxc4+ Kh8
13.a3 Dh5
14.Sa4 Sd4
15.Sxd4 Lxd4
16.Lxf6 Txf6
17.c3 Tg6
18.Dd3 Tf8
19.cxd4 Tf3
20.Db5 Txg2+
21.Kxg2 Dxh3+
22.Kg1 Dg4+
0:1

Schachtraining der SSG Hungen/Lich ist immer Donnerstags in Hungen, Kulturzentrum "Am Zwenger" erstes Obergeschoß.
Monatsblitz für gewöhnlich am ersten donnerstag im Monat

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von:  Gerd Euler

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