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Kinder sollen sichere Schwimmer werden.

Hungen | Sich im Wasser zu bewegen macht Kindern viel Freude und schwimmen zu können stärkt ihr Selbstvertrauen. Sicherheit schafft es allemal. Fragt man Kinder nach ihrer liebsten Sportart, dann stehen Fahrradfahren und Schwimmen ganz oben.
ABER… leider ist nach Verkehrsunfällen das „Ertrinken“ die zweit häufigste Todesursache bei Kindern. Laut Forsa-Umfrage ist nahezu jedes zweite Kind im Grundschulalter ein unsicherer Schwimmer. Dabei sollte schwimmen so selbstverständlich sein wie Rechnen und Schreiben. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass unseren Kindern immer mehr die Möglichkeiten genommen werden. Immer mehr Gemeinden glauben, sich ein Schwimmbad nicht mehr leisten zu können. An die Menschen die in diesen Gemeinden leben, Steuern bezahlen und dies bewusst wegen dieser Möglichkeiten ein attraktives und sicheres Bildungs- und Sportangebot vorzufinden, scheint man nicht zu denken. Wo wenn nicht im Schwimmbad findet man so vielfältige Charaktere: Kraulende Kampfschwimmer, Treibminenhafte Senioren, abwesende Auszeitmütter, bewegungslose Beckenrandsitzer, kreischende Halbwüchsige, Smartphone geschädigte Teenager…., die Liste ist ellenlang , Alt und Jung und spiegelt die Bewohner einer Gemeinde wieder. Dazu kommen Schulen, Vereine und Dienstleister wie Schwimmschulen und andere Kursanbieter, hier hat ein Bad auch immer eine überregionale Bedeutung.
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schwimmen (216)
Wer schwimmen kann, kann an erster Stelle sich selber helfen, vertraut auf seine eigenen Kräfte und auf die des Wassers. Wer sein Kind vor dem Ertrinken bewahren möchte, lehrt es das Schwimmen oder meldet es in einer Schwimmschule an. Für einen Schwimmkurs spricht, „dass die Lehrer oder Trainingsleiter eine distanzierte Ausgangsposition den Kindern gegenüber haben.“ Das erleichtert die Lehrer-Schüler-Situation, denn die Kinder orientieren sich an dem unabhängigen Lehrer. Eltern die eher wasserscheu sind, sind nicht in der Lage, ihrem Kind ein positives Wasserempfinden zu vermitteln. In einer guten Schwimmschule sollte der Unterricht nur in kleinen Gruppen stattfinden, nur so ist es dem Schwimmlehrer möglich, auf das Lerntempo eines jeden Kindes einzugehen. Das Ziel eines Schwimmkurses sollte sein, den Kindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Eltern sollten nicht die Erwartung haben, hinterher einen Leistungsschwimmer zu erhalten, sondern ein Kind was Spaß hat am „Element Wasser“, seinen Eltern die Sicherheit gibt nicht mehr hilflos unterzugehen und seine Möglichkeiten selber einschätzen kann.
Ab wann ein Kind schwimmen lernen kann, hängt von seiner motorischen Entwicklung ab. Eltern sollten ihre Kinder nicht zu früh überfordern, rät der Geschäftsführer des Berufsverbandes Deutscher Schwimmmeister im Landesverband Hessen Michael Schad. Nach seinen Erfahrungen erfüllt erst ein Kind zwischen fünf bis sechs Jahren die motorischen und auch kognitiven Voraussetzungen, um gleichseitige Bewegungsabläufe koordinieren zu können. Die erste Fortbewegungsart des Kindes war eine wechselseitige, nämlich die des Krabbelns. Danach folgten Laufen, Dreirad fahren u.v.a., alles wechselseitige Bewegungsabläufe. „Man kann von einem Kind, das fast nur wechselseitige Bewegungsmuster kennt, nicht verlangen, dass es eine gleichseitige Schwimmbewegung sofort originalgetreu nachahmt.“ Die Zusammenarbeit von Armen und Beinen erfordert eine Körperkoordination, die ein Kind erst mit dem Schulalter entwickelt. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass das Kind die Bewegungen der Beine auch nicht sehen kann und diese affektiv ausgeführt werden müssen. Wichtig ist, dass die Schwimmfähigkeit in der Grundschulzeit vorhanden ist. Die Lehrer haben hier aufgrund der Klassenstärken oft nicht die Möglichkeiten auf Nicht- oder unsichere Schwimmer einzugehen. So findet zwangsläufig ein Ausgrenzen statt.
Schwimmen lernen findet in verschiedenen Phasen statt. Am Anfang steht die Wassergewöhnung. Das Kind wird mit dem Element Wasser vertraut gemacht, zum Beispiel durch verschiedene Spiele im hüfttiefen Wasser. Es lernt die Widerstandsfähigkeit und de Auftrieb kennen und wird an Atemübungen heran geführt.
Es folgt die Wasserbewältigung. Der Wasserwiderstand wird überwunden, das Gleichgewichtsempfinden geschult. Jetzt kann auch mit dem Springen und Tauchen begonnen werden. Dabei werden der Auftrieb und das Gleiten unter Wasser erlebt. Die ersten Schritte zum Schwimmen lernen sind bereits geschafft.
Ab wann kann ein Kind richtig schwimmen? Oft ist es nur das Gesicht, welches aus dem Wasser ragt. Der Kopf ist in den Nacken gelegt, die Augen weit aufgerissen, der Atem schnell und die Bewegungen zu kurz, schnell und ungleichmäßig. So sieht das Bild eines Schwimmanfängers aus. Von Schwimmen kann gesprochen werden, wenn es nicht so auf richtige Bewegungsabläufe ankommt, wenn ein Kind mit angepasster Atmung von Punkt A zu Punkt B im schwimmtiefen Wasser kommt, so Schwimmmeister Michael Schad. Unabhängig von der Schwimmtechnik zeigt das Kind, dass es keine Furcht mehr vor dem Wasser hat und sich in diesem Element fortbewegen kann. Ein von den Eltern und auch Kindern ersehnte Meilenstein auf dem Weg zum Schwimmer ist das Erreichen des Seepferdchens. Um das Abzeichen zu erlangen, muss das Kind 25 Meter schwimmen, ins schwimmtiefe Wasser springen und einen Gegenstand vom Boden heraufholen.
Lernen ist immer mit Motivation verbunden. Kinder, die bestärkt werden, bestimmte Dinge zu wiederholen, machen dies auch gern. Ob es die Eltern oder die Kursleiter sind, das Kind braucht Vertrauen zu ihnen und Zutrauen von ihnen. Erreichte Schwimmstufen wie Seepferdchen oder der Deutsche Jugendschwimmpass lassen die kleine Kinderbrust vor Stolz anschwellen. Das Erlernen des Schwimmens ist also nicht nur eine Maßnahme, die etwas mehr Sicherheit garantiert, sie fördert auch die Koordinationsfähigkeit und stärkt das Selbstvertrauen des Kindes.

 
 

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von:  Michael Schad

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