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Bürgermeister Christof Heller im GZ-Gespräch: „Hüttenberg ist nicht nur Wohnort, sondern Heimat“

Bürgermeister Christof Heller ist seit Beginn 2012 Bürgermeister der Gemeinde Hüttenberg. Er will ehrenamtliche Tätigkeiten und Projekte in seiner Gemeinde fördern.
Bürgermeister Christof Heller ist seit Beginn 2012 Bürgermeister der Gemeinde Hüttenberg. Er will ehrenamtliche Tätigkeiten und Projekte in seiner Gemeinde fördern.
Hüttenberg | „Hüttenberg – bei uns zu Haus“ – so steht es im Leitbild der Gemeindeverwaltung geschrieben. Die Bewohner der Gemeinde im Südosten des Lahn-Dill-Kreises identifizieren sich mit ihrem Wohnort. Das belegt mitunter das ehrenamtliche Engagement, das in Hüttenberg besonders hoch ausgeprägt ist. So sorgen insgesamt hundert Vereine für ein breites Freizeitangebot für Jung und Alt. Die besondere, naturnahe Lage zwischen Gießen und Wetzlar an der Autobahn A45 sowie die gepflegte Handballtradition machen Hüttenberg zu einem Dreh- und Angelpunkt für Wirtschaft, Freizeit und Sport. Im Gespräch mit der GZ erklärt der Hüttenberger Bürgermeister, Christof Heller, welche Ziele er in seiner Amtszeit verfolgt.

GZ: Was müssen unsere Leser über die Gemeinde Hüttenberg wissen?
Bürgermeister Christof Heller: Das Wesentliche über Hüttenberg wird im Prinzip über unser Logo ausgesagt. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir nicht nur Wohnort, sondern auch Heimat für die Menschen sind. Hüttenberg ist die einzige Gemeinde im Lahn-Dill-Kreis, die, entgegen dem allgemeinen Trend, einen Bevölkerungswachstum verzeichnet. Auf diese Entwicklung sind wir stolz und wollen das moderate Wachstum weiter vorantreiben.
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GZ: Warum entscheiden sich so viele Menschen für Hüttenberg als Wohnsitz?
Heller: Hüttenberg ist eine
familienfreundliche Gemeinde. Seit Jahren verfolgen wir erfolgreiche Konzepte für die Kinderbetreuung und das altersgerechte Wohnen. Wir bieten ein ganzheitliches Schulkonzept an mit einer Grund- und einer Gesamtschule, so dass die Kinder in Hüttenberg bis zur 10. Klasse in die Schule gehen können. Durch die günstige Verkehrsanbindung Richtung Frankfurt sind wir auch ein interessanter Wohnort für Pendler und ein attraktiver Gewerbestandort. Hinzu kommt die vielfältige Vereinsstruktur – die etwa hundert Ortsvereine zeichnen sich durch sehr hohes ehrenamtliches Engagement aus.
GZ: Wodurch zeichnet sich das Engagement konkret aus?
Heller: Ein aktuelles Beispiel ist die kürzlich erfolgte Übernahme des Hallenbads durch den Trägerverein. Aufgrund der Haushaltslage stand das Schwimmbad als freiwillige Leistung der Gemeindeverwaltung auf dem Prüfstand. Man hat es geschafft, einen Trägerverein mit über tausend Mitgliedschaften zu gründen, der den Betrieb des Bades übernommen hat. Das ist auch ein Beispiel dafür, dass hier in Hüttenberg ehrenamtliche Projekte Hand in Hand mit der Verwaltung umgesetzt werden.
GZ: Wie steht es mit der finanziellen Lage der Gemeinde? Inwieweit ist die Stadt auf Subventionen des Landes Hessen angewiesen?
Heller: Die Gemeinde Hüttenberg hat ein Defizit von etwa 1,1 Millionen Euro und einen Schuldenstand von circa 13 Millionen Euro. In diesem Jahr ist seit vielen Jahren keine Netto-Neuverschuldung geplant. Hüttenberg ist keine Schutzschirmkommune. Die Finanzierung der Gemeinde erfolgt durch die Schlüsselzuweisung des Landes, die Gewerbesteuer und den Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, der, und das ist erfreulich, in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist. In Hüttenberg haben mehrere Unternehmen ihren Sitz, die Fachkräfte mit guter Qualifikation benötigen. Diese Firmen sind mitunter in der Weltspitze tätig und die Gemeinde Hüttenberg bietet den Mitarbeitern das passende Umfeld, um Wohnen und Arbeiten gut miteinander verbinden zu können.
GZ: Welche Bereiche belasten den Haushalt der Gemeinde am meisten?
Heller: Die größte Belastung geht von der Kinderbetreuung aus. Hüttenberg führt in Eigenregie acht Kindergärten. Hinzu kommen die Bürgerhäuser Dorfgemeinschaftshäuser, von denen es in jedem Ortsteil mindestens einen gibt und drei Sporthallen, die von der Gemeinde
ebenfalls unterhalten werden.
GZ: Inwieweit profitiert die Stadt von der geographischen Lage zwischen Gießen und Wetzlar?
Heller: Die Lage zwischen den beiden Kreisstädten ist wichtig, weil viele Berufstätige und Studenten sich für Hüttenberg als Wohnort entscheiden. Aus der geographischen Nähe sind viele wertvolle Partnerschaften entstanden. Hüttenberg ist seit 2009 Mitglied beim StudiumPlus der Technischen Hochschule Mittelhessen. In einem Unternehmerforum, das mein Vorgänger, Dr. Manfred Schmidt (SPD), zu seiner Zeit initiierte, treffen sich Geschäftsleute aus der Region, um die Vernetzung zwischen Verwaltung und den Unternehmen voranzutreiben. In diesem Rahmen ist auch der Austausch zwischen den Firmen wichtig, denn viele Unternehmer wissen kaum etwas darüber, was wir in Hüttenberg für Möglichkeiten bieten. Insgesamt kann man sagen, dass das Gesamtpaket der weichen Standortfaktoren, die die beiden Städte und das Rhein-Main-Gebiet bieten, einfach stimmt.
GZ: Welche Neuerungen dürfen Bewohner Hüttenbergs in ihrer Gemeinde in Kürze erwarten?
Heller: Es gibt in erster Linie zahlreiche Bauprojekte. Im Moment in Umsetzung ist das Baugebiet „Grasweg 3“ und in Rechtenbach das große Baugebiet „Birkenweg 2“. Unter anderem entsteht in Reiskirchen derzeit das neue Baugebiet „Auf der Höhl“. Eine weitere ganz wichtige Infrastrukturmaßnahme in Hüttenberg ist die Breitbandversorgung. Die Gemeinde ist bei der Breitbandvernetzung klassisch unterversorgt. Hierzu sind wir am Projekt der Breitband Lahn-Dill GmbH beteiligt – die Entscheidung zur Genehmigung der notwendigen Kredite soll in Kürze fallen. Ein großes Projekt, das „im Untergrund läuft“, ist die Sanierung der Kanäle. Das ist eine Daueraufgabe, die alle Ortsteile betrifft und große Summen verschlingt, jedoch absolut notwendig ist. Neben diversen Kindergartensanierungen und -erweiterungen plant die Gemeinde noch den Abriss einer kommunalen Liegenschaft. An dieser Stelle soll ein Platz errichtet werden. Mir ist es persönlich besonders wichtig, dass die Bürger der Gemeinde bei der Platzgestaltung mitsprechen. Über den Ortsbeirat soll die Bevölkerung befragt werden, wie der Platz im Detail gestaltet werden soll. Die Einbindung der Bevölkerung hat bereits bei der Dorferneuerung Weidenhausen/Volpertshausen sehr gut funktioniert.
GZ: Sie sind seit einem guten Jahr Bürgermeister von Hüttenberg. Welche Zwischenbilanz können Sie ziehen? Welche Ziele haben Sie für Ihre Amtszeit?
Heller: Trotz der immer knapper werdenden Mittel müssen wir Hüttenberg weiterentwickeln – das heißt, dass wir neues Bauland moderat erschließen, die dörflichen Strukturen aber beibehalten wollen. Die Bürger sollen aktiv in die Projekte eingebunden werden, denn nur mit Unterstützung der Bürger und des Ehrenamts können wir die künftigen Vorhaben erfolgreich stemmen. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Engagement der Bürger ist das Gemeindeentwicklungskonzept, in dem die Bewohner Hüttenbergs die Frage beantworten, wie ihr Ort weiterentwickelt werden soll. Die Stärkung derartiger Projektarbeit weiter zu fördern ist eines meiner zentralen Ziele. Ein weiteres langfristiges Thema ist die Haushaltskonsolidierung, die aber nicht von heute auf morgen erfolgreich sein kann. Was mir die Arbeit im Rathaus leichtgemacht hat, sind die Mitarbeiter, die auf einem hohen Niveau arbeiten und einen klasse Job machen.
GZ: In Hüttenberg hat Handball eine lange Tradition. Welchen Stellenwert messen Sie dem Handball in Hüttenberg zu? Inwieweit fördert die Gemeinde den Handballstandort Hüttenberg?
Heller: Handball hat einen hohen Stellenwert in Hüttenberg. Der TV Hüttenberg ist durch die Mitgliederzahlen der größte
Ortsverein und durch die Zugehörigkeit zur zweiten Handballliga ein Aushängeschild Hüttenbergs. Aufgrund des knappen Budgets und des schweren Stands in der Liga ist der TV Hüttenberg ein klassischer Ausbildungsverein. Was viele nicht wissen: Der TV Hüttenberg hat eine zertifizierte und erfolgreiche Jugendarbeit. Da kann man nur den Hut vor den Verantwortlichen beim TV Hüttenberg ziehen. Die anderen Vereine, aber auch die Feuerwehr hier in Hüttenberg, und das möchte ich betonen, pflegen ebenfalls eine sehr gute Jugendarbeit. Hierfür bin ich als Gemeindevertreter sehr dankbar, denn die Kommune könnte diese unverzichtbare Aufgabe gar nicht leisten. Wir fördern die Vereine, indem wir die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen, wie die Sporthallen, so dass die Vereine ein breites Angebot an Aktivitäten anbieten können.
GZ: Vielen Dank für das Gespräch.

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von:  Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion

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Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion
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