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Unter Bewachung von Soldaten gestellt fand sie den Weg in die Kueche

kartoffelstambes
kartoffelstambes
Heuchelheim | Unsere Kartoffel hatte es schwer in unsere Kueche zu gelangen. Bevor wir der Kartoffel ihren Platz gaben war in Deutschland Getreide das Hauptnahrungsmittel. Nicht ohne Grund sind in Deutschland wohl die meisten Brotrezepte zu finden. Nach dem Motto ,, Was der Bauer nicht kennt isst er nicht,, konnte die Kartoffel nur unter Militaerschutz den Weg vom Acker in unsere Kuechen schaffen. Es war im Jahr 1750 als Fridrich II von Preussen den Kartoffelbefehl erteilte.

„Als habt Ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Tartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen.“

„Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, daß die darauf verwendete Mühe sehr gut belohnt wird. (…) Übrigens müßt ihr es beym bloßen Bekanntwerden der Instruction nicht bewenden, sondern durch die Land-Dragoner und andere Creißbediente Anfang May revidieren lassen, ob auch Fleiß bey der Anpflantzung gebraucht worden, wie Ihr denn auch selbst bey Euren Bereysungen untersuchen müsset, ob man sich deren Anpflantzung angelegen seyn lasse.“

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Die Kartoffel ist heute aus der Hessischen Kueche nicht mehr weg zu denken. Vom Kartoffelsalat ueber Kartoffelsuppe, Pellkartoffeln und Kartoffelpuffer zum Schmiergelskuchen (Salzekuchen) zur Kartoffelwurst hat die Knolle unseren Speiseplan erobert. Immer neue Kartoffelsorten werden gezuechtet und angebaut. Alte Sorten gehen in die Vergessenheit. Kaum einer Kellert seine Kartoffeln noch ein. Die Keller in den gut isolierten Haeuser sind meist zu warm um die Knolle gut durch den Winter zu bekommen. Nicht jede Kartoffel die man im Laden kaufen kann eignet sich zum Einkellern. Einkellerungskartoffeln sind nie gewaschen. Nur mit der Ackererde und einer kuehlen ,nicht zu trockenen Luft und dunkel gelagert wird sich die Kartoffel vom Herbst bis zum Sommer halten. Aus diesem Grund ist jede Jahreszeit eine Kartoffelzeit. Zur Kartoffel habe ich noch ein altes Rezept meiner Oma fuer euch.

Kartoffelstambes

2/3 Mehlig kochende Kartoffel
1/3 Karotte
1 bis 2 Zwiebeln
Lorbeerblaetter
Majoran
Muskatnuss
Salz und Pfeffer
Wer mag kann eine Bauernbratwurst oder Raeucherspeck mitkochen.

Wer das Fleisch dazu braucht sollte dieses als erstes im Topf anbraeunen.
Kartoffeln und Karotten in kleine Stuecke schneiden. in einen Topf geben und mit Wasser soweit aufgiessen bis die Wuerfelchen bedeckt sind. Die Zwiebeln auch in Wuerfel schneiden und dazu geben. Die Lorbeerblaetter und den Majoran dazu und Deckel drauf. Bei geringer Hitze langsam aufkochen. Sobald der Sud kocht wird mit Muskat , Salz und Pfeffer gewuerzt. Jetzt bitte das Ruehren nicht vergessen. Durch das Ruehren wird die Kartoffel schoen schlotzig. Ein ,,Arme Leute,, Essen das saettigt und durchaus viele gesunde Inhaltstoffe hat. Der Kartoffelstambes ist ein tolles Herbstgericht das am 2. Tag noch besser schmeckt. Guten Hunger !

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.630
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 28.10.2013 um 08:25 Uhr
Hoch lebe die Kartoffel !
Das Rezept gefällt mir ( ich liebe Oma`s Rezepte ).
Wird ausprobiert , zumal mir die Gewürze dazu sehr zusagen!
( Bis auf die Zwiebel, wegen Unverträglichkeit )
Nicole Freeman
7.234
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.10.2013 um 08:42 Uhr
Statt Zwiebel kann man auch Lauch verwenden wenn der besser vertragen wird
Birgit Hofmann-Scharf
9.630
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 28.10.2013 um 08:57 Uhr
Na, Lorbeer, Majoran und Muskat -
das stell ich mir recht lecker vor,
da brauche ich / wir kein Zwiebelgewächs ;-)
Martin Wagner
2.107
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 28.10.2013 um 09:01 Uhr
Danke Frau Freemann für ihren Querverweis zur Geschichte der Kartoffel in unserer Region. Bin ja als Ehrenamtlicher in einem Schulgarten tätig. Da erzähle ich die Story recht gerne.

Kleine Ergänzung meinerseits zu folgendem Absatz:

"Übrigens müßt ihr es beym bloßen Bekanntwerden der Instruction nicht bewenden, sondern durch die Land-Dragoner und andere Creißbediente Anfang May revidieren lassen, ob auch Fleiß bey der Anpflantzung gebraucht worden, wie Ihr denn auch selbst bey Euren Bereysungen untersuchen müsset, ob man sich deren Anpflantzung angelegen seyn lasse.“

Es geht also nicht nur darum, durch behördliche Massnahme den Diebstahl vom Acker zu verhindern, sondern durch das ganze Klimbim drumherum das Interesse der Bauern an der neuen Pflanze zu wegen. Denn der Bauer dachte; was so gut bewacht wird - das muss besonders wertvoll sein. Wenn mann/frau es willl hatte der König gute Werbeberater.
Nicole Freeman
7.234
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.10.2013 um 09:01 Uhr
Ich wuensche einen guten Hunger.
Nicole Freeman
7.234
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.10.2013 um 09:11 Uhr
Na ja soweit ich gelesen habe wurde das Saatgut kostenfrei gestellt und die Bauern wollten auf Ihren Feldern lieber etwas ,, essbares ,, anbauen.
Die Soldaten schuetzten die Kartoffeln vor dem Vorzeitigen auszupfen und anderweitiger Bestellung der Felder. In Ortscroniken kann man die empfindlichen Strafen die auf die Zerstoehrung der Kartoffelernte stand finden.
Wer sein Kartoffelfeld fuer Getreide oder Rueben opferte musste mit dem Verlust einer Sau rechnen. Das war zur damaligen Zeit fuer einen Bauer ein Supergau ! Viele Bauern wurden mit Haft oder Strafarbeiten bestraft . Die Bauern wollten die Kartoffel nicht ! Damals herrschte oft Hungersnot und fuer den Bauer war die,, Blume aus dem Koeniglichen Garten,, einfach nur Unkraut. Man hatte Angst nicht genug zu Essen zu haben egal was die Koeniglichen da so erzaehlen.
Martin Wagner
2.107
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 28.10.2013 um 09:35 Uhr
Korrekt Frau Freemann, wie sie den Hintergrund darstellen. Aber das Problem war - so meine Information - etwas komplizierter.

Es gab wohl zwei Gründe warum Getreide bei Bauern zuerst beliebter war.

1.
Durch Falschinformation wurde das oberirdische Kartoffelkraut gegessen. Mit der Folge von heftigen Übelkeitsattaken.

2.
Rückständige Pfarrer predigten, dass Alles was im Boden wächst vom Teufel ist. Da damals den Pfarrern noch geglaubt wurde kam es dann wohl zu regelrechten Feldbesetzungen.
Nicole Freeman
7.234
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.10.2013 um 09:43 Uhr
Richtig Herr Wagner. Viele Buerger bekamen Vergiftungen vom Kraut . Die Kartoffel haette ohne Militaerschutz wohl nie ihre Vielfalt in unsere Kueche bringen koennen. Die Gerichtsakten fuer Feldfrefel sind heut zu Tage gelesen schon Unvorstellbar. Einen Feldweg abhueten konnte schon eine Gefaengnisstrafe nach sich ziehen. Wehe dem der Bucheckern eingesammelt und Oel gepresst hat. Und das Teufelsgewaechs das da vom Koenig beschuetzt wird , es wird euch alle euer Leben kosten.
Im Endefekt hatt uns die Kartoffel doch gut getan.
Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 28.10.2013 um 17:47 Uhr
Gott segne Friedrich II, ein Leben ohne Kartoffel kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen!
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 29.10.2013 um 14:54 Uhr
Ich schließe mich Herrn Knaack an. Auch ich bin ein riesengroßer Kartoffelfan.
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 17.11.2013 um 21:35 Uhr
Ich esse auch sehr gerne Kartoffeln! Daher vielen Dank für den Artikel und die vielen interessanten und ergänzenden Kommentare dazu.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Nicole Freeman

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