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Ist der Betriebskindergarten das Mittel gegen Fachkraeftemangel ?

Heuchelheim | Welcher Betrieb kennt das nicht? Das richtige Personal zu finden ist schwer. Dieses Personal zu halten noch schwerer, denn der gut ausgebildete Arbeitnehmer hat die Wahl. Headhunter suchen nach Fuehrungspersonal und nutzen immer oefter die Kinderbetreuung als Werbemittel. Doch bis es soweit ist das der Arbeitnehmer zum Kapital des Arbeitgebers wird braucht es eine fundierte Ausbildung. Fuer viele Frauen endet der Kariereweg in die Fuehrungsposition bereit mit dem ersten Kind. Der Staat bietet zwar Kinderbetreuung, jedoch meist nicht in den notwendigen Zeiten. Dazu kommt noch das Missverhaeltnis von Urlaubszeit des Arbeitnehmers und der Schulferien. Der Wiedereinstieg nach der Betreuungszeit ohne den passenden Kindergarten ist meist schwer und mit kostspieligen Weiterbildungen fuer den Arbeitgeber verbunden. Viele Frauen sind nach dem ersten Kind durch die Oeffnungszeiten der Kita zur Teilzeit gezwungen. Schichtarbeit erschwert das ganze noch. Welcher Arbeitnehmer ist da nicht froh wenn der Arbeitgeber eine Loesung fuer seine Probleme mit der Kinderbetreuung parart hat. Immer mehr Betriebe sehen im Betriebskindergarten
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nicht mehr nur eine Kostenstelle sondern die Moeglichkeit ihr Fachpersonal zu binden. Bereits in den 1980 er Jahren haben auch in Deutschland die ersten Grossunternehmen das Potential der Betriebskindergaerten erkannt. War damals der Betriebskindergarten wirklich nur fuer Betriebsangehoerige so gibt es heute verschiedene Arten der Betrieblichen Kinderbetreuung. Nehmen wir einmal den Industriepark Kassel Lohfelden. Hier haben sich Unternehmen zusammen geschlossen und mit dem Arbeiter-Samarieter Bund einen Betriebskindergarten im Industriepark gegruendet. Hier sind die Oeffnungszeiten auf die Arbeitszeiten der Angestellten und Arbeiter abgestimmt. Betreuung wird auch in den Ferien gewaehrleistet. Die Betriebskosten von 700,- pro Betreuungsplatz im Monat wird unter den Betrieben und dem Land Hessen aufgeteilt . Dann gibt es noch das Model das bei unserer heimischen Firma Schunk gefahren wird. Die Firma garantiert ihren Arbeitern und Angestellten einen Kita Platz in Heuchelheim indem sich Schunk an den erweiterten Betreuungskosten der oertlichen Kita beteiligt. In den Ferien werden,, Die Betriebskinder ,, durch Spezielle Ferienangebote betreut. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wettenberg gibt es fuer die Schunk-kinder die Ferienspiele bei denen normalerweise nur Kinder aus Wettenberg teilnehmen duerfen. In diesen Herbstferien sollen 2 Gruppen mit jeweils 20 Kindern betreut werden. Auch fuer die Winterferien wird an der betrieblichen Betreuung gearbeitet. Die Arbeitnehmer haben durch die betriebliche Kinderbetreuung den Kopf frei fuer die Arbeit und sind Zufriedener. Das macht sich in der Arbeitsleistung bemerkbar. Unter anderen wird bei Dailmer, Ikea, Siemens, BASF, Henkel und VW die Kita fuer Betriebskinder ausgebaut. Fuer kleine Unternehmen besteht die Moeglichkeit des Zusammnschlusses wie in Kassel gezeigt. Durch den Betriebskindergarten werden Frauen auch die Moeglichkeit haben beruhigt zur Arbeit zu gehen und Fuehrungspositionen zu besetzen. Hoffen wir auf die Zugkraft eines Betriebskindergartens in der Beschaeftigungspolitik in Zeiten des Fachkraeftemangels .

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
26.001
Peter Herold aus Gießen schrieb am 23.10.2013 um 09:38 Uhr
Das nicht, aber eines von mehreren sicher. Der Beitrag zeigt da einige Möglichkeiten auf
Mirko Düsterdieck
338
Mirko Düsterdieck aus Gießen schrieb am 26.10.2013 um 11:12 Uhr
Interessanter Beitrag, der zum einen die Diskrepanz zwischen Beruf und Familie verdeutlicht, zum anderen aber auch Möglichkeiten aufzeigt.
Diese Betriebskindergärten waren übrigens in der DDR standart!
Nicole Freeman
8.126
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 26.10.2013 um 12:54 Uhr
Ich habe gehofft mit diesem Artikel auch kleineren Unternehmen die Kinderbetreuung ans Herz zu legen. Fachkraeftemangel weil die gut ausgebildete Fachkraft keine Moeglichkeit hat Vollzeit zu arbeiten da es an einem Betreuungsplatz fehlt muss nicht sein. Auch kleine Betriebe koennen einen Weg finden etwas fuer Ihre Familienmenschen etwas zu tun. Kassel zeigt es einfach sehr gut. In diesen Kindergarten duerfen auch nicht Betriebskinder gehen. Wenn die Politik nichts tun will kann die wirtschaft fuer sich handeln. Einige Grosse Betriebe zeigen das eine Entlastung bei der Kinderbetreuung durchaus auch die Arbeitsleistung steigert. Gesteigerte Arbeitsleistung bedeutet Kapital und das sichert den Arbeitsplatz. Wenn wir auf die Politik warten werden wir lange warten. Viele Betriebe scheuen jedoch die Kosten und blocken gleich ab. Aber wo ein Wille ist , ist auch ein Weg.
Mirko Düsterdieck
338
Mirko Düsterdieck aus Gießen schrieb am 26.10.2013 um 13:20 Uhr
Das hat mit dem Willen von den Betrieben nichts zu tun . . . Der Wille wäre schon da. Allerdings würde das Engagement in diesem Bereich der sozialen Verantwortung vom Profit der Betriebe abgehen . . .
Das ist eben die zu kurz gedachte kapitalistische Logik!
Nicole Freeman
8.126
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 26.10.2013 um 13:33 Uhr
Die Grossbetriebe wie Daimler, BASF und VW haben es seit Jahren eigene Betriebskindergaerten. Diese Betriebe gehoeren zu den ersten die erkannt haben das der Betriebskindergarten Fachkraefte an das Unternehmen bindet was wiederum an Schulungskosten und Weiterbildungskosten eingespart werden kann. Fast alle an der Boerse gehandelten Unternehmen haben Wege gefunden die Kinderbetreuung als Werbemittel fuer hoch qualifizierte Arbeitnehmer zu nutzen. Es sind die kleinen die Angst vor den Kosten haben. Nicht nur der Erzieher?\/die Erzieherin muss bezahlt werden. Auch die Raeumlichkeiten muessen passend zu den Altersgruppen gestalltet werden. Anstatt die Forderungen fuer U3 Plaetze mit Kindergaerten zu erfuellen hat ja unsere Regierung die Herdpraemie eingefuehrt. Sehr zum Wohle der Familie >>>Ironie
Den Unternehmen muessen nur Wege aufgezeigt werden und der Gewinn vor Augen gefuehrt werden. Dann wird das schon .
Mirko Düsterdieck
338
Mirko Düsterdieck aus Gießen schrieb am 26.10.2013 um 13:43 Uhr
Du hast natürlich Recht. Und die von Dir genannten Beispiele sind auch als
"Leuchttürme" anzusehen. Aber in der breiten Masse der Unternehmen ändert sich bis dato nichts. Und mir fehlt auch ehrlich gesagt der Glaube daran. Solche Maßnahmen und Verbesserungen müssen durch die Beschäftigten und den Gewerkschaften flächendeckend erkämpft werden!
Nicole Freeman
8.126
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 27.10.2013 um 07:29 Uhr
Kinderbetreuung kann nicht zu den Aufgaben eines Arbeitgebers grundsaetzlich gehoeren. das ist und bleibt ein Grundversorgung des Staates . Auch wenn der nicht erkennen will das eine gute Kinderbetreuung und Aerztliche Versorgung zur Infrastrucktur gehoeren wie Strassen. Die Industie reagiert nur auf die Abwanderung von Fachkraeften . Einen Betriebskindergarten kann keine Sache sein um die sich eine Gewerkschaft kuemmern sollte. Aber ich habe ja sowieso den Glauben an die Prachtpalastbauenden ,,Arbeitnehmerfreunde,, verlohren. Tarifbildung ist doch nur noch ein Wort. Immer mehr Betriebe gehoeren nicht zu den Verbaenden naja das ist ein anderes Thema. Nhmen wir uns einmal einen Arzt. Er taeumt anfangs davon Menschen zu helfen. Dann kommt die Zeit im Krankenhaus. Ueberstunden ohne Ende, Bereitshaftsdienste unter Bedingungen wo kein Arbeiter am Band stehen wuerde. Seine Traumwolke zerplatzt. Da kommen die ersten Angebote aus der Pharmaindustrie die mehr Gehalt bei geregelter Arbeitszeit bieten. Weg ist unser ausgebildeter Arzt und in die Industrie abgewandert. Oder er bekommt ein verlockendes Angebot aus Skandinavien. Geregelte Arbeitszeiten , Kindergartenplatz im Betriebskindergarten und verguenstigte Betiebswohnung , bezahlter Sprachunterricht fuer die Familie . Die lange Ausbildungszeit in Uni und Klinik hat Deutschland viel Geld gekostet und die Arbeitskraft Arzt ist nicht mehr fuer unsere Gesellschaft zu finden. Hat die Industrie vor 20 Jahren noch mit Aktien gewunken, so winkt man heute mit Kitaplatz und Betriebswohnung in Frankfurt. Betriebskita und Betriebswohnung gehen aber mit einer Kuendigung verlohren ! Da haengt der Haken an einem Betriebskindergarten meiner Meinung nach. Der Staat sollte fuer eine Flaechendeckende Versorgung verantwortlich gemacht werden . Die Industrie versucht nur ihr Kapital,, hochqualifizierte Arbeitskraft ,,zu sichern ! Die Gewerkschaften wuerden sich die errichtung eines Betriebskindergartens gerne auf die Fahnen schreiben weil es eventuell Mitglieder bringt die den Haken nicht erkennen.
Peter Herold
26.001
Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.10.2013 um 12:48 Uhr
Du hast ja im Titel geschrieben ein Mittel gegen Fachkräftemangel. Das ist es sicher und unser Staat ist doch überfordert;-) Der muss seine Gelder zur Rettung von Banken einsetzen;-(
Christian Momberger
10.936
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 17.11.2013 um 22:45 Uhr
Ein interessanter und guter Artikel Frau Freeman. Ebenso alles in alles richtige ergänzende Kommentare von Ihnen und Mirko D., denen ich durchaus zustimmen kann, wobei ich das noch näher an Mirko bin als bei Ihnen. Denn auch wenn viele Großbetriebe einen Betriebskindergarten eingerichtet haben, so haben Sie es nicht aus reiner "Wohltat" gegenüber den Beschäftigten gemacht, sondern nur weil es sich betriebswirtschaftlich "rechnet" bzw. dem Image dient. Und genau aus dem Grund haben es viele andere Firmen noch nicht getan, das es Geld kostest, was den Profit schmälert. Die Kapitalistische Logik wird auch hier nicht außer Kraft gesetzt.

Aber in der Tat sollte die Kinderbetreuung eine Aufgabe der öffentlichen Hand sein, ein Bereich der Grunddaseinsvorsorge. So wie z.B. auch die Unterhaltung von kommunalen Büchereien oder Schwimmbädern. Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Prof. Dr. Wolfgang Huber forderte beim Festakt zum hundertjährigen Jubiläum der DLRG die Beibehaltung der staatlichen Verantwortung für die Infrastruktur der Bäder ein. Wörtlich sagte er:„Das Lob des bürgerschaftlichen Engagements darf nicht zum Alibi für den Rückzug des Staates aus wichtigen Aufgaben werden. Auch wenn er die Lebensrettung einer ehrenamtlichen Organisation überlässt - für die Aufrechterhaltung von Bädern muss er schon selbst sorgen“ (Quelle: http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/86099/100-jahre-dlrg-heimische-lebensretter-eine-woche-in-berlin/) Und ich denke dem ist nichts hinzuzufügen. Und das gilt auch für alle anderem Bereiche der öffentlichen Grunddaseinsvorsorge, wie eben der hier diskutierten Kinderbetreuung oder eben die Büchereien.
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