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Gebaeude mit Geschichten oder Sagen- Kirchenburg Luetzellinden

Kirche Luetzellinden Bild von Joerg Jungbluth
Kirche Luetzellinden Bild von Joerg Jungbluth
Heuchelheim | Die Luetzellindener Kirche mit ihrem Friedhof und den dicken Mauern wirft dem genauen Betrachter fragen auf. Sie ist nicht nur als Gebaeude interessant ,sondern ihr haengt eine romantisch tragische Liebesgeschichte aus dem fruehen 18. Jahrhundert an ,die ich natuerlich auch fuer euch habe. Erst einmal zum Gebaeude. Tatsaechlich handelt es sich hier um eine sogenannte Kirchenburg aus dem spaeten 12.- fruehen 13. Jahrhundert. Die Kirche , der Friedhof und ein Versammlungsplatz waren von dicken Mauern umgeben und boten den Bewohnern der rund 10 Bauernhoefen die um die Kirche gebaut waren Schutz. Warscheinlich wurde die erste Marienkirche Ende des 12. Anfang des 13. Jahrhunderts von den Merenberg errichtet. Von dieser Kirchenburg sind Reste im Westteil der Kirche erhalten. Bis 1823 waren die Reste der Befestigungsanlage zu erkennen. Diese wurden jedoch bei Erweiterungen teilweise stark abgetragen und lassen uns heute nur noch die ehemalige Anlage erahnen. Urspruenglich hatte die Luetzellindener Kirche 3 Glocken. Von diesen Glocken ist jedoch nur die Kleinste erhalten. Die mittlere und die grosse Glocke aus dem Jahr 1473 wurden waerend des 2. Weltkrieges eingeschmolzen. Bereits 1949 wurden diese Glocken durch neue ersetzt. Ihr heutiges Gesicht bekam die Kirche mit der Erweiterung des oestlichen Chors in den Jahren 1892 bis 1893.

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Luetzellinden (1)Kirche (617)Gebaeude mit Geschichten oder Sagen (38)

Jetzt zur tragisch romantischen Liebesgeschichte . Eine Liebesgeschichte die einer beruehmten Liebesgeschichte aus Verona gleicht, nur mit Happy End.

Die Geschichte von Anna Maria Beppler aus Luetzellinden und dem Grossen Lindener Caspar Spengler. Alles begann im Jahr 1830 an der Lindbachquelle. Anna war am Haare waschen als sie hinter sich ein Geraeusch vernahm.
Es war Caspar Spengler der unerlaubt fuer seine Ziege Futter besorgte. Er war sehr arm, und beging wie viele andere armen Bauern dieser Zeit oft Feldfrefel. Seine Tiere ,die Ziege und ein paar Gaense weidetetn oft auf fremden Wiesen, er holte Holz aus dem Wald und das ein oder andere Obst aus Nachbars Garten wanderte in seinen Magen. Auf Grund dieser Handlungen war er schon mehrfach aufgefallen und musste durch Gefaengnis und Arbeit seine Strafe "abdienen". Dies alles schreckte die junge Anna nicht ab. Immer wieder trafen sich die beiden an der Quelle und sie verliebten sich in einander.
Wie es das Leben so wollte , als im Juni die Baeume in voller Bluete standen liebten sie sich zum ersten Mal.

Anna wurde schwanger.

Als sie ihrem Caspar davon erzaehlte, versicherte er ihr alles zu regeln damit sie heiraten koennten. Er bedachte jedoch nicht die Schwierigkeiten die man bekommt wenn man von Grossen Linden nach Luetzellinden ziehen wollte.
Luetzellinden gehoerte seit 1815 zum Kreis Wetzlar, also zu Preußen.
Großen Linden allerdings gehoerte zu Gießen, also zu Hessen.
Caspar musste so einen Antrag bei der Obrigkeit stellen um Anna heiraten zu koennen.
Ein Gesetz von 1773 besagte, dass ein Buerger der in Luetzellinden aufgenommen werden wollte ein Vermoegen von 300 Floren (ca 180 Reichsthaler) in Liegenschaften vorzuweisen und ein Einzugsgeld von 11 Reichsthalern 28 Silbergroschen und 4 Pfennigen zu zahlen hatte.
Wie sollte der arme Caspar das schaffen?
Keine Ortschaft war willens Leute aufzunehmen, die keinen Besitz und kein Einkommen hatten und so der Gemeinde zur Last fallen wuerden. Der Antrag wurde aus 3 Gruenden Abgelehnt.
Er hatte ein schlechtes Fuehrungszeugnis, war nicht imstande sich und eine Familie zu ernaehren und hatte kein Unterkommen in Luetzellinden. Die Gemeinde stellte fuer Anna und ihr Kind ein Haus zu verfuegung. Das alte Backhaus war nun ihr Zuhause.
Die Ortspolizei war angewiesen worden zu verhindern dass Caspar und Anna sich trafen. Doch heimlich und versteckt trafen sie sich immer wieder an der Lindbachquelle.
Anna bekam mit ihrem Caspar weitere 5 Kinder.
Immer wieder beantragte Caspar die Aufnahme nach Luetzellinden doch jedes mal wurde er abgewiesen.
Durch die Lebensweise die beide an den Tag legten wurden sie von der Bevoelkerung verachtet. Die Jahre vergingen und als ein Sohn bereits verheiratet war und ein anderer zum Militaer ging waren beide inzwischen 60 Jahre alt und Arbeitsunfähig. Im Jahre 1862 bot Großen Linden 110 Floren für die Aufnahme von Caspar in Luetzellinden und Caspar bat erneut um Heiratserlaubnis. Auch die Kinder, inzwischen erwachsen, baten die Behoerden den "Makel" von ihnen zu nehmen.
Sie verpflichteten sich ihre Eltern zu unterstuetzen.
So beendeten die Behoerden endlich den "sittlich-religioesen" Anstoß, und fast am Ende ihrer Tage angelangt durften Anna und Caspar endlich heiraten. Sie wurden in der Kirche zu Luetzellinden getraut. Das Hochzeitsgeschenk der Gemeinde war ein Bauplatz an der Rheinfelser Straße, dort bauten die beiden ein winziges Haeuschen. Das Geld, welches Großen Linden für die Aufnahme Spenglers gegeben hatte gab Luetzellinden dazu. So hatte diese grosse Liebe doch noch ein glueckliches Ende gefunden. Die ausfuehrliche Geschichte finden sie zum Nachlesen im Buch
Heimat an Lahn und Dill, Band 2, Schnitzler Verlags- und Kinne Beteiligungs- GmbH Wetzlar

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.619
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 02.09.2013 um 09:10 Uhr
Diese schöne Kirche wird sehr gerne von Brautpaaren aus der Umgebung (!) genutzt, eben wegen seiner Attraktivität und Romantik !

Diese historische Liebesgeschichte finde ich richtig interessant.
Lülli war ein sehr reiches Dorf mit vielen wohlhabenden und auch adligen Bürgern. Waren die sich zu fein, einen Ziegen-und Gänsehirt aufzunehmen?
Nicole Freeman
7.196
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 02.09.2013 um 09:41 Uhr
sie wollten keinen armen schlucker in ihrer guten mitte.
da macht der bibelspruch; Glaube,Hoffnung, Liebe aus dem Matthaeus ,, richtig sinn ;-)
Nicole Freeman
7.196
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 02.09.2013 um 09:46 Uhr
vielleicht wollte man aber auch verhindern das wirtschaftsfluechtlinge nach preussen kamen. Luetzelinden muss reich gewesen sein . mitte des 18. Jahrhunderts sind ja viele aus diesen gruenden ausgewandert. aus luetzellinden beachtliche 6 personen waerend in anderen gegenden 2/3 der Bevoelkerung der doerfer in die usa oder russland gingen um den hungertod zu entkommen.
Angelika Petri
1.754
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 03.09.2013 um 10:30 Uhr
das ist hochinteressant...danke für den beitrag, so lernt man Land,Leute und geschichte kennen!..Toll
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