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Verflucht- Verdammt- Gebrandmarkt - Der Hurenschnitt

von Peter Bayeram 03.03.20139240 mal gelesen4 Kommentare
Fa. PBM, Fotocollagen
Fa. PBM, Fotocollagen
Heuchelheim | Von der Stirn über das rechte Auge bis weit in die Wange hinein klafft eine offene Fleischwunde. Es ist nicht die einzige Gesichtsverletzung. Scharfkantige Messerklingen haben ihr auch die linke Wange aufgeschlitzt. Inwieweit Sehnen durchtrennt worden sind und Lähmungen zurückbleiben, ist noch nicht absehbar. Die Wunden werden heilen, die Narben bleiben - sichtbar ein Leben lang. Die junge Frau ist gezeichnet worden mit dem Hurenschnitt.
"Das hat sie verdient", argumentiert der eigene Vater aus dem Kult der Roma. Er hat seine Tochter massakrieren lassen mit dem Hurenschnitt, um ihr und anderen ein Zeichen zu setzen, sie als Schlampe abzustempeln, weil sie sich in den verheirateten Mann aus ihrer Sippe verliebt hat.
Sie hat Angst, die Verwandten, die ihr das angetan haben, anzuzeigen.

Eine andere Sinti war mutiger. Weil sie sich auf eine Affäre mit dem Lebensgefährten einer Bekannten eingelassen hat, griff die eifersüchtige Frau die jüngere Konkurrentin und Nebenbuhlerin mit dem Messer an und verletzte sie schwer. Die Attackierte wird bleibende Narben an Hand, Ohr, Unterarm und von der Oberlippe bis zur Wange. zurückbehalten. Ihre Peinigerin hat ihr zudem massive Tritte in den Bauchraum versetzt. Dadurch hat sie eine Fehlgeburt erlitten. Sie hat Anzeige erstattet.
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Vor dem Mainzer Landgericht ist die Messerangreiferin im Frühsommer des Jahres 2011 zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Erst vor kurzem hat eine Zwanzigjährige in ihrer Verzweiflung in einer Live-Talksendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens angerufen. Weil sie sich in einen schon vergebenen Mann aus ihrem Sinti- Clan verliebt hatte, droht ihr der Familienclan mit dem Hurenschnitt.
Der Moderator der Sendung ist genauso überfordert wie viele Zuschauer. Sein Rat, in ein Frauenhaus oder zur Polizei zu gehen, lehnt die junge Frau ab. Sie erzählt, dass sie keine Wahl hätte, als den Mann aufzugeben, weil der Clan ihr bis in die verwinkelsten Ecken dieser Welt auflauern würde.
Sinti und Roma haben ihre eigenen Gesetze, für Mädchen scheinen zudem zusätzliche Regularien der Unterwerfung zu gelten, nach außen hin halten alle als verschworene Gemeinschaft fest zusammen, so gehöre sich das in einem Kult, erfahren die Zuhörer und Zuschauer.
Eine Verurteilte, eine Gezeichnete, als Hure und Schlampe gestempelt im digitalen Zeitalter des Jahres 2013?
Es ist beklemmend und gleichzeitig so unfassbar, dass diese drakonischen Strafen, die an das Mittelalter erinnern, im dritten Jahrtausend vor unserer Haustür geschehen. Es erinnert an Bilder aus der Sklaverei, wo das Eingravieren von Brandmalen als Stigmatisierung praktiziert wurde und über viele Jahrhunderte zum festen Bestandteil barbarischer Schandmale gehörte.
Ein Thema, das schwierig zu diskutieren ist, weil die moralische Fallhöhe ungemein hoch ist. Es ist nicht einfach, nichts Falsches zu sagen, wenn es um die Sinti und Roma geht, das traktierte Volk, das beleidigt und ungern gesehen ist.

"Sind wir zu intolant?", lautete das Thema in einer Talkshow bei Sandra Maischberger im Noivember 2012. Dort ging es in erster Linie um fehlende Integration der Sinti und Roma. Es wurde hitzig diskutiert über unethischen Journalismus, über Feindbilder die aufgebaut würden, Diskriminierungen und Misshandlungen.
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma sprach von rassistischer Hetze, dabei ist das Thema "Hurenschnitt" an Mädchen und Frauen mit keinem Wort thematisiert worden.

Nach einer Studie aus dem Jahre 2001 möchten 58 Prozent aller Deutschen Sinti und Roma noch nicht als ihre Nachbarn.
Mehr unter www.tatortnewsonline.de

Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
7.203
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 03.03.2013 um 09:06 Uhr
ich hatte mit meinen sinti nachbarn nur gute erfahrung ! Eine sehr zurueckhaltende Familie, blos nicht auffallen. Warum sie sich so verhielten bekam ich bei allen veranstaltungen zu spueren. ,, die Ziegeuner kommen,,
Gerade die Kinder wurden von den anderen Kindern gehaenselt . kennengelernt habe ich sie durch ein dorffest. ein stehender festzug und ich hatte mit meinem Vater das thema wanderschaeferei gestern und heute.
Mein Mittelalterlook bedeutete auch keine schuhe bunter langer rock. das ich nicht wusste, genau das outfit tragen die frauen der sinti wenn sie traditionell betteln gehen. meine nachbarin dachte ,oh noch eine familie wie wir. so kamen wir ins gespraech. auch sie dachten wir werden sie bestimmt auch nicht haben wollen. aber es kam zu einer tollen freundschaft. natuerlich gab es auch mal steit in der familie , aber sollche gewalttaten wie beschrieben haette der vater seinen toechtern nicht angetan. da bin ich mir sicher.
Nicole Freeman
7.203
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 03.03.2013 um 09:24 Uhr
ich kann mir nicht vorstellen das solche rituale passieren bei familien die schon seit generationen in deutschland leben. einfach gruselig die vorstellung.
Birgit Hofmann-Scharf
9.621
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 03.03.2013 um 19:42 Uhr
Ich finde diesen Beitrag ebenfalls sehr interessant, lieber Peter !

M. E. weiß man hier nicht sehr viel über Sinti und Roma,
deren Gesamtzahl in Deutschland lebenden ist wohl unbekannt.

In Giessen gibt es eine ältere Frau der Roma`s (?), die in ihren Vorträgen und Erzählungen über die Leidenszeit der Nazi-Verfolgung berichtet - da selbst erlebt. Ich verfolge die Berichte in den Zeitungen dazu.
Nicole Freeman
7.203
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 03.03.2013 um 21:14 Uhr
mein alter nachbar erzaehlte die geschichte seiner oma und mutter die das kz ueberlebten und vorallem die geschichte danach. einfach unfassbares leid.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Peter Bayer

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