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Ist die Jagd noch zeitgemäß?

Heuchelheim | Seit Anfang der 80-iger Jahre bin ich eine Kritikerin der Jagd. Die Antworten der Jägerschaft waren oftmals an der Schmerzgrenze, was mich aber in meiner Meinung nicht beeinflusst hat.
Jäger und Sammler, das waren die Menschen von frühesten Zeiten an. Haben unsere Vorfahren Nahrung wie Beeren und Wurzeln gesammelt, sammeln wir heute materielle Dinge. Haben unsere frühen Ahnen gejagt, um zu überleben, so jagt der moderne Mensch heute Ersatzobjekte, um sein Jagdfieber zu befriedigen. Die einen jagen mit ihren Auto über die Strassen, die anderen haben sich Erfolg, Ruhm und Geld als Objekt der Begierde ausgesucht. Und so mancher Frauenjäger sucht sich sein Betätigungsfeld. Ja, und eben die Jäger, die dem Wild auflauern und es bejagen.
So kann man sagen, die Tätigkeit des Jägers hat eine lange, kulturgeschichtliche Tradition, die sich bis in die moderne Zeit erhalten hat.
In ihrem Buch "Ein Reh hat Augen wie ein sechzehnjähriges Mädchen" hat die Autorin Hutter die Jäger als Gipfelraubier bezeichnet, welches sich das Recht nimmt, regulierend in den Wildbestand eingreifen zu müssen.
Warum haben wir- als Beispiel- zu viele Wildschweine? Haben diejenigen, die die Jagd als Kulturgut verteidigen, ein kurzes Gedächtnis?
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Wer ist schuldig, an der großflächigen Ausrottung von Bär, Luchs, Wolf und Gänsegeier in Deutschland? Jäger haben 1847 im Bayrischen Wald den letzten Wolf erschossen und 1871 im Bezirk Koblenz die Schußgelder für 26 Wölfe erhalten.
Die Zeit der einfachen Waffen ist schon lange Vergangenheit. Der heutige Jäger ist ausgestattet mit modernsten Waffen, geländegängigen Fahrzeugen und präzisen optischen Geräten für alle Lichtverhältnisse bis zur Dunkelheit.
Was an Natur noch übrig ist, von der Nordsee bis an die Alpen, wird von Jägern besetzt. Da wird nach Gutdünken gehegt und reguliert, ausgesetzt und angesiedelt, gezüchtet und kurzgehalten. Das aus den Fugen geratene, biologische Gleichgewicht muss ja wieder herstgesllt werden.
Mit nationalen Schutzgesetzen wird der Jagdpassion bei uns Grenzen gesetzt. Aber es gibt ja schließlich noch das "unterentwickelte" Ausland, wo man für gutes Geld schießen kann, was das Herz begehrt. Jagdtourismus nennt man das.
Immer mehr Menschen sind nicht mehr bereit, den Machtanspruch über die Tierwelt und Natur kommentarlos zu akzeptieren. Die Jagd gerät in Rechtferigungszwang. Die alte Jagdherrlichkeit bekommt Risse.
Jetzt bemühen sich die Jäger um neue Nachweise, dass sie allein zum Wohl der Allgemeinheit und unter persönlichen Opfern tätig seien.
Wie kürzlich in der Presse zu lesen war, werden öffentliche Strassen und Wege gesperrt, eine "halbe Armee" von Jägern begibt sich auf Widschschweinjagd- und erlegt zwei Rehe.
Agument: die Wildschweine sind schlau und schwer zu treffen. Aha!
Jogger stören die Tiere im Wald, Reiter, Fahrradfahrer und Spaziergänger mit Hunden ebenso.
Nur die Jäger feiern sich als Naturschützer. Fast kann man den Eindruck gewinnen, sie gehen nur in den Wald, um die Tiere zu streicheln.
Ich bin vor einiger Zeit im Kinzenbbacher Wald einem großen Aufgebot an Jägern begegnet. Die naturverbundenen Damen und Herren sind mit ihren schweren Geländewagen bis in den Wald gefahren und haben die Wege zu einem Schlammbad aufgewühlt.
Ich habe mir die Frage erlaubt, ob dies nötig sei, der Parkplatz liege doch nur ca. 10 Minuten Fußweg entfernt. Die Antwort: "Das ist unser Recht, wir bezahlen ja auch für die Wege".
Die brilliante Parole:" Jagd ist angewandter Naturschutz" klingt in den Ohren vieler Bürger und Bürgerinnen verhöhnend und verliert immer mehr an Glaubwürdigkeit. Für die nicht jagende Bevölkerung ist es nicht verständig, warum man die Natur mit einem Schießgewehr verteidigen muss.
Mein Artikel wird in Jägerkreisen wieder eine Trotzreaktion provozieren. Man bläst gerne zur Gegenoffensive. Schließlich hat man selbstbewusst zu seinem Handwerk zu stehen.
Auszug aus "Die Pirsch" : Die urtümliche jägerische Lust an Beute und Strecke, das Begehren nach dem reifen, starken Hirsch oder Bock auf der Höhe seiner Kraft, lassen sich nicht unter dem Mäntelchen des Samariters verbergen!
In diesem Sinne: Weidmannsheil!

Kommentare zum Beitrag

Helmut Schlechta
26
Helmut Schlechta aus Lich schrieb am 22.11.2010 um 16:45 Uhr
Sehr geehrte Frau Toth,

erst heute habe ich den Beitrag vom 01.02.2009 gelesen. Auch ich bin ein Kritiker der Jagd und bemühe mich um Aufklärung wie es dazu kommt, dass wahllos bei der Jagd Dachse, Füchse, Elstern, Raben, Tauben auch anderes Raubzeug so benannt von den Jagdausübenden rücksichtslos abgeknallt werden. Meine gesammelten Streckenberichte der einzelnen Jagdgenossenschaften habe ich an Vorstände, Hegeringleiter, den Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit Jagdwesen übersandt und um Stellungnahme zu meinen berechtigten Fragen gebeten. Auch nachdem ich die Allgemeine um Unterstützung gebeten habe erreichte mich keine Antwort. Die gleiche Trotzreaktion mit der sich dieses Klientel einer sachlichen Diskussion entzieht.

Meine Bewertung: Erbärmlich

Helmut Schlechta
Ilse Toth
33.269
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 22.11.2010 um 19:15 Uhr
Hallo Herr Schlechta, eine Antwort bekommt man von der Jägerschaft nicht. Eine Stellungnahme hält man nicht für nötig. Wir Bürger und Bürgerinnen haben doch keine Ahnung! Und immer mehr Frauen machen die Jagdprüfung! Das macht mich nachdenklich!
Wann immer ich Gelegenheit habe, suche ich den Dialog mit der Jägerschaft. Aber an den Argumenten ändert sich nichts! Was sollen die Jägerschaft denn sagen? Sie verteidigen ihr Tun mit aller Kraft! Ich teile Ihre Bewertung aus vollem Herzen!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Ilse Toth

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