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Ein Löwe und der Beginn des Auslandstierschutzes

Löwe Orson wurde erschossen
Löwe Orson wurde erschossen
Heuchelheim | Anfang 1990 erhielt ich als damalige Vorsitzende des TSV Giessen einen Anruf vom Veterinäramt in Herborn. In einem Dorf bei Wetzlar wurde ein junger Löwe in einem Privathaushalt gehalten. Fast unvorstellbar, aber ein Besuch vor Ort gab die Gewissheit. Ein männlicher Löwe, bereits mit Mähne, lebte in einem Hundezwinger. Die Anwohner erzählten, dass der Besitzer mit dem Tier an der Leine durch die nahen Wiesen spazieren ging. Sie fühlten sich verständlicherweise in ihrer Sicherheit bedroht. Es war ein so außergewöhnlicher Fall, dass wir die Fernsehsender verständigten, die vor Ort drehten. Der Besitzer war bereit, den Löwen abzugeben. Kein Zoo oder Tierparkt hatte Interesse an dem Tier. Und wieder einmal wurde die Sendung "Herrchen gesucht" um Hilfe gebeten. Natürlich konnten wir nicht mit einem Löwen vor die Kamera treten. Sicherlich wären alle Mitarbeiter von HR 3 geflüchtet. Und auch uns hätte der Mut gefehlt! Wir berichteten vor der Kamera ausführlich über Orson und sein Schicksal. Wir wissen bis heute nicht , wie diese Nachricht nach Mallorca gelang. Schon wenige Tage später rief mich ein Hasso von
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Schützendorf, der auf Mallorca lebte an und erklärte sich bereit, das Tier aufzunehmen. Er habe noch weitere Raubtiere und großzügige Gehege. Wir nahmen Kontakt mit Frau Knies von der Tierhilfe Mallorca auf, die uns bestätigte, dass dies den Tatsachen entsprach. Toll, wir hatten einen Platz. Der Löwe musste "nur" noch auf die Insel gebracht werden. Was anfänglich unmöglich erschien, war plötzlich ganz einfach. Der Frankfurter Zoo wollte eine sichere Transportkiste zur Verfügung stellen, die Lufthansa spendete dem Löwen einen kostenlosen Flug nach Palma . Alles war vorbereitet, das Fernsehen verständigt, in Deutschland, wie auf Mallorca. Es schien für Orson ein HAPPY END zu geben. Dann geschah ein unerwartetes, nicht voraussehbares Unglück. Bei einer Feier im Hause des Löwenbesitzers wagte sich eine "mutige" Dame in das Gehege des Löwen. Es geschah das, was eigentlich klar ist- das Tier fiel die Frau an und verletzte sie. Der Löwe wurde erschossen. Es gab eine heftige Reaktion von Seiten der Tierschützer. Und auch Trauer, dass ein junges Tier sterben musste durch den Leichtsinn der Menschen. Der Tod des Löwen war der Anlass und Anfang des Auslandstierschutzes und sollte zur Rettung vieler Hunde und Katzen aus Süd- und Osteuropa führen.
Fr. Lange, Tierpflegerin und Zivi m. den ersten Auslandshunden aus Mallorca April 1990 im Giessener Tierheim
Fr. Lange, Tierpflegerin und Zivi m. den ersten Auslandshunden aus Mallorca April 1990 im Giessener Tierheim
Einen Monat später erhielt ich einen Anruf von einer Frau Lange, die auf Mallorca lebte. Sie bedauerte das tragische Ende des Löwen. Dann erzählte sie mir von den schlimmen Zuständen und dem oft brutalen Umgang mit den Hunden auf Mallorca. Sie habe fünf kleine Hunde aus der Tötungsstation gerettet . Ob das Tierheim in Giessen die Tiere aufnehmen und vermitteln könnte? Mit dieser außergewöhnlichen Frage beschäftigte sich der Vorstand und stimme nach reiflicher Überlegung zu. So kamen im April 1990 die ersten Hunde aus dem Ausland in ein deutsches Tierheim. Die hiesige Presse berichtete: "Im Giessener Tierheim wird spanisch gebellt"! Dieser Artikel löste bei den Lesern unterschiedliche Reaktion aus. Die meisten Menschen jedoch fanden es wunderbar, dass die Hunde Aufnahme bei uns gefunden hatten und spendeten dem TSV Giessen Geld für diese Aktion. Einige wenige jedoch griffen uns böse an. Wie so oft im Leben wussten die Personen, die selbst gar nichts tun am besten, was andere zu machen haben.
Heute, nach fast 20 Jahren, ist der Auslandstierschutz in Deutschland wie auch in Österreich fest verankert. Viele fähige Tierschützer und Tierschutzvereine arbeiten eng mit den Tierschützern im Ausland zusammen. Die meisten Tierheime haben immer ein Plätzchen frei für Tiere aus Ost- und Südeuropa.
So hat der traurige Tod eines Löwen dazu beigetragen, dass heute viele Menschen verschiedener Nationalitäten im Tierschutz Hand in Hand den Tieren helfen. Durch soziale Zusammenarbeit kommen sich die Menschen näher, lernen sich kennen und besser verstehen.
Tierschutz trägt so ein Stück zur Völkerverständigung bei.

Löwe Orson wurde erschossen
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