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In hundert Jahren schuldenfrei?

Heuchelheim | Am 14. November hatte die Stadt Giessen Hausbesitzer zu einem Informationsabend eingeladen, die eine Immobilie in der Innenstadt besitzen. Thema: Korridore der Landesgartenschau. Man konnte Anregungen und Wünsche einbringen, die Bürgermeisterin sowie Verantwortliche der Stadt brachten ihrerseits Vorschläge ein. Es war eine ruhige, sachliche Veranstaltung, wir wurden nett bewirtet. Spannend wurde es, als es um die Finanzierung der Bundesgartenschau ging und der damit verbundenen Sanierungs- und Baupläne. Mein Mann und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie locker es um Millionenausgaben in der Debatte ging. Sehr viel Geld, das nicht vorhanden ist. Wenn man die Landesgartenschau nicht veranstaltet, dann fallen Zuschüsse des Landes Hessen weg- so die Bürgermeisterin. Als steuerzahlender Bürger musste man zur Kenntnis nehmen, dass vom Land Hessen Gelder verteilt werden, die ihrerseits aufgenommen werden müssen, um sie verteilen können. Hurra, ruft die Bürgermeisterin, das lassen wir uns nicht entgehen, Gelegenheiten zum Ausgeben sind genug vorhanden. Diese Zuschüsse reichen natürlich nicht für
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Schuldenberg (1)
die geplanten Objekte. Da nimmt die Stadt mal so eben die restlichen Millionen als Kredit auf. Mit welcher Ignoranz kann man bei dieser Sachlage der leeren Staatssäckel weiterhin fröhlich neue Objekte in Angriff nehmen, welche den Bürgern Woche für Woche von verschiedenen Gremien begründet und erklärt werden? Und wie locker verteidigt man die Pläne und rechtfertigt die "notwendigen" Arbeiten? Ich bin kein großer "Zahlenmensch", aber folgende Rechnung habe ich aufgestellt:
Bis Ende 2012 hat die Stadt Giessen 240 Millionen Schulden, jährlich 11 Millionen Zinsen. Das ergibt eine Summe von monatlich 200 000 Tilgung und 916 666 Zinsen. In hundert Jahre wäre Giessen schuldenfrei, wenn man nie mehr neue Kredite aufnehmen würde und die o. g. Zahlungen geleistet werden könnten. Ich glaube, es ist jedem klar, dass dies nicht der Fall sein wird. Also bleibt für mich die Frage, wohin soll uns dieser unbezahlbare Schuldenberg führen? Soll etwa eine Landesgartenschau das Schuldenloch stopfen? Und noch eine Frage bewegt mich. Viele der vorhandenen Grünanlagen in Giessen sind verwahrlost und werden kaum gepflegt. Die Wieseckaue war sich die letzten 30 Jahre selbst überlassen. Entwickelt hat sich ein herrliches Biotop, von dem man die Hände lassen sollte. Die dortigen geplanten Anlagen jedoch müssen in Zukunft in Ordnung gehalten und gepflegt werden. Von wem bitteschön?
Ich wohne nicht mehr in Giessen, aber ich bin dort aufgewachsen. Ich bin verbunden mit der Stadt. Wechselnde Parteien treiben Giessen in den Ruin. Und Versprechungen aller Parteien werden scheitern, weil der Schuldenberg Giessen erdrückt. Ich sehe noch meine Großeltern, meine Mutter und viele, viele Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit Stein um Stein aus den Trümmern der völlig zerstörten Stadt aufgesetzt haben, um Giessen wieder aufzubauen. Das scheinen viele heutige Politiker vergessen zu haben.

Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
6.502
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.11.2011 um 16:24 Uhr
Liebe Frau Toth, Sie haben die Probleme sehr schön geschildert. Morgen in der Stadtverordnetenversammung wird um die Absage dieser unsäglichen LaGa gerungen werden. Wir müssen sehen, ob wir ein Bürgerbegehren erreichen oder was wir sonst tun können wie Unterschriften sammeln usw
Die Rede, die ich im Parlament halten werde, können Sie nach der morgigen Sitzung an dieser Stelle nachlesen.
Thoralf Trundilson
227
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 16.11.2011 um 16:33 Uhr
Es geht ja nicht darum, dass Kommunen schuldenfrei werden sollen, sondern dass sie (=Steuerzahlende) bis in alle Ewigkeit Zinsen und Zinseszinsen zahlen sollen.

So wird sichergestellt, dass die heutige Säuglingsgeneration schon heute zum Zahlen verpflichtet wird, auf Lebenszeit. Obwohl sie z.B. bei den letzten Kommunalwahlen nicht wählen durfte... noch gar nicht auf der Welt war.

Damit die Zukunft derjenigen, die heute die Schuldeneintreiber (=Vermögensbesitzer, Geldverleihende) als Eltern haben, gesichert wird. Und damit sich das Vermögen derjenigen, die jetzt schon so viel haben, dass sie dieses Geld gewinnbringend verleihen können, immer weiter vermehrt. Es könnte nur sein, dass eine Generation irgendwann keine Lust mehr hat zu zahlen, für Schulden, die sie gar nicht zu verantworten haben, an Leute, die gar nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld.

Entweder organisieren diese dann Mehrheiten oder sie gehen in die Gärten und Villen der Schönen und Reichen und holen sich das was sie brauchen.
Andernfalls geht es immer so weiter, im schlimmsten Fall, womöglich, Jahrhunderte lang. Optimisten würden auf die sich entwickelnde Intelligenz einer Mehrheit der Menschen hoffen, Pessimisten sehen evtl. die nächsten Bürgerkriege am Horizont. We will see.
Ilse Toth
33.256
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 16.11.2011 um 18:12 Uhr
Ja, Herr Beltz, ich auch!
Ich würde es begrüßen, dass es eine Bürgerbefragung gibt, wenn eine Stadt oder das Land "Großes" vor hat. Wenn die Giessener Bürger und Bürgerinnen letztendlich die Zeche zahlen für das, was andere großmundig bestellen, dann sollen sie auch gefragt werden, ob sie das wollen. Das gehört zur Demokratie. Wir sind doch keine unmündigen "Deppen", die brav zur Wahlurne marschieren, um letztendlich dann den Mund zu halten.
Ilse Toth
33.256
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 16.11.2011 um 20:17 Uhr
Mein Mann gibt folgendes Statement:
Man sagt, die Schmerzgrenze ist erreicht. Die Verantwortlichen scheinen das so zu interpretieren: "ab jetzt tut nicht mehr weh! Es ist gleichgültig, ob man 240 Millionen oder 500 Millionen nicht zurück zahlen kann. So kann es auch beliebig mehr sein- man lebt nur einmal."
Stefan Walther
3.933
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.11.2011 um 23:41 Uhr
Ich will die Rede natürlich auch hier lesen Michael, klar!

Nur, was ist vom Parlament (von der Mehrheit der Landesgartenschau - Befürworter dort) zu erwarten?

Die "Kritiker der Landesgartenschau" wollen dem nicht vorgreifen was gemacht werden sollte, sie werden dies gemeinsam und demokratisch diskutieren und beschliessen, und hierzu sind ALLE Bürgerinnen und Bürger eingeladen, jede(r) sollte (so wäre mein Vorschlag) eine Stimme haben um sich einzubringen und mitzuentscheiden was als nächstes angepackt werden könnte. Sicher, es "könnte" eine Unterschriftensammlung sein, aber vielleicht auch etwas ganz anderes, lassen wir uns einfach überraschen wie kreativ die Menschen sind!
= 24. November, 20.00 Uhr, Restaurant der Kongresshalle Gießen
Michael Beltz
6.502
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 18.11.2011 um 13:35 Uhr
Leider konnte ich meine Rede nicht mehr halten, da es zu spät, also 24 Uhr, war. Ich muss mir eventuell eine andere Form der Darstellung suchen.
Ilse Toth
33.256
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 18.11.2011 um 13:46 Uhr
Hallo Herr Beltz, schreiben Sie doch einen Bericht und bringen Sie Ihre Vorstellungen zu Papier. Es wird viele interessieren.
Der heutige Bericht in der Allgemeinen war interessant und in meinen Augen eine schallende Ohrfeige für die "Schuldenmacher"!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ilse Toth

von:  Ilse Toth

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Interessensgebiet: Heuchelheim
Ilse Toth
33.256
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