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Point Alpha- ein Stück deutsche Geschichte!

Haus der Grenze
Haus der Grenze
Heuchelheim | Das Gelände der Gedenkstätte Point Alpha beträgt 100 000 Quadratmeter. Das Gelände läuft entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen dem Ort Geisa in Thüringen und der Stadt Rasdorf in Hessen. Es gibt das sog. Haus der Grenze, in der sich eine Daueraustellung befindet. An zahlreichen Schautafeln ist über das Grenzregime der DDR zu lesen und gibt einen Einblick auf das Leben der Menschen und den Einfluss dieser Grenze , die im Sperrgebiet ihre Heimat hatten. Die Ausstellung "Freiheit" zeigt eindrucksvoll eine multimediale Rückschau auf die friedliche Revolution von 1989. Durch erhaltene wie auch rekonstruierte Grenzanlagen in der Außenanlage und dem Museum ist der historische Ort "Point Alpha" aufgebaut. Es ist interessant und bedrückend zugleich "hautnah" zu erleben, wie die DDR die Grenzen immer stärker und tödlicher ausgebaut haben. Und dies über Jahrzehnte!
Der ehemalige amerikanische "Observation Post Alpha" auf der anderen Seite der Grenze galt durch seine Lage und räumliche Nähe als der Brennpunkt des kalten Krieges . Das orginal erhaltene Militärcamp steht heute unter Denkmalschutz.
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Am 8. Mai 1945 unterzeichnete Deutschland die bedingungslose Kapitulation. Es wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die drei demokratischen Staaten USA, Großbritannien und Frankreich und die kommunistische Sowjetunion bildeten die Anti Hitler Koalition.
Die Situation der DDR Bürger verschlechterte sich sei Beginn der Jahres 1950 dramatisch. Das Grenzregime wurde beträchtlich ausgebaut und abgeriegelt. Ein Abschnitt von zehn m galt als Schutzstreifen. Dieser Streifen durfte nicht betreten werden. Eine 5 km breite Sperrzone wurde angelegt. Bewohner in diesem Bereich wurden wurden polizeilich besonders erfasst. Ein Aufenthalt in diesem Gebiet war nur in Ausnahmefällen möglich. Die Bewohner des Sperrgebietes bekamen einen Eintrag in ihren Ausweis, den sie immer bei sich tragen mussten. Staatliche Zwangsmaßnahmen vertrieben von 1952 bis 1961 ca. 11 000 Menschen aus dem Grenzgebiet und nahmen ihnen Haus, Hof und Heimat. Mit dieser Maßnahme wollte man die Bevölkerung in grenznahen Gebieten abschrecken und ängstigen. Die Höfe, Tiere, Geräte wurden zwangsgeräumt und teilweise aberissen. Einige Überreste sind noch bis heute erhalten. Unter der Überschrift "geschleifte Höfe" wird dies dokumentiert. 1959 waren mehr als 1000 km Grenze
Man kann auch mit Bussen den Stützpunkt erreichen.
Man kann auch mit Bussen den Stützpunkt erreichen.
abgesperrt mit Doppelzäunen, Stacheldraht, Minen, Strom und ausgeklügelter Bewachung. Todesabsperrungen! Am 13. August begann der Bau der Berliner Mauer. Staatsratsvorsitzender der DDR, Walter Ulbricht, hatte die Bevölkerung mit falschen Versprechungen betrogen. Einen Tag später erließ das Innenministerium der DDR den Befehl Nr. 39/61 zur "Gewährung der Sciherheit an der Westgrenze der DDR!" Festgelegt wurde darin der systematische Ausbau der Staatsgrenze in drei Etappen. 614 km Minensperren wurden errichtet. Jeder Fluchtversuch wurde von den sog. Organen der Staatssicherheit analysiert, ausgewertet und beim weiteren Ausbau der Sperranlagen berücksichtigt. Geld spielte hierbei keine Rolle! 1970 wurden die Sperranlagen erneut "verbessert". Die Doppelzäune wurden durch scharfkantige Metallgitterzäune ersetzt, in Richtung DDR wurden Splittermengen SM 70 angebracht. Diese Selbstschussanlagen lösten bei Berührung eine 110 g schwere TNT Ladung aus. Etwa 80 Stahlsplitter wurden verschossen. Die Opfer wurden schwerst verletzt und viele getötet. Im Jahre 1977 beschloss das SED Komitee , dass die 1393 km lange Grenze zur BRD auf eine Länge von 271 km mit der Splittermine SM 70 und auf weitere 271 km mit Erdminen gesichert wird. 1206 km
Patrouillenwege, 602 km Kfz-Sperrgräben , 434 Beobachtungstürme" und 2640 Hunde gehörten zu den "Sicherungen" der Grenze. 1975 unterschrieb die DDR auf der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) , die Menschenrechte zu achten. Abgebaut wurden die Splitterminen jedoch erst 1983. Gleichzeit wurde aber 500 m landeinwärts ein zweiter Grenzzaun errichtet, der sog. Signalzaun. Seine Funktion war, bei Berührung einen stillen Alarm an der nächstgelegenen Führungsstelle der Grenztruppen auszulösen. So wurden die Flüchtlinge in jedem Fall abgefangen. Das letzte Opfer war der an der am 6. Februar 1989 an der Berliner Mauer erschossene Chris Gueffroy. Die Grenztruppen der DDR wuchsen von 1946 bis 1989 von 2500 auf 47 000 Mann. Über Fluchtschicksale, Schießbefehle, Mahnmal, Todesstreifen , Entwicklung der DDR Grenze bis zur Wiedervereinigung gibt es viel zu hören, zu sehen und zu lesen.
Am 13. August 2000, 39 Jahre nach dem Berliner Mauerbau, wurde neben dem ehemaligen US Camp Point Alpha, unmittelbar auf dem ehemaligen Todesstreifen das Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung enthüllt. Es ist fünf Meter hoch. Schüler des Holzbildhauerhandwerks des staatlichen Berufsbildungszentrum Bad Salzungen haben es gestaltet.
Die damaligen Ministerpräsidenten von Hessen und Thüringen, Roland Koch und Dr. Bernhard Vogel, würdigten bei der Einweihung "die Opfer der deutschen Teilung, die Mutigen der friedlichen Revolution und die Erbauer der deutschen Einheit".
1945 wurden die meisten amerikanischen Truppen wieder in ihre Heimat entlassen. Aus den restlichen Truppenteilen entstanden als Militärpolizei sog. Constabularyeinheiten. Diese übernahmen auch die Kontrolle an der Grenze zur sowjetischen Besatzungszone. 1950 wurden die Polizeieinheiten abgebaut. Der Observationsposten Alpha bei Rasdorf wurde kontinuierlich zu einem festen Beobachtungsstützpunkt ausgebaut. Ihre Aufgabe war es, mögliche Bodenangriffe der Sowjets aufzuklären und zu verhindern sowie Funkverkehr abzuhören. Am 31. März 1990 fand die letzte Grenzpatrouille der Amerikaner an der innerdeutschen Grenze statt.
Das Fulda Gap war Schwerpunkt und Zentrum der NATO Verteidigungslinie. Das Fulda Gap wäre aufgrund seines flaches Geländes zu einem ersten Schlachfeld zwischen NATO und Warschauer Pakt geworden. In dieser Region Oberhessens wurden daher in regelmäßigen Abständen Manöver durchgeführt- also der Ernstfall geprobt. Der Dienst am Observation Point war eine große Herausforderung
für die amerikanischen Soldaten. Es war ihnen bewusst, dass jederzeit mit einem Angriff des Warschauer Pakts zu rechnen war. So waren jeden Tag in ständiger Einsatzbereitschaft. Um den psychischen Druck zu mildern, wurden die Soldaten alle sechs Wochen ausgewechselt. Regulär waren 40 Mann im Dienst. In Krisensituationen konnten jedoch bis zu 200 Soldaten untergebracht werden. Der Patrouillendienst arbeitete häufig mit dem Bundesgrenzschutz oder dem Zoll zusammen. Freizeitbeschäftigung gab es wenig, beliebt war das Hufeisenspiel und Sport. Die Wellblechbaracken wichen erst ab 1972 massiven Gebäuden. Vor dem Aufbau von Alpha waren die Truppen in Zelten untergebracht. Eines ist bis heute zu sehen. Im US Beobachtungsposten Point Alpha befand sich noch eine Freizeitbaracke, in die sich die Soldaten ein wenig "Amerika" holten, wie z. B. Thanksgiving Fest oder Weihnachten, eine Kfz Halle mit Tankstelle, ein Munitionsbunker und die Wache. Nach der Grenzöffnung zu Beginn 1990, räumte das 11. Armored Cavalry Regiment "Blackhorse" den Beobachtungsposten Point Alpha. Dieser Stützpunkt ging in das Eigentum der Bundesvermögenswerwaltung über. Von 1992 bis 1995 wurden hier Asylbewerber untergebracht.
Nach Beendigung dieser Nutzung war der Stützpunkt
in einem trostlosen Zustand. Nach langem Kampf und Engagement von Bürgern beiderseits der ehemaligen Grenze wurde der historische Gesamtkomplex unter Denkmalschutz gestellt. Der Trägerverein Grenzmuseum Rhön "Point Alpha" e.v. nahm 1995 die Arbeit auf und restaurierte die Gebäude. Unter Mithilfe von dem Partnerverein Mahn - Gedenk - und Begegnungstätte Point Alpha e.V. wurde schon zwei Jahre später die 1. Ausstellung präsentiert.
Point Alpha ist ein Lernort der Geschichte- eine Gedenkstätte für Frieden, Freiheit und Einheit. Wer es noch nicht dort war, der sollte es sich ansehen und auf sich wirken lassen.
Aus dem Heftchen "Museumsinformationen" habe ich meinen Bericht aufgebaut.
Die Gedenkstätte befindet sich ca. 25 km von Fulda entfernt.
In dem schönen Städtchen Gehrsfeld gibt es gute Übernachtungsmöglichkeiten. In der Gegend gibt es viel zu sehen, die Wasserkuppe ist in der Nähe und viele Wanderwege laden zum marschieren ein.

Haus der Grenze
Man kann auch mit Bussen den Stützpunkt erreichen.
Ein Grenzbüro
Sowjets errichteten erste Strassensperren.
Das traurige Los der Kettenhunde an der deutsch-deutschen Grenze.
US Beobachtungsposten Point Alpha
Blick von Thüringen nach Hessen im Herbst.
Denkmal der deutschen Teilung u. Wiedervereinigung.
Nochmal der Beobachtungsposten der Amerikaner.
Ob das im Falle eines Angriffes genutz hätte?


Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
18.895
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 30.10.2011 um 17:41 Uhr
Schon lange steht Point Alpha auf unserem Plan. Bisher haben wir es nicht geschafft. Darum, vielen Dank für den guten Beitrag mit den Bildern.
Ilse Toth
33.264
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.10.2011 um 17:43 Uhr
Danke für das Lob! Ich habe nur ein preiswerte Digi! Im Gebäude sind durch die Strahler leider einige Lichtspiegelungen. Ansonsten schien die Sonne, sodass die Bilder wirklich gut geworden sind.
Habt Ihr in der Schule schon mal von Alpha Point gehört?
Wenn nicht, solltet Ihr unbedingt einen Schulausflug dorthin planen.
Ilse Toth
33.264
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.10.2011 um 17:50 Uhr
Verbinden Sie es mit einem Wanderurlaub, liebe Frau Wittich. Es ist so schön dort. Ein Studienkollege meines Mannes besitzt im Ort Gersfeld ein Hotel, wo man sehr verwöhnt wird. Wer gerne Wild ißt, kommt gerade im Herbst auf seine Kosten.
Ich stelle noch ein paar Bilder von Gersfeld ein.
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 30.10.2011 um 18:23 Uhr
Hallo, Frau Tóth,
ich habe Ihren Artikel gelesen. Er hat mich sehr gefesselt. Ich war 1984 in einer Klinik in Witzenhausen. Sonntags sind wir oft rausgefahren und haben an der Grenze gestanden. Die Grenze ging durch die Gebäude. Wie furchtbar haben die Leute dort gelebt. Sie wurden ja immer überwacht. Gott sei Dank, dass diese Zeit vorüber ist.
Uli Kraft
2.178
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 30.10.2011 um 19:22 Uhr
Ein sehr aufschlußreicher und informativer Beitrag. Ich bin schon so oft in der Hochrhön unterwegs gewesen, nur bis Point Alpha habe ich's bisher noch nicht geschafft.
Ich habe schon in den 70er Jahren oft Wanderungen im Dreiländereck Hessen/Bayern/Thüringen gemacht und hatte häufig Gelegenheit, die dortigen Grenzbefestigungen und auch das Geschehen jenseits des Zaunes zu beobachten. Dies sind bleibende Erinnerungen.
Ilse Toth
33.264
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.10.2011 um 19:36 Uhr
Wie bedrückend und menschenverachtend die Zeit war, das ist mir erst so richtig bewusst geworden, als ich dort war. Was tun Menschen anderen Menschen an, um Machtgelüste zu befriedigen. Wie frei sind wir in Deutschland - darüber denkt man gar nicht nach. Wir meckern viel zu viel! Die Zeit des Terrors ist noch in vielen Teilen unserer Erde zu bekämpfen.
Hallo Frau Weber, ich kann mir gut vorstellen, wie Ihnen damals zu Mute war.
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 31.10.2011 um 06:37 Uhr
Hallo, Frau Tóth,
ja, es war schwer für mich. Zumal wir ja noch Angehörige zu diesem Zeitpunkt in der DDR hatten. Meine Oma und eine Tante haben noch in Leipzig gelebt. Leider haben sie die Wiedervereinigung nicht mehr erleben dürfen. Aber wenn man heute Bewohner der ehemaligen DDr darauf anspricht, ist das ja alles viel besser gewesen. Von Mangelwirtschaft war ja nie eine Rede. Es gab ja alles. Wenn ich das dann höre, dann schwillt mir der Kamm, weil wir es anders erlebt haben. Es ist vorbei. Und hoffentlich kommt so eine Zeit auch niemals wieder.
Ilse Toth
33.264
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 31.10.2011 um 09:16 Uhr
Man hört ab und zu Stimmen, dass "drüben" alles besser war. Aber ich denke, das ist die Minderheit. Nie mehr darf so etwas geschehen, dass Menschen so leiden müssen.
Aber schauen wir uns auf der Welt um, was in Deutschland geschah, ist traurige Realität in vielen Ländern.
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 31.10.2011 um 09:34 Uhr
Ich kann es nicht verstehen, dass Menschen so grausam sind. Ja, es ist schlimm, was hier und überall auf der Welt abgeht.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Ilse Toth

von:  Ilse Toth

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Interessensgebiet: Heuchelheim
Ilse Toth
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