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Schwan in Not- was nun?

Heuchelheim | Am Mittwoch Abend gegen 22 Uhr rief mich Herr Dr. Busche an, der sicherlich noch vielen Menschen als immer hilfsbereiter "Vogeldoktor" in Erinnerung ist, der aber nicht mehr praktiziert. Ein Ehepaar, der Mann Forstbeamter, war am Schwanenteich Zeuge , als die Feuerwehr einen in Not geratenen Schwan retteten. Das Ehepaar fuhr das ermattete und offensichtlich um sein Leben kämpfende Tier in die Tierklinik. Beim Geflügelinstitut angekommen, mussten sie feststellen, dass dieses unbesetzt war. Es gab keinen Notarzt, ja nicht einmal eine Notnummer. Sie versuchten in der dortigen Chirugie Hilfe zu bekommen. Erstaunt, frustriert und ohne Verständnis nahm man zur Kenntnis, dass man sich dort nicht zuständig fühlte. Die einzige "Hilfe", die man bekam, waren die Telefonnummern von zwei niedergelassenen Tierärzten. Da es dem Schwan immer schlechter ging, fuhr das Ehepaar zu Dr. Busche. Wir trafen uns nach 22 Uhr in der Praxis meiner Tochter und der Kampf um das Leben des leidenden Tieres begann. Der Schwan konnte alleine seinen Kopf nicht mehr halten, er schien dem Tode nahe. Er bekam diverse Spritzen, Kreislaufmittel
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und eine Infusion. Er begann sich plötzlich zu wehren, für ein Zeichen der Hoffnung. Doch leider ist er in der Nacht gestorben. Er wurde in das Veterinäruntersuchungsamt gebracht, um die Todesursache festzustellen. Dann wird sich zeigen, ob bei schnellerem Eingreifen eine Rettung möglich gewesen wäre oder ob man dem leidenden Tier diese Odyssee hätte ersparen können und es von seinen Leiden schnell hätte erlösen müssen. Wir alle waren empört, dass es nicht möglich sein soll, in einer so großen Uniklinik, einem Tier schnelle Hilfe zu geben. Natürlich hat ein Wildtier keinen Euroschein um den Hals, aber darf man ihm deshalb Hilfe verweigern?
Das allerdings las man ja vor einigen Tagen in den Tageszeitungen. Hier wurden die Menschen geradezu aufgefordert wurden, hilflose Tiere in Ruhe zu lassen. Die Rechtsabteilung des Kreises, allen voran Herr Fricke, "klärte" die Leser auf, dass sie ansonsten auf den anfallenden Tierarztkosten sitzen bleiben würden. Der Kreis trage keinerlei Verantwortung für solche Fälle. Da fragt man sich, ob das C wirklich für christlich steht. Ich kenne die juristische Auslegung nicht, aber wir haben eine moralische Verpflichtung gegenüber der hilflosen Kreatur. Und wir haben ein Tierschutzgesetz, indem der Staat den Schutz der Tiere zu seiner Sache gemacht hat. Zumindestens auf dem Papier-nur Kosten darf es nichts. Tierärzte haben die Umsetzung des Tierschutzes auf ihre Fahnen geschrieben- und die mir bekannten , niedergelassenen Tierärzte tun alles, was in ihrer Macht steht: helfen! Sie bleiben alle auf ihren Kosten sitzen, wenn Igel, Waschbär, Eichhörnchen, Vögel und Co. in Not sind. Mensch sein, heißt human sein. Das sollte man auch von der Politik erwartenn. Aber das nur am Rande.
Übrigens hatte der Förster zwei Tage früher am Giessener Ring schon einen Jungschwan gefangen, der nicht hoch fliegen konnte. Das noch unerfahrene Tier hatte sich beim Starten an den Füßen verletzt oder aber war zu niedrig geflogen und in den Sog eines LKW geraten. Herrn Dr. Busche hat diesen Schwan behandelt und der nette Förster hat ihn an eine sichere Stelle gefahren, wo er gefahrlos in die Freiheit flog.
An dieser Stellen möchte ich der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr einmal ein dickes DANKE sagen, die immer zur Stelle ist, wenn Tiere in Not sind. Auf dem Wasser, auf dem Eis oder Katzen in hohen Bäumen.

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Kommentare zum Beitrag

Christiane Pausch
5.636
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 29.07.2010 um 16:42 Uhr
Ach du liebe Zeit ,schlimme Sache und ich bin empört,dass sich die Unitierklinik für nicht zuständig hält bzw. noch nicht mal geeignetes Personal zur Stelle hat!!Ich kann Dir nur zustimmen und finde auch,dass es eine Pflicht ist einem verletztem Tier unentgeltlich zu helfen,sonst lassen demnächst die Passanten die Tiere in der Ecke elendig "verrecken" anders kann man es ja nicht ausdrücken!!
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 29.07.2010 um 23:28 Uhr
Hilfe für verletzte und verwaiste Wildtiere ist ein schwieriges und komplexes Thema. Nicht immer ist Hilfe tatsächlich sinnvoll oder möglich. Beispielsweise hat sich bei div. Feuerwehreinsätzen (z. B. bei vereisten Wasservögeln an der Lahn im vorvergangenen Winter) gezeigt, dass es manchmal gar nicht möglich ist, die Tiere einzufangen. Bedenkt man den Stress, den sie dabei haben, wenn sie aufgeriffen, transportiert werden usw. mag das auch ein Faktor sein, der entweder zu einem Aufbäumen mit letzter Kraft oder zum sofortigen Tod führen kann.

Die Vogelklinik hat einen Notdienst, der außerhalb der Geschäftszeiten per Handy erreichbar ist, die Nummer steht auf der Homepage. Dass aber andere Abteilungen der Klinik nicht in der Lage sind, den Kontakt zu vermitteln verwundert mich. In Gießen gibt es den Verein zur Förderung der Vogelmedizin, der dazu da ist, die Kosten für die Pflege aufgegriffener Wildvögel zu aufzubringen. Aber wie alle Gelder sind auch diese irgendwo begrenzt. Man muss abwägen, ob einem Tier mit vertretbarem Aufwand geholfen werden kann und ob es auch künftig zu Arterhaltung beitragen kann.

Sicherlich gibt es eine moralische Verpflichtung, verletzten Tieren zu helfen, insbesondere natürlich dann, wenn das Tier durch menschliche Einwirkung erst zu Schaden gekommen ist. Aber andererseits sind Wildtiere nunmal Teil der Natur (Tiere werden auch mal "einfach so" krank, verletzten sich bei Revierkämfen oder sterben an Altersschwäche, nur meisens bekommen wir Menschen das nicht mit) und herrenlos. Sie gehören rein rechtlich niemandem, und auch wenn der Tierschutz eine staatliche Aufgabe ist, verpflichtet das (leider) noch nicht dazu, finanzielle Mittel locker zu machen. Das sieht man ja auch in jedem Jahr an den mittelhessischen Vogelpflegestationen, wo Privatleute mit ihrem eigenen Geld und unbeschreiblichem Zeitaufwand eine Menge an Klein- und Großvögeln oder anderen Wildtieren aufpäppeln, aufziehen und auswildern. Gerade in diesem Jahr quellen die Vogelpflegestationen vor jungen Mauerseglern über, die in der Hitzeperiode zu früh aus ihren Nestern gesprungen sind.

Mich würde mal interessieren, was der Schwan denn überhaupt hatte, weshalb man ihn eingefangen hat.

PS: Mit Vögeln IMMER zu einem vogelkundigen Tierarzt gehen, die Klein- und Großtierärzte kennen oft genug die Anatomie oder die Dosierung für Medikamente nicht genau genug.
Nicole Kocaoglu Schmidt
710
Nicole Kocaoglu Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 30.07.2010 um 22:41 Uhr
Der Schwan wurde zur Obduktion gegeben, dass Ergebnis steht noch aus.

Eine Notdienstnummer nur auf eine Homepage zu schreiben, zeigt mir wie sehr man bemüht ist den Notdienst auszuüben!!!!!!!!!!
Natürlich hat jeder, der Abends in die Klinik fährt, seinen Computer dabei, um sich auf der Homepage zu informieren.
Die Begründung, dass man, wie es für eine Klinik Pflicht ist, keinen 24-Stunden-Dienst bereit zustellen ist eine ganz andere. Man ist ja keine Klinik sondern ein Institut.
Das der diensthabende Tierarzt der Chirugie, das Tier abgelehnt hat, ist in meinen Augen ein klarer Verstoß gegen die Klinikvorschriften.
Eine Klinik muß 24 Stunden erreichbar sein und auch dienstbereit. Dies ist gesetzlich so vorgeschrieben, sonst darf man sich nicht Klinik nennen. Leute abzuweisen, mit dem Kommentar "Gehen Sie mal zu einem niedergelassenen Tierarzt" ist gelinde gesagt eine Frechheit.

Dieser Fall wird den Chef der Chirugie noch beschäftigen, denn so geht es einfach nicht.
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 11.08.2010 um 08:28 Uhr
Wie ich zwischenzeitlich auf anderem Wege erfahren habe, war es wohl ein Fall von Botulismus. Auch andere Wasservögel am Schwanenteich verendeten daran. Das passiert, wenn sich in den flachen Teichen das Wasser zu stark erwärmt und der Sauerstoff knapp wird. Bakterien vermehren sich und vergiften die Vögel und andere Tiere. Gründe sind hier wohl der geringe Wasserstand der Wieseck, der defekte Sprudler im Teich und dass wohl noch immer zu viel mit Brot etc. gefüttert wird.
Nicole Kocaoglu Schmidt
710
Nicole Kocaoglu Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 11.08.2010 um 10:53 Uhr
Ja das stimmt.
Leider war mein Internet lahmgelegt und ich konnte den weiteren Verlauf nicht mehr berichten.
Man kann nur hoffen, dass endlich einmal eine gründliche "Sanierung" der Teiche erfolgt.
Man weiss um die Problematik im Sommer, aber einen Sprudler zu reparieren scheint schon zu viel verlangt zu sein.
Vielleicht geschieht ja im Zuge der anstehenden Landesgartenschau etwas.
Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.
Christiane Pausch
5.636
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 11.08.2010 um 12:55 Uhr
Das ist schon mal ein Grund warum ich nicht mit Brot oder ähnlichem füttere.Ist nicht mal der See vor Jahren der See deshalb "umgekippt"??
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Ilse Toth

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