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Markante Wetter - und Witterungsereignisse im Jahr 2019

Dämmerungsstrahlen mit Schattenwurf
Dämmerungsstrahlen mit Schattenwurf
Heuchelheim | Auch 2019 war wieder ein besonders warmes Jahr.
Alle Monate, außer dem Mai, lagen vielfach deutlich bis extrem über den Mittelwerten.
Der Winter fand praktisch überhaupt nicht statt. Er beschränkte sich auf wenige Tage nach Mitte Januar wo die Temperaturen tatsächlich auf starke Frostgrade von knapp unter minus 10 Grad gefallen sind.
Der Februar verlief zunächst überwiegend mild. Im letzten Drittel wurde es ausserordentlich warm. So stieg das Quecksilber am 26. Februar auf fast 20 Grad.
An diesem Tage wurden die höchsten Februartemperaturen seit dem Jahr 1900 gemessen in weiten Teilen Hessens.
Frühere Rekorde nach den Unterlagen des Verfassers, die bis 1971 zurückreichen, wurden im Jahr 1990 mit rund 17 Grad gemessen und somit deutlich überboten.
Auffallend war im Januar und Februar auch die erneute große Niederschlagsarmut, wie sie in den letzten 10 Jahren wiederholt aufgetreten war.
Im März wurde es dann etwas feuchter. Aber die fehlende Winterfnässe konnte nicht ausgeglichen werden.
Dazu blieb es größtenteils recht mild. Nachtfröste traten nur vereinzelt auf.
Der April trumpfte erneut mit reichlich Sonnenschein und vor allem in der Monatsmitte mit beständiger Sommerwitterung auf.
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Bis zum 1. Mai blieb es überwiegend sonnig und die Trockenheit zeigte erste Auswirkungen.
Am 2. Mai folgte aber erstmals seit Monaten ein Übergang zu deutlich kälterer Witterung mit einzelnen Nachtfrösten.
So blieben Schäden an der Vegetation nicht aus.
Die ersten drei Wochen im Mai waren so kühl, das man bis zum Jahr 1991 zurückgehen muss, um ähnlich tiefe Temperaturen zu finden.
Aber die letzte Maidekade wurde schliesslich wieder warm; konnte den Ausgleich aber nicht mehr bewirken.

Der Juni startete jedoch alsbald mit hochsommerlicher Witterung voll durch.
Eine beispiellose Hitzeglocke trieb die Temperaturen zum Monatsende auf neue Rekordwerte von bis zu 38 Grad.
Zumindest wurden in weiten Teilen Hessens ehemalige Rekorde von 1947 und 2002 überboten.
Im Mittel wurde nun ein neuer Maximalwert erreicht.
Der Juni 2003 galt bislang als wärmster. Nun tritt der Juni 2019 auf Platz 1. Mit fast 21 Grad lag die Mitteltemperatur um fast 4 K! über dem Mittel von 1971 bis 2000 und rund 3 K über der Bezugsperiode 1981 bis 2010.
Im Juli dann ein ähnliches Bild:
Die ersten drei Wochen waren sogar völlig normal. Und ein Kuriosum brachte sogar mit einem Minimum von 4,4 Grad C die kälteste Julinacht seit 1984.
Winter 2019: Nur in den Hochlagen des Berglandes
Winter 2019: Nur in den Hochlagen des Berglandes
Das letzte Drittel allerdings lieferte uns erneut eine gnadenlose Hitzewelle mit unglaublichen Thermometerständen.
Der 25. Juli 2019 geht daher mit Maxima von 37 bis 42 Grad in die Wettergeschichte ein.
Waren 40 Grad bisher meist lokal begrenzt; so traten jetzt in weiten Teilen NW-Deutschlands und der Mitte verbreitet Höchstwerte von über 40 Grad auf.
Seit Beginn amtlicher Wetteraufzeichnungen ist eine solche Hitzeglocke noch nicht registriert worden.
Neben der Trockenheit fehlten aber auch die Unwetter nicht.
So wurde der Westkreis am 12. Juli von einem schweren Gewitter mit Starkregen, Hagel
und sogar einer @)"Echten" Tornadobildung im Raum Wetzlar/Naunheim erfasst.
In weniger als einer halben Stunde fielen z.B. in Heuchelheim 44 mm Regen. Weitere Gewitterlinien folgten und schliesslich kam die beeindruckende Tagssumme von 62 mm heraus.

Ähnlich wie der Witterungsverlauf von Mai bis Juli, war auch der August: Die ersten beiden Dekaden fast unauffällig; das letzte Drittel erneut anhaltende Hitze mit fast täglich deutlich über 30 Grad.
Am 18. August wurden Teile des südlichen Rheinmaingebietes von einem verheerenden Orkanunwetter heimgesucht.
Die Infrastruktur kollabierte. Eine sogenannte Superzelle lies ganze Waldgebiete zerstören, zerfetzte Rollladen und Fensterscheiben unter Einwirkung von Orkanböen und Großhagel.
Mächtig aufgetürmt: Wie ein Gebirge, erscheint diese Gewitterwolke über der Wetterau
Mächtig aufgetürmt: Wie ein Gebirge, erscheint diese Gewitterwolke über der Wetterau
Auch der heimische Raum wurde am 29. August von einem lokalen aber heftigen Gewittersturm erfasst.
In einer Viertelstunde fielen knapp 20 mm Regen, Zusammen mit Sturmböen aus SE. Vereinzelt wurden Sturmschäden festgestellt.
Der September verlief unspektakulär. Er war normal warm und brachte einige moderate Niederschläge.
Insgesamt fehlte aber das Wasser in den Binnengewässern.
Seit zwei Jahren schon der Normalfall!
Der Oktober verlief relativ warm und brachte in der ersten Monatshälfte recht ergiebige Regenfälle, welche die große Trockenheit allmählich abschwächte.
Der November war typisch grau, relativ mild und auch wieder verhältnismäßig trocken.
Der Dezember verlief, abgesehen von ein paar kurzen winterlich angehauchten Intervallen, durchgehend frühlingshaft mild.
Die letzten Tage im Jahr 2019 wurden noch sonnig und relativ kalt mit deutlich stärkeren Nachtfrösten bis um minus 5 Grad.
Immerhin traten vor allem in der ersten Hälfte wiederholte Niederschläge auf, die seit langer Zeit die Pegelstände der Gewässer erhöhten.
Das Jahr 2019 wird in den Niederungen Hessens mit einer Mitteltemperatur von 11 bis 11,5°C abschliessen.
Um dies richtig einschätzen zu können, hier mal ein Vergleich zu den kältesten Jahren seit 1900:

Die kältesten Jahre waren in Hessen 1940, 1956 und 1962/63.
Damals errechnete sich eine Jahresmitteltemperatur jeweils von 7 bis 8°C für Lagen unterhalb von ca. 300 Meter ü.NN
Das kälteste Jahr, nach Unterlagen des Verfassers, war 1979 mit einem Mittelwert von 7,7°C.
2019 bilanziert abschliessend mit einer Durchschnittstemperatur von 11,2°C. Somit wurde in hiesiger Region das drittwärmste Jahr seit 1971 registriert.
Beim Niederschlag wird 2019 mit nun 631 mm der Mittelwert von 659 mm knapp verfehlt.
Alle Messwerte beziehen sich auf einen Messpunkt in der Gemeinde Heuchelheim bei Giessen.

Dämmerungsstrahlen mit Schattenwurf 1
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Hagelschäden des Unwetters am 12. Juli
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Hagelansammlungen am 12. Juli in Heuchelheim
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Kommentare zum Beitrag

Friedel Steinmueller
3.879
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 16.12.2019 um 11:57 Uhr
@ "Echter Tornado" deswegen, weil der Begriff oft missdeutet wird.
Große Sturmschäden bei Gewittern rühren meistens von sogenannten Fallwinden her. In der Fachsprache auch "Microburst" - wenn es ganz lokal auftritt, oder "Macroburst" genannt, wenn eine ganze Region davon betroffen ist. Diese können die gleichen Zerstörungskräfte wie echte Tornados zur Folge haben. Schwere Orkanböen von bis zu mehr als 200 km/h sind möglich.

Das Schadensbild kann aber darüber Aufschluss geben, ob es sich entweder um einen Fallwind oder um einen Tornado handelte.
So hinterläßt ein Tornado z.B. auf freiem Feld den typischen spiralförmigen Abdruck.
Das war bei dem Naunheimer Tornado sehr gut zu sehen.
Wolfgang Heuser
8.435
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 25.12.2019 um 10:35 Uhr
Gut darüber berichtet, es war schon ein extremes Jahr, wenn man das so liest. Aber auch regional recht unterschiedlich, speziell was die Auswirkung der Gewitter anbetraf!
Andrea Mey
10.948
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 28.12.2019 um 17:40 Uhr
Ein sehr interessanter und ausführlicher Bericht über das Wetterjahr 2019.
Es war recht turbulent und wir hatten viele Möglichkeiten, Wetterchasing zu fahren.
Die Hitzewellen im Sommer waren unerträglich, zum Glück von nicht allzu langer Dauer, da sie immer wieder unterbrochen wurden.
Weiße Weihnachten ist doch längst ein Mythos...
Ich war als Kind immer sehr enttäuscht wenn es an Weihnachten geschneit hat denn dann konnte meine Tante, die in RLP lebt, nicht zu Besuch kommen...
Friedel Steinmueller
3.879
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 28.12.2019 um 18:21 Uhr
Ja - es gibt immer Gewinner und Verlierer! Auch beim Wetter.
In den 60er Jahren hatten wir hier eine Serie von Weißen Weihnachten.
Von 1961 bis 1964 und danach 1968 und 1969 waren die Feiertage weiß.
1970 war wohl eines der schönsten Weihnachten. Durchweg sonnig bei Schneedecke und Dauerfrost in allen Höhenlagen.
1967 kann sich der Verfasser noch erinnern, war es frühlingshaft mild und es gab starke Regenfälle mit Hochwasser.
Danach wurden Weiße Weihnachten immer seltener.
1981, 1986 und später 2010 gab es zum Teil reichlich Schnee.
Andrea Mey
10.948
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 29.12.2019 um 00:08 Uhr
Da ich Jahrgang 1965 bin kann ich mich an die von Dir geschilderten Weiße Weihnachten nicht erinnern.
Es dürfte zur Jahreswende Anfang der 70er Jahre gewesen sein, da kann ich mich an einen Spaziergang mit meiner lieben Oma erinnern und da lag recht viel Schnee.
Friedel Steinmueller
3.879
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 29.12.2019 um 08:58 Uhr
@Andrea!
Anfang der 70er Jahre?
Dann muss es Weihnachten 1970 gewesen sein.
Damals lag reichlich Schnee von Weihnachten bis Mitte Januar 1971.
Und dann war lange Geduld angesagt. Erst 1981 gab es wieder weisse Weihnacht. 1978 lag an Heiligabend etwas Schnee. Anschliessend wurde es sehr mild mit viel Regen und Hochwasser, bis dann am 30. Dezember 1978 die legendäre Arktische Kältewelle Europa lahm legte.
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von:  Friedel Steinmueller

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Friedel Steinmueller
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