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Gegen das Vergessen- 17. Juni 1953, Panzer rollen gegen streikende Arbeiter

Heuchelheim | Nicht vielen Menschen sagt der 17. Juni 1953 etwas. Dabei ist dieser Tag ein Tag, den man wirklich nicht vergessen sollte. Nachdem die junge DDR unter Walter Ulbricht kaum noch die Kosten für Aufbau und Reparationsleistungen stemmen konnte kam es zu Aufständen. Bereits 1952 wurde der Mittelstand der DDR , also kleine Geschäftsleute, Bauern oder Handwerker für die missliche Lage von Regierungsseite verantwortlich gemacht. Sollten sie doch lieber in den volkseigenen Betrieben arbeiten. Es kam zu Enteignung und Verhaftungen. In den Gefängnissen der Staatssicherheit wurden die Chefetage des Mittelstandes weich geklopft. Im Frühjahr 1953 fehlte es an allem. Selbst die Grundnahrungsmittel wurden durch Lebensmittelmarken so weit runterreduziert, das der Mensch in der DDR 1953 nur die halbe Menge an Fleisch und Fett der Vorkriegszeit zur Verfügung hatte. Selbst Obst und Gemüse gab es nicht in ausreichender Menge. Um die steigenden Kosten irgendwie zahlen zu können hatte die Regierung Ulbrich die tolle Idee der Normen Erhöhung. Das war nichts anderes als eine Lohnkürzung auf Befehl des Arbeiterstaates. Die Unzufriedenheit
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der Arbeiter im Arbeiterstaat blieb der Sowjetunion nicht verborgen. Die Regierung Ulbricht musste nach Moskau und sich erklären. Am 11. Juni kam der „Neue Kurs“ des Politbüros. Steuer- und Preiserhöhungen mussten Rückgängig gemacht werden. Mittelbauern bekamen ihre zuvor konfiszierten Landmaschinen zurück. Handwerker, Einzelhändler und private Industriebetriebe konnten die Rückgabe ihrer Geschäfte und Betriebe beantragen. Alle Verhaftungen und Urteile sollten überprüft werden. Abschaltungen des elektrischen Stromes erfolgten nicht mehr. Die Arbeitsnormerhöhung blieb bestehen. Einige politische Gefangenen wurden nicht wie angekündigt frei gelassen. Jetzt gingen die Arbeiter für Ihre ehemaligen Chefs und für die Rücknahme der Normerhöhung auf die Straße. Schnell kamen weiter Forderungen dazu. Freie Wahlen und der Rücktritt der Regierung waren Forderungen. Am Dienstag dem 16. Juni, kam es an zwei Berliner Großbaustellen zu ersten Arbeitsniederlegungen der jungen DDR. Am Morgen des 17. Juni traten mit Beginn der Frühschicht die Arbeiter vor allen der großen Betriebe in den Streik. Demonstrationszüge formierten sich. Schwerpunkte der Demos lagen in Berlin, Halle, Leipzig, Magdeburg und Dresden. Es wurden Gefängnisse gestürmt und politische Gefangene befreit. Polizeistationen und Ämter wurden angegriffen. Die Demonstrationen blieben nicht friedlich. Staatssicherheitsmitarbeiter wurden verprügelt, gedemütigt und auch erschlagen.
Die DDR-Regierung flüchtete unter den Schutz der sowjetischen Behörden. Über den Rundfunk der DDR wurde die Rücknahme der Normerhöhung verkündet. Man erklärte, dass der Aufstand von Faschisten angezettelt wurde um die sowjetisch besetzte Zone zu destabilisieren. Ein hilfloser Versuch die Masse zu beschwichtigen. Im Arbeiter und Bauernstaat streikten die Arbeiter und Bauern und das nicht gerade friedlich.
Die sowjetischen Behörden reagierten mit der Verhängung des Ausnahmezustands. Sie übernahm die Regierung und sendete 16 sowjetische Divisionen mit etwa 20.000 Soldaten gegen die Demonstranten. Mit dem Eintreffen der Panzer verloren die Demonstranten Ihren Mut. Es folgte eine Verhaftungswelle, Todesurteile, Arbeitslager. Urteile über insgesamt 1.526 Angeklagte.
Ein Tag den wir nicht vergessen dürfen!

Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
29.022
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 09.06.2019 um 20:37 Uhr
" War der 17. Juni nicht lange der Tag der Deutschen Einheit " bis er den "Kohl Gedächtnistag 3. Oktober" unbegreiflicherweise weichen musste:-(
Nicole Freeman
10.761
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 09.06.2019 um 20:44 Uhr
So ist es Peter.
Ingrid Wittich
20.936
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 10.06.2019 um 10:59 Uhr
Sehr gute Lektüre um diesen Tag nicht zu vergessen ist:
"Der Tag X" von Titus Müller.
Ralf Praschak
923
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 17.06.2019 um 11:03 Uhr
Hier auch mit Bewegtbild:
https://twitter.com/RegSprecher/status/1140542981646237697
Stefan Walther
4.848
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.06.2019 um 08:22 Uhr
Ja, wichtiges Thema, nicht vergessen - und - genau analysieren was damals geschehen ist.
Sehr zu empfehlen in diesem Zusammenhang ( ausnahmsweise mal Quelle wikipedia :-))
https://de.wikipedia.org/wiki/5_Tage_im_Juni

Zitat aus der Einleitung des Buches:
( zitiert aus dem Statut der SED )
"Das Parteimitglied ist verpflichtet...die Selbstkritik und Kritik von unten zu entwickeln, furchtlos Mängel in der Arbeit aufzudecken und sich für ihre Beseitigung einzusetzen; gegen Schönfärberei und die Neigung, sich an Erfolgen in der Arbeit zu berauschen, gegen jeden Versuch, die Kritik zu unterdrücken und sie durch Beschönigung und Lobhudelei zu ersetzen..."
H. Peter Herold
29.022
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.06.2019 um 13:40 Uhr
Der Tag spielt im Bewusstsein der Deutschen nicht die Rolle die er spielen sollte.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Nicole Freeman

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Nicole Freeman
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