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08. Dezember 1978: Der Glatteis-Freitag

Eisregen: Bäume überzogen mit einer Eisschicht
Eisregen: Bäume überzogen mit einer Eisschicht
Heuchelheim | Heute werfen wir einen Blick in die für ein Menschenleben schon weite zurückliegende Wettervergangenheit:

Vor 40 Jahren - es war der 8. Dezember 1978 und ein Freitag -gab es eine spektakuläre Wetterlage über weiten Gebieten Mitteleuropas.

Was war geschehen?
Der Winter fing damals schon recht früh ca. Ende November an.
Eine eisige Frostperiode nahm ihren Verlauf.
Ab dem 4. Dezember herrschte Bilderbuchwetter bei fast wolkenlosem Himmel und klirrender Kälte.
Die Temperaturen lagen auch am Tage meist deutlich unter dem Gefrierpunkt und sackten in den klaren, oft windstillen Nächten rasch auf Werte zwischen minus 8 und minus 13, stellenweise sogar bis minus 15 Grad ab.
Da keine Schneedecke vorhanden war, konnte der Frost schon tief ins Erdreich eindringen.
Ein nun anstehender Wetterumschlag wurde damals sehr gut vorhergesagt.
Bereits am Mittwoch dem 6. Dezember wurde von den Wetterdiensten auf eine brisante anstehende Glatteislage vorgewarnt. Und sie sollte kommen.
Auf der Vorderseite eines umfangreichen Tiefkomplexes über dem Atlantik stieß sehr milde Luft subtropischen Ursprungs nach Mitteleuropa vor.
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Doch da Warmluft leichter ist, konnte diese Luftmasse zunächst nicht bis in die unteren Schichten vordringen und glitt über die bodennahe sehr kalte Frostluft auf.
In den frühen Morgenstunden war es noch meist klar und um minus 10 Grad kalt. doch bald machte sich der Wolkenaufzug einer Warmfront aus Südwesten bemerkbar.
Gegen 11 Uhr setzte Regen ein, während die Temperaturen noch immer bei minus 5 Grad lagen.
Zusammen mit dem tiefgekühlten Erdboden, bildete sich sofort Glatteis. Schon nach einer halben Stunde ging auf den Straßen so gut wie nix mehr. Man konnte richtig dabei zusehen, wie die Räder nach und nach zum Stillstand gekommen sind.
Straßen, Gehwege, die Vegetation, ja die ganze Landschaft lagen am Abend unter einer gut 2 bis 3 cm dicken glasklaren Eisschicht. Dies ergab optisch ein gespenstisches Szenario.
Zwar stiegen die Temperaturen bis Mitternacht langsam weiter an, überschritten aber erst am Samstag morgen den Gefrierpunkt deutlich; sehr verhalten taute der Eispanzer langsam auf und die Glatteislage entspannte sich im Verlaufe des Wochenendes.
Inzwischen hatte sich auch die milde Meeresluft aufgrund des nun auffrischenden Windes bis in die unteren Luftschichten durchgesetzt.

Fazit:
Eine aus meteorologischer Sichtweise her hochinteressante Lage; doch für nicht wenige war das kein guter Start ins Wochenende.
So kam es in Folge dieser ungewöhnlich stark ausgeprägten Glatteislage zu einem exorbitanten Anstieg von Unfällen.
Meist blieb es bei Blechschäden. Aber viele Passanten stürzten und es gab Verletzungen in Form von Prellungen und Knochenbrüchen. Die Notaufnahme-Stationen hatten alle Hände voll zu tun.
Auch der Verfasser fiel an diesem Tage dreimal zu Boden; seine "Gräten" blieben jedoch unversehrt.

Ende Dezember 1978 kam die nächste, wesentlich größere Kalamität:
Eine extreme Kältewelle aus Nordeuropa setzte sich in Richtung Mitteleuropa in Bewegung und brachte zum Jahreswechsel die große legendäre Schneekatastrophe.
Mehr dazu in einem separaten Bericht.

Bilder habe ich leider keine von diesem 8. Dezember.
Deswegen hier als Titelfoto ein Bild von einer ähnlichen Lage in Rheinland Pfalz im Januar 1982

Frage an die älteren GZ-Mitglieder:
Wer kann sich noch an diesen denkwürdigen Freitag erinnern?

Kommentare zum Beitrag

Michael Peters
173
Michael Peters aus Heuchelheim schrieb am 08.12.2018 um 22:39 Uhr
An diesem Freitag war ich auf einem Lehrgang in Rotenburg/Fulda, der wegen der Wetterlage am späten Vormittag beendet wurde. Die Heimfahrt war unproblematisch bis zur Ringabfahrt am Autohaus Süd. Da war ein Getränke-LKW umgestürzt. Von dort bis Kinzenbach habe ich dann über zwei Stunden gebraucht.
Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 10.12.2018 um 12:02 Uhr
Ich war zu dieser Zeit zwar schon voll aufnahmefähig, da ich aus dem Kindesalter heraus war, aber ich kann mich daran leider nicht mehr erinnern.
Dafür lese ich um so lieber solche Erzählungen aus der Vergangenheit. Danke für diesen Beitrag.
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