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Wolfgang Plüschke: Wirtschaftsmensch und Menschenfreund

Wolfgang Plüschke.
Wolfgang Plüschke.
Heuchelheim | Wirklich zum Verzweifeln bringt ihn eigentlich nur der Schachcomputer, gegen den Wolfgang Plüschke gerne antritt; dessen Logik er zwar nachvollziehen kann, gegen den er aber mehr verliert als gewinnt. Ansonsten steht der Heuchelheimer Bürgermeisterkandidat auf dem Standpunkt, dass sich mit Fleiß, einem absoluten Wollen und den richtigen Ideen eigentlich alles erreichen lasse. Man muss lernen dürfen etwas gut zu können. Das spiegelt sich auch beim Blick auf seine Vita: Der gelernte Maschinenschlosser hat auf dem 2. Bildungsweg sein Fachabitur nachgeholt, um auf der Gießener Ingenieursschule 1969 bis 1972 Energie- und Wärmetechnik zu studieren. Dann war er Dipl.-Ingenieur und konnte ganz neue Wege beschreiten. Unter anderem arbeitete der heute 57 jährige für Buderus in Wetzlar, war angestellter Geschäftsführer in Wettenberg, einige Zeit selbständig und ist seit 2004 bei der Firma Loos International Vertriebsbeauftragter für Hessen. Mittlerweile plant Bosch die Übernahme seines Arbeitgebers. Dann wäre er als „Energiemensch“ auch wieder beruflich in heimatlichen Gefilden (bei Buderus) angekommen.
Er ist also
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ein Mann der Wirtschaft und darin sieht er auch seinen großen Vorteil. Er gehe politische Fragen mit einem anderen Ansatz an. Aber natürlich denkt er auch in politischen Dimensionen, sei schon immer ein politischer Mensch gewesen. Und ein guter Freund, selbst SPD-Mitglied, hatte ihn schließlich aufgefordert, aktiv zu werden. Das wurde er auch; aber nicht in der SPD. Er tritt in Heuchelheim als unabhängiger Kandidat an. Er stamme aus einem sozialdemokratisch eingestellten Haushalt, war als junger Mann Asta- und Gewerkschafts-Mitglied, aber irgendwann habe er sich in der Politik der SPD nicht mehr wiedererkannt. Außerdem sei er als freier Kandidat nur seinem Gewissen verpflichtet. Kommunalpolitik ist für ihn Politik für die Menschen und an deren Ansprüche möchte sich Plüschke orientieren. Auch hier leuchtet der Mann aus der Wirtschaft durch: Er sehe sich – wie auch in seinem Beruf – als Dienstleister. Die Menschen seien seine Kunden. Die Frage, warum er sich zu dieser Kandidatur entschlossen habe, bringt einen weiteren Aspekt zum Vorschein: Plüschke weiß, was er kann und er wolle einen Teil seiner hohen Qualifikationen an die Gesellschaft zurückgeben.
Dieses Engagement bedeutet aber auch, Opfer zu bringen. Über die Frage nach dem letzten freien Wochenende muss er länger nachdenken, als über die meisten anderen. Nach einigem Grübeln mit gerunzelter Stirn glaubt er, dass das „bestimmt ein Jahr her sein muss.“ Aber er und seine Familie sind an solche Phasen gewöhnt. Er habe als Bewerber mit bereits erwachsenen Kindern etwas mehr Spielraum: „Familiengründung oder berufliche Karriere sind bei mir bereits erledigt“ und außerdem begleite ihn seine Frau zu vielen Terminen. Zuletzt gelesen hat er Frank Schätzings „Der Schwarm“, aber zum Lesen komme er seit einiger Zeit kaum noch.
Die folgenden Sätze vervollständigte er so:
Die Eintracht Frankfurt bleibt in der Ersten Liga und das ist „sehr gut so!“. Ich lebe in Mittelhessen, weil „es hier zentral und lebenswert ist. Ich schätze das sehr.“ Deutschland sucht den Superstar – ich suche „die interessante neue Aufgabe.“ Wenn ich nicht der wäre, der ich bin, wäre ich „ein 3-Sterne-Koch geworden. Aber als ich einen Beruf wählen musste, zeichneten sich für den Koch keine gute berufliche Perspektive ab.“
Wann waren Sie zuletzt ...
... im Heimatmuseum? „Am letzten Sonntag.“
... im Stadttheater Gießen? „Vor etwa drei Jahren.“
... an den Lahnauen? „Im Winter, gemeinsam mit meinem 7-jährigen Enkel auf der Eisbahn.“
... auf dem Dünsberg? „Ständig, meine Frau und ich sind Mitglieder im Dünsberg-Verein.“

Das ist aber nicht sein einziges Vereinsengagement. Er ist außerdem in Bieber im Sportverein – er ist leidenschaftlicher Tennisspieler – und im Obst- und Gartenverein engagiert. Sollte er Bürgermeister in Heuchelheim werden, wird er sich auch dort in den Vereinen einbringen, aber eines wird er vorerst nicht tun: Er wird nicht sofort dort hin ziehen. Denkt aber darüber nach vielleicht ein Nullenergiehaus auf der Bölz zu bauen oder eine Eigentumswohnung in einem generationsübergreifenden Wohnmodell zu erwerben. In Bieber ist er aber familiär sehr stark eingebunden. Die eine Tochter wohnt im selben Haus, die andere schräg gegenüber. So könne er jeden Tag seine Enkel sehen. Hier zeigt sich der Familienmensch:“ Das alles möchte ich nur ungern aufgegeben und dem Beruf opfern!“
Aber für die Zukunft Heuchelheims hat er Pläne:
Besonderen Wert legt er auf eine aktive Bürgerbeteiligung. Bei seinen Hausbesuchen habe er immer wieder gehört, dass die Bevölkerung durchaus daran interessiert sei, sich aktiv einzubringen, aber durch die derzeitigen Strukturen seien die Menschen entwöhnt. Er werde Kommissionen und Beiräte zu den vorerst vier Bereichen Senioren, Umwelt und Energie, Jugend und Soziales einsetzen, geschulte Moderatoren sollen das Ganze lenken und so die Bürgerbeteiligung irgendwann zum Selbstläufer werden lassen.
Auch das Thema Energie habe er sich auf die Fahnen geschrieben. Aber anders, als manche denken: Er wolle keinen Windpark errichten, sonder er wolle autark werden durch Biogasanlagen, Holzvergasungsanlagen - immer verbunden mit Blockheizkraftwerken und Nahwärmeversorgungssystemen. Er gibt aber zu, dass die Gelder für diese Projekte und einen angedachten Netzrückkauf noch nicht da seien. Er sei auf der Suche nach intelligenten Lösungen und suche Modelle mit Versorgern und Investoren, die diese Projekte „ nach und nach gesund finanzieren und mittragen können.“ Genossenschaftlichen Lösungen steht er sehr aufgeschlossen gegenüber.
Außerdem soll Heuchelheim auch unter dem sozialen Aspekt ein lebenswerter Wohnort bleiben. Seine Forderung:“ Bildung muss kostenlos sein.“ Dazu gehört, Kindergartenplätze kostenlos zu machen, aber hier schränkt er ein:“ Das können die Kommunen nicht alleine regeln, da muss der Bund Vorgaben machen!“. Aber im Bereich der Jugendarbeit und der Vereinsförderung sieht er Handlungsbedarf. Er vertritt einen sehr „amerikanischen“ Ansatz: Die Menschen sollen sich nicht bequem zurücklehnen, sondern selbst aktiv werden. Plüschke denkt dabei an ein Punktesystem, welches einen Anreiz für Vereine bieten soll, sich einzubringen und auch um sich besser finanzieren zu können. Ihm ist dabei durchaus klar, dass es viele gibt, die sich zwar gern engagieren würden, aber gar keine Zeit dafür haben. Dem hält er entgegen, dass es aber auch genügend Menschen gebe, die viel Zeit hätten und diese Menschen möchte er einzubeziehen.
Doch wie kam der in Bieber wohnende Halbdäne – seine Mutter stammte aus Dänemark, sein Vater war Dresdner – eigentlich dazu, sich in Heuchelheim der Wahl zu stellen? Ganz einfach: Zum einen sei diese Frage an ihn heran getragen worden und zudem sei Heuchelheim eine „blitzsaubere, tolle Gemeinde mit erheblichen Entwicklungspotential.“ Wenn er sich für diese Firmen aussuchen dürfte, die sich im Gewerbegebiet ansiedeln sollten, nennt er die Optische Industrie und Mikrotechnik.
Gefragt nach seinem Traumland kommt als Antwort sofort Indien:“Da möchte ich unbedingt mal hin!“ und nach seinem Lieblingsland China. Sein Besuch dort habe ihm klar gemacht, wie falsch seine Einschätzung zu dem Land China vorher gewesen sei. Man müsse sich eben eine Meinung direkt vor Ort bilden. Er habe sehr nette Menschen dort getroffen, die unglaublich zielstrebig und fleißig ihre Ziele verfolgten. Denn wenn man etwas möchte ... Aber nicht alles lässt sich mit purem Wollen und Einsatz verwirklichen, auch bei Wolfgang Plüschke nicht: Da ist die Sache mit dem Singen: Er würde es gern können, aber dieser Wunsch wird sich wohl nicht mehr erfüllen. Dafür nennt er als seine größte Stärke die Gabe, mit Menschen umgehen zu können, schließlich sei er weltoffen erzogen worden und dieser Respekt vor den Menschen helfe ihm dabei.
Dann folgten noch einmal Sätze, die der Kandidat vervollständigt hat:
Säße er jetzt ...
... auf einem Zahnarztstuhl, „würde ich mir nur zum Bohren keine Spritze geben lassen.“ Bei einer Wurzelbehandlung sei aber das Ende seines Heldentums erreicht, räumt er ein.
... in der Kirche, „würde ich mir Gedanken über die Predigt machen und darüber, wie wir wieder mehr füreinander da sein können.“
... im Flugzeug nach New York, „würde ich entspannt die Aussicht genießen und mich auf New York freuen.“
... im Auto im Stau, „würde ich meinen Kopf einschalten und in Ruhe nachdenken. Granteln tu‘ ich nicht. Ich bin Vielfahrer und kann es mir gar nicht leisten, mich über Staus zu ärgern.“ Und das Wort Bürgermeister definiert er so:„Er ist Dienstleister und Sprachrohr der Bürger.“ Und die Nachricht, die ihn in den letzten Monaten besonders beeindruckt habe, sei die Wahl Barack Obamas gewesen. Und da ist er wieder – der Glaube und die Bestätigung, dass eigentlich alles möglich ist.

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