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Die Akelei, das Hexenkraut

Heuchelheim | Die Akelei dürfte den meisten aus dem heimischen Garten bekannt sein. Es gibt viele Zuchtarten, jedoch ist die Akelei in der freien Natur sehr stark gefährdet. Intensive Weidewirtschaft sowie das mehrfache Mähen der Wiesen haben die Akelei fast zum Aussterben gebracht. Extensive Beweidung, durch die eine Verbuschung verhindert wird, ist für das Überleben der Pflanze von großer Wichtigkeit. Die Weidetiere helfen auch bei der Verbreitung der Samen in diesem Gebiet. Die Akelei ist relativ anspruchsvoll. Besonders gern wächst sie in lichten Buchen- oder Eichenwäldern oder in der Nähe von Hecken, auf relativ trockenen Rasenflächen. Sie braucht Sonne, lockeren kalkhaltigen Boden und verträgt es nicht mehrfach gemäht oder gepflückt zu werden. Also bitte nur gucken, nicht pflücken oder gar ausgraben. Wildwachsende Akelei steht unter Naturschutz und ist stark gefährdet! Die wilde Akelei hat relativ groß, ca. 3 bis 5 cm Blüten. Sie sind meist blau, violett bis rosa. Die Blätter sind Schmutzabweisend (Lotuseffekt). Hummeln sind die Bestäuber unserer wilden Akelei. Nur die Hummeln mit langem Rüssel erreichen den Nektar.
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Manchmal kann man Bienen auf den Blüten sitzen sehen. Die haben meistens ein Loch in die Blüte gebissen, um auch an den Nektar zu kommen. Im Mittelalter wurde die Akelei als Heilpflanze bei Hauterkrankungen, Leberleiden und Läusen genutzt. Heute wird die Pflanze nur noch äußerlich angewandt, da die in ihr vorkommende Wirkstoffe Magnoflorin sowie einem Blausäure bildenden Glycosid für uns Menschen giftig sind. Wenn sie eine empfindliche Haut haben, kann selbst das Pflücken der wilden Akelei folgen haben. Die Pflanze enthält starke Reizgifte die ein brennen auf der Haut oder Rötungen auslösen können. Aus diesem Grund lassen die meisten Weidetiere die Akelei auch einfach stehen.

Die Akelei als Hexenkraut

In der nordischen Mythologie ist die Akelei der Fruchtbarkeitsgöttin Freya, der Göttin des Frühlings, des Glücks, der Liebe und der Lehrerin des Zaubers geweiht. Die Akelei galt als Symbol für Verführung und der Liebe. Ein Sträußchen Akelei unter dem Bett sollte für Kindersegen sorgen. Eine Räucherung des Schlafgemaches mit Akelei soll aphrodisierend wirken. Es soll die Sexualkraft stärken und positive Energien frei setzen. Die Blüte der Akelei, eingenäht in Kleidung soll die Frau unwiderstehlich machen. Man trug die Akelei auch in Schmuckstücken oder als aphrodisierendes Parfüm. 1613 schrieb Dr. Jakob Dietrich in seinem Kräuterbuch :

So einem Mann seine Krafft genommen
und durch Zauberey oder andere Hexenkunst, zu den ehelichen Werken unvermöglich worden war
der trinck stätig von dieser Wurtzel und dem Samen er genieset und kompt wieder zurecht.

Waschungen des Genitalbereiches mit Akelei sollte ebenso gegen Impotenz helfen.
Die Akelei, eine Wunderwaffe gegen alle bösen Zauber, die Liebenden Wiederfahren können.

In der christlichen Mythologie steht die Akelei für Bescheidenheit und Demut. Sie wird in der Kunst oft neben Maria gezeigt. Die gesenkten Blüten sollen an den in Demut gesenkten Kopf der betenden Maria erinnern. So kam die Akelei auch auf die Gräber unserer Toten. Als Heilpflanze wegen der Gifte sehr umstritten, als Hexenkraut noch heute genutzt und in der Kunst der großen Meister für uns dargestellt ist die Akelei vor allem eines, eine wunderschöne Blume. Eine Blume, die vom aussterben bedroht ist. Eine Blume, die es fast nur noch in unseren Gärten gibt. Eine Blume, die wir nur in ihrer Wildform erhalten können, wenn wir unsere Landschaft extensiv nutzen und der Natur Platz zum Leben geben. Noch gibt es die wilde Akelei im Naturschutzgebiet Gießener Bergerwerkswald. Bitte schaut sie euch nur an. Nicht aus der Natur entnehmen.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
27.108
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.05.2018 um 20:04 Uhr
Ich kenne die Akelei nur als üppig an Straßenrändern, Böschungen und Wakdwegen wachsend
Nicole Freeman
9.366
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 12.05.2018 um 20:18 Uhr
oh peter.
schau dir mal die bilder in den kirchen genauer an. die akelei ist in fast allen kirchen zu finden. meist zu füßen der jungfrau maria.
die wilde akelei auch wald akelei genannt ist sehr selten geworden. schön wenn es sie bei dir oft zu sehen gibt. dann wird selten mit pflanzenschutzmittel gearbeitet und die natur leben gelassen.
Wolfgang Heuser
7.377
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 13.05.2018 um 09:09 Uhr
Sehr gut beschrieben, wir haben sie auch schon lange in unserem Garten, da muss man nur aufpassen, das sie nicht überhand nimmt!
Birgit Hofmann-Scharf
10.232
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 13.05.2018 um 15:40 Uhr
Ja Herr Heuser, wenn man sie nicht gleich nach der Blüte zurück schneidet, vermehrt sie sich wie Unkraut - so auch in den hiesigen und unserem Garten. Ich mag sie sehr!
Birgit Hofmann-Scharf
10.232
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 13.05.2018 um 22:08 Uhr
Nicole, danke für den Beitrag!
Ilse Toth
36.112
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 14.05.2018 um 13:38 Uhr
Deine Berichte gefallen mir immer sehr gut. Ich mag diese Pflanze und freue mich, dass sie in unserem Garten auch beheimatet ist.
Nicole Freeman
9.366
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 16.05.2018 um 07:57 Uhr
Danke für die netten kommentare
Nicole Freeman
9.366
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 12.07.2018 um 09:10 Uhr
Mir ist ein Fehler unterlaufen. Danke an Arthur Händler der mich darauf aufmerksam gemacht hat. Er beschäftigt sich in seiner Masterthesis mit bedrohten Pflanzenarten und hat den Fundort und die Pflanze begutachtet. Die von mir gefundene Akelei ist vom Menschen eingebracht und eine Gartenform. Echte Akelei gibt es im Giessener Bergwerkswald und leider nicht mehr in der Lahnaue. Ich werde den Bericht korregieren. Vielen Dank nochmal für die Rückmeldung!!!
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von:  Nicole Freeman

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Nicole Freeman
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