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Ein Wetterrückblick auf das Jahr 2016, Teil 1

Wirbelnde Wolkenfetzen im Raum Kassel am 24. Juni verkünden ein schweres Unwetter
Wirbelnde Wolkenfetzen im Raum Kassel am 24. Juni verkünden ein schweres Unwetter
Heuchelheim | Das Jahr 2016 war eigentlich ein bemerkenswert ruhiges Wetterjahr. Schwere Stürme, stärkere Hochwasser und strenge Fröste blieben weitgehend aus. Auch Schnee war Mangelware und beschränkte sich auf homöopathisch dosierte Mengen.
Vor allem im Spätsommer wurde es extrem heiß, sonnig bei großer Trockenheit.
Mitten hinein in die lange Ruhephase platzte im Frühsommer eine Unwetterserie hinein, die weite Teile Mitteleuropas in Atem hielt und im Verlaufe auch unsere Region erwischte.

Die wesentlichen Ereignisse 2016 nach Monaten:

Januar:
Er war überwiegend mild, trübe und normal feucht.
Mitte Januar gab es eine kurzzeitige Winteroption mit einem herrlichen Mittelgebirgswinter. Oberhalb ca. 600 Meter herrschte gestochen scharfe Fernsicht und strahlender Sonnenschein bei einer stattlichen Schneedecke von 20 bis 25 cm; während in den Niederungen wenig oder gar kein Schnee anzutreffen war und diese in tagelangem Dauergrau lagen.
Die Temperaturen bewegten sich etliche Tage lang im Frostbereich. Nachts sank das Quecksilber erstmals seit Jahren wieder bis auf Werte um minus 10 Grad.

Februar:
Sehr mild
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folgenschwerste Unwetterserie im Frühsommer seit Jahrzehnten (1)
war das erste Monatsdrittel. An den "Tollen Tagen" brachten Tiefdruckwirbel namens "Ruszia" und "Susanna" etwas Unruhe hinein, so das in manchen Regionen die Fastnachtsumzüge aus Sicherheitsgründen abgesagt wurden. Die Stürme erwiesen sich im Nachhinein jedoch als eher harmlos. Meist blieb es bei stark auflebendem Wind mit vereinzelten Sturmböen. Dafür schüttete es vor allem in Richtung östlicher Mittelgebirgsraum am Fassenachtsdienstag wie aus Kübeln. Am Nachmittag bildete sich sogar eine Gewitterfront über Teilen Ost - und Südhessens.
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Vor 27 Jahren:
1990 wurden viele Fastnachtsumzüge bundesweit abgesagt, bzw. unterbrochen, da schwere Stürme mit Orkanböen wüteten und verheerende Verwüstungen zur Folge hatten.
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Nach Monatsmitte herrschte heuer meist trübes und regnerisches Wetter, wobei die Temperaturen sich langsam den jahreszeitlichen Normalwerten annäherten. Ein Wintereinbruch blieb jedoch völlig aus.

März:
Auch dieser Monat verlief zunächst unspektakulär. Leicht wechselhaft, eher wenig Regen und meist normal mild war der Ablauf. Freundliche und trübe Tage wechselten stetig einander ab.
Tobendes Wasser an den Rheinfällen in Neuhausen
Tobendes Wasser an den Rheinfällen in Neuhausen
An Ostern wurde es dann jedoch turbulent in der Atmosphäre. Erstmals seit vielen Wochen rauschte nun ein richtiges Sturmtief vom Atlantik heran und brachte am Ostermontag Nachmittags eine heftige Schauerlinie mit Sturmböen, Starkregen und etwas Hagel, begleitet sogar von Blitz und Donner.
Der Monat endete nass mit wiederholten Niederschlägen die in den Mittelgebirgen meist als Schnee fielen.

April:
In der Nacht zum 1. April regnete es bei zum Teil stark auflebendem Nordostwind kräftig. Der Regen war bis ins Flachland mit nassen Schneeflocken vermischt.
Die nun seit Wochen erstmals ergiebigen Niederschläge haben die Pegel der Flüsse deutlich anschwellen lassen. Es blieb jedoch bei einem moderaten Hochwasser ohne nennenswerten Folgen.
Mitte April war es oft freundlich und zeitweise auch recht mild bis warm. Nach dem 20. stieß nun hochreichende Meereskaltluft arktischen Ursprungs nach Mitteleuropa vor und lies die Temperaturen deutlich absinken.
Bei rasch wechselnder Bewölkung mit Sonnenschein, kam es vor allem tagsüber wiederholt zu kräftigen Schnee - und Graupelschauern. Vereinzelt entluden sich sogar Wintergewitter mit kurzzeitiger Schneedeckenbildung bis in tiefe Lagen.

wütende Gischtwolken an den Rheinfällen am 30. Juni
wütende Gischtwolken an den Rheinfällen am 30. Juni
Mai:
Bis über die Monatsmitte hinaus war es leicht unbeständig, meist normal warm und es fielen nur gelegentlich leichte Niederschläge - meist in Form von Schauern. Einen ersten Gewittertag bei sommerlichen Temperaturen gab es am 13. Mai.
Um den 25. Mai wurde nun die Weichen gestellt für die große Unwetterperiode.
Einen ersten Höhepunkt gab es am 27. Mai als erste Schwergewitter mit Hagel in Teilen Hessens wüteten.
In einigen Stadtteilen Wiesbadens mussten die Schneepflüge mobil gemacht werden, da sich ein ungeheuerlicher Hagelsturm entlud. Die Straßen waren vielfach 10 bis 20 cm hoch von Hagel bedeckt.
"Mehr Hagel im Mai als Schnee im Winter" - so konnte man dies beschreiben.
In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai zog dann ein Unwettertief auf ungewöhnlicher Zugbahn vom östlichen Alpenraum nach Nordnordwest und brachte in Süddeutschland verbreitet eine besonders schwere Unwetterlage, die sich in der Nacht bis über den Main hinaus nordwärts ausweitete, sich aber im Verlaufe deutlich abschwächte.
Für die Region in Mittelhessen erwies sich der nachfolgende gewittrige Landregen als ein Segen für die Natur nach langer Trockenheit; für die Menschen in Teilen Süddeutschlands hingegen endete dieser in einer Katastrophe.
Wir haben
Mitte Januar: Wintermärchen in den Mittelgebirgen
Mitte Januar: Wintermärchen in den Mittelgebirgen
Alle noch die Bilder der Verwüstungen mit Schwerpunkt im Raum Schwäbisch Gemünd in Baden Württemberg in Erinnerung, wo es in der Nähe besonders die Gemarkung rund um Braunsbach erwischte mit einer ungeheuerlichen Sturzflut, die sich hier durch den Ort wälzte und zu fast beispiellosen Schäden führte. In wenigen Stunden fielen in der Region mehr als 100 Liter Regenwasser auf einen qm - und somit weit mehr als normal in einem Mai.
Die Lage in Braunsbach hat sich bis zum Jahresende 2016 bei weitem noch nicht normalisiert. Überall sieht man noch die Spuren der Verwüstungen und der Alltag der Menschen ist bis zur Gegenwart auf den Kopf gestellt. Südlich des 50. Breitengrades führten viele Flüsse starkes Hochwasser.

Juni:
Es war ein Unwettermonat wie seit Jahrzehnten nicht dagewesen. In weiten Teilen Mitteleuropas war fast jeden Tag irgendwo "Die Wutz am Rasen!"
Von nun an überstürzten sich täglich die Unwettermeldungen. Es würde den Rahmen der Ausführungen sprengen hier alle Unwetter aufzulisten.
Vom 1. Juni bis 25. Juni ging es verbreitet richtig rund!
In der heimischen Region blieb es zunächst bei einzelnen Gewitterschauern und zwischendurch auch Landregen.
Am 5. Juni bildete sich über der nördlichen Wetterau ein schweres Unwetter. Es suchte vor allem die Region zwischen Bad Nauheim und Nidda heim.
Mammatuswolken nach Durchzug einer Schauerlinie
Mammatuswolken nach Durchzug einer Schauerlinie
Örtlich gingen bis zu 80 Liter Regen und Hagel je qm nieder und in Ostheim bei Butzbach bildete sich am Rande der mächtigen Gewitterwolke ein Tornado der hier für erhebliche Sachschäden sorgte.
Am 6. hat ein Wolkenbruch die Stadt Gießen unter Wasser gesetzt, während man in benachbarten Gemarkungen kaum etwas davon bemerkte.
In einer halben Stunde fielen zwischen 30 und 50 Liter Regewasser je qm.
Am 15. Juni überquerte eine Gewitterfront Teile Mittelhessens mit Sturmböen und etwas Hagel.
Mitte Juni wurde das Rheinmaingebiet fast täglich von heftigen Gewitterregen heimgesucht.
Am 24. folgte dann der Höhepunkt für die hiesige Region. Nach brütender Hitze entwickelte sich im Raum Limburg eine Gewitterzelle, die im Verlauf Kurs auf den Landkreis nahm. Gegen 14:30 Uhr wurde es von SW her dunkel und dann fegte ein heftiger Regen - und Hagelsturm über die Region. In kurzer Zeit fielen zwischen 30 und 35 mm; stellen weise noch mehr. Dazu kam Hagel bis zu 4 cm Korngröße, der zu erheblichen Schäden an der Vegetation und an Autodächern führte. Besonders schwer wurde die Region südlich von Gießen heimgesucht. Mancherorts wurden Rollläden vom Hagel durchschossen.
Stürmische Kaltfront am Ostermontag
Stürmische Kaltfront am Ostermontag
Es war in der Region das schwerste Unwetter seit mindestens dem 11. September und 24. August 2011.
Während auch in Heuchelheim Starkregen und Hagel für Schäden und Überflutungen sorgten, wurde z.B. Lollar nur gestreift. Hier blieb es - im Gegensatz zu den früheren Ereignissen - bei einem moderaten Gewitterschauer.
In der Nacht zum 25. Juni zog nochmals eine Gewitterfront von SE herauf und betraf vornehmlich den Ostkreis.
Dann kehrte endlich Ruhe ein. Nicht jedoch für die Menschen in Braunsbach oder in Simbach am Inn, die am Monatsanfang von einer verheerenden Flutwelle betroffen wurden.
Eine weitere Besonderheit dieses Unwetterjunis waren die vielen Tornados die beobachtet wurden.
Die meisten sind in Norddeutschland aufgetreten; aber auch im Gießener Landkreis kamen sie vor.

Selbstverständlich kam die Frage auf, ob und wann es eine derartige Unwetterserie schon einmal gegeben hatte. Dem Verfasser fiel es nicht schwer dies herauszufinden. Doch man muss schon lange Zeit zurückschauen, wann es vergleichbare Fälle im Frühsommer gegeben hatte: 1910 und 1931 sollen hier als Beispiel genannt werden. In diesen Jahren hielt die Unwetterserie bis in den Spätsommer hinein an.
Es kann also noch viel schlimmer kommen.
Trotz der vielen Unwetter war dieser Juni erheblich wärmer gegenüber dem Durchschnitt. An vielen Tagen herrschten hohe Temperaturen und drückende Schwüle. Besonders vom 22. bis 24. Juni wurde es richtig heiß mit Werten bis zu 34 Grad.

Aufgrund der ungewöhnlichen Regenperiode die auch weite Teile des Alpenraumes betraf, führte vor allem der Mittelrhein ein starkes Sommerhochwasser. Das hatte zur Folge, das sich ungeheuerliche Wassermassen die Rheinfälle zu Tal stürzten.
Es war das stärkste Hochwasser eines Sommerhalbjahres seit Pfingsten 1999 im Einzugsbereich des Mittelrheins. Der Bodensee hatte den höchsten Wasserstand seit Ende Mai 1999.

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Kommentare zum Beitrag

Andrea Mey
10.906
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 30.12.2016 um 22:12 Uhr
Immer wieder interessant, so ein Wetterrückblick!
Sehr schöne Fotos dazu!
Wolfgang Heuser
8.182
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 31.12.2016 um 10:20 Uhr
Sehr gut darüber geschrieben, es war eben auch ein Schaltjahr, ein interessanter Beitrag!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Friedel Steinmueller

von:  Friedel Steinmueller

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Interessensgebiet: Heuchelheim
Friedel Steinmueller
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