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Kultur- und Naturdenkmal -Stufenlinde in Oberursel-Weisskirchen

Heuchelheim | Für einen Geburtstagsbesuch hat es mich nach Oberursel-Weisskirchen gezogen. Abendessen in einem Lokal mit einem Namen, den ja viele Gaststätten haben,,zur Linde,, . Wir wanderten durch die Hochhäuser, hin zu mehrstöckigen Reihenhäuser bis wir im alten Ortskern von Oberursel-Weisskirchen ankamen. Aber was ich da sah hat mich dann umgehauen!
Da stand sie- Die Stufenlinde von Weisskirchen- !
Ein Stammumfang von fast 5 Meter. Äste die bis zu 12 Meter vom Stamm ragend und ihre Zweige in den Himmel strecken.
Ein Gigant! Ich habe zuvor noch nie solch einen Baum in Deutschland gesehen. Die Äste sind sehr dick und werden von einem Holzgerüst gestützt. Wenn dieser Baum in Blüte und Laub steht, muss es einfach ein wunderbares Blätterdach ergeben. Der mächtige Stamm war bereits teilweise hohl. Was wird dieser Baum wohl alles erlebt haben? Der Wirt bemerkte mein Interesse für den Baum. Bevor ich fragen konnte, bekam ich meine Antwort. Ja, der Baum ist über 800 Jahre alt und ein Naturdenkmal. Das war mal eine Gerichtslinde. Als ich ihn nach mehr Infos zum Baum bat, bekam ich eine Seite der alten Speisekarte in
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die Hand. Mit einem Lächeln sagte er, wenn ich die Seite wieder bekomme, dürfen sie damit arbeiten. Auf dieser Seite war zu lesen, dass die Linde ursprünglich direkt am Ufer der Urselbach stand. Als die Städte in der Zeit von Friedrich II immer mehr Rechte bekamen, darunter auch das Recht Gericht zu halten, suchte man einen Ort aus an dem möglichst viele Menschen dem Gericht beiwohnen konnten. In Weisskirchen war es die Linde in der Mitte des Ortes. Die Linde kann einiges aus der Geschichte des Ortes erzählen. So war sie bereits ein stattlicher Baum, als die von einem Blitzschlag zerstörte Johanneskirche im 14.Jahrhundert wiederaufgebaut wurde. Damals konnten sich ihre Äste noch ungehindert ausbreiten. Als Anfang des 18. Jahrhundert das Fachwerkhaus indem heute der Gasthof ,,Zur Linde,, sich befindet gebaut wurde, musste ein Teil des Geästes weichen. Linde und Gasthof sind tief in der Geschichte Weisskirchens verankert. Am Silverstertag 1893 wurde der Gesangverein ,,Germania,, unter den starken Ästen gegründet. 1889 der Turnverein, 1909 der Geflügelzuchtverein und 1952 folgte der ,, Club Geselligkeit Humor Weisskirchen. Draußen plätscherte der Urselbach und an manchen Sommernächten spielte die Musikkapelle zum Tanz unter der Linde auf.
Der Zahn der Zeit hat auch vor diesem alten Baum nicht haltgemacht. Irgendwann wurde der hohle Stamm mit Mauerwerk aufgefüllt, was dem Baum eher schadete statt nützte. Durch die angesammelte Feuchtigkeit wurde der Baum von Schimmel befallen. In den 50 Jahren wurde eine holländische Firma als Baumdoktor beauftragt. Die Mauer wurde eingerissen und der Stamm mit einem Schutzanstrich versehen. Auch die heutigen Umweltbelastungen machen vor der Linde nicht hat, so der Wirt. Die Blätter zur Straßenseite werden im Hochsommer schnell braun aber der Baum lebt. Nachdem ihr natürlicher Wasserspender, der Urselbach 1925 in Rohre verlegt wurde, bekommt die Linde nur noch etwas Wasser über den überdeckten Bachlauf des Mühlenbaches. In trockenen Sommer muss die Linde zusätzlich bewässert werden. Natürlich war ich neugierig, was ich wohl beim Denkmalschutz über den Baum erfahren könnte. Leider war Oberursel-Weisskirchen noch nicht im Internet aufgeführt. Also habe ich dort angerufen. Dipl.-Ing. Wenzel Bratner vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen Abteilung Gartendenkmalpflege war so nett mir einen Auszug aus der
Denkmaltopografie des Hochtaunuskreises zur Linde am Wirtshaus "Zur Linde" in Oberursel-Weißkirchen zu senden. Dort ist zu erfahren, dass diese Linde eben nicht nur Naturdenkmal ist, sondern auch als Kulturdenkmal geführt ist.
Das zeigt deutlich, wie wichtig dieser Baum für die Ortsgeschichte ist. In der Denkmaltopografie ist der Baum wie folgt beschrieben:
Im Hof steht eine ca 800 Jahre alte Stufenlinde mit Ausladendem, Bizarrem wuchs (Naturdenkmal). Gerichtslinde stand früher vermutlich mal auf Gemeindegrund.
Mich hat der Baum beim ersten Anschauen so begeistern, dass ich ihn mir einmal im Sommer ansehen muss!
Leider war es schon dunkel und meine Kamera macht im Dunklen keine schönen Aufnahmen. Aus diesem Grund habe ich den Link zum Biergarten einfach mal dazugegeben.
http://www.zur-linde-oberursel.de/bildergalerien.htm

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.848
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.03.2015 um 23:27 Uhr
Schöner Biergarten. Wenn es geht würde ich den im Sommer gerne mal besuchen.
Klaus Viehmann
1.364
Klaus Viehmann aus Hüttenberg schrieb am 06.03.2015 um 09:50 Uhr
Sehr Informativer Bericht, diese Linde kannte ich noch nicht, es gibt ja noch mehr solcher alter Linden zum Beispiel in Aßlar- Oberlemp. Wir haben in Hüttenberg auch zwei Winterlinden, diese sind aber erst ca. 200 Jahre alt.
Angelika Petri
1.834
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 06.03.2015 um 11:30 Uhr
da hast du ja eine hochinteressante Geschichte im warsten Sinne des Wortes ausgegraben!...
der Baum - die Linde - ich hab mir da Panaoramabild angesehen ist wunderschön, mächtig und erhaben wie ein Schloß, eine Trutzburg das übers Land weit hinaussieht....
und das Alter?!!!!!!! wouww......fast unglaublich wie alt doch ein Baum werden kann....
Nicole Freeman
10.704
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 06.03.2015 um 11:57 Uhr
ich stand da im hof und schaute nur diesen baum an. allein diese langen aeste die den gesamten garten umfassen. man verweilt einfach und huldigt diesem alten giganten.
Birgit Hofmann-Scharf
10.361
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 06.03.2015 um 15:14 Uhr
Das ist wieder einmal sehr interessant ! Danke auch für den link, so kann man sich ein Bild von dem Natur-Denkmal machen - so geht es doch auch ( ohne Kettensäge )
Hallo Lieber Leser
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