Gießen | Ich wandre in der Fremde,
Der Abend dunkelt sehr,
Mich schmerzen meine Füße,
Das Herze wird mir schwer.
So finster diese Berge,
So düster dieses Thal,
So fremde diese Menschen,
Sie grüßen kaum einmal.
Die Straße nimmt kein Ende,
Schon frag' ich sorgenvoll,
Wo ich heut‘ Abend ruhen,
Heut Nacht mich bergen soll.
Da plötzlich tönt im Thale
Die Abendglocke fromm,
Und beut mir in ...
Gießen | Ausgedehnt von riesigen Gesichten,
hell vom Feuerschein aus dem Verlauf
der Gerichte, die ihn nie vernichten,
sind die Augen, schauend unter dichten
Brauen. Und in seinem Innern richten
sich schon wieder Worte auf,
nicht die seinen (denn was wären seine
und wie schonend waren sie vertan)
andre, harte: Eisenstücke, Steine,
die er schmelzen muß wie ein Vulkan,
um sie in dem Ausbruch ...
Gießen | Es sind die Sonnen und Planeten, alle,
Die hehren Lebensspender in der Welt,
Die Liebeslichter in der Tempelhalle
Der Gottheit, die sie aus dem Herzen schwellt.
Nur Liebe sind sie, tief zur Kraft gedichtet,
Ihr Lichtruf ist urmächtig angespannt,
Er ist als Lebensschwall ins All gerichtet,
Was er erreicht, ist an den Tag gebannt!
Ein Liebesband hält die Natur verkettet;
Die ...
Gießen | Auf dem Berge steh' ich einsam,
In die Ferne schau' ich aus.
Unter mir im grünen Thale
Leuchtet manches helle Haus.
Aber meiner Sehnsucht Flamme
Grüßt kein Haus im nahen Thal.
Weit und weiter zu den fernen
Bergen strebt mein Blick zumal.
Weit und weiter über jene Blauen
Berge schweift mein Sinn.
Dort in einer Hütte waltet
Meines Herzens Königin.
Weit im Osten, weit im ...
Gießen | Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
"Er kam, er kam ja immer noch",
Die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: "Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai."
O schüttle ...
Gießen | Herbstende, Winter, Frühlingsschlamm und Regen,
Euch stillen Zeiten schlägt mein Herz entgegen,
Der kalte Dämmer eures Nebelgrau s
Umhüllt wie Bahrtuch mich und Totenhaus.
Wenn eisige Winde durch die Ebnen fegen,
Die Wetterfahnen kreischend sich bewegen,
Dann breitet, wilder als im Lenzgebraus,
Die Seele ihren Rabenfittich aus.
Denn nichts ist süsser für ein Herz voll Trauer,
Auf das ...
Gießen | War einst ein Mann, im Wollen,
Voll starker Zuversicht.
Dem nichts hat glücken sollen;
Er wollt', und konnte nicht.
So wollt' er Bücher schreiben,
Auf Ehr' und Ruhm erpicht.
Doch mußt' er's lassen bleiben;
Er wollt', und konnte nicht.
Zur Leier möcht' er singen
Ein göttliches Gedicht.
Die Saiten thäten springen,
Er wollt', und konnte nicht.
D'rauf wollt' er sich verlieben,
Man ...
Gießen | Sagt, sagt mir wo der Frühling wohnt?
Wo ist des Lenzes Haus?
Alljährlich zieht im Wonnemond
Der Wandervogel aus,
Und keiner weiß, woher er flog,
Und keiner weiß, wohin er zog?
Wo ist er nur zu Haus?
Wo Freude wohnt und heitrer Sinn,
Wo keine Stirne kraus,
Wo Jugend herrscht als Königin,
Bei Tanz und Spiel und Schmaus;
Wo heitre Kunst sich froh bewegt,
Wo himmelan die Herzen ...
Gießen | Die Faulheit
Fleiß und Arbeit lob ich nicht.
Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.
Ja, der Bauer selber spricht,
Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
Faul zu sein, sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.
Bruder, laß das Buch voll Staub.
Willst du länger mit ihm wachen?
Morgen bist du selber Staub!
Laß uns faul in allen Sachen,
Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
Nur nicht faul zur ...
Gießen | Der Schmerz ist ein Schmied.
Sein Hammer ist hart;
Von fliegenden Flammen
Ist heiss sein Heerd;
Seinen Blasebalg bläht
Ein stossender Sturm
Von wilden Gewalten.
Er hämmert die Herzen
Und schweisst sie mit schweren
Und harten Hieben
Zu festem Gefüge.
Gut, gut schmiedet der Schmerz.
Kein Sturm zerstört,
Kein Frost zerfrisst,
Kein Rost zerreisst,
Was der Schmerz ...
Gedichte
Gedichte, mit und ohne Bild sind hier willkommen.
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