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Windkraft braucht Wind

Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einem Entwurf aus 2012 zum Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 16 - mit Teilen der Legende und zur besseren Erklärung vom Autor des Artikels eingefügten Erläuterungen
Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einem Entwurf aus 2012 zum Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 16 - mit Teilen der Legende und zur besseren Erklärung vom Autor des Artikels eingefügten Erläuterungen
Grünberg | Warum man Windräder errichten will, ist allseits bekannt. Es geht ums Klima, eine nachhaltige Energieversorgung und nicht zuletzt ums Geld, das man damit einnehmen möchte.
Einige gute Gründe, die gegen einen Bau sprechen, gibt es ebenfalls, jedoch soll der Wind selbst Leitthema dieses Artikels sein.
Eine Tatsache ist unstrittig: Windkraftanlagen benötigen eine bestimmte Mindestwindstärke, um überhaupt elektrischen Strom erzeugen zu können.
Ein sich nur recht langsam drehendes Windrad erzeugt noch keinen Strom oder nur zwischen 0,1 und 10 Prozent der vom Hersteller angegebenen Nennleistung (Maximalleistung).
Diese Tatsache lässt sich recht einfach an den von den Herstellern im Internet veröffentlichten Kenndaten zu den Windkraftanlagen ableiten.
Auch werden die gewünschten Ziele nicht erreicht, wenn der Wind dort wo die Mühle steht, nur wenige Tage im Jahr ausreichend stark weht.
Die häufig werbewirksam eingesetzte Aussage, dass man zukünftig mit einem Windrad bzw. Windpark X Haushalte versorgen wird, ist schlichtweg eine Lüge, denn wenn der Wind gerade nicht will, wird kein einziger Haushalt damit versorgt.
Oft wird diese Zahl X anhand der Nennleistung des Windrades errechnet. Die Nennleistung wird jedoch selbst an windstärkeren Orten nur sporadisch erreicht. Dadurch wird eine solche Lüge noch dreister.
Im deutschen Binnenland südlich von Hannover bewegen sich die Windverhältnisse allgemein auf einem Niveau, in dem die Windräder bestenfalls etwa 20 Prozent der Strommenge ernten, die die eingesetzten Generatoren theoretisch zu erzeugen vermögen, wenn denn der Wind stetig und genügend stark wehen würde.

Nun sollten wir Bürger davon ausgehen, dass die von uns gewählten Volksvertreter Beschlüsse im Sinne des Gemeinwohles fassen und die untergeordneten Behörden auch entsprechend planen und entscheiden.

Die für den Raum Grünberg und Laubach zuständige Planungs- und Genehmigungsbehörde ist das Regierungspräsidium (RP) Gießen.
Die Behörde setzt bei der Regionalplanung die Ziele des Landesentwicklungsplans (LEP) Hessen um.
Der LEP schreibt eine durchschnittliche Mindestwindgeschwindigkeit von 5,75m/s in 140m Höhe über Grund vor. Eine Windpotenzialkarte des TÜV SÜD ist dabei die vorgegebene Planungsgrundlage.
Zudem ist die Einbeziehung weiterer, durch aktuelle Messungen bestätigter Flächen laut LEP möglich.

Wenn man sich den Kartenauszug aus einem Entwurf des Teilregionalplans Energie von 2012 anschaut und mit der Karte des TÜV SÜD vergleicht, wird man feststellen, dass die Planungsbehörde seinerzeit korrekt gearbeitet hat.
Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einer Planungs- und Abwägungsgrundlage für den sich in Aufstellung befindlichen Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 11 - mit Teilen der Legende
Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einer Planungs- und Abwägungsgrundlage für den sich in Aufstellung befindlichen Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 11 - mit Teilen der Legende
Offensichtlich gab es zum damaligen Zeitpunkt keine aktuellen Messungen, die in diesem Ausschnitt eine vom Gutachten des TÜV SÜDs abweichende Windhöffigkeit hätten belegen können.
Im Frühjahr 2014 veröffentlichte das RP Gießen eine neue Karte zu einem aktuellen Planungsentwurf. Hier tauchen plötzlich neue Flächen auf, in denen nun vermeintlich die durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 5,75m/s erreicht oder gar überschritten wird (beschriftet mit den Kennzahlen 4402a, 4402b & 4115).
Da die genannten Vorgaben des LEP noch gelten, gibt es eigentlich nur die Erklärung, dass hier Messungen stattgefunden haben. Eine qualifizierte Messung erfordert die Errichtung eines hohen Mastes über den Zeitraum von mehreren Monaten - dies hätte die Bevölkerung wahrgenommen.
Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium stellte sich heraus, dass ein vom TÜV SÜD abweichendes Gutachten für diese Flächen vorliegt, welches in die Regionalplanung eingeflossen ist.
Die gemäß Landesentwicklungsplan erforderlichen Messungen sind nicht erfolgt.
Das Regierungspräsidium verweist auf die Drucksache VIII/45a. Gemäß dieser wurde von dem Ausschuss für Energie, Umwelt, ländlicher Raum und Infrastruktur der Regionalversammlung Mittelhessen beschlossen, dass auf Basis von vorliegenden örtlichen, qualitätsgesicherten Windgutachten die Ergebnisse der TÜV-Studie modifiziert werden könnten. Hier wurde mal eben beschlossen, dass man die Vorgabe des Landesentwicklungsplans umgehen kann.

Eine Anfrage an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, ob die Regionalversammlung hier einfach gegen den Landesentwicklungsplans handeln darf, wurde wie folgt beantwortet:
"Die Aussage im LEP [...] Einbeziehung weiterer, durch aktuelle Messungen bestätigter Flächen [...], bedeute nicht, dass zwingend auf jeder einzelnen Fläche Messungen durchgeführt werden müssten.
Es reiche eine enge räumliche Nähe mit ähnlichen topographischen Merkmalen ebenso aus [...] aber auch sogenannte Reanalysedaten [...] die das Wettergeschehen der Vergangenheit wiedergeben [...] Weitere geeignete Daten können zum Beispiel auch Betriebsergebnisse von Windenergieanlagen sein [...]." Zudem sei auch noch eine positive Qualitätsprüfung durch das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik erforderlich, um die Voraussetzungen des Landesentwicklungsplans zu erfüllen.

Da gemäß dem hessischen Umweltinformationsgesetz (HUIG) jede Person einen Anspruch auf freien Zugang zu Umweltinformationen hat, sollte man meinen, dass ein Windgutachten, welches in die Regionalplanung einfließt, für jedermann einsehbar wäre.
Die entsprechende Anfrage an das Regierungspräsidium, wurde wie folgt beantwortet:
"[...] das Windgutachten wurde von einem Privaten in Auftrag gegeben und hier eingereicht. Insofern können wir es nicht ohne dessen Zustimmung weitergeben. [...]"
Da es naheliegend war, welcher Private hier ein Interesse hat, dass Windkraftanlagen errichtet werden, wurde eine Anfrage an die Firma iTerra gestellt und wie folgt beantwortet:
"[...] sämtliche relevanten Informationen werden [...] im nächsten Planungsschritt, während des Genehmigungsverfahrens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus diesem Grund bitten wir um Verständnis, dass das Gutachten zu diesem Zeitpunkt nicht veröffentlicht wird. [...]"
Der Autor dieses Artikels stellt sich die Frage, ob man etwa befürchtet, dass dieses Gutachten anfechtbar sein könnte und man darauf hofft, dass es niemandem gelingt, dies innerhalb der Frist eines Genehmigungsverfahrens zu tun?

Unabhängig von diesem Versteckspiel bleibt festzuhalten, dass bei einer Realisierung des geplanten Projektes um Grünberg und Laubach ein nicht zu vernachlässigendes Risiko bleibt, dass statt der erhofften Gewinne nach 20 Jahren Betriebszeit ein großer finanzieller Verlust vorliegt.
Diese Meinung begründet sich wie folgt:
1. Die Windkraftanlagen sollen innerhalb von Wäldern errichtet werden.
2. Das Gutachten vom TÜV SÜD weist in den von iTerra geplanten Gebieten überwiegend Windgeschwindigkeiten von weniger als 5,75 m/s auf. Der TÜV SÜD selbst gibt in einem dem Gutachten zugehörigen Schreiben unter dem Punkt Genauigkeit und Unsicherheitsanalyse noch zu bedenken: Wald löst jedoch durch seine komplexe inhomogene Eigenschaft starke Verwirbelungen und Turbulenzen im und um den Wald herum aus. Diese führen in der Regel zu einer Windgeschwindigkeitsreduktion, die modellarisch im Windatlas nicht erfasst werden kann, da hierfür eine Einzelbetrachtung durchgeführt werden muss.
2. Aussagen aus den Reihen des Versorgungsunternehmens OVAG, also einem erfahrenen Windparkbetreiber:
"Nur bei mehr als 6,0 m/s rentiert sich eine Windkraftanlage. Die OVAG wird zukünftig nur noch bei einer nachgewiesenen Windgeschwindigkeit von mehr als 6 m/s Windkraftanlagen projektieren." Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit Windgutachten und Windkarten sieht Stefano Jardella (OVAG) viele Fehleinschätzungen auf diesem Gebiet. "Schon Abweichungen um 0,1 m/s können ein Projekt unwirtschaftlich machen."

Abschließendes Resümee des Verfassers dieses Artikels zu den Planungen der Windparks um Grünberg und Laubach:
Einzig ein geheimes, offensichtlich optimistischeres Gutachten als das des TÜV SÜD sorgt dafür, dass die Vorgaben des Landesentwicklungsplans erfüllt werden.
Die Treffsicherheit dieses geheimen Gutachtens entscheidet zudem darüber, ob das Projekt wirklich gewinnbringend oder eben verlustbehaftet sein wird. Aufgrund der Tatsache, dass offensichtlich keine Messungen direkt innerhalb der geplanten Flächen vorgenommen wurden, ist eine geringere real vorherrschende Windgeschwindigkeit nicht unwahrscheinlich - zumal ein anderes Gutachten zu diesem Schluss kommt.
Nur Messungen an Ort und Stelle könnten hier zu mehr Planungssicherheit führen.
Interessant ist natürlich auch die Frage, wer das unternehmerische Risiko trägt und wer bei einer Realisierung in jedem Fall auf der Gewinnerseite steht.

Ein Gewinn wäre sicher für:
Planer, Projektierer, Projektleiter, Repräsentanten, Vertriebsfachleute, Banken, Finanzierungsgesellschaften, Versicherungen, Steuerberater, Rechtsanwalt, Straßenbauunternehmen, Fundamenterbauer, Holz- und Forstwirtschaftler.
Gutachter streichen sicher schon während der Planungsphase ihren Gewinn ein.

Das Risiko tragen:
Betreiber und Eigentümer der Windkraftanlagen, sowie der Verpächter, der die Kosten für den Rückbau zu tragen hat, wenn die vom Pächter hinterlegte Sicherheit nicht ausreicht oder nicht mehr greifbar ist.
Da der Betreiber und Eigentümer der Windkraftanlagen erst ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme Einnahmen generieren kann, ist eine Vorfinanzierung der Bauarbeiten und Anlagen erforderlich. Menschen, die sich hier z.B. durch den Erwerb von Genussscheinen beteiligen, laufen Gefahr einen Totalausverlust ihres Investments zu erleiden.

Auch ist klar, dass Grünberg und Laubach keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn CO2-absorbierender Wald geopfert wird, jedoch aufgrund des fehlenden Windes nur sehr wenig Strom produziert werden kann. Ein Beitrag zur Energiewende mittels Windkraft kann auch nur dann erfolgen, wenn ausreichend Wind vorherrscht.

Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einem Entwurf aus 2012 zum Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 16 - mit Teilen der Legende und zur besseren Erklärung vom Autor des Artikels eingefügten Erläuterungen 1
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Quelle: Regierungspräsidium Gießen - Ausschnitt aus einer Planungs- und Abwägungsgrundlage für den sich in Aufstellung befindlichen Teilregionalplan Energie Mittelhessen - Windenergie - Karte 11 - mit Teilen der Legende
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Kommentare zum Beitrag

Dietmar Jürgens
1.252
Dietmar Jürgens aus Gießen schrieb am 11.07.2014 um 11:14 Uhr
Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel. Für mich ein weiterer Beleg dafür, dass "unsere Volksvertreter"' nur die Interessen eines kleinen Bevölkerungsanteils (= Clientel) vertreten und das Allgemeinwohl lediglich im Sprachgebrauch existiert, aber nicht in der Handlungsmaxime unserer Politiker.
Christian Momberger
11.097
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 12.07.2014 um 21:32 Uhr
Ja, Dietmar da ist was dran.
49
Hermann Dirr aus Grünberg schrieb am 20.07.2014 um 18:20 Uhr
Danke Heiko Schmidt für Deine hervorragende Recherche und dem tollen Beitrag. Windindustrie wird nie in der Lage sein, unser Land sicher mit Strom zu versorgen. Leider wird, so lange die EEG Subventionen herumgeschmissen werden und nicht in wirklich sinnvolle Projekte investiert werde, der Bau dieser Schwachsinnmaschinen nicht aufhören. Wenn Wind so leistungsfähig wäre, sollte man zuerst unsere mit Schweröl betriebene Berufsschiffahrt umstellen. Das würde einen Beitrag zur CO2 Belastung leisten. Die Menschen, die unsere Natur für die Energiegewinnung opfern, sollten wir schnellstens aus ihren Ämtern jagen.
Hartmut Roeschen
293
Hartmut Roeschen aus Hungen schrieb am 13.08.2014 um 18:48 Uhr
Was heißt denn "wirtschaftlich"? Nirgendwo ist dies definiert. Wenn z.B. der Strom nur 10 Cent/kWh kosten würde, dann würden auch 8 m/sec Windgeschwindigkeit für die "Wirtschaftlichkeit" nicht ausreichen. Und wenn er 30 Cent kosten würde, dann wäre ein Betrieb vielleicht auch bei nur 5 m/sec "wirtschaftlich".
Der Strompreis verändert sich, wird auf lange Sicht gesehen teurer. Insofern ist die Schlussfolgerung dieses Artikels, Windkraft sei "unwirtschaftlich" und deshalb unsinnig, falsch.
96
Heiko Schmidt aus Grünberg schrieb am 09.08.2015 um 22:30 Uhr
Natürlich kann man mit größeren Subventionen jeden Unsinn für die Profiteure selbiger in den Bereich der "Wirtschaftlichkeit" bringen.
Nur ist es eben nicht zielführend für die Allgemeinheit an windschwachen Orten Windräder zu errichten, wenn allzuoft kein Strom oder nur sehr wenig der angepriesenen Nennleistung ins Netz gespeist werden kann.

Ab und an mal mehr, meist jedoch wenig oder gar keinen Strom zu liefern bietet das Gegenteil von Versorgungssicherheit.

In Grünberg gilt das Gleiche was in nano (3sat) für Erlangen und Mainz aufgezeigt wird:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/179251/index.html

In Sachen Naturschutz sind fast alle gekauft bzw. werden bezahlt von denen die in jedem Falle profitieren - siehe dazu BUND (Beitrag in PLUSMINUS vom 05.08.2015):
http://youtu.be/BrYDGhtD0cc

Für das Projekt Grünberg/Laubach hat das Ingenieurbüro Meier & Weise im Auftrag des Projektierers ein Gutachten erstellt, welches belegen soll, dass es keine erheblichen Konflikte mit der Vogelwelt gibt.
Wen wundert es bei dem Auftraggeber, welches Ergebnis dabei heraus gekommen ist.
Bei der Vorstellung des Gutachtens in einer Ausschussitzung (BLUV) eines Grünberger Gremiums hatte ein Ausschussmitglied direkt einzuwenden, dass es den extrem gefährdeten Rotmilan eben entgegen dem Gutachten doch mehrfach bei Überflügen über dem Planungsgebiet im Wald beobachten konnte...
An die vom NABU im sogenannten neuen Helgoländer Papier festgelegten 1500m Abstand zu einem Horst von Rotmilanen, sieht sich der Gutachter nicht gebunden (bei Stockhausen ist definitiv ein Horst, welcher weniger als 1500m von einem geplanten Windrad entfernt ist).
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-energiewende/windenergie/06358.html

Nun zeigt sich aktuell, dass die von modernen Großwindanlagen abgestrahlten tiefen Schallfrequenzen vermutlich doch von sensiblen Menschen aufgenommen werden, was die Stadtväter den Bürgern einfach vorenthalten. Solange die zurzeit vermutlich unzureichenden Gesetze eingehalten werden, sieht die Mehrzahl unsere Volkvertreter scheinbar keinen Handlungsbedarf, zumal die meisten eben auch weiter weg von den Anlagen wohnen...
An ihre Kinder, die in die nahegelegene Theo-Koch-Schule gehen, haben die meisten wohl nicht gedacht...
http://www.deutschlandfunk.de/infraschall-der-mensch-hoert-tiefer-als-gedacht.676.de.html?dram:article_id=326569

Die Firma iTerra hatte seinerzeit großspurig angekündigt einen Genehmigungsantrag mit Öffentlichkeitsbeteiligung zu stellen.
Nun erfahren ich zufällig in einem Antwortschreiben eines Sachbearbeiters des RP Gießen, dass offensichtlich vor kurzem und klammheimlich ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren unter/mit Ausschluß der Öffentlichkeit angestoßen wurde:
[...] Als zuständiger Bearbeiter des mittlerweile eingegangenen immissionsschutzrechtlichen Antrags zu IGL-Nord der Stadt Grünberg ist mir derzeit eine kurzfristige Beantwortung Ihres Schreibens nicht möglich. [...]

Es gibt zwar ein HUIG (Hessisches Umweltinformationsgesetz)
[ https://rp-giessen.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMdI_15/RPGIE_Internet/med/fab/fab108d1-db0d-8711-aeb6-df144e9169fc,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true ], aber was nutzt das dem Bürger, wenn man keine zeitnahen Informationen bekommt und eine Genehmigung dann schon durch ist...
2.297
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 10.08.2015 um 09:34 Uhr
Bedeutet das, dass es nun gar keine Möglichkeit mehr gibt, rechtlich dagegen vorzugehen?
96
Heiko Schmidt aus Grünberg schrieb am 10.08.2015 um 21:07 Uhr
Die Bürgerinitiative Weickartshainer Gegenwind (http://www.gegenwind.weickartshain.com) ist aktuell unter Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe aktiv dabei alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.
Solange die Genehmigung noch nicht erteilt ist, gibt es sicher noch die Möglichkeit die Genehmigungsbehörde über Sachverhalte in Kenntnis zu setzen, welche einer Genehmigung entgegen stehen.
Die Gesetzeslage bevorteilt Genehmigungsantragssteller sehr deutlich und gibt betroffenen Bürgern wenig Möglichkeiten sich rechtlich zur Wehr zu setzen.
Bei verstößen gegen den Naturschutz, ist es dem deutschen Bürger erst gar nicht möglich zu klagen.
Klagerecht haben nur wenige anerkannte Naturschutzverbände.
Leider sind Gutachter, Anwälte usw. auch eine kostenspielige Angelegenheit.
Bleibt zu hoffen, dass der NABU hier jetzt aktiver ist, als er es in Rabenau war:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/104958/erstes-vogelschlagopfer-im-windpark-am-noll/

Recht zu haben und Recht zu bekommen, ist hier sicher nicht zuletzt eine finanzielle Frage.
2.297
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 11.08.2015 um 13:09 Uhr
Ich verstehe nicht viel von Technik und kann daher nicht beurteilen,wie sinnvoll oder rentabel dieses Projekt ist.
Mir fällt aber auf, dass immer häufiger auf die Möglichkeit eines
vereinfachten Genehmigungsverfahrens zurückgegriffen wird, um mögliche Bürgerproteste auszuhebeln, bevor die sich überhaupt richtig formieren können.
Laut Gesetz ist ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren immer
möglich, wenn es sich nicht um einen Sonderbau handelt.
Unter die Definition eines Sonderbaus fallen auch Industrieanlagen. Ist eine Windkraftanlage nicht eigentlich auch eine Industrieanlage?
Ich meine , in den meisten Fällen wird das vereinfachte Genehmigungsverfahren hauptsächlich angewandt, um den Investoren entgegenzukommen.
Dagegen müßte man sich wehren können!
96
Heiko Schmidt aus Grünberg schrieb am 26.08.2015 um 14:31 Uhr
Grundlage zur Genehmigung von Windkraftanlagen ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG):

Das Immissionsschutzrecht bietet zwei Verfahrensarten:

a) förmliches Genehmigungsverfahren (mit Öffentlichkeitsbeteiligung) nach § 10 BImSchG

b) vereinfachtes Genehmigungsverfahren (ohne Öffentlichkeitsbeteiligung, d.h. auch ohne Erörtertungstermin) nach § 19 BImSchG

Unter bestimmten Bedingungen ist "a" verpflichtend, meist genügt jedoch "b".
Ein Antragsteller kann jedoch immer freiwillig "a" wählen.

Der Projektierer (iTerra Wind) hatte in der Vergangenheit über Pressemitteilungen angekündigt freiweillig "a" zu wählen.
Ob nun wirklich "a" gewählt wurde, ist der Öffentlichkeit unbekannt.
Es bleibt zu vermuten, dass "b" gewählt wurde und nur eine Pseudoöffentlichkeitsbeteiligung stattfindet.

Die aktuellen Zeitungsartikel dazu (in der Allgemeinen & dem Anzeiger) lassen nicht erkennen, dass definitiv nach § 10 BImSchG beantragt wurde.
Meine diesbezüglichen Anfragen an das Regierungspräsidium (an den nun neu zuständigen Sachbearbeiter) blieben bisher unbeantwortet.

Der vormals zuständige Sachbearbeiter beim RP hat meine monatlichen Anfrage, ob denn Anträge für Grünberg/Laubach vorliegen, immer beantwortet
(bis Mai 2015) - bis dahin stets verneint.
Auf telefonische Nachfrage (am 30.07.2015) benannte er mir den für den nun offiziell eingegangenen Antrag zuständigen Sachbearbeiter.
Dieser Sachbearbeiter reagiert jedoch nicht auf meine Anfragen (bisher nur 2).

Von Bekannten erfuhr ich, dass er auf ihre Anfragen reagierte, jedoch keine Antworten zu den Fragen gab, stattdessen auf Formalien verweist.

Vermutlich hat dieser Sachbearbeiter entsprechende Vorgaben und handelt damit nur gemäß seinen Arbeitsanweisungen.

Wenn der Formalismus letztlich dazu führt, dass der "einfache" Bürger faktisch, um seine Rechte beraubt wird, dann haben wir offensichtlich keine Demokratie mehr!

Praktisches Beispiel dazu:
"Jemand" ist direkt von der gewünschten Baumaßnahme betroffen und hat nach geltendem Recht auch einen Anspruch einer Beteiligung an einem vereinfachten Genehmigungsverfahren.
Wenn die Genehmigungsbehörde nichts von diesem "Jemand" weiß und diesem aufgrund von verzögerndem Formalismus nicht die Chance gibt fristgerecht sein Recht zu erkennen und wahrzunehmen,
dann ist eine Genehmigung, so sie denn erteilt wird, wohl doch unter bedenklichen Umständen zustande gekommen!
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Herzlichst, Ihr(e) Heiko Schmidt

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