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Bericht zur Infoveranstaltung zum Thema Windkraft

von Heiko Schmidtam 10.03.20142356 mal gelesen1 Kommentar
Modell 1:100 - Dirk Hofmann
Modell 1:100 - Dirk Hofmann
Grünberg | WEICKARTSHAIN – Dr. Jörg Neudert eröffnete am vergangenen Donnerstag die Veranstaltung vor einem Publikum von etwa 150 interessierten Bürgern. Im August des vergangenen Jahres fand am selben Ort bereits eine Veranstaltung zum gleichen Thema statt. Bei der aktuellen Veranstaltung sorgten unter anderem neue Themenschwerpunkte und aktuellste Aspekte wieder für großes Interesse bei den Zuhörern.
Neudert erklärte, dass gemäß den Vorgaben des Landesentwicklungsplans (LEP) Hessen keine ausreichend große Fläche mit der geforderten Windgeschwindigkeit von min. 5,75 m/s in 140m in den geplanten Gebieten des Grünberger Stadtwaldes vorhanden ist. Der LEP erlaube jedoch u.U. trotzdem eine Zulassung dieser Flächen, allerdings nur dann wenn anhand aktueller Messungen eine ausreichende Windgeschwindigkeit nachgewiesen würde.
Die Planungsfirma iTerra hätte lediglich ein Gutachten vorzuweisen, welches die erforderliche Windgeschwindigkeit belegen soll. Das Gutachten beruhe nur auf Berechnungen; eine Messung vor Ort habe bisher nicht stattgefunden.
Scheinbar wolle man hier eine Gesetzeslücke nutzen und Anlagen errichten, ohne die gemäß Landesentwicklungsplan geforderte Windmessung zu machen.
Weiterhin führte Dr. Neudert solche Gesichtspunkte auf, die eindeutig gegen den Bau von Windkraftanlagen sprechen und andere die deutlich zeigen, dass die örtlichen Planungen vor allem eine Gewinnmaximierung auf Basis des aktuell geltenden Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) vorsehen.
Aufgrund des EEG würde der Strom von Anlagen in windschwachen Gebieten besonders hoch und zudem noch über einen längeren Zeitraum vergütet werden – im Vergleich zu Standorten mit besseren Windverhältnissen. Anlagen in „Schwachwind-Gebieten“ wären hinsichtlich des Euro-Ertrages die Lukrativsten, aber bezüglich des Energie-Ertrages die Unrentabelsten.
Letztlich müsse man sich auch die Frage stellen, welchen Nutzen die Grünberger Einwohner von den Windrädern haben. Gemäß des aktuell vorliegenden Vertragsentwurfs der Planungsfirma iTerra könne die Stadt Grünberg Einnahmen in Höhe von max. 10 € pro Einwohner und Jahr erwarten.
Angesichts dieser mageren Ausbeute und den gleichzeitig hinzunehmenden Nachteilen (Gesundheitsgefährdung durch Schallimmissionen, mögliche negative Folgen für Schüler und Lehrer der Theo-Koch-Schule in ca. 1300m Entfernung zu den Anlagen, Vernichtung von Wald- und Erholungsgebieten u.v.m.) stelle sich zwangsläufig die Frage „Ist es das wirklich wert?“.

ca. 150 Besucher beim Vortrag - Dipl. Ing. Ralf Schmidt referiert
ca. 150 Besucher beim Vortrag - Dipl. Ing. Ralf Schmidt referiert
Dirk Hofmann berichtete u.a. von einer Ausschusssitzung in Laubach.
Interessant war dabei zu erfahren, dass eine der Planungsfirmen in dem letzten Entwurf zum Nutzungsvertrag einen Rückbau der Fundamente nur bis drei Meter unter Bodenniveau zusichern wollte, obwohl ein Erlass der Landesregierung seit Langem die komplette Entfernung (bis zu 30 Meter Tiefe) vorschreibe. Dies würde nach Ablauf des Nutzungsvertrags eine Zusatzbelastung der Gemeinde in Millionenhöhe bedeuten. Der Vertreter der Planungsfirma hätte kurz zuvor versucht die Formulierung dieses Passus damit zu rechtfertigen, dass der Erlass erst vor kurzem gekommen wäre.
Es sei schon erstaunlich, wenn man weiterhin Vertrauen zu einem Geschäftspartner habe, der einen offensichtlich bewusst belogen hat, um seine Interessen durchzusetzen.
Selbst wenn nun ein fairer Vertrag unterzeichnet wird, so liege doch das Kostenrisiko des Rückbaus immer bei dem Eigentümer des Grundstücks. Eine Insolvenz des Betreibers genügt schon, um einen solchen Fall eintreten zu lassen. Herr Hofmann sprach hier ironisch von einem Jackpot.
Damit wäre auch klar, warum Betreiber Pacht zahlen, jedoch nie ein Grundstück erwerben wollen.

Baustelle Rabenau - Rodungen an einer Kurve
Baustelle Rabenau - Rodungen an einer Kurve
Nach der Vorführung des Films „Das geht uns alle an!“ berichtete Dipl. Ing. Ralf Schmidt von seinen persönlichen Erfahrungen mit einer Beteiligung an einem Bürgerwindpark in Betzenrod (Vogelsberg). Er war einmal ein Befürworter der Windkraft - seine Erfahrungen haben ihm jedoch die Erkenntnis gebracht, dass die Windkraft selbst in guten Lagen des Vogelsbergs nicht wirtschaftlich ist.
Der prognostizierte jährliche Ertrag wurde nur in einem einzigen Jahr erreicht.
In 3 von 7 Jahren lag der Ertrag ca. 30 Prozent unter den Erwartungen.
Im Schnitt erwirtschafteten die Anlagen nur 80 Prozent des erwarteten Ertrages.
Die Betriebs- und Instandhaltungskosten lagen meist weit über den dafür kalkulierten Kosten.
U.a. waren Blitzeinschläge, Getriebe- und Generatorschäden, Schäden an den Rotorblättern, Vogelschlag, Schäden an Mechanik, Hydraulik und Elektronik dafür verantwortlich, dass niemals Renditen ausgezahlt wurden.
Schmidt erläuterte eine Statistik, die aufzeigte, dass außer dem Turm und Fundament keines der Bauteile einer Windkraftanlage eine "Lebenserwartung" von 20 Jahren hat.
Rotorblätter, Getriebe, Generator, Bremsen, Hauptlager, Hydraulikanlage, Windnachführung, Steuerung und allgemeine
Baustelle Rabenau - Bau einer Panzerstraße für die vielen erforderlichen LKW-Transporte
Baustelle Rabenau - Bau einer Panzerstraße für die vielen erforderlichen LKW-Transporte
Elektronik haben eine durchschnittliche Lebensdauer von weniger als 8 Jahren. Nicht zuletzt seine persönliche Erfahrung zeigte ihm, dass Windenergieanlagen keine „Selbstläufer“, sondern komplexe und störanfällige Systeme sind. Weiterhin erklärte der Ingenieur, wer dennoch von Windkraftanlagen profitiert und dass überwiegend die privaten Stromverbraucher diese Profite finanzieren.
Im Anschluss wurden Fotografien von Baustellen zu Windkraftanlagen (u.a. Rabenau) gezeigt, um zu verdeutlichen wie der Grünberger Wald, bzw. das was übrig bliebe, demnächst aussehen könnte.

Die abschließende Diskussions- und Fragerunde zeigte durchweg eine positive Resonanz der Besucher. Ein Ingenieur unter den Besuchern lobte die sachliche und sehr informative Form der Veranstaltung.

Etwas bedauerlich war die Tatsache, dass nur sehr wenige der geladenen Grünberger Stadtverordneten den Weg zur Veranstaltung gefunden hatten und ein Teil der anwesenden Stadtverordneten die Veranstaltung schon frühzeitig verlassen hatte.

Modell 1:100 - Dirk Hofmann
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ca. 150 Besucher beim... 
Baustelle Rabenau - Rodungen an einer Kurve
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Baustelle Rabenau - vermutlich Kranstellfläche und Ort eines Fundaments
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Kommentare zum Beitrag

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Hermann Dirr aus Grünberg schrieb am 15.03.2014 um 15:33 Uhr
Danke an den Gegenwindlern-Weikartshain dieser tolle Infoveranstaltung und danke an Heiko Schmidt für diesen vortrefflichen Bericht dazu. Auf noch keiner Info-Veranstaltung zuvor sind die Nachteile der Windkraft mit den einhergehenden Landschaftszerstörung so gut, so sachlich und informell dem Publikum näher gebracht worden.
Ich hoffe die von den Windkraftanlagen bedrohten Bürgern wird nun mehr klar, wie sehr mit ihrer Landschaft umgegangen werden soll. Die schöne Natur um Laubach und Grünberg herum wird es so, wie sie derzeit noch ist, dann nicht mehr geben. Für was für einen Preis soll dieses alles geopfert werden? Damit sich einige wenige Menschen neue Einnahmequellen schaffen, die sich nur tragen, in dem Zwangsgelder eingetrieben werden. Neue Technik muss besser sein wie Alte. Nur so kann man eine Energiewende einläuten. So lange das nicht in Sicht ist, Windstrom und PV gehören nicht dazu, muss in die Forschung investiert werden und nicht in geldgeile Möchtegern Stromproduzenten. Sie können nur wetterabhängig Strom liefern. Kassieren aber im Gegenzug ohne mit den Augen zu zucken, Gelder für eine Ware ab, auch wenn diese nicht benötigt wird. Leider springen die Gemeinden auf diesen Zug auf und möchten sich auch auf ganz einfacher Weise, ohne Gegenleistung an dem Stromkunden gesund stoßen.
Deutschland wo sind wir gelandet, ich dachte die Menschen denken über ihren Kontostand hinaus, aber dem ist anscheinend nicht so.
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